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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-05-17 · 20 (17.5.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
20 (17.5.1935)
Date
1935-05-17
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seile 2 17. Mai 1935 nicht von heute auf morgen zeitigen; denn auch der seelische Hoden, in dem die Saat aufgellen soll, muH sorgfältig freigelegt werden. Ungeduldiges Vorwirtstreiben kann hier, wo es um das Zarteste geht, nur hemmen. Auch dieses Muhen erfordert seine Zeit. Nicht minder aber muH eine Aufnahmebereitschaft die Empfänglichkeit für die Lehre schaffen. Wer von vornherein mit hundert Bedenken und tausend Einschränkungen den Ausgang in Zweifel zieht, darf sich nicht wundem, wenn die Seele unberührt bleibt, wenn erst das katastrophale Erleben die Kruste bricht. Den Hauch des Religiösen wird aus der Lehre mir der verspüren, der sich willig ihrer Beeinflussung hingibt. In diesem Sinne ist Judentum lehrbar. In diesem Sinne mögen unsere Litern ihre Kinder lenken, damit sie in der jüdischen Schule und in der Religion8Schule die jüdische Lehre aufnehmen, die ihnen dort vermittelt wird. In diesem Sinne mögen sie mit ihrer Jugend zusammenstehen, wenn ihr in ihren Bünden das Tor in die jüdische I ehre hinein geöffnet wird. In diesem Sinne mögen sie selbst jüdische Belehrung suchen, wenn jüdisches Wissen ihnen mangelt, es ausweiten und vertiefen, um nie zu versagen. Dann werden sie an sieh verspüren: nicht umsonst wird Judentum gelehrt. C. Neben anderen neuerdings geschaffenen Hilfsmitteln für die erste Beschäftigung mit dem, was jeder Jude als Grundlage für jüdischen Lebensstil wissen sollte, sind jüngst zwei neue beachtliche Werke erschienen: Das jüdische ABC. Ein I Qhrer durch das jüdische Wissen. Herausgegeben von Emil Bernhard Cohn. Merlin 10j5 (Verlag I rwin Löwe.) Leo Hirsch, Praktische Judentumskunde. Line Einführung in die jüdische Wirklichkeit für jedermann. Berlin 1035 (Vortrupp-Verlag). Die beiden Bücher gehen an die gleiche Aufgabe von verschiedenem Standpunkt heran, wenn sie auch beide die gleiche Absicht verfolgen: Das jüdische ABC" ist nicht eigentlich ein Nachschlagebuch, wenn auch die ein/einen Stichworte alphabetisch geordnet sind. Es ist vielmehr daran gedacht, dall das Buch dem Drangen nach jüdischem Wissen gerade bei solchen Lesern entgegenkommt, denen „das ABC des jüdischen Wissens" mangelt. Hier findet die Jugend Stoff für Heimabende; hier wird dem Neuling in jüdischen Dingen Auskunft über jede wichtige Frage, die ihn beschäftigt. Und es darf, nach den Stichproben, den Mitarbeitern und 1 (eifern bescheinigt werden, dali es ihnen vortrefflich gelungen ist, das Wesentliche in klarer und anregender Form /u bieten. Durch geschichtliches und gegenwärtiges Judentum in den verschiedenen Ausstrahlungen, durch kulturejle und soziologische, religiöse und literarische Begriffe wird der Leser geführt und in alledem heimisch gemacht, was ihm als Juden vertraut sein sollte. Auch durch die treffliche Ausstattung und nicht zuletzt durch die gutgewählteu Abbildungen wird die Beschäftigung mit dem Buche besonders angenehm. Ganz anders ist die Anlage des Buches von Leo Hirsch. Es ist kein Handbuch sondern ein Lesebuch für das jüdische Haus. Es will dem, der, altfrommem Brauchtum entfremdet, einen Weg zurück in die Welt der Väter sucht, eine Stütze sein; lehrt ihn das jüdische Leben in seiner Fülle wieder kennen und verstehen. Am praktischen Beispiel wird gezeigt, wie das Judentum ausgeübt wird: von der Oeburt des Knaben und seiner Aufnahme in den Bund an, über die Hochzeitsbräuche und die Aufgabe der jüdischen Frau in der Ehe, über die Schabbatheiligung, die Lest- und Trauertage des jüdischen Jahres bis zum letzten Gehet und den Vorschriften für die Trauer um einen Verstorbenen. Die jüdische Wirklichkeit wird dargestellt, nicht bloli als Aufgabe, sondern als gelebtes Leben; nicht nur in der Vorschrift, sondern auch im Bericht; am Beispiel auf dem Untergrunde der Geschichte und mit Geschichten, Anekdoten, Legenden und Liedern, in einem Querschnitt durch die Fülle der jüdischen Jahrtausende. Es ist kein Lehrbuch alten Stiles, sondern heutigewige Lehre von jüdischer Wirklichkeit, spannend geschrieben, vielfach geradezu mit begeisterndem Schwung. Als besonderer Vorzug sei hervorgehoben, dall die wichtigsten Stücke der Liturgie in guter Obersetzung eingefügt sind, sodal! die Lebendigkeit dadurch außerordentlich gesteigert ist. Beide Bücher in ihrer Eigenart können denen warm empfohlen werden, die lernen wollen. Jüdische Zeitschau Zusammenschluß der jüdischen Kulturbünde in Deutschland. Der Jüdischen Telegraphen-Agentur geht die folgende Mitteilung zu: Am 27. und 28. April 1935 fand in Berlin im Beisein von Vertretern der staatlichen Behörden sowie je eines Delegierten der Rcichsvertretung dir deutschen Juden und des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin, eine l agung von l() Vertretern der in Deutschland bestehenden Kulturbünde und Vereinigungen ähnlicher Zielsetzung statt, um über einen Zusammenschluß1 der jüdisch kulturellen Organisationen in Deutschland zu beraten. Nach BegrüßungsWorten von Herrn Dr. Singer, der in grollen Zügen das Wesen, den Zweck und die Notwendigkeil einer Reichsorganisation der Kulturbünde schilderte, erläuterte Herr Staatskommissar Hinkel im Einvernehmen mit den Staatspolizeistellen die Zweckmäßigkeit der Errichtung einer solchen Organisation und beantwortete im Verlauf der Sitzung tragen, die :udem Kreis der Delegierten an ihn gestellt wurden. Ls wurden folgende Referate gehalten: Di. Kurt Singer: Die Notwendigkeit einer Zentralorganisation; Dr. Werner Levie: Wirtschaftliche und organisatorische Aufgaben der Rciclwirganisation, Dr. Heinrich Leviuger, Köln: Der Kulturbund im Reich und die Reichsorganisation; Dr. I riedrieh Brodnitz: Keichsorganisation und jüdische Öffentlichkeit. Nach anschließender eingehender Aussprache über alle in Betracht kommenden prinzipiellen Fragen beschloß die Versammlung einstimmig die Gründung des „Reichsverbandes der Judischen Kulturbünde in Deutschland mit dem Sitz in Berlin". Die Aufgabe dieses Verbandes besteht darin, auf Grumt organisatorischen Zusamhlusses aller jüdisch kulturellen Verbände, jedoch unter vollständiger Wahrung der Selbständigkeit der Kulturarbeit und der Ver- . eine wirksamere Förderung der gemeinsamen Ziele und eine einheitliche Vertretung gegenüber den zentralen Reichsbehörden zu n. Am folgenden Tage traten von der Versammlung gewählte Kommissionen zusammen, die über Fragen der Verfassung, der wirtschaftlichen Grundlagen, der Kulturarbeit berieten und die l i rehnisse ihrer Beratungen der Vallversammlung unterbreiteten. Auf Grund dieser Vorschläge wurde ein vorläufiger Satzungsentwiirl ii nora n< i und ein vorstand gewählt, bestehend aus: Intendant Dr. Kurt Singer, Berlin. Ministerialrat a.D. Dr. Otto Hirsch, Präsidialmitglied dei Reichsvertretung der deutschen Juden, Direkte* Heinrich Stahl, Vorsitzender dei Jüdischen Gemeinde Berlin, Dr. Wn ner Levie, Berlin. Direktor Adler, Stuttgart. Dr. Willy Cohn. Königsberg, Dr. S. Da\idsohn, Herford, ()berlandesgerichtsrat a.D. (iiuilci Frankel, Breslau, RA. Dr. Konrad GoldschmTdt, Leipzig, Dr. Goldsehmidt. I Limburg, RA. Dr. A. Hauff, Stettin. Dr. Kauffmann, Magdeburg, Hedwig Fevi-Michel, Frankfurt, Dr. Heinrich Leviuger, Köln, Dr. Lussheimer, Mannheim, Dr. Perlmutter, München. Aus diesem Vorstand wurde ein engerer Vorstand (geschäftsführender Vorstand) ihtt, welchem angehören: Intendant Dr. Kurt Singer (Vorsitzender), Dr. Heinrich Leviuger, Köln, (1. stellvertr. Vors.), Direktor Adler, Stuttgart (2. stellvertr. Vors.), Dr. Perlmutter, München (Schriftführer), Dr. Kauffmaun, Magdeburg, Hedwig Levi-Michel, Frankfurt, Dr. Goldschmidt, Hamburg (Finanzwesen und Organisation), Verbandssekretär; Dr. Werner Levie, Berlin. Dieser engere Vorstand wurde von der Versammlung u. a. beauftragt, die endgültigen Satzungen vorzubereiten und die wirtschaftliche Grundlage des Verbandes, beruhend auf dem Prinzip der Beitragszahlung, zu schaffen. Gemäß diesem Auftrag trat der engere Vorstand bereits am 29. April zu einer ersten Sitzung zusammen. Die in dieser Sitzung gefällten Beschlüsse werden den beteiligten Vereinigungen und Gemeinden zugesandt werden. - Wie die JTA. erfährt, haben sich dem neuen Reichsverband bisher 30 Bünde, die in rund 50 Städten spielen, angeschlossen. (JTA.) Bevorstehende Veranstaltungen 23. Mai: Centraiverein, Vortrag Dr. HirSchberg, Berlin, im Goldenen Saal des Krystallpalastes. 26.11.27. Mai: „Der bunte Karren" im Künstlcrhaus. 27. Mai: Jüdischer Frauenbund: Vortrag I rau (Tara Zeitlin. 28. Mai: Jüdischer Kulturbund: Kammermusikabeud des Mendelssohn- Trios. 30. Mai: Revue-Ensemble Willy Rosen u.a. Gottesdienste Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 17. Mai, Abendgebet 10 Uhr mit Predigt. Sonnabend, IS. Mai, Morgengebet o Uhr, Nachmittagsgebet 20,20 Uhr, anschließend Lehrvortrag; Abendgebet 20,52 Uhr. Gottesdienst an Werktagen in der Ez-Chaim-Synagogc. Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, d. 24. Mai, Abendgebet 10 Uhr; Sonnabend, den 25. Mai, Morgengebet 0 Uhr, Nachmittagsgebet 20,10 Uhr, anschheltend I ehrvortrag; Abendgebet 21,04 Uhr. (iottesdienst an den Werktagen in der E/.-Chaim-Synagoge. Talmud-Thora-Synagoge, Keilstr. 4. Freitag abend 10 Uhr. Sonnabend früh 8,30 Uhr; Mincha 17 Uhr; Ausgang 20,52 Uhr. Sonntag früh 7,15 Uhr. Wochentags: früh 7 Uhr, abends 20,15 Uhr. Ez-Chaim-Synagoge, Otto-Schill-Str. 4. Freitag, 17. Mai, abends 10 Uhr. Sonnabend, IS. Mai, morgens 8,30 Uhr; Mincha 17 Uhr; Ausgang 20,52 Uhr. Wochentag: Morgens 7 Uhr, abends 10 Uhr. Ez-Chaim-Synagoge, ()tto-Schill-Str. I reitag, den 24. Mai, Abendgebet 10 Uhr. Sahliat, den 25. Mai, Morgengebet S, 30 Uhr; Mincha 17 Uhr; Ausgang 21,04 Uhr. Wochentag: Morgens 7 Uhr, abends 19 Uhr. Synagoge „Ohel Jakob", Pfaffendorf er Str. 4. Freitag, 24. Mai, abends 10 Uhr. Sonnabend, 25. Mai, früh 8,30 Uhr; Mincha 17 Uhr; Ausgang 21,01 Uhr. Wochentag: Früh 7 Uhr, abends 10,30 Uhr.

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