Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 18 (3.5.1935)
- Date
- 1935-05-03
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 GEMEIN DEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG 3. Mai 1935 M BedaMionssthluB für Hr. 19: Dienstag 10 UhrJ Professoren und Lerngelegenheiten für Studenten zu schaffen. Kleinere Einnahmen auf der einen Seite, die Notwendigkeit größerer Ausgaben auf der anderen - das einfach ist die Lage, die ich vor Ilinen darlegen will. Wir feiern den zehnten Jahrestag der formellen Eröffnung der Universität. Mein geistiges Auge richtet sich zurück auf jene eindrucksvolle, denkwürdige Zeremonie. Lord Balfour war eigens, um diese Zeremonie ZU vollziehen) aus England nach Palastina gereist. Obwohl er schon fast SO Jahre alt war. Viele hervorragende Männer aus zahlreichen Ländern, mancher von ihnen als Vertreter der alten Universitäten Europas und der modernen Universitäten Amerikas, waren gekommen, um die neue Schwester zu begrüßen. Es war für mich ein ergreifendes Erlebnis. Ich war der erste jüdische Gouverneur Palästinas nach fast 2000 Jahren der erste seit Herodes Agrippa, und der war schließlich bloß ein Idumäer aus dem Lande Moab. Und ich konnte auf den Bergen über Jerusalem an der Einweihung eines jüdischen Zentrums des Wissens, wie man es dort in all diesen zwanzig Jahrhunderten nicht gesehen hatte, teilnehmen. Wahrlich ein ergreifendes Erlebnis! Und angesichts dieser großen Zuhörerschaft konnte ich nichts anders als den alten Segensspruch sagen: Gelobt seist Du, der Du uns am Leben erhalten hast und uns bewahrt hast bis auf diese Tage. Lasset uns, die Generation dieser Tage, uns würdig erweisen des hohen Erbes der Vergangenheit und eingedenk bleiben unserer Pflicht gegenüber der Zukunft!" Jüdische Zeitschau Die Mirer Jeschiwa. Die bedeutendsten Zentren für Thorafortchung in dem an Rußland und Litauen angrenzenden Gebiet befinden sieh in Polen und in Litauen selbst. Beschäftigung mit der Thora i>t von jeher untrennbar mit dem Judentum verbunden und Pflicht jedes Einzelnen, zumindest aber die Förderung und Stützung der ihr dienenden Institutionen. Eine solche Lehranstalt für Thora- (ortchung. die z. Zt. alle anderen überragt, ist, wie uns von unterrichteter Seite geschrieben wird, die Jeschiwa in dem kleinen polnischen Städtchen Mir, die unter Leitung von Rabbiner I inkel stellt und über -100 Studierende, meist ältere Jugendliche, zählt, von denen Über die Hälfte Ausländer sind. Mehr als 10 kommen BUS Deutschland, eine uberwiegende Zahl aus Amerika, ferner aus England, Belgien. Litauen. Lettland, selbst aus Afrika und Erez Israel. Die Talmudkenntnisse werden in dieser Lehranstalt in so überaus interessanter und mitreißender Art von alle Schwierigkeiten überwindenden ..Kennern" vermittelt, daß seihst weniger Begabte ungemein rasch gefördert werden. Leider wird diesen Lehranstalten oft nicht die verdiente Achtung gezollt. Unberechtigte Vorurteile halten vielfach Eltern davon ab, ihre Söhne zum Studium dorthin zu entsenden. Man glaubt, daß dort durch übertriebenes Lernen, Mangel an frischer Luft gesundheitliche Schädigungen hervorgerufen werden, die durch anerkannt enorme geistige Fortschritte nicht aufgewogen werden können. Dem tritt der Augenzeuge aufklärend entgegen: Wohl wird vormittags und nachmittags je vier Stunden intensiv gelernt, die übrige Zeit kann jedoch völlig nach freiem Ermessen mit sportlicher oder sonstiger Betätigung ausgefüllt werden. Bne Israel in Indien sind Juden. — Entscheidung des Ober Berichts von Rangoon. Das Obergericht von Rangoon hat einen zweijährigen Rechtsstreit zwischen den „schwarzen Juden" Indiens, den Bne Israel, und der Musmea Joschua Synagoge in Rangoon betreffend die Anerkennung der Zugehörigkeit der Bne Israel zum Judentum zugunsten der Bne Israel entschieden. Der Prozeß der Bne Israel gegen die Leitung der Synagogengemeinde, die ihnen die Mitgliedree lue verweigerte, hat in den jüdischen Kreisen Indiens und von Burina, wo über 20000 Bne Israel verstreut leben, lebhaftes Interesse hervorgerufen. Den Oberlieferungen der Bne Israel zufolge sind ihre Vorfahren vor alter Zeit aus Palästina nach Indien eingewandert, wo sie sich insbesondere als Krieger hervorgetan haben. In dem Prozeß wurden Gutachten von einer Reihe Rabbiner und jüdiw her Gelehrter Englands. Palästina und des Irak, unter ihnen Chief Rabbi Dr. J.H.Hertz und Chacham Dr. Moses Ciaster, eingeholt. (JTA.) Unsere Gemeinde. Die C.V.-Frauengruppe veranstaltete gemeinsam mit dem jüdicUschen I rauenbund einen Vortragsiiac limittag, au dem I rau Eva Stein, Dresden, über das Thema: „Die Mitarbeit der Frau am Qemeindeleben" sprach. Die Rednerin führte etwa folgendes aus: Dieser Vortrag soll Anregung geben, den Weg für eine bessere Zukunft zu bahnen. Groß sind die Aufgaben, die den Juden gestellt sind; ebenso wie die Männer arbeiten die Frauen mit. Man erlebt in und durch die Gemeinschaft Not. Wer in Zeiten der Not sein Judentum wiedergefunden hat, soll daran denken, daß er auch für die Gemeinschaft da ist. Hervorragende Bibelgestalten zeigten schon damals die geistigen Fähigkeiten der Erau. Es ist ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Frau, daß sie stets bereit ist, überall Hilfe zu schaffen, Not zu lindern; so ist sie Trägerin der Kultur, und Hüterin der Jugend; da die l'rauen Gutes wirken können, ist ihre Mitarbeit eine Notwendigkeit und so arbeiten überall in der Gemeinde Jüdinnen mit; jeder weibliche Betätigungsdrang müsse der Mitarbeit in der Gemeinde gewidmet sein. Alle Arbeit, die vom Jüdischen Frauenbund, von den C.V.-Frauengruppen, den Schwesternhünden der Loge geleistet wird, dient dem Erhaltungstrieb der Gemeinde. Durch die Frauenarbeit ist die Arbeit in soziale Tätigkeit umgewandelt worden. Wohltun ist Pflicht aller; das Leben unserer Tage verlangt Umarbeitung der Charitas in Zedakah-Gerechtigkeit. Wir dürfen niemals Fälle, sondern nur Menschen sehen. Die erste Hilfe gilt dem Wiederaufbau verlorener Existenzen. Jede Wohlfahrtsstelle hat einen Stab ehrenamtlicher Mitarbeiter. Die Jugendfürsorge, die schon bei den Säuglingen beginne, die Tagesheime, Mittelstands-, Gesundheits-, Alters- und Wirtschaftsfürsorgen lassen den Ruf zur Mitarbeit an die Frau ergehen. Bei der Berufsberatung und Umschichtung kann die Frau durch psychologisches Einfühlen helfen, nach einer Normalisierung unserer Berufsstruktur zu streben. Großer Mangel an Hauspersonal besteht, obgleich Ausbildungsstellen und Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden sind. Doch Frauenarbeit erschöpft sich nicht in der sozialer. Fürsorge. In der Reichsvertretung arbeiten drei Frauen über Erziehungsfragen mit und nehmen Stellung zu Synagoge und Schule, Familie und Bünden, die die Träger unserer Erziehungsarbeit sind. Unsere Jugend von heute ist Träger der Gemeindearbeit von morgen. Die Rednerin schloß ihre mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen, daß es nur eins für die Frauen gäbe: „Arbeit und Pflichterfüllung!" H. S. Ein Abend bei Willy Rosen. Am 21. April im Blauen Saal des Krystallpalastes. Vor „gutbesetztem Hause" brachten die Kabarettkimstler Else Posen, Heinz Ganther und Martin Kettner verschiedene liebenswürdige und charmante Darbietungen, u.a. einige gelungene kleine Sketchs. Originell waren Heinz Ganthers sogenannte plastische Konferenzen. Den Höhepunkt des Abends bildeten die von Willy Rosen bravourös und temperamentvoll-suggestiv vorgetragenen neuesten Schlager, die z. T. „frisch aus der Fabrik" gekommen waren, und bei einem dankbaren Publikum großen Anklang fanden. tr. Bevorstehende Veranstaltungen 5. Mai: Jubiläumsabend Walter Leewens. — Modenschau. 8. Mai: C.V.-Frauengruppe und (i.V. (Gesell. Vereinig, deutschjüd. Berufstätiger): Vortrag Dr. Neumann „Berechtigung und Orenzen des Totalitätsanspruches der Jugendbünde". 12. Mai: Jüdischer Kulturbund: Alexander Kipnis. 30. Mai: Revue-Ensemble Willy Rosen u.a. Amtliche Bekanntmachungen Friedhofsgärtnerei des neuen Friedhofs. Die von der Gemeinde in eigener Verwaltung betriebene (iärtnerei unseres neuen Friedhofs übernimmt sämtliche Aufträge auf Bepflanzung, Instandsetzung und Pflege von Grabstcllcn. Es wird weiter darauf hingewiesen, daß die F'riedhofsbesucher die Möglichkeit haben, ihren Bedarf an Topfpflanzen, Schnittblumen, Vasen und Schalen in der Friedhofsgärtnerei zu handelsüblichen Preisen zu decken. Fachmännische Beratungen und Berechnungen erfolgen kostenlos. Die Rechnungen für das Grabpflegejahr 1935 sind jetzt an die Empfänger herausgegangen. Falls infolge Umzugs oder anderer Umstände die Rechnungen nicht in den Besitz der Verpflichteten gelangt sind, wird, um Verzögerungen in der Grabpflege zu vermeiden, gebeten, sich mit der Gärtnerei des neuen Friedhofs (Fernsprech- Nummer 51889) in Verbindung zu setzen. Besonders wird darauf aufmerksam gemacht, daß Grabpflegc und Bepflanzung erst dann vorgenommen werden können, wenn die Kosten bezahlt worden sind. Leipzig, den 1. April 1935. Der Vorstand Gottesdienste Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, den 3. Mai, Abendgebet 10 Uhr mit Predigt; Sonnabend, 4. Mai, Morgengebet 0 Uhr, Nachmittagsgebet 19,55 Uhr, anschließend Lehrvortrag; Abendgebet 20,25 Uhr. Gottesdienst an Werktagen in der Ez-Chaim-Synagoge. Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, d. 10. Mai, Abendgebet 19 Uhr. Sonnabend, II. Mai, Morgengehet 9 Uhr, Jugendgottesdienst 15,15 Uhr mit Predigt; Nachmittagsgcbct 20,05 Uhr; Abendgebet 20,39 Uhr. (iottesdienst an den Werktagen in der Ez-Chaim-Synagoge. Ez-Chaim-Synagoge, Otto-Schill-Stralle. Freitag, den 3. Mai, abends 19,30 Uhr. Sonnabend, den 4. Mai, morgens 8,30 Uhr, nachmittags 17 Uhr; Ausgang 20,25 Uhr. Wochentag: Morgens 7 Uhr, abends 19 Uhr.