Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 18 (3.5.1935)
- Date
- 1935-05-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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4. 5. 85 Auflage 4300 Stück cmcinö cblattr DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU I Jt|D7|^v AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT LL I TMm I y& DER GEMEINDEVERWALTUNG» Schrirtleltungt Oemeinderabbiner Gustav Cohn Leipzig Waller Blümtl -Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassen gestattet Nummer 18 - Jahrgang 11 3. Nai 1935 Anzeigenannahme! E. Goldfreund, Leipzig OS, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr.60771 Druck: Druck rel der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. Für den Ausbau der Hebräischen Universität Jerusalem. Die hebräische Universität Jerusalem hat an alle jüdischen Gemeinden der Welt einen Aufruf gerichtet, anläßlich des Maimonides-Jahres den großen Denker durch Errichtung eines Instituts für Kambam-Forscluing an der Universität zu ehren. In dem Aufruf wird betont, daß es nicht genüge, Maimonides-Feiem /u veranstalten, sondern daß es gelte, die die geistige Kraft des Judentums symbolisierende Leistung des Maimonides von Geschlecht zu Geschlecht als Erbe weiterzugeben. Zu dieser Aufgabe sei nur eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung wie die Hebräische Universität berufen, die höchste Instanz des jüdischen Volkes für Kultur und Wissenschaft, die es sich ebenso wie der Rambam zu seiner Zeit zum Ziel gesetzt habe, dem Volk gleichzeitig Lehre und Glauben zu geben. An der Hebräischen Universität besteht von Anfang an ein judaistisches Institut, das die Schätze der Weisheit Israels durchforscht. Anläßlieh des 800. Geburtstages des Rambam hat die Leitung der Universität beschlossen, ein besonderes Institut zu errichten, in dem bestehende und neu zu gründende Lehrkanzeln, die sich mit Rambam-Forschung befassen, vereinigt werden sollen. In diesem historischen Augenblick, heißt es am Schluß des Aufrufs, ist es unsere Pflicht, einen den Namen des Rambam tragenden großen Fonds zu schaffen, an dem sich alle jüdischen Gemeinden im Rahmen ihrer Möglichkeiten beteiligen sollen, um Lehrkanzeln auf den Namen des Rambam, sein Andenken zum Segen, zu gründen! Darum wenden wir uns an alle jüdischen Gemeinden mit der Aufforderung, sich an den Sammlungen zu Ehren von Lehre und Wissenschaft, zu Ehren der jüdischen Kultur zu beteiligen. Für den weiteren Ausbau der Universität hat der Universitätskanzler Dr. J. L. Magnes einen „Fünf-Jahres-Plan" angekündigt. Diesem Programm zufolge sollen in den nächsten fünf Jahren folgende Institute und Lehrkanzeln geschaffen werden: 1. Ein Institut für Pädagogik; 2. ein Institut für Gesellschaftswissenschaft; 3. ein medizinisches Zentrum (in Zusammenarbeit mit der Hadassah); 4. ein Institut für Agrarwisscnschaft (in Zusammenarbeit mit der landwirtschaftlichen Versuchsstation); 5. ein Institut für Geometrie (in Zusammenarbeit mit dem Technion); ö. Ergänzungskurse für Inhaber ausländischer akademischer Diplome; 7. eine Lehrkanzel für öffentliche Verwaltung; 8. ein Verlagsinstitut und 9. eine jüdische Akademie. In diesem Zusammenhange darf insbesondere die Rundfunkansprache Interesse beanspruchen, die gelegentlich des zehnjährigen Jubiläums der Hebräischen Universität Sir Herbert Samuel in London gehalten hat und die auf eine Reihe großer amerikanischer Rundfunkstationen übertragen worden ist. Die Rede hat folgenden Wortlaut: „Hier in London ist es Uhr morgens am Mittwoch. Mr. de Abänderung der Steuerordnung. Die Steuerordnung für die israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig vom 2. Juli 1934/22. November 1934 ist in § 9 durch Beschluß der Gemeindesitzung vom 20. März 1935 abgeändert worden. Diese Abänderung wird hiermit nach Genehmigung des Sächsischen Ministeriums für Volksbildung bekannt gemacht. Die Steuerordnung in der abgeänderten Form liegt in der Zeit vom 29. April 1935 bis mit 10. Mai 1935 in unserem Gemeindeamt Walter-Rlümel-Straße 10, I, zur Einsicht aus. Leipzig, den 16. April 1935. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Rothschild und ich sind bis zu dieser unvernünftig späten Stunde wachgeblieben, da sie für unsere Hörer in dem weiten Raum von der atlantischen bis zur pazifischen Küste der Vereinigten Staaten der günstigste Zeitpunkt ist. Ich möchte so viel als möglich über die Hebräische Universität in Jerusalem sagen. Die Universität bedarf dringend der Hilfe aller ihrer Freunde. Die Universität ist etwas Wesentliches im Leben des neuen Palästina. Und das neue Palästina ist etwas Wesentliches im Leben der Juden aller Länder. Für sie, die in allen Ländern zerstreut leben, bildet Palästina den ein/igen Kernpunkt. Und Palästina darf nicht bloß etwas Materielles, etwas Wirtschaftliches bedeuten. Gewiß ist es wichtig, daß Palästina Erfolg habe in seiner Landwirtschaft und Industrie — und es hat Erfolg. Aber dies ist nicht alles. Es muß ein Land sein auch der Kultur und der Ideale, ein Zentrum von Philosophie und Religion, von Gelehrsamkeit und Literatur, von Wissenschaft, Musik und Kunst. Darum ist die Universität etwas Wesentliches für Palästina und für uns alle. Aber wie die Universität jetzt ist und gegenüber den ihr gestellten Aufgaben, gleicht sie einem in einen zehn Tonnen schweren Wagen eingebauten Motor von nur einer Pferdekraft. Der Motor leistet, was er kann, abc seine Stärke ist offenkundig zu gering. Und Stärke ist in diesem I all nichts als eine Geldfrage. Geeignete Lehrer und Forscher stehen zur Verfügung; infolge der Entwicklung in Deutschland ist die Zahl derjenigen, die sich um eine Anstellung bewerben, naturgemäß bedeutend gestiegen. Auch hundeite, tausende von Studenten bewerben sich um die Zulassttng. Sie hungern nach Wissen, aber um mit Milton zu reden - „die hungrigen Schafe blikken auf und niemand füttert sie". Und dies einfach darum, weil die Universität völlig von Mitteln entblößt ist. Die Gehälter der Lehrer sind beschämend niedrig. Der dauernde Kampf um Ausbalancierung des Budgets bildet die tagtägliche Sorge der verantwortlichen Stellen. Die Universität begann ihre Arbeit mit gewaltigem Alarm. Plötzlich trat die Weltwirtschaftskrise ein und führte zu einer einschneidenden Senkung ihrer Einkünfte. Gleichzeitig stieg infolge der Ereignisse in Mitteleuropa gewaltig die Notwendigkeit, Lehrstellen für