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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-04-12 · 15/16 (12.4.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
15/16 (12.4.1935)
Date
1935-04-12
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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12. April 1935 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 M fixieren. Auf diese Art bildet die Mischna in Verbindung mit eineir Kommentar schon ein Kompendium der gesamten Qesctze les Judentums. In weit größerem Maße ist dies in seinem Hauptwerk der Fall, lern Gesetzeskodex Mischne-Thora (Wiederholung der Lehre), von plteren auch Jad-hachasaka (die starke Hand) genannt (j«d hat den /.ahlenwert 14, und das Werk umfallt I I Bücher, die in Kapitel mit Untergliederungen, Halachot, eingeteilt sind). Hatte Maimonides bereits in seinem Mischna-Kommentar die lediglich reproduzierende rätigkeit seiner Vorgänger auf diesem Qebiet durch seine schöpferische Arbeit weit übertroffen, so ist die Mischne-Thora mit unvergleichlichem Sinn für Systematik in überwältigender Klarheit aufgebaut. Stets findet er aus der oft unentwirrbar scheinenden talmudischen Diskussion das für den vorliegenden l all Geeignete und den richtigen Blickpunkt heraus und behandelt in dieser Weise sämtliche Vorschriften des jüdischen Gesetzes, einschließlich derjenigen, die seit dem Untergang des jüdischen Staates und der Vernichtung des Tempels auller Kraft waren. Den Entscheidungen liegt der Talmud zugrunde, seine eigene Stellungnahme und die der Gconim führt er als wiche an; jedoch ist jede Diskussion ausgeschaltet und ein festes Lehrgeblude errichtet. Leider führt er keine Quellen an, was er später selbst bedauert hat und durch ein besonderes Quellenbuch auszugleichen beabsichtigte. Jedoch ist er dazu nicht mehr gekommen. Die Gründlichkeit Maimonides' zeigt sich auch darin, dal! er diesem Hauptwerk eine Abhandlung über die Gebote, Sefer-hami/- vvot, vorangehen läßt. Er selbst nennt es eine Vorarbeit und Einleitung zur Mischne-Thora. Er zählt darin die biblischen Gesetze der Reihe nach einzeln auf, um so zu verhüten, auch nur ein einziges der Gesetze in seinem Werke zu vergessen. Auch in dieser Arbeit hat er eigene Wege eingeschlagen und ist von der herkömmlichen Weise abgewichen. Hatte Maimonides schon durch seine Rcsponsen auf religiöse Anfraget; aus aller Welt einen mächtigen Einfluß auf die Judenhcit >einer Zeit gewonnen, so wirkte das Erscheinen seiner Mischne-Thora geradezu umwälzend auf das Studium des Religionsgesetzes. Sein Werk wollte mehr als ein Kodex des Religionsgcsctzes für den praktischen Gebrauch sein, es sollte durch die übersichtliche Darstellung des halachUchen Stolfes die Kenntnis der l ehre verbreiten helfen und mitwirken an der Erfüllung der jedermann obliegenden Verpflichtung zum theoretischen Studium. Dieser Zweck wurde noch erleichtert durch die Sprache des Werkes, das in dem leicht verständlichen Idiom der Mischna verfallt ist. Er selbst erhoffte, wie er in der Einleitung /um Ausdruck bringt, von diesem Buche eine Erleichterung d.s Gesetzesstudiums und sagt darüber, daß, wer seine Mischne- Thora neben der schriftlichen Lehre benutze, die ganze mündliche Lehre kennen lerne, ohne ein anderes Werk zu benötigen. Daraus schlössen manche seiner Kritiker, daß er das eigentliche Talmud- Studium zu verdrängen beabsichtigte, und so fand sein Werk neben begeisterter Anerkennung auch scharfe Ablehnung seitens derjenigen, die dadurch die Stellung des Talmud bedroht glaubten, insbesondere hei R. Abraham ben David aus Posquieres (Rabed III.), der ihn aufs heftigste bekämpfte. Die Geschichte hat Maimonides Recht gegeben, dessen Arbeit keineswegs zur Einschränkung des Talmudstudiums führte, vielmehr außerordentlich befruchtend auf das Studium der Nachwelt einwirkte. Zahlreiche Kommentare geben davon Zeugnis, und alle späteren Dezisoren mußten sich mit ihm auseinandersetzen. Die Lösung scheinbarer Widersprüche und schwieriger Stelleu in der Mischne-Thora eines „harben Hainham" — gilt in den Jeschibot bis heute als Prüfstein für die Tüchtigkeit der Talmudjünger. Den allernachhaltigsten Einfluß hat sein Gesetzeskodex naturgemäß auf dem Gebiet der späteren halachischcn Praxis gehabt. Hier wird seine Meinung grundlegend und zum Ausgangspunkt aller Darstellungen des Religionsgesetzes. Er ist eine der drei Autoritäten (Alfassi, Maimonides, Aseheri), auf deren Entscheidung der Schulchanaruch beruht. Neben Alfassi und Raschi (R. Salotno b. Jizchak) ist er derjenige, der seit Abschluß des Talmuds auf den Geist der Juden und ihr Leben den größten und dauerndsten Einfluß gehabt hat. Mögen seine philosophischen Werke die Bewunderung der Kenner erregen, als Gesetzeslehrer steht Maimonides dem Herzen des jüdischen Volke»nah,dem seit Jahrhunderten der „Rambam" (eigentlich RMBM, eine Abbreviatur von Rabbi Moses Ben Maimon) erste Autorität auf dem Gebiete der Halacha. Führer zum Verständnis der heiligen Lehren geworden ist. Aus dem Manne Moses ben Maimon wurde ein Begriff: der „Rambam". Dr. Jakob Kohn. Neuere Literatur über Maimonides. Der bedeutende jüdische Historiker, Professor Ismar Elbogen, weist mit Recht darauf hin, daß die 81)0. Wiederkehr des Geburtstages von Maimonides einen viel nachhaltigeren Widerhall findet, als noch vor hundert Jahren die 700. Wiederkehr. Damals wies Abraham Geiger auf das Bevorstehen eines so bedeutsamen Tages hin, ohne daß dafür das erwartete Verständnis bemerkbar wurde. Ganz anders in diesem Jahre. Wie schon an anderer Stelle hervorgehoben, wird das Andenken an Mose ben Maimon in der Judenhcit aller Länder gefeiert. Ihren Niederschlag findet die Feier auch darin, daß ein erneuter Zugang zu seiner Persönlichkeit und seinen Werken bereitet wird. Unter den jüdischen Verlagen steht auch in dieser Hinsicht allen voran wiederum der Schocken-Verlag, der mit einer ganzen Reihe von Schriften vor die Öffentlichkeit tritt. Das Leben des R. Mosch e ben Maimon aus seinen Briefen und anderen Quellen. Mit einer biographischen Einleitung von Professor Ismar Elbogen. (Jüdische Lesehefte Nr. 5.) (Broschiert Mk. 0,50) ist besonders geeignet zur ersten Information. Auf 40 Seiten sind autobiographische Äußerungen R. Mosche ben Maimons und einige Mitteilungen alter Autoren über ihn zusammengestellt. Sie ergeben ein sehr lebendiges und farbiges Bild seiner Persönlichkeit und unterrichten über die innersten Antriebe seiner Arbeit. — Als Philosoph hat Maimonides die Auseinandersetzung zwischen dem biblischen Offenbarungsglauben und dem aristotelischen Weltbild vollzogen, das im ganzen Mittelalter - erst im islamischen, spater auch im christlichen Kulturraum — die fast selbstverständliche Grundlage der Bildung war. Er tat das abschließend (1190) in seinem ursprünglich arabisch verfaßten, aber noch zu seinen Lebzeiten ins Hehräische übersetzten philosophischen Hauptwelk „More Newuchim" (Führer der Verirrten). Die Absaht des Werkes wird durch seinen Titel bezeichnet. Es will denen ein Fuhrer sein, die durch die scheinbaren Widersprüche zwischen dem wissenschaftlichen Denken und dem Wortlaut der Bibel irre geworden sind Die Behandlung die das in Wahrheit zu allen Zeiten fortbestehende Grundprohlem hier erfährt, ist eine der klassischen Leistungen der Philosophie und hat auch außerhalb des Judentumeine nachhaltine Wirkung ausgeübt, insbesondere auf Albertus Magnus l nomas von Aquino und Meister Eckhart, für die „Rabbi Mona Aegyptius" eine viel zitierte und hochgeachtete Autorität ist. Im Judentum selber ist das Werk, seit es zuerst erschienen ist, das philosophische Buch gewesen, an dem alles Denken sich orientierte. Allen denen, die sich ernsthaft und gründlich über die religionsphilosophischc Lehre des Maimonides unterrichten wollen, ist zu empfehlen: Fritz Bamberger: Das System des Maimonides. Eine Analyse des More Newuchim vom Gottesbegriff aus. Das Buch ist das Ergebnis einer längeren Forschungsarbeit, die im Auftrage der Akademie für die Wissenschaft des Judentums unternommen wurde, und der das Ziel gesetzt war, die schwierige Aufgabe einer kritischen Analyse des maimonideisclien Systems zu leisten. Die Darstellung ist so gehalten, daß auch der interessierte Laienieter sie verstehen und sich aus ihr einen gründlichen Begriff von der Lehre des Maimonides bilden kann, zumal der Gottesbegriff der Mittelpunkt ist, in dem sich die verschiedenen Gedankenreihen der Philosophie des Maimonides treffen. Behandelt werden: die Attributenlehre, die Kosmologie, das Zweckproblem, Vorsehung und Prophetie. Einen Überblick über das gesamte Schaffen des Maimonides gibt der Doppelband der Bücherei des Sehocken-Verlages (Nr. 27): Rabbi Mosche ben Maimon. Ein systematischer Querschnitt durch sein Werk. Ausgewählt, übertragen und eingeleitet von Nahum Norbert Glatzer. Die sehr geglückte Zusammenstellung, für die es in der umfangreichen einschlägigen Literatur kein Vorbild gibt, ist für Menschen bestimmt, denen der Zugang zu den Quellen erschwert ist. Sie sollen durch dieses Buch das Werk des Maimonides in seinen wichtigsten Gedankengängen, insofern sie auch für unsere Zeit wegweisend sein können, kennen und verstehen lernen: seine Religionsphilosophie, seine Ethik, seine jüdische Pflichten- und Glaubenslehre. Daneben tritt der Bibelerklärer vor uns und der Führer der Judenschaft seiner Zeit, dessen Wirken durch Stellen aus Briefen und Sendschreiben sichtbar gemacht wird. Den Versuch, dem fernstehenden Laien eine Einführung in die Grundgedanken des philosophischen Hauptwerks zu geben, unternimmt Alexander Altmann in dem Band: Des Rabbi Mosche ben Maimon More Newuchim (Führer der Verirrten) im Grundriß. Auswahl, Übertragung und Einleitung von Alexander Altmann. (Bücherei des Schokken-Verlages, Nr. 26). , , , ~ Das an und für sich sehr schwierige Buch ist hier im Grundriß ausgezogen und zwar in solcher Weise, daß die Hauptgedanken für jedermann verständlich werden. Es mußte dabei natürlich auf die Einzelauseinandersetzungen verzichtet werden, doch tritt die Grund-

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