Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 8 (22.2.1935)
- Date
- 1935-02-22
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 22. Februar 1935 heH Ost- und Mitteleuropa! umfallt, ist unzweifelhaft jüngeren Ursprungs. Sie ist der Einwirkung der ureingesessenen Bevölkerung, in nster Reihe der Chasaren, Slawm und Finnen, zuzuschreiben. In mancher Hinsieht sind hier auch die Germanen zu berücksichtigen, welche sieh als wesentliche Welle mit den Ostjuden kreuzten, der Umgangssprache der Juden, dem sog. Jiddisch, den fränkischen Charakter aufdruckten. Jüdische Zeitschau Versteigerung der Judaistischen Bibliothek Porges. I >ic Bibliothek Porges, eine der berühmtesten Sammlungen von Judaicii und Hebraicis kommt demnächst zur Versteigerung. Wer sich in den letzten Jahrzehnten mit jüdischer Wissenschaft, mit hebräischer Bibliographie und dem Studium alter Ausgaben beschäftigt hat, dem wird diese Bibliothek noch in guter Erinnerung sein. Der im Jahre 1921 verstorbene Leipziger Rabbiner (zugleich Professor für orientalische Sprachen an der Leipziger Universität), hatte durch seine weitverzweigten wissenschaftlichen Verbindungen, vor allem aber durch seine außergewöhnlichen Spezialkenntnisse, eine einzigartige Sammlung zusammengebracht. Nach seinem Tode war sie durch ein Leipziger Antiquariat katalogisiert und in den Handel gebracht worden. Der wichtigste Teil war aber infolge besonderer Umstände unverkauft geblieben und soll nun durch die Firma P. A. Hcmeryck in Amsterdam versteigert werden. Dieser Teil enthalt neben zahlreichen Manuskripten und Inkunabeln eine Reihe der -i ttengten Listausgaben und Frühdrucke (/.. B. die erste Ausgabe des Sohar), eine Anzahl seltener Drucke der karäischen Literatur Und aus dem Gebiete der Responsen, unter den Judaicis die Arbeiten der christlichen Hebraisten der Rcuaissancczeit, ferner wertvolle Zeitschriftenreihen und Nachschlagewerke. Viele Exemplare haben durch die sorgfältigen bibliographischen Notizen, die Prof. Porges ihnen beigegeben hat, besonderen Wert. (JTA.) Die jüdischen Geineinden Ostpreußens. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden teilt mit: In Königsberg fand eine Versammlung des Provinzialverbandei der ostpreußischen Gemeinden statt, au der die Gemeinden Königsberg, Alienstein, Bartenstein, Braunsberg, 1 Ibing, Goldap, lusterbürg, Marienwerder, Osterode, Rastenburg, Tilsit und /inten teilnahmen. Den Vorsitz führte RA. Dr. Ehrlich-Königsberg. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hatte zu der Sitzung seinen Vizepräsidenten, Herrn Rechtsanwalt Dr. Klee - Berlin, entsandt, der einen eingehenden Bericht über die Leistungen des Preußischen Landesverbandes auf allen Gebieten seiner Tätigkeil erstattete. Im Anschluß hieran gab Herr Oemeinderabbiner Dr. Lewin-Königsberg, auf Grund umfangreicher statistischer Arbeiten einen Oberblick über die Bevölkerungsbewegung in den ostpreußischen Gemeinden. In ganz Ostpreußen hat die Judenheit im Jahre [O33 gegenüber dem Jahre 1925 eine Abnahme von etwa 22 O/o zu verzeichnen. In der anschließenden Diskussion wurde darauf hingewiesen, daß wahrend IUI noch 5i Beamte in tii Gemeinden tätig waren, im Jahre 1914 nur noch 29 Beamte in 3(> Gemeinden vorhanden sind: Welche katastrophalen Verhältnisse in einigen Qemeinden herrschen, bewies ein Hinweis auf Eitting, wo in sechs Jahren ein einzigejüdisches Kind geboren worden ist. Von Seiten der Lehrerschaft wurde dem Landesverband Dank für die Sch.itlung der l'eiisioiiskasse ausgesprochen, aber auch die Aufforderung an die Qemeinden gerichtet, sich dieser l'eiisioiiskasse rege zu bedienen. Es wurde um einen genauen Arbeitsplan für die Bezirkslehrer und um erneute Prüfung gebeten, ob nicht das einmal früher in Aussieht genommene Bezlrksrabbinat Rastenburg eingerichtet werden könne. I einer wurde auf die Notwendigkeit der Anlegung \<>n I amilienregistern hingewiesen und darauf aufmerksam gemacht, daß die Mohelbücher wertvolles Material enthalten. Die vom Preußischen Landesverband für Ostpreußen in Aussicht gestellten Kulturfahrten wurden lebhaft begrubt: sie sollen eine umfangreiche Ergänzung durch solche Kulturfahi teil erfahren, die von den größeren Qemeinden leibst veranstaltet werden. Rühmend wurde bei einzelnen Gemeinden hervorgehoben, daß sie einen Ruckgang der Bevölkerungszahlen dadurch vermieden haben, daß Geschäftsinhaber jüdische Handlungsgehilfen und Handlungsgehilfinnen eingestellt haben. Als besonders traurig wurde aber immer wieder hervorgehoben, daii die Steueriähigkeit der UcmcinUemitgUedCT in viel kritischerem Umfange abgenommen habe als die Zahl der Gemettdemitglieder selbst, daß sich deutlich in vielen Qemeinden feststellen lasse, daß gerade die leistungsfähigsten Mitglieder die Qemeinde verlassen haben. Der Insterhurgcr Gemeinde, die im Jahre 1834 begründet wurde, wurde der Glückwunsch des Provinzialverbandes ausgesprochen, dem sich Dr. Klee für den Preußischen Landesverband anschloß. Die Tagung zeigte trotz allem Druckenden und Schweren einen erfreulichen Optimismus und den allseitigen Willen zur Arbeit. Unsere Qemeinde. Schachmeister Mieses Leipzig 70 Jahre. Er wird's wahrscheinlich selbst nicht glauben, lind wir? Ist das ein Siebzigjähriger, der fast täglich an irgendeinem Ort gegen 25 oder 30 Gegner Pfundsammlung. Gemäß unseren früheren Bekanntmachungen wird unsere erste Pfundsammlung am Sonntag, 24. Februar 1935, durchgeführt. Unsere Sammler sind mit Ausweis versehen; sie sind nicht berechtigt, Geldspenden in Empfang zu nehmen. Wir bitten wiederholt unsere Gemetndemitglieder, zu der Sammlung reichlich beizutragen. Da wir ein solches Werk zum ersten Male unternehmen, kann es vorkommen, daß die eine oder andere Familie versehentlich nicht besucht wird. Sollte unser Sammler bis 1 Uhr mittags nicht dagewesen sein, so bitten wir, die Gaben in einer der unten aufgeführten Bezirksstellen abzugeben. Jedes Päckchen bitten wir mit Namen und Wohnung des Spender und Inhalt des Paketes zu beschreiben. Leipzig, am 18. Februar 1935. Der Vorstand der isr. Religionsgemeinde zu Leipzig. Bez.irksstellen: Bezirk I Frau Lachmann, Norderneyer Weg 20 . . . Tel. 505 86. II Frau Dr. Spitz, Stallbaumstraßc 13 ...... 503 86. III Frau Taunhauser, Hallische Straße 31 ..... 529 39. IV Frl. Boritzer, Aurelienstralte 14 ...... 410 79. V Frau Dr. Blumberg, Eisen Dahnstraße 76 . . „ 610 38. VI Frau Dr Alexander, Marienstraße 29 ..... 279 89. VII Frau Dr. Weill, Täubchenweg 70 ... . ,. 60805. VIII Frau Dr. Zander, Straße des 18. Oktober 17 118 40. IX Frl. Frieda Bernstein, Hohestiaüe 7 . . N Frau Sachs, Fichtestraße 36....... „ 332 92. XI Frau Westheim, Kaiser-Wilhelm-Straße 41. . „ 338 60. XII Frau Broder, Helfferichstraße 44a . •. 462 59. XIII Geschäftsstelle des Bar-Kochba, Brühl 45 . . XIV Frau Englander, Pfaffendorfer Straße 30 . . » 135 30. XV Qemeinde, Walter-Blümel-Straße 10 ... . " (j^^ XVI Frau Jackson, Haydnstralle 9 ......... 330 15. XVII Frau Neumann, Springerstraße 5...... •. 508 33. . XVIII Frau Fein, Fritzschestraße 6 .......... 563 12. •, XIX Frau Matthias im Kinderheim der Leipzig- Loge, Qortschedstraße 40 ........ ,.249 54. XX Frau Lampel, König-Johann-Straße 23 ..... 270 77. XXI Frau RosenthaJ-Tschopik, Qräfestraße 36 . . , 539 07. Die Zentralstelle ist das Wohlfahrtsamt der Gemeinde, die unter den Telefon-Nummern 21382 und 23602 zu erreichen ist. spielt, der erst vorige Woche gleichzeitig gegen fünf starke Spieler ohne Ansicht des Bretts den Kampf aufnahm und keine einzige Partie verlor? Line großartige schachliche Lebensbahn hat Jack Mieses hinter sich. Seit einem halben Jahrhundert gehört er zu den „Großmeistern", seit Jahrzehnten fehlte er bei keinem bedeutenden Turnier (besondere Erfolge: Stockholm 19(K>, Wien, Ost ende 19117, Liverpool 1923). Seine Bedeutung liegt aber ebenso wesentlich auf scliachlich schriftstellerischem und journalistischem Gebiet Die Schachliteratur bereicherte er mehrfach durch seine feinsinnigen Darstellungen (Die Bearbeitung des DufrCSUC, „der Schachlotse" u. v. a.). Mehrere deutsche Zeitungen legten ihre Schachredaktion in seine I bind, und nun wird er auch den jüdischen Schachspielern ein wertvoller Mitarbeiter. Wir wünschen unserem Meister noch eine lange 7eit ungetrübter Schach und Schaffensfreude! — Schachabteilung des Bar Kochba-Leipzig ernannte Mieses zu ihrem Ehrenmitgliede. LandesvorhatiHstagunji des C. V. Nach der würdig und eindrucksvoll verlaufenen I clix-Goldmann-Gcdächtnisfcier, die am Vorabend anläßlich der Landcsvcrhaudstagung stattgefunden hatte, hielt der Landesverband Mitteldeutschland des C. V. am Sonntag, den 27. Januar, seine diesjährige Delegiertentagung in den Räumen der Leipzig-Loge ah. Die Tagung war aus allen Teilen Mitteldeutschlands ausgezeichnet besucht. Sie wurde vom Vorsitzenden des C. V. mit einer Begrüßungsansprache eingeleitet. Dann berichtete zuerst der kommissarische Landesvcrbandsvorsitzende Landgerichtsrat i. R. Dr. Kurt Cohn-Chemnttl, von der Tätigkeit des L.-V. auf dein Gebiet der Ausbürgerung, sowie des Ärzte- und Anwaltsrechts. Er vermittelte den Hörern ein eindrucksvolles Bild über dieses wichtige Arbeitsgebiet. Im Anschluß daran berichtete Syndikus Kurt Sali a t / k y-Leipzig über die jüdische Situation in Mitteldeutschland überhaupt und zeigte eingehend die Arbeit des L.-V. auf dem Gebiet des Wirtschafts-, Rechts- und Kulturschutzes. Syndikus Dr. Alfred H i r s c h b e r g-Berlin gab darauf in einem groß angelegten Re-