Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 8 (22.2.1935)
- Date
- 1935-02-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Auflage 4250 Stück (Meinöeblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGE-MErlN DE- ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG« Schrlttleltungi Oemelnderabbiner OustavCohn Leipzig Watter Blflmel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Oenebmlgung des Verfassers gestattet Nummer 8 ■ lahrgang 11 22. Februar 1935 Anzelgenannahmei t*. Ooldfreund, Leipzig 05, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C I. Die Rassenkomponenten der Juden. Als 8. Kapitel einer Artikelserie, in der die Ergebnisse der anthropologischen Forschung über die Rassen Zentraleuropas dargelegt werden, hat die „Präger Presse" einen den Juden gewidmeten Aufsatz veröffentlicht, der von Dr. S. Czortkower vom Anthropologischen Institut der Jan Kazimierz-Universität in Lemberg verfallt ist. l-'ür den Anthropologen, sehreibt Dr. S. C/ortkower, bilden die Juden eine der interessantesten ethnischen Gruppen, die ihre Existenz von den entlegensten Zeiten bis zur Gegenwart bewahrt haben. Das jüdische Volk, dessen Geschichte über SOIKI Jahre alt ist, darunter beinahe zwei Jahrtausende in der Zerstreuung, konnte über geschichtliche Wandlungen hinweg, ohne irgendeine staatliche Hindling und ohne durch eine dem ganzen Volke gemeinsame Sprache verbunden zu sein, seine kulturell-ethnische Eigenart bewahren. Die Juden haben zwar ihre ursprüngliche Rasseustruktur nicht behalten können, besitzen aber noch jetzt eine Reihe Kassenmerkmale, welche von der nichtjüdischen Bevölkerung abstechen und zusammengefaßt die sog. „facies iudaica" darstellen. Diese Merkmale können wir nicht nur unter der gegenwärtigen Judengeneration beobachten, sondern auch auf altägyptischen und assyrischen Denkmälern. Wenn wir z. B. eine Bildergalerie besichtigen, die Juden von der ältesten Epoche bis zur Qegenwart darstellt, kommen wir zu der Überzeugung von der Stabilität dieser Merkmale. Wenn wir zur hcststcllung gelangen, daß unter den Juden Rassenmerkmale vorkommen, die den sie umgebenden Völkern eigen sind, so ist dieser Umstand Eindringungsprozesscn zuzuschreiben. Sogar vom Standpunkt aus, dali bei den jüdischen Gruppen keine Beimischung fremden Blutes stattfand, hätten wir auch kein Recht zu behaupten, daß die Juden eine einheitliche Kassenformation bliden. Wie jede andere Bevölkerung, so bildet auch die jüdische einen Komplex mehrerer in verschiedenen Quantitäten vertretener Rassenelementc. Auf die Verschiedenartigkeit der Rasseukompouenten der Juden im Altertum hat als erster Luschan (1892) die Aufmerksamkeit gelenkt. Er unterscheidet drei Komponenten: Das hellhaarige Element, das semitische und das dunkle kurzköpfige. Das erste Element führt Luschan auf die Amoriter zurück, das zweite schreibt er den Kanaanitern und das dritte den Hettitern zu. Die übrigen Komponenten sind auf spätere Einflüsse zurückzuführen. Luschans Annahmen stimmen mit den Forschungsrcsultaten von Lempert-Bauer, Matiegka, Fischer, Stojanowski, Lipiec, Szpidbaum, Günther u. v. a. übercin. in welchen Mengen die erwähnten Elemente unter den Juden vor ihrer Zerstreuimg vertreten waren, können wir auf Grund der prähistorischen Archäologie erschließen. Czortkower geht diesen Ursprüngen nach und charakterisiert dann die beiden in der Diaspora entstandenen, sprachlich und ethnisch getrennten Gruppen der Sefardim, deren Ursprung auf den Stamm Jehuda zu- Einsendung der Manuskripte Wiederholt weisen wir darauf hin, daß zur Veröffentlichung bestimmte Manuskripte, insbesondere Vereinsnachrichten, Berichte über Vorgänge in den Organisationen unserer Gemeinde, Sportberichte» ausschließlich an Herrn Oberkantor Lampel, König-Johann Straße 23 zu richten sind. Aufsätze sind, wie bisher, an die Schriftleitung, Walter Blütnel Straße 10, III zu senden. Redaktionsschluß: Mittwoch vormittag 10 Uhr. Die Schriftleitung rückgeführt wird, und der Aschken asi m, die angeblich die Nachkommen des Stammes Benjamin bilden. Nach Prof. J. Czckanowski bilden den Kern der europäischen Bevölkerung vier Kassen (die nordische, mediterrane, lapponoide und armenoide) und deren sechs Mischformen (subnordischc, nordwestliche, dinarische, alpine, sublapponoide und littorale). Diese Rassen sind auch unter den Juden vertreten in Gesellschaft einer fünften Komponente: der Orientalen Rasse. Bei Kreuzungsprozessen ergeben die für die europäisheen Völker bezüglichen Elemente 10 Kombinationen, bei den Juden — in Berücksichtigung der Orientalen Rasse — 15 Kombinationen (fünf Hauptrassen und zehn Mischrassen). Die Vertreter der ältesten Rassenstruktur sind heute: die Spaoiolen, die Juden Mesopotamiens, Syriens und Persiens. Bei ihnen überwiegt die Orientale Rasse (45,7 o/0) bei einer starken Mischung mit der mediterranen Rasse (26,3o0) und der armenoiden Kasse als ansehnliche Minoritäten (16,7 o'o). Hingegen finden wir dort nur in kleiner Anzahl nordische (5,1 o/o) und lapponoide (6,8"o) Komponenten. Eine ganz anders geartete Struktur weisen die Juden des Kaukasus und Armeniens auf. Dort herrscht die armenoide Rasse (60,'Jo/o) vor, an der zweiten Stelle die Orientale Rasse (16,6 o/0), dann die lapponoide Rasse (13,5o/0) und an letzter Stelle die mediterrane (0,6 Oo). Die Juden Mitteleuropas stellen eine vom Rassenstandpunkt aus quantitativ beinahe ausgeglichene Formation dar. Von den beiden früher erwähnten Gruppen unterscheidet sich die stärkere Beimischung der nordischen (21,5o/o) und lapponoiden Rasse (23,8 o/o), während die armenoide bei ihnen mit 20,3 "o und die mediterrane mit 18,4 o0 hervortritt. Die für die ursprüngliche Bevölkerung charakteristische Orientale Komponente ist bei den Juden Ost- und Mitteleuropas bloß mit dem verhältnismäßig niedrigsten Prozentsatz von 15,0 <>u vertreten. Die bedeutende Beimischung des Blutes nordischer und lapponoider Rasse, die im Durchschnitt über 40 °/0 der Gesamtjuden-