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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-02-08 · 6 (8.2.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
6 (8.2.1935)
Date
1935-02-08
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIO 8. Februar 193s Innern von dein Prozeß /u benachrichtigen und dessen Entscheidung abzuwarten, wie der Beklagte es verlangt hatte. Andererseits hat das Reichsministeriuni des Innern den Kläger auf seine unmittelbare Anfrage dahin beschieden, dal) es sich mit den etwaigen Streitfällen nur auf Grund einer Benachrichtigung durch das Gericht beschäftigen werde, womit klargestellt ist, daß es die Entscheidung der Vorfrage, ob überhaupt ein a u s g I e i c h - barer Anspruch vorliegt, dem Gericht überlassen wird. Das Urteil des Landgerichts Leipzig ist noch nicht rechtskräftig. Seine Kenntnis soll trotzdem der jüdischen Öffentlichkeit nicht vorenthalten bleiben, weil sie helfen kann, Besorgnisse /u /erstreuen und Angstliche vor übereilter Preisgabe ihrer Rechtsposition /u wahren. Unsere Altkleiderstelle. Eine unserer Institutionen, die leider mit am wenigsten bekannt ist, dagegen aber zu den wichtigsten unserer Gemeinde gehört, ist die Altkleiderstelle, die am Montag, den 11. Februar 10'35, ihre neuen Räume in der Ja CobstrS.Be Nr. 2 bezieht. Ihre Gründung fallt in das Jahr 1924. Bereits im Jahre 1923. in der größten Inflation, hatte man erkannt, dali die Hilfe durch Geld nicht mehr möglich war, da mau morgens nicht wußte, was man abends für sein Geld noch kaufen konnte. In dieser Zeit, in der jede Hausfrau ihre eigenen Kräfte aufs äulk-rstc anspannen mußte und ihr eigener Haushalt die größten Anforderungen au sie stellte, war es besonders hoch an/urechnen, daß eine kleine Anzahl tatkräftiger Frauen aus dem Schwesternbund der Leipzig-Loge, an ihrer Spitze Iran Alma Cerf und Iran Rosa I'eis enstein für die Unbemittelten eine Kleiderstelle errichteten. Diese Damen begannen an Sachwerten zusammenzutragen, was ihnen möglich war. In kleinem Unifange fing man an, Kleidungsstücke an die Ärmsten ZU verteilen, und ungezählt waren die Bittsteller, die mit Kleidungsstücken, Schuhzeug und Wäsche versehen werden wollten. Die Fürsorge der Gemeinde erkannte wohl von Anfang au die Bedeutung der Kleiderstelle, konnte ihr aber ab Juli l<)25 den Raum in der W'alter-Blumel-Stralle nicht mehr zur Verfügung stellen. Monatelang muBte die Kleiderstelle deshalb ihre Pforten geschlossen halten. In den folgenden zwei Jahren konnte die Gemeinde der Kleiderstelle nur immer vorübergehend einen Raum im Llausc der Gemeinde zur Verfügung stellen, so daB ein intensives Arbeiten unmöglich war. Diese Zeit hat uns gezeigt, wie besonders wichtig die Einrichtung dieser Institution war, denn sobald man sie schloli, bestürmten unsere armen Glaubensgenossen die Damen in ihren Wohnungen mit der Bitte um Hilfe. Im Jahre 1027 wurde die Kleiderstelle in die Kellerräume des Hauses Humholdtstr. 13 verlegt. Man war sich von vornherein darüber klar, dal! die Räume unzureichend waren. Ls sollte auch damals nur als ein Provisorium gelten, bis man geeignetere Räume gefunden hätte. Dieses Provisoriuni hat aber acht volle Jahre, als} bis jetzt, gedauert. Bewunderungswürdig ist die Aufopferung der Gruppe von Damen, die während dieser Zeit ihre Arbeit in diesen vollkommen uuhvgicnischcn Räumen durchgeführt hat. Hierzu kommt noch, dal! leider auch die Rücksichtnahme unserer spendenden Glaubensgenossen zu wünschen übrig Hell, da auch sie zum Teil bei der Zusendung von Wäsche und Kleidungsstücken leider jede hygienische Sorgfalt vermissen Unsere Gemeinde. Einsendung der Manuskripte. — Redaktionsschluß. Zur Veröffentlichung bestimmte Manuskripte: Vereinsnachrichten, Sportberichte wie überhaupt Berichte über Vorgänge in den Organisationen unserer Gemeinde, sind von nun an an Herrn Oberkantor Lampel, König-Johannstraße 23, zu senden. — Aufsätze sind wie bisher an die Schriftleitung zu richten. Es wird wiederholt und nachdrücklich darauf hingewiesen, daß die für den Redaktionsschluß festgesetzte Zeit genauestens innegehalten werden muß. Manuskripte, die später als Mittwoch vormittag 10 Uhr eingehen, können bei der jeweils bearbeiteten Nummer nicht mehr berücksichtigt werden. Di.' jüdische Presse — ein Spiegelbild der Lage und Haltung der deutschen Juden. Die Rcfchsvertretüng der deutschen Juden teilt mit: „Die Reichsvertretung hat sich an die Schriftlcitungcu und Verlage der judischen Zeitungen, Zeitschriften und (icineindeblätter gewandt und hat ihnen eine Reihe von Vorschlagen betreffend die Ankündigung und Berichterstattung über Veranstaltungen gemacht. Es soll in Zukunft nur noch über künstlerisch, geistig oder organisatorisch bedeutsame Veranstaltungen b e r i c h t e t werden. Gleichzeitig ist die Reichsvertretung an die Virstände der Organisationen sowie an die Verwaltungen der Gemeinde herangetreten und hat sie ersucht, sich in der Planung eigener Ver- Bezugsgeld für das Gemeindeblatt Die Gemeindemitglieder werden gebeten, das Bezugsgeld für das Gemeindeblatt für die Zeit vom 1. Januar bis 31. MMrz 1935 mit RM. .30 bis zum 15. Februar d.J an unsere Gemeindekasse zu entrichten oder auf unser Postscheckkonto Leipzig Nr. 50533 einzuzahlen. Gleichzeitig werden diejenigen Gemeindemitglieder, die bisher das Bezugsgeld gar nicht oder nur zum Teil entrichtet haben, aufgefordert, den Rückstand mit dem obigen Bezugsgeld bis zum 15. Februar 1935 zu begleichen. Das Bezugsgeld beträgt monatlich RM. —.10 Bei denjenigen Gemeindemitgliedern, die bis zu dem genannten Tag dieser Aufforderung nicht nachkommen, wird das Bezugsgeld durch einen Gelderheber zuzüglich Einzugsgebühren in Höhe von RM. —.30 eingezogen. Leipzig, den 1. Februar 1935. Der Vorstand der Israel. Religionsgemeinde zu Leipzig. ließen und teilweise Spenden in einem vollkommen unwürdigen Zustand zugesandt wurden. Die immer größer werdende Not unserer Gemeinde bewies nicht nur die Notwendigkeit der Kleiderstelle, sondern auch immer wieder die Unzulänglichkeit der Räume. Stundenlang mußten die Hilfesuchenden warten, bis sie in den kleinen Räumen abgefertigt werden konnten. Geduldig harrten die Ärmsten der Armen aus, um das Notdürftigste für ihre Kleidung zu erhalten. I s gibt wohl kaum eine Stätte in unserer Gemeinde, wo sich das Elend so groß zeigt, wie gerade bei der Kleiderstelle. Gestalten ohne Hemd auf dem Leib, oder mit Schuhen, durch die das Wasser rinnt! Wie schrecklich ist es, wenn Mütter jammern, daß sie für ihre kranken Kinder kein Bettuch und keinen Bezug haben, wenn alte Frauen im Winter frieren, weil die warme Decke nachts fehlt. So gern und so viel die Damen der Kleiderstelle auch arbeiten und weiterhin arbeiten wollen, so ist es ihnen doch ein Ding der Unmöglichkeit, die Kleiderstelle aufrechtzuerhalten, wenn unsere Qemcindemitgliedcr nicht auch immer wieder daran denken, all! Kleidungsstücke und alle Wäsche, die sie erübrigen können, der Kleiderstelle zur Verfügung zu stellen. Das Wohlfahrtsamt der (iemeinde, welches im Laufe der Jalu ■ sich von der Notwendigkeit der Kleiderstelle überzeugt hat, hat die - selbe nunmehr in seine Obhut übernommen und die neuen Räum ' in der Jacobstraße 2 zur Verfügung gestellt. Die Kleiderstelle mul vergrößert werden, weil sie bei der heutigen Not den Ansprüchen nicht mehr gerecht werden kann. Alles kann natürlich nur g< - schelien, wenn wir das Verständnis aller unserer Gcmeindemitglicdi r im erweiterten Maße für die gute Sache behalten. Die Altkleiderstclle war seit II Jahren bestrebt, Not und Elend in unserer Stadt zu mildern. An unseren Gemcindeniitglicdcni aber wird es liegen, ob diese Bestrebungen weiterhin zum WohK' unserer Armen durchgeführt werden können. R. C. anstaltungcu größtmögliche Zurückhaltung aufzuerlegen. Zahl, Torrn und Inhalt der jüdischen Veranstaltungen muß durch die Rücksicht auf die Gesamtheit des deutschen Judentums bestimmt werden. Die jüdischen Veranstaltungen müssen ein Spiegelbild der Lage und Haltung der deutschen Juden sei n.1' Die Schriftleitung empfiehlt die von der ReichsvertretunK niedergelegten Grundsätze der ernstesten Beachtung aller Kreise unserer Gemeinde. Felix-Goldmann-Gcdächtnisfeler des Landesverbandes Mittddeutschiand und dei Ortsgruppe Leipzig des Centralvcreins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Die Feier fand am 26. Januar in der feierlich geschmückten Synagoge Gottschedstraße unter Anteilnahme aller Kreise der Gemeinde statt Ls sprach erst Justizrat Dr. Julius Brodnitz, Kerlin, der den Wert und Charakter des Verblichenen für das deutsche Judentum im allgemeinen und den G, V. im besonderen würdigte. Der Redner fand herzliche und ergreifende Worte des Gedenkens an den jugendlich-feurigen Rabbiner aus Oppeln, mit dem ihn jahrelange Zusammenarbeit verband. In Felix Goldmann sei der C. V.-Gedanke Wirklichkeit IWer seinen Gemeindebeitrag von RM. 3 —noch I nicht bezahlt hat, hole dies schleunigst nach. ■ Die Gemeindekasse ist geöffnet von 9 13 Uhr. I Postscheckkonto Nr. 50533. I

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