Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-12-23 · 52 (23.12.1934) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
52 (23.12.1934)
Date
1934-12-23
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4876568-5968799-5969474--5328-4881110
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIO 28. Dezember 193 t An die Leser des Gemeindeblattes! keiten seiner Gemeinde zu suchen. Und er findet selbstverständlich Adolf Jellinek, Julius Fürst. Jacob Nacliod, S. Mandelkern, Sal. Jadassohn, Nathan Porget, Henriette Goklschmidt. Heim Blättern fällt zufällig hie und da der Blick auch auf bedeutende Männer, die in Leipzig geboren worden oder gestorben sind: den Berner Physiologen Leon A s h e r (geb. 1856), Sohn des philosophischen Schriftstellers und Pädagogen David Asher; den Kunsthistoriker Kurt Q 1 a s e r (geb. 1S79), mehrere Jahre Leiter der modernen Abteilung des Berliner Kupferstiehkabinetts, dann (bis 1033) Direktor der staatlichen Kunstbibliothek in Berlin; den 1881 als Professor der Leipziger Universität verstorbenen Pathologen Julius Cohnh e i m (diesen, obwohl er sich durch Taufe vom Judentum losgesagt hatte; ein Hinweis solcher Art wäre doch wohl für eine spatere Auflage zu wünschen). Dagegen vermissen wir ungern manche Namen, die neben anderen Genannten wohl hätten Erwähnung finden müssen: So im Stichwort Architekten, wo Erbauer von Synagogen aufgeführt werden, den Erbauer der Leipziger Synagoge, den zu seiner Zeit bewanderten Otto Simonsen; unter den Künstlern, von denen moderne Kultbauten stammen, unseren Wilhelm Ha 11 er, der sich mit dem Bau unseres neuen Friedhofes und des Ehrenmales für die Kriegsgefallenen neben die bedeutendsten Architekten für Kuhhäuten gestellt und auch heute in Palästina große Erfolge erzielt hat; unter den Bildhauern sollte auch unser heute noch hier schaffender Rudolf S a u d e k genannt sein, von dem so manches Werk — z. B. Spinoza-Bfiste im Spinoza-Archiv in Holland, Masaryk-Büste im Brentano-Institut in Prag u. v. a. — öffentliche Aufstellung gefunden Jüdische Zeitschau Dr. S. Lichtenstädter - München 70 Jahre. In München begeht Dr. S. Lichtenstaedter seinen 70. Geburtstag. Er hatte die Beamtenlaufbahn ergriffen und stand bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1932 im bayerischen I inanzdienst. In der Zurückgezogenheit seines Privatleben« kämpft Lichtenstaedter seit 40 Jahren für Gerechtigkeit im Völkerleben und für die sittliche Erneuerung des deutschen Judentums. In seinen zahlreichen Broschüren, die meist unter dem Pseudonym „Dr. Mehemed Emin Efendi" und „Ne'man" erschienen sind, fordert er die Judenheit auf, die sittlichen Vorschriften des Religionsgesetzes hochzuhalten und zu ihnen zurückzukehren. In seinem Werk „Praktisches Judentum" (1931) zeigt er die Richtlinien der judischen Lebensführung im Geiste der sittlichen Grundsätze unserer Religion und versucht insbesondere Wege zu weisen zur Bekämpfung der sexuellen Laxheit im jüdischen Leben der Gegenwart. In drei beachtenswerten Broschüren, die in den Jahren 1027, 1929 und 1931 erschienen sind, hat Lichtenstaedter seinen Standhaften Kampl in der Schichtfrage niedergelegt. Harte Worte der Zurechtweisung findet er in seinem Buch „Jüdische Politik" (l'iti), aber auch Worte des Trostes und der Aufrüttelung in dem schweren Schicksal, das uns durch den Umschwung getroffen hat. Neben seinem Wirken für das Judentum hat Lichtenstaedter für Humanität und Gerechtigkeit im Volkerleben gekämpft. In mehreren. mii dem Kriege erschienenen Schriften geißelte er die grausame Welt- und Kolonialpolitik der europäischen Mächte und trat offen für die unterdruckten eingeborenen Völker ein. Obwohl die Schriften Lichtenstaedters nicht die Verbreitung gefunden haben, die ihrem gedanklichen Gehalt entsprochen hätte, verdient er es, dall er an seinein 70. Geburtstage von den deutschen Juden gewürdigt werde. In tiefer Ehrfurcht stehen wir vor dem edlen, in seinem sittlichen Wollen beispielgebenden Charakter dieses Mannes, der /eil seines Lebens nichts anderes kennt, als unter grollen persönlichen Opfern für die Menschheit und das Judentum ru wirki-n F.s muß und wird noch die Zeit kommen, wo sein Werk die Beachtung findet, die es verdient. W. C. Die Pressestelle der Rcichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: (iestüt/t auf das dem Präsidialausschuß in der Beiratssitzung vom 14. d. Mts. erneut von allen Seiten bekundete Vertrauen wird die Reicht Vertretung die Arbeit für die Gesamt interessen der deutschen Juden im bisherigen Geiste fortsetzen. Pläne für den weiteren organischen Aufbau der Reichsvertretung wird die Leitung der Reichsvertretung in einem besonderen in der Beiratssitzung gebildeten Organisationsausschuß zur Beratung bringen. Linen Schritt auf diesem Wege stellt die von dem Präsidialausschuß angeregte Bildung eines Haushaltsausschusses dar, in dem die Landesverbände der Gemeinden den maßgebenden Einfluß haben; er hat den Haushaltsplan der Rcichsvertretung zu verabschieden, seine Einhaltung zu uberwachen und die Rechnung der Reichsvertretung zu prüfen. Der Beirat ist bei der Bildung des Haushaltsausschusses von der Erwartung ausgegangen, daß die zur Fortsetzung der Arbeit der Reichsvertretung sowie zur Deckung der für Hilfe und Aufbau notwendigen Mittel gemäß den Beschlüssen des Haushaltsausschusses von den Gemeinden bzw. Li-rA iverbiadm aufgebracht werden. Wir fordern diejenigen Gemeindemitglieder, die noch mit dem Bezugsgeld für das Qemeindeblatl im Rückstand sind, auf, dasselbe umgehend zu entrichten. Die Bezugsgebühr beträgt für die Zeit vom 1. April bis 31. Juli 1Q34 RM —.40, für die Zeit vom 1. August bis 31. Dezember 1934 RM. —.50. Postscheckkonto der Gemeinde 50533. Leipzig, den 5. November 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. haben, und der als Schöpfer von Grabmälern immer neue Erfolge erzielt; unter den Malern: Eduard Einschlag, der schon 192b aui der Dresdner internationalen Kunstausstellung und auf der Ausstellung in Venedig höchste Auszeichnungen erhielt. Auch wenn in dieser oder jener Hinsicht noch Wünsche für eine wohl bald sich als notwendig erweisende Neuauflage ausgesprochen werden können: Wir stehen mit rückhaltloser Anerkennung vor diesem Werke. Und begegnen auch schon heute bei seinen zahlreichen Besitzern der gleichen freudigen Zustimmung. Das Buch wird seine Bestimmung erfüllen: Wissen um alles Jüdische zu verbreiten, und zu steter Ausweitung und Vertiefung anzuregen. C. Unter Betonung der dem Beirat vorgetragenen und von ihm einmütig begrüßten sozial-politischen Bedeutung des Zentralausschusses für Hilfe und Aufbau richtet die Reichsvertretung an alle Glieder des deutschen Judentums nochmals den dringenden Appell, die begonnene Sammlungsaktion für das Hilfswerk mit allen Kräften zu unterstützen und zu fördern. Der schwere Winter mit seinen alten und neuen Problemen muß das deutsche Judentum in Einigkeit gerüstet finden. Neue Bestimmungen über die Auswahl von Armenanwälten. In der „Deutschen Justiz" wird eine Allgemeine Verfügung des Reichs¬ und Preußischen Justizministers vom 10. Dezember veröffentlicht, die neue Grundsätze über die Beiordnung von Rechtsanwälten in Annensachen außerhalb des ehemaligen obcrschlesischen Abstimmungsgebiets aufstellt. Danach sind bei der Auswahl des beizuordnenden Anwalts Wünsche der Partei nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Wird ein Wunsch nicht geäußert, so ist der Anwalt SO auszuwählen, wie es den berechtigten Belangen der Partei und Ihren mutmaßlichen Wünschen entspricht. Es wird dabei davon auszugehen sein, daß eine arische Partei die Beiordnimg eines arisch« i Anwalts erwartet. Die bisher im Reiche und in den Ländern geltenden Erlasse und Verfügungen über die Beiordnung von Armeramvältcn werden im Geltungsbereich der neuen Allgemeinen Verfügung gegenstandslos. (JTA.) Sächsische Gemeinden Plauen. Am 12.11. er. fand eine Gemeindcratssitzun^ statt, die sich mit der Steuerfestsetzung und der Haushaltpla"- beratung für 1935 zu beschäftigen hatte. Durch die Abwanderui:^ fast der Hälfte unserer Gcmeindemitglieder hat sich das Steueraufkommen gegen die Veranlagung vom November 1932 um 75 o ermäßigt, so daß der Etat auf eine kaum tragbar erscheinende Weise verringert werden mußte. Als Steuersatz, wurden 35 o/o Züschlag zur Einkommensteuer festgesetzt. Weiterhin wurde beschleusen, die im Dezember er. fälligen üemeinderatswahlen um 1 Jahr VI verschieben. Ferner ist noch zu berichten, daß die Bilder des früheren Vorsitzenden Dr. Goldberg und des Ehrenmitgliedes der Gemeinde Alex Löwenthal im Gemeinderatszimmer angebracht worden sind. An Stelle des zum Gemeindeverordneten gewählten Herrn Landgerichtsrat Dr. Löwenthal, dem das Justizministerium die Genehmigung zur Annahme dieses Amtes nicht erteilte, tritt Herr Reifen neu als ordentliches Mitglied in das Kollegium ein. Der Kunstausschuß der Gemeinde hatte die Kinder t» einem Märchennachmittage eingeladen, au dem von Fräulein Irma Steinberg, Plauen (bisher Mitglied der Kulturbundbühne Rhein- Ruhr) Märchen der Weltliteratur cr/ählt wurden. Erzählen ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, denn wie Fräulein Steinberg es verstand, ihre kleinen — und so manchen großen! — Zuhörer in ihren Bann zu ziehen, und sie miterleben ließ, ging weit über das hinaus, was man gemeinhin als Märchenerzählen bezeichnet. Die lebendige Art der Darstellung, das verständnisvolle Eingehen auf kindliche Psyche ließ nur zu gut den reichen Beifall erkläre-ii, der der Vortragenden von ihrem jugendlichen Publikum zuteil wurde. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hatte am 3. ds. seinen Landesverbandsvorsitzenden Dr. Jacoby, Leipzig

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.