Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 48 (30.11.1934)
- Date
- 1934-11-30
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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30. November 1934 GEMEINÜEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSGEME1NDE ZU LEIPziu Seite 3 „IMKIBA i I J. P. D. Makkabi - Hazair i Kino- und Bundes-Abend Es läuft u. a. ein eigener großer Film g vom gesamten leipziger .1. P. I». ■ Das Fest des J.P.D. Wir bitten herzlichst ausnah ms- Erwachsene RM. I.— weise um pünktliches Erscheinen. Jagendliche „ —.30 Vorverkauf in KKL-Büro u. bei sämtlichen J.P.D.ern u.a.d. Abendkasse Donnerstag den Dezemb. pünktl. 8 I hr, endgült. i. großen Saal des C/«TT. Leipzig Tel-Aviv Erni Kielt Rainer CiSrottkopf Verlobte 2. Dezember 34 Menckestr. 25 Die glückliche Oeburt eines Sohnes zeigen hocherfreut an 25. 11. 34. Nordstr. 21 Oftia« Adler und Frau Allen lieben Freunden und Bekannten, von denen es uns leider nicht mehr möglich war, uns zu verabschieden, sagen wir auf diesem Wege herzlich Lebewohl. Frau Fanny Anspach Frau Hary Tarschis u. Kinder Internationale Spedition Leipzig C1 Brühl 61 Telefon 242 07 Spezialität: Palästina Transporte illllllllllllllllllllllllllllllllllllll an Uhren, Gold- und Silberwaren und Optik, in] Reparaturen eigener Werkstatt gewissenh. und besonders billig, üllllllltllllllllllllllllllllllllllllll Erlbaum £, Co., Hainstr. 16, gegr. 1911 j ■ KtMNt»n PALESTINE & ORIENT LLOYD, BERLIN HANDELSBANK IWRIA e.O.m.b.H. Leipzig Cl, Ritterstr. 23 29 Auskünfte und Buchungen nur durch ItHlMfEBI ItUAl AKTOKIA «.m.b.H. Leipzig Cl Blttrherplatz £ Telefon 28740 Kelsen nach allen Weltteilen - FlugpaMMagen!■> Iiadcn aufgenommen werden; denn es wird zum jüdischen Kulturgut umgeformt. Das Chanukkahlicht ist Symbol neuen Aufstiegs, neuer Blüte. S 1 es auch für unsere Tage sein. Gemeinderabbiner Gustav Cohn. Unsere Gemeinde. Führung, Hilfe und Aufbau im deutschen Judentum. Prof. Cora Berliner, eine der bedeutendsten jüdischen Frauen Deutschlands, Vorstandsmitglied der Reichsvertretung der Deutschen Juden, ucht in einer Veranstaltung des Jüdischen Frauenbundes, Ortsl tippe Leipzig, am Donnerstag, den <>. Dezember, 20,3(1 Uhr, in den Räumen der Leipzig-Loge, Arndtsir. I, über „Führung, Hilfe und Aufbau im deutschen Judentum". Die Ausführungen der prouiiiienicn Rcdueriu, die in der jüdischen QegenwartsarbeH mit an führender Stelle steht, werden weiteste Kreise interessieren. Alle <-> meindcmitglicder sind zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen. Vortragsabend Julius Bab. Im dichtgefüllten Saale des Felix- Goldmann-Heimes sprach auf Einladung der Frauengruppe und der Ortsgruppe des C. V., dessen Hauptvorstandsinitglicd, Schriftsteller Julius Hab-Berlin, der Dramaturg des Kulturbundes deutscher Juden, über „Shylok, Nathan, Judith". Die Vorsitzende der C.V.- Frauengruppe, Frau Hertha Sabatzky, begrüßte die Frschienenen und wies daraufhin, «.lall es die Frauengruppe wie Ort*- Knippe für notwendig gehalten haben, in einer Zeit, in der gerade » Leipzig die kulturellen jüdischen Veranstaltungen in den Hintergrund getreten sind, mit einer geistigen Veranstaltung großen Ausmaßes vor die Öffentlichkeit zu treten. Julius Bab gestaltete seine Ausführungen für die Zuhörer zu einem wahren Erlebnis. Nicht allein, daß er die im Thema sage- {ebene Bühnenfiguren mit einer ungeheuren Lebendigkeit und dramatische!) Gestaltungskraft vor den Zuhörern lebendig werden lieft, Jüd. Frauenbund Ortsgruppe Leipzig Donnerstag, 6. Dezember 2030 in den Räumen der Leipzig-Loge, Arndtstraße 1 Frau Prof. Cora Berliner Vorstandsmitglied der Reichsvertretung der deutschen Juden spricht über: Führung, Hilfe und Aufbau im deutschen Judentum. Alle Gemeindemitglieder sind zu dieser Veranstaltung herzlichst geladen. $ BLUMENHAUS LANGE 0 C /, Tauchaer Straße 16 - Tel. 28789 Schnitt-Blumen Topfpflanzen, Blumenarrangements. Lieferung ins Haus. verstand er es auch, seinen Vortrag aufs engste den Zeitvcrhältnissen anzupassen. Es gäbe, so führte der Redner aus, in der Literatur eine große Reihe von jüdischen Bühnengestalten. Diese seien jedoch, mit Ausnahme der im Thema erwähnten, alle von einer bestimmten Tendenz für oder gegen das Judentum gestaltet. Bei diesen drei Figuren handle es sieh jedoch um Menschendarstellung, bei der der Dichter nicht tendenziös gedacht hat, sondern die unter rein künstlerischen Voraussetzungen ohne jede Zweckabsieht geschaffen wurden. Der Vortragende ging sodann auf die ShylokfigÜr ein. Der Dichter habe ursprünglich die Absicht gehabt, im Kaufmann von Venedig ein Lustspiel zu schreiben. Bei der Schaffung des Werkes selbst habe sich aus der Shylokfigur jcdo.h eine solche von ungeheurer Tragik entwickelt. Habe der Vorläufer Shakespeares, Marlow in seinem „Juden auf Malta" im Juden ein menschliches Ungeheuer dargestellt, so habe Shakespeare zum ersten Male in der Weltdichtung im Juden einen wirklichen Menschen gezeigt, der zwar in vielen Teilen verwerflich und abstoßend wirke, bei dem aber auch die tiefe Tragik seines Judeseins zum Ausdruck komme und bei dem sich zeige, daß er gerade durch Haß und Unterdrückung der Umwelt so geworden sei. Julius Bab gab an Hand von Rezitationsproben Beispiele, wie nicht zuletzt auch das rein Menschliche des getretenen Juden beim Shylok zum Ausdruck kommt. Gerade bei der Wiedergabe der dramatischen Stellen war Bab von einer tinerhörten Oestartungskraft, so daß die Zuhörer his ins Innerste hinein getroffen wurden. Es folgte eine Charakterisierung der Figi.r des „Nathan der W eise". Grundlegend und beispielgebend sei hierbei für Lessing nicht so sehr Moses Mendelssohn als vielmehr Barucll Spino/a gewesen. Der Redner wies auch dies an Rezitationsproben nach. Hebbels „Judith'* schilderte er als eine Frauengestalt, die der Dichter in Gegensatz zu der biblischen Auffassung stelle. Sie zerbreche nach der Tat am Holophernes menschlich an dem, was sie für ihr Volk getan habe. Auch hier wirkten die Rezitationsproben wieder recht stark. Der Redner betoute, daß abseits von allen politischen und wissenschaftlichen Theorien menschliche und kulturelle Verbundenheit den Juden im europäischen, wie speziell auch im deutscheu Leben gestartet hätten. Deswegen ließe sich der Jude aus dem deutschen Kulturkreise nicht heraustreiben. Die Versammlungsleiterin betonte in ihren Schlußworten das seelische Erlebnis der Zuhörerschaft, die die Richtigkeit der Idee von Deutschtum und Judentum bewiesen habe. Sie schloß mit den Worten: „Wir bleiben was wir «.ind, Deutsche und Juden!"