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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-11-23 · 47 (23.11.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
47 (23.11.1934)
Date
1934-11-23
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seile 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 23. November 19 <4 liehe» Kraftquellen unserer Existenz, wie endlich nahezu das gesamte deutsche Judentum einig war im Rufe nach der „jüdischen Sehnte" das wird vielleicht einmal als ein Vorgang gewertet werden, der einer gewissen historischen Qrflße nicht entbehrt. Die erhöhte Bedeutung, die der jüdischen Schule durch die geschichtliche Entwicklung zuwuchs, hat auch dem jüdischen Lehrerstand eine neue Bedeutung gebracht, die doch im Grunde genommen uralt ist, hat dem Wort „jüdischer Lehrer" einen Klang gegeben, der nur den Ohren der letzten Generation fremd geworden war. „Lehre" und „Lehrer": welche gewaltigen geschichtlichen Mächte der jüdischen Vergangenheit werden in diesen beiden Worten lebendig, welche in die Zukunft weisende schöpferische Kraft ist in ihnen umschlossen! Der jüdische Lehrer erringt im Leben unserer Gegenwart und, wie wir hoffen, auch der Zukunft wieder jene schöne und so tief verpflichtende Stellung, die er immer in den grollen Zeiten unserer Geschichte innegehabt hat. Die Reichsvertretung der Deutschen Juden weil! sich eins mit der jüdischen Lehrerschaft Deutschlands im Qlauben an die grundsätzliche Bedeutung der jüdischen Schule, und als die berufene Hüterin der Interessen des deutschen Judentums ist sie gewillt, in engster Verbindung mit der jüdischen Lehrerschaft an die Bewältigung all der Schwierigkeiten zu gehen, die noch vor uns liegen. Eine Erklärung des Lehrerverbandes. Wir begrüßen die Ausführungen des Herrn Schulreferenten der Reichsvertretung der Deutschen Juden aufs wärmste und versichern, dali wir die Bestrebungen der Reichsvertretung auf Erweiterung und Festigung jüdischen Schulwesens tatkräftig unterstützen werden. Wir erwarten aber auch von der Reichs Vertretung, dali sie über der Sorge um die Schule nicht die Fürsorge für die Lehrer vergessen wird. Eine leistungsfähige Schule setzt eine entsprechende Lehrerschaft voraus, und eine Lehrerschaft ist nur dann leistungsfähig, wenn ihr die ihrem Werte und ihren Aufgaben entsprechenden Lebensbedingungen gewährt werden. Da wir wissen, dali die Reichsvertretung diese Aufgaben nur dann lösen kann, wenn ihrer Gesamtarbeit das gebührende Interesse und das notwendige Vertrauen im deutschen Judentum entgegengebracht wird, wollen wir der Reichsvertretung das Versprechen geben, daß die Lehrerschaft nach Kräften mithelfen wird, einer segensreichen Tätigkeit der Gesamtvertretung der deutschen Juden den Boden zu bereiten. Der Vorstand des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine Dr. Stern, Vorsitzender. Jüdische Zeitschau Jüdische Reminiszenzen anläßlich der 125-Jahrfeier der Tiroler Freiheitskämpfe. Anläßlich der 125-Jahrfeicr der Tiroler Freiheitskämpfe veröffentlicht die Wiener Zeitschrift „Gerechtigkeit" den Brief eines Lesers, in dem es heißt: Zur Erinnerung an 1S(W wurde vor einigen Tagen zum millionsten Male in Innsbruck das Andreas-Hofer-Lied, das ergreifendste, was wir haben, gesungen. Julius Mosen ist der Verfasser. Wer war Julius Mosen? In meiner Bibliothek befindet sich ein zweibändiges Werk, betitelt: „Berühmte israelitische Männer und Frauen" von Dr. Adolph Kohut. Auf Seite 51 des II. Bandes lesen wir nachstehendes: Vielgefeiert und bewundert als Dramatiker, Epiker und Lyriker wurde einst Julius Mosen, eigentlich Moses, geboren am 8. Juli 1803 zu Marieney im sächsischen Voigtland und gestorben ISO? in Oldenburg. Einige seiner Lieder, wie z. B. das ernst getragene, würdevolle „Andreas Hofer" („Zu MantlU in Banden") und das von heißer Leidenschaft durehbebte: „Die letzten Zehn vom 4. Regiment" („Zu Warschau schwuren tausend auf den Knien") drangen in alle Kreise und wurden Volkslieder in des Wortes wahrster Bedeutung. Dasselbe gilt auch von der „Völkerschlacht bei Leipzig" („Ls wollten viel treue (iesellen lieh kaufen ein Vaterland"), ein einfaches schönes Lied, das seinerzeit von aller Welt gesungen wurde, ebenso auch vom „Trompeter an der Katzbach". Auf eint weitere Tatsache, die vom jüdischen Standpunkt aus lntere«sr verdient, macht die Wiener Schriftstellerin Klothilde Benedikt aufmerksam. Frau Benedikt schreibt: „Nicht nur die Isclsthiaeht, auch das ganze Leben Andreas Hofers wurde in der letzten Woche in Österreich besprochen und beschrieben. In der heutigen kritischen Zeit sollte das Judentum sich nicht den Ruhm nehmen lassen, dali es Andreas Hofer den Verteidiger bei seinem Todeswege gestellt hat. Wenn heule das Wiener Barreau erst ermutigt werden mußte, politischen Gefangenen ex-offo-Verteidiger zu stellen, so kann man den Löwenmut des jüdischen Advokaten Bassevi ermessen, den von einem Napoleon im voraus zum Tode Verurteilten zu verteidigen. Kein anderer Advokat in Mantua stellte sich in die Bresche, abgesehen davon, daß kein anderer genügend die deutsche Sprache beherrschte, um sich mit dem Tiroler zu verständigen. Obwohl der so fromm katholische Andreas sicher einen Glaubensgenossen vorgezogen hätte, war er voll Dankbarkeit und Bewunderung für Bassevi, der entrüstet jedes Honorarangehot ablehnte. Er war übrigens der Sprößling des wohlhabenden Jakob Bassevi, An die Leser des Gemeindeblattes! Wir fordern diejenigen Gemeindemitglieder, die noch mit dem Bezugsgeld für das Gemeindeblatt im Rückstand sind, auf, dasselbe umgehend zu entrichten. Die Bezugsgebühr beträgt für die Zeit vom 1. April bis 31. Juli 1934 RM —.40, für die Zeit vom 1. August bis 31. Dezember 1934 RM. —.50. Postscheckkonto der Gemeinde 50533. Leipzig, den 5. November 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. des bekanntlich im Dreißigjährigen Krieg in den österreichischen Adelsstand erhobenen Kriegslicferanten Ferdinands IL, im übrigen aber schwerlich anders als napolconisch gesinnt. Um so heroischer war es, daß er die Verteidigung übernahm und als oratorisches und juristisches Meisterwerk nach nur halbstündiger Instruktion mit dem Gefangenen durchführte. Daß seine Mühe vergeblich sei, hatte ihm der Gefangene selbst im voraus mit heldenhafter Ruhe gesagt; desto inniger war sein Dank an ihn. Bassevi konnte sich nicht entschließen, der Hinrichtung Hofers beizuwohnen. Mantua war ihm verleidet; er übersiedelte nach Mailand, wo er eine glänzende Kanzlei hatte, in den Vorstand der Judengemeinde und der Advokatenkammcr kam und im höchsten Greiscnalter noch die Errichtung des Königreichs Italien erlebte. Der Eindruck des Prozesses muß ein dauernder für sein Leben gewesen sein, weil er seine ganze Muße der Verfassung von Büchern und Schriften für die Abschaffung der Todesstrafe weihte. Das Judentum sollte das Andenken dieses Mannes hochhalten, der so tapfer war, als alle anderen versagten." Unsere Gemeinde. Der Israel. Kindergarten, Lcibnizstr. 31, bittet nochmals dringend um Zusendung von Geldmitteln auf Postscheckkonto 669'Ii oder um warme Kleidungsstücke, Schuhe, Strümpfe usw. für tiie Chanukka-Bcscherung von 70 bedürftigen, frierenden Kindern. Sabbath-Feierstunde der Religionsschule I. Nachdem aufgrund der Neuregelung des Sonnabendunterrichts Hemmungen, die jüdischen Schüler und Schülerinnen vom Besuch der Schüfe zu befreien, fortgefallen sind, mehrt sich erfreulicherweise die Zahl der Kind r, die wieder eine lebendige Beziehung zur Sabbathfeier gewinnen. Wie in vielen anderen Gemeinden soll auch hier eine Sabbath-Feirrstunde diese Beziehung vertiefen. — Am Sabbath, dem 24. November, findet diese für die Schüler und Schülerinnen der Religionsschulc I (Yorkstraßc, Schletterplatz und Täubchenweg) vorbereitet".' Feierstunde um IOs/i Uhr pünktlich im Saale des Sozialamtes, Hu nboldtstr. 13, statt. Richtige Ernährung — das Fundament unserer Gesundheit. Über dieses aktuelle Thema spricht Dr. Soloweetschik am 28. November, 20 Uhr, im Fclix-Goldmann-Heim. Unterernährung ans Not oder Unwissenheit, Unmäßigkeit aus Überfluß und Gedankt nlosigkeit, diese Bilder begegnen täglich dem Arzte. Hier Abhilfe durch Aufklärung zu schaffen, neue Wege zu bahnen zu eh'er Kostform, die bei wirtschaftlicher Tragbarkeit für jedermann, nährt, heilt und vor Krankheiten schützt, das ist die Aufgabe des angekündigten Abends! Staatszinnistische Organisation. In dei im Zeichen des inr.cr zionistsichen Friedcnsabkommens von der St. O. am II. November in der Turnhalle der jüdischen Schule veranstalteten Kundgebung, die dem Gedenken der jüdischen Legion im Weltkriege und dB Erinnerung an die Balfourdeklaration galt, sprachen die Präsidialmitgliedcr E. Hamburger und W. W. C e g I a (Naziw ha Betar) aus Berlin, sowie die Parteiratsmitglieder Dr. L. Goldwasser und R. Pelz aus Leipzig. Die in Form und Inhalt meisterhaften Referate („Entwicklung des staatszionistischen Gedankens", „Balfourdeklaration und Legionsgedanke", „Nationales Heim oder Judenstaat?-', „Von der Legion") führten die Hörer in die Problematik des jüdischen Staatsaufbaues ein, zeigten die Schwierigkeiten und Möglichkeiten auf, die das jüdische Volk bei der Realisierung seiner Zukunftsaufgabe zu berücksichtigen hat, und gipfelten in den Bekenntnis zum Geiste der jüdischen Legion, deren Verdienste im Weltkriege ledier zu wenig bekannt sind. Der Geist des unbekannten jüdischen Soldaten müsse auch heute, besonders bei der iüdi-

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