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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-10-26 · 43 (26.10.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
43 (26.10.1934)
Date
1934-10-26
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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26. Oktober 1034 erworbenen Reichtum zu wandeln, Reichtum gibt Ansehen, Ansehen .sehafft Einfluß, und wie einer seinen Eiinfluß nutzt, darauf kommt es an. Moses Montefiore nutzte seinen Einfluß1 ZU menschenfreundlichen Werken; er Übte vor allein seinen weitreichenden 1 .nihil! aus, um seinen Glaubensbrüdern, wo immer aueli sie verfolgt und bedringt wurden, Rettung und Hilfe /u bringen. Durch volle sechzig Jahre seines Lebens — Moses Montcflore wurde 1784 ZU Li Vorn 0 geboren und starb in London wirkte dieser Mann im Dienste des Judentums und der Menschheit. Wenn irgendwo In fernem Lande die judischen Leiden sieh mehrten, er eilte herbei, sie zu lindern; wenn Irgendwo das erworbene Recht geschmälert, der erkaufte Schutz geweigert wurde, er war zur Stelle, um das gebeugte Recht wieder aufzurichten; und wenn Haß und Verleumdung ihre Net/stricke auswarfen, er war es, der mit ehrlicher Kraft sie zerriß. Es sind der Fälle nicht wenige, wo es Montefiore gelang, von den Juden die Gefahr und die Schmach von der Menschheit abzuwenden. Bei seinem Hilfswerk stand ihm seine Gattin Judith, eine hochsinnige Erau, edel, hilfreich und gut, stützend und fordernd ZW Seite. In ihrer Hegleitung machte er IS2U eine Keisc nach Palästina, worüber Judith ein „Diary of a journey to the Holy Land" veröffentlichte. Diese erste Reise, auf der er jüdisches Elend und jüdische Not kennenlernte, war entscheidend für Montifiores ganzes, Leben. Fortan widmete er sieh ganz Werken der Menschenliebe. Er zog sieh von allen Geschäften zurück und kannte nur noch das eine Geschäft: für die Armen, die Unterdrückten, die Entrechteten hilfreich zu sorgen. Nunmehr war sein Leben eine ununterbrochene Kette von Hilftreisen, Fürsprachen, Interventionen, Edettaten und Liebeswerken. Als 1S37 ein Erdbeben in Zafe und Tiberias arge Verwüstungen anrichtete, begab sich Montefiore zum zweiten Male nach Palästina, um das Hilfswerk persönlich zu leiten. Als 1SI0 in Damaskus eine Judenverfolgung ausbrach, eilte er dorthin, um Leben und Eigentum der Juden zu schützen. Im Winter 1846 erschien er in Petersburg, um beim Zaren Nikolaus I. die Aufhebung druckender Judenukase zu erwirken. Die große Hungersnot in Palästina 1851 führte ihn zum dritten Male nach dem Heiligen Lande. Im Jahre 1858 reiste er nach Rom, um beim Papst Pius IX. in der Mortara- Saehe zu intervenieren. Im Jahre ISti'i reiste er nach Marokko, wo eine Judenverfolgung ausgebrochen war und erwirkte dort vom Sultan einen I erman zum Schutze der Juden und der Christen. Die Not der von Cholera und Heusehrecken heimgesuchten Juden führte ihn ISoO zum lechstenmal nach Palästina. Das Jahr 1S67 fand ihn in Rumänien, wohin ihn die Judenverfolgungen riefen. Und als Neunzigjähriger besuchte er 1S75 zum siebenten Male Palästina. Siebenmal war Moses Montefiore in Palästina. Wer die Seell dieses großen Juden erfassen will, muß sich die heilige Zahl merken. Montefiore war ein Reisender in jüdischen Angelegenheiten, als Verteidiger der Juden besuchte er aller Herren 1 inder: Rußland, Rumänien, Rom, Damaskus, Ägypten, Marokko, er war in Ost und West, in Nord und Sud, - aber immer wieder kehrte er nach Palästina zurück. Es ist bei Juden uralter Brauch, au hohen Festtagen das Innere des Gotteshauses siebenmal zu umkreisen; man fühlt sich geradezu versucht, Montefiores sieben Palä- Unsere Gemeinde. Die blaue Beitragskarte für Hilfe und Aufbau wirbt im Oktober für die BerufsumsJiichtunß und -teilt sieb damit in den Dienst einer Aufgabe, die für uns eine überragende Bedeutung gewonnen hat. Das Wort „Berufsumschichtung" ist heute schon jedem jüdischen Menschen geläufig. Wird aber auch der Sinn des Wortes, sein Inhalt, immer richtig erfaßt? Zunächst umschließt dieser Begriff eine I ulle praktischer Aufgaben und ein großes Mall sachlicher und zielbewußter Aufbauarbeit: die jungen jüdischen Menschen, aus unproduktiven oder aussichtslosen Berufen kommend, sollen in einen der drei Hauptzweige Landwirtschaft, Handwerk, Hauswirtschait übergeleitet werden. Es ist den jüdischen Gemeinden und Olga nisationen nur unter größter finanzieller Opferbereitschafl möglich gewesen, das begonnene Werk so auszubauen, daß heute für den starken Bedarf an I ehrbetrieben in allen drei Berufskategorien annähernd gute und ausreichende Einrichtungen zur Verfugung stehen. Die künftigen Bauern, Landarbeiter und Gärtner finden ihre Ausbildung in gut geleiteten landwirtschaftlichen und gärtnerischen Betrieben. I ur die Handwerker gibt es die I iuzcllchrc und Aulern- An die Liener den ditomeincleblattes Hierdurch bitten wir unsere (jemeindemitglicder, das BezuKMgeld für das <><>iii<>inde)»lutt für die Zeit vom 1. August bis 31. Dezember ds. Js. in Höhe von RM .50 mittels beiliegender Zahlkarte auf das Postscheckkonto der Gemeinde Nr. 5053'3 zu iihci « ciHun. Diejenigen Gemeindemitglieder, die das Bc/ugsgeld für die Zeit vom 1. April bis 31. Juli ds. Js. in Höhe von RM .40 noch nicht überwiesen haben, werden gebeten, dies bei dieser Gelegenheit nachzuholen. Selbstverständlich ist es jedem freigestellt, aucli die Zahlung gleich für die Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1935 vorzunehmen, so dal! ein weiterer Beirag von RM —.30 hinzukommt. Wer das Porto von RM .10 für die Zahlkarte sparen will, hat die Moglichkeit, den Betrag an unserer üemeindekasse während der üblichen Kassestunden werktags von Q 1 Uhr zu entrichten. Im Interesse des Fortbestandes unseres Oemeindeblattes sprechen wir die bestimmte Erwartung aus, dal5 jeder da^ Bezugsgeld umgehend bezahlt. Leipzig, den 28. September 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. stiuareisen als seine „sieben Umkreisungen" zu bezeichnen. Sein« Gedanken umkreisten immer den Boden der Vater; sein Herz hing an ihm. Die hebräische Aufgabe seiner ,,Diaries" tragt die Aufschrift „Mos'chch wc-Jcruschalajim". El hatte das Hecht, seinen Namen an den der Heiligen Stadt zu knüpfen. Er vergaß Jerusalem nicht. Die philanthropische Tätigkeit Moses Montefiores galt baupt sachlich dem jüdischen Palästina, der Hebung des Landes und seiner jüdischen Mensehen. War es auch nur Philanthropie, so lag doch schon Methode darin. Er beschrankte sich nicht auf dii Armen Unterstützung allein, er war vielmehr bemuht, für die amen Juden Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. So gründete er in Palistina neben Armen- und Krankenhausern auch etwelche gewerb liehe Unternehmungen. In Jerusalem errichtete er eine Apothckeine Mühle, eine Druckerei. Er war der erste Westjude, der n Palästina Grund und Boden erwarb. Kein Wunder, daß dieser Mann eine Volkstümlichkeit er langte, wie selten ein Philanthrop zuvor. Sein Ruf als Menschen freund, als Eürsprecher der Juden, drang bis in die entlegenste-: Winkel der Welt. I iberall, wo Juden wohnten, wurde sein Nam in Ehrfurcht genannt. Die Juden in den östlichen Landern sähe in ihm den großen Wohltäter, einen „helfenden Gottc-sboten", zu: Rettung Israels vom Himmel gesandt. Im Osten Europas gab i l keine Stadt, kein Stadtchen, wo der Name Montefiore nicht bekam gewesen wäre. Noch im ärmsten Judenhaus hing ein Bild Moni Korea an der Wand. In der Verehrung für ihn waren alle Parteien im Judentum einig: die Erommcn segneten ihn, die Aufgeklärten huldigten ihm. Kurz gesagt: Moses Montefiore war t berühmter Jude. Und er war einer der größten Philanthropen, d e das Judentum hervorgebracht hat. Werkstätten aller Art und für die Ausbildung der Madchen wird I sorgt durch städtische und landliche Haushaltsschulen. Dane! finden in last jeder Gemeinde Kurse fur Schneidern, Weißnah Kochen, Bügeln usw statt. Diese Einrichtungen unserer Jugend U erhalten und si<- auszuhauen, ist dringendes Erfordernis; zu dies Werk beizutragen rufen wir jeden einzelnen auf. Die praktis. Arbeit am und im Berufsumschichtungswerk wird getragen dur h die Idee, der sie dient: die Lebensfähigkeit der judischen Gemeinschaft zu siehern durch eine gesunde Berufspolitik, durch Abki t von den früheren, durch Hinwendung zu dem neuen Berufsid ll des werktätig schaffenden Menschen. Die jüdische Jugend, die lu entschlossen, mutig und voller Zuversicht die Umstellung auf körperliche Arbeit in ihrer ganzen Schwere auf sich nimmt, sie bildet dat Fundament jeglicher judischen Aufbauarbeit. Sorgt alle nach besi n Kräften dafür, daß der Grund, auf dem wir bauen, fest ist Und bleibt Wer für die Berufsumschichtung gibt, hilft allen und damit auch sich selbst! Beitragskarten stellen im Wohlfahrtsamt der judischen OemeindC zur Verfugung. Das Wohlfahrtsamt ist unter Nr.zu erreich CS und gern bereit, auf Wunsch Beitragskarten zuzustellen

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