Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 39 (28.9.1934)
- Date
- 1934-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 28. September 193; Zum Work für Hilfe und Aufbau geeint, ruft die jüdische Gemeinschaft, rufen die jüdischen Organisationen und Institutionen aller Richtungen die deutschen Juden zur umfassenden Opfergemeinschaft auf. öffnet die Herzen! Öffnet die Hände! Es zeugt von menschlicher Größe und jüdischem Bewußtsein, sich dem schweren Schicksal einer Gemeinschaft zu stellen, auch wenn es den Einzelnen selbst noch nicht erreicht hat. Gerade wer die Not noch nicht verspürt, opfere für die schwerer ringenden Brüder. Es darf nicht sein, daß das deutsche Judentum eine Gemeinschaft ohne ohne Jugend, eine Gemeinschaft ohne Zukunft werde. Dein Opfer führt die Jugend zu produktiver Einordnung in neuen Lebensraum, damit sie fähig wird, die Sorge für die erwerbslosen Alten auf ihre eigenen starken Schultern zu nehmen. Es darf nicht sein, daß Wissen und Bildung nur dem Besitzenden zugänglich gemacht wird. Dein Opfer baut am jüdischen Schul- und Kulturwerk. Es darf nicht sein, daß Alte und Kranke unversorgt bleiben. Dein Opfer sichert die Aufrechterhaltung von Wohlfahrt, Krankenhäusern und Altersheimen. Nach gemeinsamer Planung soll ein edler Wettstreit herrschen in der Erfüllung beiden Aufgaben: Sicherung des Schicksals der deutschen Juden in Deutschland und konstruktiver Aufbau der jüdischen Heimstätte in Palästina. Die Sammlung für den Keren Hajessod geht deshalb selbstständig als in sich geschlossener Bestandteil des gesamten jüdischen Hilfswerks neben der Sammlung des Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau einher. Jeder gebe nach seiner Einsicht und seinem Herzen, aber er gebe bis an die Grenzen seiner Kraft. Reichsvertretung der deutschen Juden Dr.Baeck Dr.Hirsch und Allgem. Rabb. Verb. Dr. Horovitz Centrai-Verein der deutschen Staatsbürger jüd. Olaubens Just. Rat Dr. Brodnitz Jüdischer Frauenbund e. V. (Ottilie Schoenewald Cora Berliner Reichsbund jüd. Frontsoldaten . Dr. l.oeweivstein Zentral wohlfahrtsstelle der deutschen Juden F.. Seligmann ISkeles Zentralausschuß d. deutschen Juden für Hilfe und Aufbau Borchardt Dr. Kreutzberger in Deutschland Dr. Dienemann I lilfsverein der deutschen Juden Eugen Landau Reich sausschuß der jüd Jugendverbinde Dr. Brodnitz Dr. Sommerfeld Zentralstelle für jüd. Wirtschaftshilfe Woyda Dr. Rau Zionistische Vereinigung für Deutschland Dr. Moses Speiidenüberweisung an: Zentral ausschult der deutschen luden für Hilfe und Aufbau, Berlin- Charlottenburg 2, Kantstralie 15$. Bank-Konten: Gebr. Heymann, Berlin, Iranzösischestraße 47, A.E.Wassermann. Berlin W 8, Wilhelmplatz 7. Postscheckkonto: Berlin 705 77, Preußischer Landesverband jüdischer G em ei n d.,Sonderkont.Zentralaussch. d. deutsch. Jud. f. Hilfe u. Aufbau. „P'schat". Klar zumeist erscheint ihr Sinn. Und doch bedarf er immer wieder der Erklärung, Deutung und Erläuterung, sowie der Er. Fassung der Verhältnisse, Zeiten und Ortlichkeiten, der geschichtlichen Gegenstände und Beziehungen, auf die er sich bezieht, der Darlegun; dessen, was das Wort meint und was es sagen will. Überraschend ist es in der Geschichte der verschiedenen Auslegungen zu verfolgen, wie mar immer wieder neue Erklärungen gefunden hat, welche die früheren nicln gekannt, neue Gedanken, welche früher verkannt worden waren, wie lang' für dunkel gehaltene Stellen sich lichteten und ein tiefer Inhalt sich da zeigte, WO vorher das Auge nur au der Oberfläche gehaftet hatte. Der reiche Inhalt der Schrift, den man also selbst bei ihrer wön liehen Übersetzung und Auffassung findet, führt notwendig dazu, noch weiter in sie einzudringen, noch mehr aus ihr zu lernen, als was au ihrem einfachen Wortlaut sich ergibt. Er führt zum „Reines", dazu, ihn einzelnen Stellen miteinander zu vergleichen, deren Beziehungen zu eineinander zu erfassen, den kurzen Andeutungen zu folgen und daraus unerwartete Lehren und Aufschlüsse zu gewinnen. Er führt zum „D'rusch". zur Stellung von Fragen an sie, um daraus Rat zu gewinnen für unsere Verhältnisse, Antworten für uns beschäftigende Gedanken. In dieses Ge biet gehört das, was wir Predigt nennen, d. i. die Erklärung des göttlichen Wortes für die Anschauungen und Bedürfnisse der Gegen wart, die Be leuchtung von Erscheinungen unserer Zeit durch seine Lehren, das Aufsuchen von Gedanken und Anregungen aus ihm für Verhältnisse, die uns beschäftigen. Und endlich haben viele seiner Erklärer noch „Sod", einen geheimen Sinn in ihm gesucht, von der Annahme ausgehend, daß in dem göttlichen Worte eine l ulle weiterer Gedanken liegen, die dem oberflächlichen Blicke sich entziehen, die aber dem in sie eindringenden sich enthüllen und ihm viele Rätsel der Welt und des Daseins klarlegen. Aus dieser Annahme heraus haben Philosophen auf Worte der Schrift philosophische Lehren und Anschauungen gegründet und Mystiker, Menschen von reicher Phantasie, ihre poetischen oder kabbalistischen Gebilde aui ihr aufgebaut. Alle diese verschiedenartigen, ja nicht selten einander entgegengesetzte!1 Erklärungen wollen Auslegungen der Thon sein. Man hat gegen die meisten den Einwand erhoben, daß sie nicht aus der Schrift herausge wonnen, sondern in sie hineingelegt und in Wirklichkeit nichts wie die Ansicht derjenigen seien, die sie ausgesprochen haben. Das ist zweifellos richtig. Aber ebenso richtig ist es, daß man nicht so vieles und verschieden artiges in sie hineinlegen könnte, wenn sie nicht selbst so groß und vieluni fassend, so reich und mannigfaltig, so Irisch und lebendig wäre. Mai frage sich doch einmal, ob es noch ein Buch gibt, das man, wie sie immer und immer wieder, lesen, aus dem man so viel heraushole: und an das man so viel anschließen könnte! Man wird kaum eines in di weiten Welt finden. Darin ist die Thora einzig. Und die Fülle der Der tungeu und Auslegungen, die sie erfahren hat, ist das beredteste Zeugn - für ihre Mach! und ihre Bedeutung in den verschiedensten Zeiten, Bi - dungsfornien und Anschauungen. Sie gleichen nach dem treffenden Won : eines geistvollen Gelehrten den verschiedenen Farben, in welchen der ei; - fache Lichtstrahl erscheint, wenn er durch ein Prisma gebrochen win , Die einzelnen Farben verschwinden wieder, das Licht selbst aber bleib . So kommen und gehen auch jene einzelnen Deutungen und Erklärunge die Thora selbst aber bleibt in der Fülle und Kraft ihres Segens un ' spendet uns ihren Geist, wie sie ihn trüberen Geschlechtern gespend I hat und auch späteren spenden wild. Aus: Dr. Joseph l.schelbacher, Unsere Thor Die neue Bibel-Übersetzung. Mit der erneuten Besinnung auf die Geistesgeschichie des Judentm - ist auch das Interesse für das Blieb der Bücher wieder erwacht. Aber es zeigte Mch, daß die vorliegenden Uebersetzuugen dem Bedürfnis d - Lesers nicht entsprachen. Das liegt einerseits daran, daß seit den Tag ' von Zimz die Sprachforschung ungeheure Fortschritte gemacht hat, in d daß man heute darum den Urtext anders und besser verstellt als ihn Zun/ bei all seiner profunden Gelehrsamkeit verstehen konnte. Dann aber hat sich unser Sprachgefühl gewandelt, auf manches, was damals frisch klang und lebendig war, ist heute der Staub der Zeit gefallt n. So war die Zeit gekommen, sich noch einmal der gewaltigen Aufgabe einer neuen Eindeutschung der Heiligen Schrift zu unterziehen. Es geziemt sich, hier des grandiosen Versuches von Buber-Rosenzweig w gedenken, die es Unternahmen, den Urtext ohne Rücksicht auf die gsni andere Gesetzlichkeit der deutschen Sprache in diesem Material abzubilden. Wer das 1 lebräische beherrscht, wird staunend gewahren, wie hier der Text seinen adäquaten Ausdruck gefunden hat. Die neue Uebersetzung indes, die nach zehnjähriger Arbeit nunmehr bis auf die letzte Revision vollendet ist und deren erster Teil, der Pentateuch, in einem stattlichen