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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-09-28 · 39 (28.9.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
39 (28.9.1934)
Date
1934-09-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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8 Dt 9 -34 Auflage 4250 Stück (BemeitifaMatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU fm\ D71CL AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT ■ Li I M Ami ^7 DER GEMEINDEVBRWALTUN&B Schrittleitung i Oemelndcrabbiner OustavCohn Leipzig Walter Blümrl-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangäbe und mit Genehmigung des Verlassers gestattet Nummer 39 ■ Jahrgang 10 28. September 1934 Anzelgenannahmei E. Ooldfrcund, Leipzig 0 5, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. Voranzeige! Wir werden in diesem Winter wieder Bildungskurse für die Gemeindemilglieder einrichten, die Mitte Oktober d. J. beginnen. Als Auftakt hierzu veranstalten wir einen Gemeindeabencl am Mittwoch, 10. Oktober 1934, abends 81/2 Uhr in der Ez-Chaim-Synagoge, Otto-Schill-Straße. Es spricht Herr Dr. Ernst Simon, von der Mittelstelle für Erwachsenenbildung über „Jüdische Bildung heute" Wiederum erwarten wir einen regen Besuch aus allen Kreisen unserer Gemeinde. Leipzig, den 26. September 1934 Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Unsere Thora. Zum Feste der Thorafreude. Ii re Bedeutung Im Judentum isl die Religion in ihrem Wesentlichen als Lehre der I und der Entscheidung oder, um es mit dem alten biblischen Worte zu benennen, als Thora anerkannt worden. Dieses Wort hat sich zu einem ^1 mdsatze gestaltet. Mit ihm schon ist gesagt, dali die Religion allen »1 liescllx' Aufgabe gestellt, dali sie von jedem erworben und besessen len kann, dali sie sich jedem öffnet und für jeden bestimmt ist. Eine ra kann nur die eine sein, die des ganzen Volkes, der Weg, den alle n sollen. Ein gleicher Zug bekundet sich hier, vrie ihn dann in chciiiand die sokratische Philosophie aufwies; auch sie wollte gennalien eine Thora sein, eine Thora der Philosophie, sie erklärte! Ugend als lernbar, als das üebot, das jeder zu erfassen vermag. Ganz st im Judentum die Thora die Forderung, daß, was die Propheten igen, allen zu eigen gemacht werde, daß der Geist und der Wille jeden es in sich aufnehmen soll. Sie steht damit als das Universelle I lumane jener anderen, partikularistischen, sondertümlichen Auffassung nflber, die anderwärts die entscheidende geworden ist, dali das iiitliche der Religion die Gnosis sei, jene Erleuchtung, die durch \Vunder des Glaubens, durch das Geschenk der Gnade gebracht ist die darum nur den wenigen Auserwählten zuteil werden kann. Man kann vielleicht meinen, daß durch diese Richtung der israelitischen Religion das Ideal zu sehr popularisiert sei, dali seine Höhe betfotrichngt werde, weil es in der ganzen Breite der Glaubensgemeinde seine Verwirklichung sucht. Und auch das könnte scheinen, daß damit dem religiösen Erlebnis, in dem der Einzelne seinen neuen Weg zu Gott suclu, viel von seiner Bedeutung und seinem Platze genommen sei. Aber "t Judentum braucht dieses Eigene, Persönliche nicht zu fehlen, noch hat K Befehlt. Das Bestimmende, das Grundgefühl, das die Religion geben ist hier, daß der Mensch empfinde, was ein jeder vor dem Ewigen 1: Tl R< Gr Vi' die so I Pf I ein and ge;: wV da. Ulli I und was der Ewige für ihn ist, daß er Gott nahe, mit Gott vereint ist. In diesem allgemein Menschlichen, diesem Bunde jedes Menschen mit Gott wurzelt die Religiosität des Judentums. Aus diesem Boden, diesem Bewußtsein der Gottesnähe, wie es jedem Menschen gewährt ist, nicht aus einer Sonderstellung zu Gott, die die Gnade schenkt, will hier das Individuelle, das religiöse Erlebnis erwachsen. Das Wesentliche ist, daß hier nichts zum Ideale wird, was nicht zum sittlichen Gebote, zum Gebote der Entscheidung werden kann, und es gibt kein wahres sittliches Gebot, das nicht um alle seinen Kreis zöge, und ziehen müßte, Der Vorzug, der hierin befaßt ist, steht vor jenen Nachteilen, mit denen die Weite des Ideals seine Erhabenheit zu bedrohen scheint. „Ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk", dieser Satz ist hier ein religiöses Bekenntnis geworden. Keinem wird zugeteilt und zugestanden, was nicht auch auf alle seine Anwendung hätte, und was von einem verlangt wird und verlangt werden muß, das wird von allen gefordert. Ans: Baeck, das Wesen des Judentums. Ihre Deutung Was hat nicht alles an ihren Text sich angesetzt! Was ist nicht alles aus ihr entwickelt worden! Große Bibliotheken kann man mit Büchern füllen, die zu ihrer Erklärung und Erläuterung geschrieben worden sind, wie zur Darlegung von Gedanken, die aus ihr sich ergeben haben. ,,Pardes", einen Garten Gottes nannten unsere Weisen die Thora im Hinblicke auf das viele, das sie bietet und das aus ihr zu gewinnen ist, einen Garten, der die einfachen und gewöhnlichen, die dem notwendigen Gebrauche dienenden Pflanzen enthält ebenso wie die schönen, lieblichen, das Auge erfreuenden Blumen, die labende und erquickende Früchte bringenden Sträucher und die hochragenden, zum Himmel aufstrebenden Blume, Und die verschiedenen Arten wie die Thora erklärt werden kann, haben sie sodann in vier Klassen zusammengefaßt und mit den Buchstaben des Wortes „Pardes" bezeichnet als „P'schat" die einfache Auffassung des Wortlautes, „Remes" die weitere Ausführung ihrer Andeutungen, „D rusch" das Versenken in ihren Sinn und die Gewinnung neuer Gedanken daraus, „Sod" das Erfassen der in ihr verborgenen Weisheit oder tieferer Geheimnisse.

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