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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-09-21 · 38 (21.9.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
38 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 21. September J93i Und wurden denn die Kleider nicht übelriechend durch den Schweiß? — Keineswegs: sie befeuchteten sich mit den schönen Krautern des Brunnens und deren Duft drang in alle Welt. Und woher entstammt alle diese reiche Kraft? Aus dem Quell der Gärten, dem Born ewiglebender Flut. (Dewor. rabb. 7, Jalkut $50.) * Am Arnonllusse tat üott Wunder für Israel, wie er solche am Schilfmeere für sie getan hatte, Berge stehen an den Ufern des Fluttet, sieben Meilen voneinander entfernt. Der Weg führt von dem einen Iiinah ins FlufitaJ und fuhrt dann wieder hinauf. Diesen Weg mußte Israel ziehen. Dort sammelten sich in endlosen Scharen die Stamme und versteckten sich zum Teil im Tale. Der Berg wies zahlreiche Hohlen auf; ihnen entsprachen im gegenüberstehenden Berge vorspringende Buckel. In den I eishöhen versteckten sich die Scharen und dachten: wenn die Israeliten ins Tal niedersteigen und in der Tiefe angelangt sind, dann werden wir sie von unserem Standorte aus den Höhlen heraus vernichten. Sie wußten aber nicht, daß die Lade vor Israel herzog und die Berge ebnete. Als lsratl in die Nähe der Schlucht gelangte, ersparte ihnen der Heiligi, gelobt sei Er, in die Tiefe des Tales niederzusteigen; er gab de i Bergen einen Wink, da rückten sie aneinander, und zwar so, daß dl vorspringenden Buckel des einen Berges sich in die Höhlen dianderen fügten; so fanden die dort lauernden Scharen ihren Tot. (Tauch. Chukk. 20 und Talm. b. Berach. 54 b.) * Og, der König von Basan, sprach: Das Lager der Israeliten ist drei Parasangen groß; ich will gehen und einen Felsblock von drei Parasangen ausbrechen, ihn auf sie werfen und sie töten. Er ging, brach einen Felsen von drei Parasangen aus und trug ihn IUI dem Kopfe. Der Heilige, gelobt sei Er, brachte jedoch Ameisen anr den Felsblock, die ein Loch in ihn bohrten, so daß er ihm um den Hals fiel. Er wollte ihn abwerfen, aber seine Zähne dehnten sich aus nach der einen Seite und nach der anderen Seite, und < i konnte ihn nicht abwerfen. (Talm. b. Berach. 54 b.) Oskar Wassermann gestorben. Der durch vielfältige Arbeit im Dienste des Judentums allgemein bekannte Bankdirektor Oskar Wa s s e r m a n n ist am 8. September in üarmisch nach längerem Leiden im ob. Lebensjahr gestorben. Die Nachricht von dem Tode des verdienten jüdischen Führers und hervorragenden Bankfachmanncs hat in den weitesten jüdischen Kreisen Deutschlands erschütternd gewirkt und auch im Ausland einen tiefen Eindruck gemacht. Wie aus' London gemeldet wird, hebt die dortige Presse die besonderen Fähigketten hervor, die der Verstorbene als Direktor der Deutschen Bank und Diskonto-Gesellschaft entwickelt hat. In den Kreisen der Leitung der Jewish Agency herrscht tiefe Trauer über den Hingang eines Mannes, der zum Zustandekommen der Erweiterung der Jewish Agency wesentlich beigetragen hat. Oskar Wassermann, aus Bamberg gebürtig, hatte bis 1912 das Berliner Zweighaus der Wassermannschen Familienbank geleitet, dann trat er in das Direktorium der Deutschen Bank ein, behielt diese Stellung auch nach der Fusion mit der Diskonto-Gesellschaft bis zum Jahre 1933, in dem er auch aus dem Gencralrat der Reichsbank ausschied, und spielte eine führende Rolle in zahlreichen Industrie- und Handelsgesellschaften. Neben seiner aufopferungsvollen Arbeit im Dienste des Palästinaaufbaus, hatte er für alle großen kulturellen und sozialen Aufgaben der jüdischen Gemeinschart tätiges Interesse gefunden. Er war stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsvorstandes der Akademie für die Wissenschaft des Judentums und Mitglied des Kuratoriums der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Auch für allgemein charitativeZwecke, wie für das Rote Kreuz und für das Russische Hilfswerk 1921, hatte er sich selbstlos eingesetzt. Die Beisetzung Oskar Wassermanns fand am 12. September nachmittags 4 Uhr auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-weißensee statt. Unter den Trauergästen befanden sich zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten der Bank- und Wirtschaftskreise, sowie Abordnungen aller jüdischen Verbände, an deren Arbeit der Verstorbene Anteil genommen hatte. Rabbiner Dr. Leo Baeck würdigte die Verdienste des Dahingeschiedenen in einer ergreifenden Grabrede. — Der Präsident der Reichsvertretung der deutschen Juden, Rabbiner Dr. Leo Baeck, zeichnet folgendes Bild von der Persönlichkeit und dem Werk Oskar Wassermanns: „Oskar Wassermann war die repräsentative Persönlichkeit im deutschen Judentum. In der Tradition mit Bewußtsein wurzelnd, als ein Kenner der Geschichte und Wissenschaft des Judentums und zugleich jeder neuen großen Aufgabe erschlossen und voller Verständnis tur die Bedingungen der Zukunft, ein Mann, der seltene Gaben des Geistes mit seltener Wärme des Herzens verband, ein Vorbild auf dem Felde der Wirtschaft und zugleich ein gütiger und unermüdlicher Helfer, ein Mann, für den es kennzeichnend ist, daß er an der Spitze einer der größten Bankgesellschaften stehend, doch zugleich mit echter Liehe sowohl die Wissenschaft vom Judentum wie den Aufbau Palästinas umfaßte — in weiser Verbindung dieser Eigenschaften war er vorbildlich." Das Präsidium des Keren Hajessod in Deutschland widmet Oskar Wassermann folgenden Nachruf: In Oskar Wassermann verliert die Judenheit einen ihrer besten Söhne. In der Tradition einer Familie erzogen, die seit Generationen jüdisches Empfinden mit Teilnahme am allgemeinen Leben des Landes und seiner Kultur organisch zu verbinden wußte, stand Oskar Wassermann über allen Parteien, weil ihn ein allgemeines, abgeschlossenes und in sich abgerundetes Judentum erfüllte. Diese seine Stellung über den Parteien befähigte ihn wie keinen anderen, an die Spitze des Keren Hajessod zu treten, der Juden aller Richtungen in der aktiven Teilnahme an dem Aufbau eines neuen jüdischen Nationalheims in Palästina vereint. Mit dem Feuer eine- Jünglings hat Oskar Wassermann dieses Amt bei Gründung des Keren Hajessod vor nunmehr 14 Jahren übernommen und ihm einen erheblichen Teil seiner freien Zeit gewidmet. Ohne alle die anderen jüdischen Aufgaben zurücktreten zu lassen, mit denen er bereits seit Jahrzehnten verbunden war und ohne das Interesse an anderen Fragen des Judentums zu verlieren, wurde er dej vornehmste Repräsentant des Palästinagedankens und seiner parteilosen und somit im höchsten Sinne neutralen Ausgestaltung. Sein Andenken wird uns fortleben im neuen Palästina und überall da, wo jüdische Hoffnungen mit dem Werke Oskar Wassermanns verbunden sind. Hilfe und Aufbau Ist da« Gebot des neuen Jahres! Erwirb die blaue Beitragskarte für Hilfe und Aufbau. Jüdische Zeitschau Rosch-Haschanah - Glück wünsche amerikanischer Staatsminner. Einem althergebrachten Brauche folgend, haben auch in diesem Jahre der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Franklin D. Roosevelt, und eine Reihe anderer amerikanischer Staatsmänner anläßlich des Rosch-Haschanah-Festes durch die JTA. Glückwünsche und Grußbotschaften an die jüdische Bevölkerung gerichtet. Während der Präsident nur allgemein auf die Verpflichtung des Tagis (Rosch haschanah) hinweist, „das Werk fortzusetzen, das wir gemeinsam mit allen Amerikanern zur Verwirklichung der Verheißungen des Jahres unternommen haben, das vor uns liegt", geben andere bemerkenswerte Würdigungen der Juden und des Judentums. Lehrerfortbildungstagung in Leipzig. In der Zeit vom 7. bis 11. Oktober d. J. wird von der Reichs Vertretung der deutschen Juden, der Mittelstelle für Erwachsenenbildung und der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig ein Fortbildungskursus für die jüdisch n Lehrer Mitteldeutschlands veranstaltet Die Tagung findet in Leipzig, Elsterstraße 7, im großen Saal des Jüdischen Jugendheim statt. Außer den jüdischen Lehrern kann eine sehr begrenzte Anzahl von anderen jüdischen Personen, insbesondere Jugendführern, an den Kursen teilnehmen. Dahingehende Gesuche sind möglichst umgehend an die Schulabteilung der israelitischen Religionsgemein le zu Leipzig, Walter-Blümel-Straße 10, zu richten. Programm: Professor Dr. Blumenfeld: „Fragen der Jugend-Psychologie, insbesondere der Reifezeit" 3mal 2 Stunden; Professor Dr. Buber: „Führertum im biblischen Jisrael", 3mal 2 Stunden; Rabbiner Dr. Goldmann: „Apologetik im jüdischen Religionsunterricht", 2mal 2 Stunden; Dr. Ernst Simon: „Methodik des Geschichtsunterrichts (jüdisch und deutsch)" mit Lehrproben in drei verschiedenen Klassen, 3mal 2 Stunden; Dr. Woskin-Nahartabl: „Bau und Charakter der hebräischen Sprache", 3 mal 2 Stunden. Ferner ist beabsichtigt, am Montag, Dienstag und Mittwoch früh von 8—9 Uhr in der Turnhalle der Höheren israelitischen Schule eine Stunde Sport abzuhalten. Die Teilnahme an dem Sport ist freigestellt. Die Teilnehmer werden gebeten, Sportkleidung mitzubringen. Reichsvertretung der deutschen Juden Mittelstelle für Erwachsenenbildung Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig.

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