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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-09-21 · 38 (21.9.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
38 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Auflage 4250 Stück $ emetaö cblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU i f"|D7IHL AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT LL I ■ Mm I \7 DER GEMEINDEVERWALTUNG» Schrlftlettungi Oemeinderabblner Oustav Cohn Leipzig Walter Blilmel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellen- •ngabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Nummer 38 ■ Jahrgang 10 21. September 1034 Anzeigenannahme: E. Ooldfreund, Leipzig O 5, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. Wüstenwanderung unter göttlichem Schutz. Die Gedanken von Sukkoth im Midrasch. Die religiösen Stimmungen des Laubhüttcnfestes, aus der jahreszeitlichen und aus der geschichtlichen Bedeutung der Tage erwachsen, gipfeln in dem Dank für den von Qott gewahrten Si liutz. Der Landwirt, der in heißem Mühen dem Boden seinen Ertrag abgewinnt, weiß, wie sehr seine Arbeit auf den göttlichen Segen angewiesen ist. Und kein denkender Mensch, und stände ei in seinem Tun noch so weit ab von jeder Arbeit, die unmittclir der Gewinnung des Brotes für den Tag gewidmet ist, kann \ 'kennen, wie sehr all sein Beginnen auf den göttlichen Schutz angewiesen ist, wenn es gelingen soll. Für diese Erkenntnis will das Fest den religiösen Ausdruck d.i ••stellen und will sie bestärken durch den Hinweis auf die Wand ung Israels durch die Wüste: „... damit eure Geschlechter wissen, daß in den Hütten ich die Söhne Israels siedeln ließ, als ich sie führte aus dem Lande Ägypten ...'' (3. Buch Mose 23, 43). In leichten Hütten wohnte Israel, als es auf dem Wege aus der Kl chtschaft in das ihm verheißene Land durch die Wüste zog. J? re voller Beschwernis waren es. Gefahren drohten groß und eriist durch die Auswirkungen der Natur: Mangel an notwendigstem B larf an Nahrung und Kleidung; Gefahren durch Unbilden der tterung und der das Wüstenland belebenden wilden Tiere. Ni nt mindere Gefahren drohten von den Wüstenstämmen. Und tti der und wieder mußte das in seine Freiheit ziehende Volk listigen und feigen Angriff feindlicher Stamme abwehren. Aus all diesen Gefahren ging Israel siegreich hervor. Es stand umer dem Schutze Gottes. Gerade in der Wüste, gerade ange- Mi'.ts der besonderen Bedrohungen, die sie bedingte, mußte das Bewußtsein der göttlichen Hilfe sich besonders lebendig geltend na hen. Mit Recht wurde diese Gläubigkeit zur Sinngebung des Festes erhoben. Die Gedanken, die durch die Wanderung Israels durch die Wüste hervorgerufen wurden, mußten in zahlreichen jüdischen Geschlechtern immer wieder fruchtbar werden; denn oft genug wurde die Erkenntnis erneuert, daß durch Zeiten trüben Erlibens die göttliche Hilfe hindurchführte. So vereinigt sich im Sukkothfeste mit dem Dank für das soeben angesichts der Ernte Wieder deutlich gewordene göttliche Walten der Dank dafür, daß Israel unter den Fittichen göttlicher Obhut durch die Wüste gehagte. Der Midrasch hat in seiner religiös schöpferischen Gestaltung j diesem Gedanken der göttlichen Obhut legendenhaften Ausdruck ] verliehen. Diese oft naiv anmutende Ausschmückung der biblischen Erzählung zeigt doch bei näherem Hinschauen den ernsten Sinn tiefgläubiger Gemüter. In schlichter dichterischer Gestalt verkörpert er die tiefe Wahrheit der in der Bibel meist ja nur in knappsten Umrissen geschilderten Geschehnisse. Einige Beispiele die sich auf die Wüstenwanderung beziehen, sollen dies beleuchten. In ihrer Einfachheit sprechen sie für sich. Aus der Fülle des Vorhandenen sind Stücke gewählt, die den Schutz gegen die durch die Natur der Wüste bedingten Beschwernisse und gegen die zu überwindenden Stämme zum Gegenstand haben. Zur Erläuterung des letzten Stückes sei nur darauf hingewiesen, daß der Midrasch Og, den König von Basan, als einen unermeßlich großen Riesen zeigt. Der Ewige zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule: Sieben Wolken waren es, eine in der Höhe und eine in der Tiefe und je eine in jeder der Himmelsrichtungen; und eine zog vor ihnen her und ebnete ihnen die Berge und die Täler und verbrannte Dornen und Gestrüpp und ließ Rauch aufsteigen. Die Könige des Ostens und des Westens sahen es und sprachen: wer zieht da aus der Wüste heraus. (Tanch. Bamidb. 2.) Gehen ließ ich euch vierzig Jahre in der Wüste, nicht mürbten eure Tücher von euch ah, nicht mürbte dein Schuh von deinem Fuße ab____ (Deut. 29, 4.) Zwischen R. Elcasar, Sohn des R. Simon b. Jochai und seinem Schwiegervater R. Simon, Sohn des R. Jose, entspann sich folgende Aussprache: Führten denn die Israeliten in der Wüste Gerätschaften zum Weben neuer Tücher mit sich? — Nein, die Kleider, die sie trugen, wurden ihnen am Sinai von Gottesboten angelegt, darum zerfielen sie nicht. Sind denn aber die Kinder nicht gewachsen, so daß Ihnen die Kleider zu klein wurden? — Das braucht dich nicht zu wundern; bei der Schnecke ist es nicht anders; wie sie wächst, wird auch ihre Hülle größer. Mußten denn nicht aber die Kleider der Israeliten gewaschen werden? — Nein, die Wolke strich daran vorüber und reinigte sie. Wurden sie denn von der Wolke nicht verzehrt, da doch die Wolke wie Feuer brannte? — Das braucht dich nicht zu wundern; wie man den Amiant nur im Feuer reinigt, so auch strich die Wolke an den vom Himmel gewirkten Kleidern, ohne ihnen zu schaden. Aber sie bereiteten doch auch Speisen, die Unreinheit mit sich brachten? — Solche Unreinheit entstand nicht durch Gewürm der Verwesung, um wieviel weniger kam Gewürm an die Lebenden.

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