Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 37 (14.9.1934)
- Date
- 1934-09-14
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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!. September 1934 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Bar Kochba Leipzig Sonntag, den 16. September 34. auf dem Bnr Kochba Platz Städtewettkampf Benin - Leipzig (Handball - FuSball) Hauptspiel: Fußballauswahlspiel der besten Spieler Mitteldeutschlands gegen Brandenburg — Beginn d. Hauptkämpfe 15 Uhr Häppchen, Talesim etc. t _______f. jom Kijjjiiii bei Buchhandlung M™?^™""""" n"■ Brühl s Mitteilungen des C.-V.-Syndikats. Werkseminar Leipzig. Die Leitung des Werkseminars Leipzig hat sich geweigert, jüdische Studenten zum Examen für Werklehrerinnen zii-ulassen. Wir haben daraufhin Beschwerde beim sächsischen Volksbildungsministerium erhoben und darauf hingewiesen, daß keinerlei Bestimmungen bestünden, derzufolge Nichtarier nicht zum Werklehrerinnen-Examen zugelassen werden können. Auf Orund der Beschwerde sind nunmehr wieder Zulassungen zum Examen erfolgt. Krankenversicherung und Arztwahl. Die Oeva (öffentliche Versicherungsanstalt der Sächsischen Sparkassen) hat ihren Mitgliedern mitgeteilt, »laß mit Genehmigung der Aufsichtsbehörden die Mit glieder künftighin keine nientartschen und staatsfeindlichen Ar/t/ mehr aufsuchen dürften. Lediglich denjenigen, die nichtarische Patienten sind oder die sich als nichtarier bezeichnen, würden die Rechnungen honoriert werden. Wir haben in einer Eingabe au das Sächsische Innenministerium darauf hingewiesen, daß die Bekanntmachung nicht den gesetzlichen Anforderungen entspricht, da auch die arischen Mitglieder der Krankenkasse das Recht haben, alle zu den RVO.-Kassen zugelassenen nichtarischen Är/te (Frontkämpfer, Altärzte und Seuchenärzte) aufzusuchen. Das Ministerium entschied, daß für die Oeva selbstverständlich auch die Bestimmungen »her die Zulassung der Ärzte zu den RVO.-Kassen maßgeblich sind. In der „Oeseiligen Vereinigung deutsch-jüdischer Berufstätiger" (0. V.) sprach an dem regelmäßigen Mittwoch-Heimabend Herr Gemeinderahbiner Cohn zu dem Thema „Moses Maimonides, Ketzer und Autorität". Der Redner legte in fesselnder Weise den Lebenslauf und die Bedeutung des großen jüdischen Philosophen dar, dessen 800. Geburtstag sich nähert. Er erläuterte insbesondere seine Hauptwerke, den grundlegenden Mischna-Kommentar, seinen Gesetzkodex Mischne Thora und das religionsphilosophische Werk „Moreh Nebuchim (Führer der Irrenden)", die Maimonides auf Orund der umfassenden Darstellung der jüdischen Religionslehre den Ruf einer Autorität in allen Olaubcnsfragen verschafften, ihn aber infolge der oft von der Tiadition abweichenden Auffassung bei vielen seiner Zeitgenossen als Kitzer gelten ließen. Eine zahlreiche und aufmerksame Zuhörerschaft dankte Herrn Rabbiner Cohn für seine interessanten Ausführungen. H ndelsvertreterversammlung des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V. Der Landesverband Mitteldeutschland hatte die jüdischen Han- 'I Vertreter zu einer gutbesuchten Versammlung in das jüdische Jugendheim nach Leipzig eingeladen. Die Versammlung fand am -'. September vormittags 11 Uhr statt. Nach Eröffnungsworten des Versammlungsleiten Syndikus Kurt Sabatzky und einer Ikgi ßungsansprachc des C. V. - Ortsgruppenvorsitzenden Stadtrat ». 1). Julius Krause ergriff der Syndikus des Handelsvertreterdi iinats beim C V., Diplom-Kaufmann lullusburg, Berlin, das VI rl zu einem Referat über „Berufsprobleme des jüdischen I landclsvi treters". Der Referent wies auf die Einengung der wirtschaftlichen Existi ii/möglichkcitcn des jüdischen Handelsvertreters hin, und wenn >u Ii in der Wirtschaft kein Arierparagraph existiert, so hat doch K< gen den Willen der Reichsregierung der Ariergedanke in wei- •< ten Kreisen des Handels festen Fuß gefaßt, wodurch besonders di jüdische Handelsvertreter von den Erwerbsmöglichkeiten ausg< lilosscn wird. Vielfach wird in unlauterer Weise on den Bemgehörigen darauf hingewirkt, daß Firmen jüdische Handeisreter nicht mehr beschäftigen wollen, da diese heute doch keine atzmöglichkeiten mehr finden. F.s handelte sich bei diesen Maßnahmen um egoistische Motive gegen die jüdischen Handelsvertreter. Dagegen sei das Handelsvcrtreterdez.ernat in einer großen Reihe von Fällen mit Erfolg vorgegangen. Besonders bewährt hat sich die Tätigkeit des Dezernats auch üri Falle „Adefa", des arischen Verbandes der Kleiderjsbrilcanten, der in Aschaffenburg Plakate mit der Aufschrift verwut hat daß jüdische Handelsvertreter nicht erwünscht seien. Der tatigkeit des Dezernats sei es gelungen, diese Maßnahmen rück- *u machen. Es sei für den einzelnen nicht möglich, gegen a*e Ausschaltung der jüdischen Vertreter vorzugehen, dies könne nur von einer Stelle aus geschehen, der in fachmännischer Weise jus Bcrufslage und die jüdische Sonderlage übersehen könne. Das "evernat erteile auch Auskünfte und habe Wertvolles darin geschaffen den Witwen der verstorbenen jüdischen Handelsvertreter Jjle Vertretungen zu erhalten. Auch in sozialer Weise betreue das De,*— j rui vei Ali Sportverein „Schild", Leipzig Platz an der Wundtstraßc Htraanenbalui l, ta. aa. «I Sonntag. «h-n H>. September l!>:M aar Nachmittags 10 Uhr "aa Leipzigs Ddisch. FuBballereignis Berliner - Sport - Gemeinschaft 1933 gegen SCMIH 1. LeiPZlJ Vor diesem Spiel um 14 Uhr Fn lllml 1 wettkam pf: Zweier Leipziger Mannschaften «rnat seine Mitglieder. Der Redner forderte zum Schluß die Fachkreise auf, sich dem Dezernat für Handelsvertreter anzuschließen, welcher Aufforderung eine Anzahl der Erschienenen nachkam. In der lebhaften Aussprache waren besonders bemerkenswert die Ausführungen des geschäftsführenden Vorsitzenden des Man delsvertretcrdezernats, Handelsgerichtsrai a. D. Herzberg, Berlin. Dieser wies darauf hin, daß in bezug auf die Haltung der wirtschaftlichen Organisationen zu den jüdischen Berufsangehörigen zwar grundlegende Änderungen eintreten, daß aber damit die Tätigrkeit des llandclsvcrtrcterde/crnats beim C. V. keineswegs überflüssig geworden sei, sondern daß die SonderlagC der jüdischen Handelsvertreter auch weiterhin deren Betreuung durch eine Sonder* Einrichtung notwendig mache, und daß dies auch durch Anschluß /ahlreicher Handelsvertreter aus dem Reich anerkannt worden sei. Amtliche Bekanntmachungen Lehrerfortbildungstagung. In der Zeit vom 7. bis 11. Oktober ds. Js. veranstaltet die Reichsvertretung der deutschen Juden zusammen mit der Israelitischen Religionsgemeinde Schulungskurse für die jüdische Lehrerschaft Mitteldeutschlands. Es werden etwa 10 auswärtige Teilnehmer erwartet. Um die Kosten möglichst herab/udriicken, bitten wir die Mitglieder unserer (iemeinde um Bereitstellung von freien Unterkünften für etwa vier Nächte. Anmeldungen zu diesem Zwecke nimmt das israelitische Gemeindeamt, Walter-Hlümel- ZStraße 10 — Fernspreeh-Nr. 23602 jederzeit entgegen. Leipzig, den 12. September 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Mädchenkonfirmation. Die Vorbercitungskurse für die Mädchenkonfirmation beginnen im Oktober. Vorbereitung und Konfirmation sind unentgeltlich. Zur Teilnahme berechtigt sind alle Mädchen, die am 1. April 10-15 das IS. Lebensjahr vollendet haben werden, jüngere nur, wenn sie die Schule verlassen, um ins Leben zu treten. Schriftliehe oder mündliche Anmeldung bei (iemeinderabhiner Dr. (ioldmann, König-Johann-Straße 17 (Sprechstunde: Sonntag, Mittwoch und Freitag 9U bis 11 Uhr, Fernsprecher 21667). Leipzig, den 10. September 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig.