Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 35 (31.8.1934)
- Date
- 1934-08-31
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 GEMEIN DEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIÜIONSÜEMEINDE ZU LEIPZIG 31. August 1934 Das Urteil in dem südafrikanischen Prozeß um die „Zionistischen Protokolle". In dem gegen 3 Führer der antisemitischen Qrauhemdenorganisation geführten Prozeß ist das Urteil gesprochen worden. Die Beklagten wurden verurteilt, an den Klarer, den Rabbiner der W estern Road Synagoguc in Port Lli/abeth, einen Schadenersatz von 1000 Pfund, bzw. 750 Pfund, bzw. 25 Pfund zu leisten; aulierdem wurden den Angeklagten die Kosten des Verfahrens auferlegt Die umfangreiche Begründung des Urteils stellt ein 130 Seiten starkes Dokument dar. Nach der Feststellung des Urteils ist das angeblich aus der Synagoge gestohlene Dokument eine plumpe l Buchung, in der Behauptungen aus den vielerwähnten Protokollen der weisen von Zion wiederholt wurden. Der Inhalt dieser ..Protokolle" war Gegenstand eines großen Teils der Erörterungen in den BeweUverfahren. Unsere Gemeinde. Die Auswanderunßsbcwegung in Pommern. Die Auswanderungsneigung in Pommern zeigt im Vergleich zum vorhergehenden Vierteljahr eine Steigerung, die im wesentlichen auf Konto der jüdischen Auswanderungswilligen zu buchen ist. Der Anteil der Juden (einschließlich einiger sonstiger Nichtarier) an der Gesamtzahl der bei der amtlichen Auswandcrerberatungsstelle der Provinz Pommern Auskunftsuchenden betrug im letzten Vierteljahr ca. 50 Prozent. Außer auf Palästina war das Augenmerk der jüdischen und nichtarischen Auswenderungswilligen in erster Linie auf die Vereinigten Staaten von Amerika gerichtet, vereinzelt auch auf England, Italien, Schweiz, Holland, Jugoslawien, Brasilien, Chile und Syrien. Während die jüdischen Auswanderer zum größten Teil Angehörige des Handelsgewerbes sind, waren die arischen Auswanderungslustigen zum größten Teil landwirtschaftliche Berufsangehörige der freien Berufe. (ITA) Bericht über die Einweihung des neuen Both Chaluz. Am Sonnabend abend, 25. August, fand eine Chanukat Habait (Einweihungsfeier) für die Chawerim des neuen Beth Chalu/ statt, an dieser I ein nahmen auch die jetzigen chawerim des Beth Chaluz Elsterstraße, das Beth Chaluz des Mfaurachi und die Waadim (Leitungen) des Snif Hechalu/ Leipzig und des Brit Chaluztm Dattitn teil. Bei der Stimmungsvollen reter, die mit einem gemeinsamen Abendessen der i Baute Chaluz verbunden war. betonten die i Bathc Chaluz sowie die Leitungen des Brit Chaluzim Datiim und des Snil Hechaluz ihren Willen zu einer starken und fruchtbaren Arbeit. Am darauffolgenden Sonntag fand ein Treffen aller Snifim (Ortsgruppen) des Hechaluz Sachsens auf dem Barkochba-Platz Malt. Es waren die Orte: < iera, Halle, Dessau, Chemnitz, Weillenfcls, Zeitz, Magdeburg, Dresden, Zwickau, Plauen, Cöthen anwesend. Der Vormittag war mit den Berichten der einzelnen Snifim ausgefüllt, au die sich eine Aussprache anschloß. Nach einem gemeinsamen Mittagessen sprach Chawer Mosehe Bertenthal vom Merkas über die Probleme des Hechaluz. Anschließend folgte der sportliche Teil: Staffetten und Handballspiel. Um 0 Uhr fand die offizielle Einweihung des Beth Chaluz statt. Im Namen der Bathe Chaluz sprach Arnold Salpeter. Als Vertreter der Israelit. Gemeinde und der Z. O. (j. Leipzig sprach Herr Dr. Lochenstein, der sich gleichzeitig von Assael verabschiedete. Das Schlußwort hielt As-:!'.!, der betonte, daß dieses Haus nur von jüdischen Arbeitern uneigennützig gebaut wurde, und daß es außerdem die Möglichkeiten zur Anlage einer kleinen Ligenwirtschaft: (iarten, Hühner- Stall, hat und damit dem Ziel, einem Leben der Arbeit in Palastina näherführt. Nach dem Singen der Tcchsakna und llatikwa wurde das Beth < Chaluz seiner Bestimmung übergeben. Den Abschluß des Tages bildete eine Kundgebung in der Turnhalle der Höheren Israelitischen Schule, in der unser C'hawer Mosehe Bertenthal über die Einordnung in Erez Israel sprach. Am Montag, dem 27. August 1911 fand eine \\ aadsitzung statt, in d«.r Rechenschaft über Bau und Einrichtung des neuen Beth Chaluz gegeben wurde: Einnahmen Ausgaben Allgemeine Aktion 313.79 Maurer-Material.........296.40 Gemeinde Leipzig . 100.— Maurer-Material.........176.30 Z. O. G. Dessau . 85.— Bau-Ziegelsteine.........115.— Gemeinde Dessau . 100. Maler-Material .........170.— Wirtschaftshilfe . . 666.— Holzmaterial........ 500.36 Z. O. O. Halle . . 60.— Kleinmaterial Nägel Eisen, Scheiben Z.O.G. Weißenfels 107.- etc..............75.41 Gemeinde Halle . 21.50 Schlösser und Eisen für Betten . 53.85 Z.O.G. Zwickau .140. Dach-Material..........83.90 Gemeinde Zwickau 25.— Spesen u. Unkosten Genehmigung 168.08 iaiboo Klempner............30.— wa*M Anschaffung........65.20 Voranschlag für nicht fertiggestellte Arbeiten f. Material Windschutzwand, Treppe, Regale, Türen, Schwellen..........110.- Aborte.............20- Waschbecken..........15.— Eisenmaterial für Betten.....15.— Defizit...... 516.21 Klempner Dachrinne, Wasserleitung 140.— 2134.50 2134.50 Die Ausgaben mußten auf ein Minimum beschrankt werden, da wir nur die Kosten für das Material aufbringen konnten und dabei keinerlei Arbeitslöhne zahlen konnten. Außerdem ergibt sieh wii oben ersichtlich ein Defizit von RM. 516,21. Ls wird aller An Strengungen bedürfen, um dies Defizit auszugleichen. Wir wollen nochmals den Handwerkern danken, die ihre Arbeitskraft dem Beth Chaluz zur Verfügung gestellt haben. Unseren Dank auch denen die unserem Bau Finanzielle Hilfe zuteil « eitlen ließen. Hindenburg-Feier in der Höheren Israelitischen Schule. Am Mon tag, dem 27. d. M. gedachte die I lohere Israelitische Schule und dit Jüdische Volksschule in einer gemeinsamen Feier des Heimganges des Reichspräsidenten und QeneralfeldmarschaU von Hindenburg Das umflorte Bild des verewigten I eldmarschalh, das vom Podium des Volkswohlsaals herab die Versammelten grüßte, hielt alle in ernster Stimmung. Im Mittelpunkt der Gedenkfeier stand du Ansprache des Studienrats Herrn Dr. Oppenheimer. der in eindringlichster Schlichtheit die Größe der Persönlichkeit des HeimgegangC neu darstellte, in dem das alte Nehemia-Wort zu seltener Lebendigkeit erwacht war: „Mit einer Hand tat er die Arbeit, mit der anderen hielt er die Waffe." Sein Schicksal hatte ihn bestimmt, wechselnd in Kriegs- und Friedenszeit, in Glücks- und Notzeit dem Vaterland, dem Volke zu dienen und mit einem Pflichtbewustsein wie es in dieser Größe und Kraft nur wenigen eigen ist, meistert« er dies Schicksal und wuchs mit ihm aus der Zeitlichkeit in dit Ewigkeit. Der Redner wies auf die tiefe und alte Verbundenheit der deutschen Juden mit dem deutschen Schicksal hin und schloß mit dem Bekenntnis: „Auch dem Juden, der auf die Erfüllung seinei nationalen Ideale in Erez Israel hofft, wird die Gestalt des verewigten Reichspräsidenten und (ieileralfeldmarsehalls für alle Zeiten verehrungswürdig bleiben." — Die Gedächtnisrede war musikalisch umrahmt. Das Schulorchester brachte unter der Stabführung des Musiklehrers Herrn Niederland das Orave aus der Sonate Nr. 2 von Corelli und das Maestoso von Gebauer sicher und stimmungs voll zu Gehör; die Schülerin Marie Dormaiin und der ehemalig« Schüler, I lerr Fleischmann, trugen eine Romanze von Beethoven für Klavier und Violine vor. Mit dem stehend gesungenen Deutschlandlied fand die würdige Leier ihr linde. J. Berichtigung. Im Kalender der Talmud Thora „Ahawas Tltora" ist versehentlich für Sabbath, den S. September Nizowini-Wajelccli angegeben. Ls wird an diesem Tage nur die Sidro Nizowim geleient. Haben Sie die Karte für die Glückwunsch-Anzeige von Familie — zu Familie schon abgesandt? Tun Sie es noch heute oder rufen Sie Nr. 607 71 an Amtliche Bekanntmachungen Schreibgebühren in der Rechtsabteilung des Sozialamts. Wegen derstarken Inanspruchnahme muß die Rechtsahteilung des Sozialamtes zur Deckung ihrer erheblichen Materialunkosten Schreibgebühren erheben. Sie betragen RM. 0,25 für jede Seite. Ls wird darauf mit der Bitte hingewiesen, den danach vor RUSSlchtlich erforderliehen Betrag zur Sprechstunde mitzubringen. Das Sozialamt der Israelitischen Religionsgcineinde. Vermeidet Ansammlungen vor den Gotteshäusern! Es wird von allen maßgebenden Seiten besonderer Wert daran gelegt, daß an den hohen Feiertagen alle Ansammlungen vor den Gotteshäusern unterbleiben. Wir fordern die jüdische Bevölkerun.. Leipzigs auf, den Weisungen der bei den Gottesdiensten tätige:! Ordner des Reichshundes jüdischer Frontsoldaten stengstens Folg zu leisten, vor allem keine Verabredungen vor oder nach dem Gottesdienst auf den Straßen und Platzen, die vor den Gotteshäusern liegen, zu treffen, damit Ansammlungen vermieden werden. Wahrung der Würde des Gottesdienstes. Es ist seit Jahren häufig die Klage laut geworden, daß die Würde der (iottesdienste vielfach durch Unterhaltungen gestön wird. Wir nehmen deshalb Veranlassung, anläßlich der bevorstehend« n Festtage darauf hinzuweisen, daß solche Störungen unter atliii Umständen vermieden werden müssen. Es sei besonders betont, daß der Jugend nur durch ein der Weihe des Gotteshauses angemessenes Verhalten ein Beispiel würdigen, zur Andacht stimmenden Gottesdienstes gegeben werden kann. Die Aufseher sind streng angewiesen, gegen jegliche Störung einzugreifen. Kleiderablage in der Gemeindesynagoge. Die in der Kleiderablage der Gemeindsynagoge abgegebenen Kleidungsstücke werden sorgfältig bewahrt und an den Berechtigten gegen Rückgabe der ihm ausgehändigten Marke ausgefolgt. Es wird daher strengstens untersagt, Kleidungsstücke eigenmächtig seihst zu entnehmen. Die den Dienst versehenden Personen sind streng angewiesen, gemäß dieser Bestimmung zu verfahren. Indessen müssen wir ablehnen, für das Abhandenkommen von Kleidungsstücken irgendwelche Haftung zu übernehmen.