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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-08-31 · 35 (31.8.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
35 (31.8.1934)
Date
1934-08-31
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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August 1934 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSÜEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Sie werden sidi nun doch um Ihre giücknmnsdianzeige kümmern müssen. Es ist (fef IStltß TCTtllitl, denn die nächste Ausgabe ist die letzte vor den Feiertagen. Dienstag ist Anzeigenschluß. Die Mzeigenverwaltung des Gemeindeblattes, Leipzig 05, Cidioriusstrabe 2 a, Jet. 60771. Heimat wird. Dort entfaltet Bialik seine ungeheure Vielseitigkeit. I i dichtet nicht nur, sondern gründet Verlage, gibt neben seinen i Lgenen Werken, die er zum Teil selbst vertont, die alten jüdischen Schriften neu heraus und kommentiert sie, sammelt jüdische Sagen, Märchen und Sprüche, kr gründet /ahllose Zeitungen und Zeitichriffen und veranstaltet Sammlungen, in denen er Millionen für den kulturellen Aufbau Palästinas zusammenbringt. Das wesentlichste an Bialik war seine tiefe Volksverbundenheit, die ihn ungeheuer beliebt machte. Das Volk sang seine Lieder und strömte zusammen, wenn Bialik auf öffentlichen Straßen und Plätzen das Wort ergriff. Der Redner bezeichnete Bialik als eine goethische Erscheinung, da, wie (inethc den Universalismus des Menschengeistes, Bialik den Universalismus des jüdischen Volksgeistes verkörperte. Wie Qoethe hat auch er nur sein eigenes Leben gedichtet. \iis seiner Jugend, aus den Jahren in der Talmudschule, aus der Zeit des Progroms nahm er die Stoffe ZU seinen Werken. Auch um die sprachliche Entwicklung hat Bialik sich verdient gemacht, i r hat nicht, wie manche andere Schriftsteller, eine gewaltsame Umgestaltung versucht, sondern' die hebräische Sprache von innen heraus neu gestaltet und so ein Alt-N'cuhcbräiseh geschaffen. Bialik eb stets verbunden mit der alten jüdischen Tradition und der Religion und machte nicht die I hiebt der anderen aus dem Ghetto mit. Seine tiefe Verwurzelung im Volke ist so führte der Redner im Schluß aus nicht mit dem landläufigen Nationalismus ver- 'i ichbar, er Stand hoch über diesem. Bialik verkörperte den wahren Zionismus Herzls, der von der Rückkehr ins Juden I a n d die Rückkehr /um Juden t u m forderte. Der Redner brachte im Rahmen seiner Ausführungen selbst einige Obersetzungen aus den Werken des Dichters /um Vortrag, i lerr Kantor J a f f e trug sodann noch einige hebräische < iedichte Und eine Nachdichtung von Emil Bernhard Cohn vor. Herr Oberkantor Lampel brachte Kompositionen von Bialik ZU Gehör, von rrn Kapellmeister Simon auf der Orgel begleitet. Durch einen or fand der Abend seineu w irkungsvollen Abschluß. Dr. O. L. Jüdische Zeitschau Professor Ismar Elbogcn 60 Jahre alt. Am 1. September feiert bekannte judische Geschichtsforscher Professor Dr. Ismar Lligen seinen 60. Geburtstag. Prof. Elbogen, der seit dem Jahre ''! an der Lehranstalt (früher Hochschule) für die Wissenschaft s Judentums in Berlin tätig ist, wurde IS74 in SchUdberg, Provinz I "-en. geboren. 1893 bis 1SÖÜ besuchte er das Jüdisch-theologische ninar und die Universität in Breslau und wurde dann als Dozent! das Collegio Rabbinico Italiano in Florenz berufen. W22 lü'ii hielt er als Gastprofessor Vorlesungen am Jewish Institute of Re- [ion in New York. Sein Hauptwerk. „Der jüdische Gottesdienst seiner geschichtlichen Entwicklung", das auch ins Hebräische rsetzt wurde, gibt eine zusammenfassende Darstellung seiner enen und früherer Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Geschichte der jüdischen Liturgie. Seine „Geschichte der Juden ■ i dem Untergang des jüdischen Staates" ist auch ins Englische I Schwedische übersetzt worden. In jüdischer, wissenschaftlichen 1 relnigungen und öffentlichen Körperschaften spielt Prof. Elbogen eine hervoragende Rolle. An den Arbeiten der Reichsvertretung *i'T deutsehen Juden und des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden nimmt er regen Anteil. Er ist Vorstandsmitglied der Akademie für die Wissensehaft des Judentums, der Gesellschaft für die Förderung der Wissenschaft des Judentums und des Berliner Vereins für jüdische Geschichte und Literatur. Ferner gehört er dem Verwaltungsrat des Judaistischen Instituts der Universität Jerusalem an. An der deutschen und hebräischen Ausgabe der „Encvclopaedia Judaica" hat er als Fachredakteur geschichtlicher Abteilungen mitgewirkt und gehört dein Redaktionsstab der „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" an. Sein neuestes Werk, die „Germania Judica", eine Darstellung von tausend Jahren jüdischer Geschichte in Deutschland, wird demnächst von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums herausgegeben. Anlällich seines bevorstehenden <>0. Geburtstages werden seitens zahlreicher judischer Körperschaften in Deutschland Ehrungen des verdienten (ielehrten vorbereitet. Abwanderung jüdischer Firmen aus Frankfurt a. M. Wie die „Berliner Börsenberichte" mitteilen, hat der Stadtkänunerer von Frankfurt a. M. in einer Besprechung der Finanzlage der Stadt mitgeteilt, dall das Steueraufkommen gröller gewesen wäre, wenn es nicht durch die Abwanderung jüdischer Finnen beeinträchtigt worden wäre. Der Juli d. J. habe allein 104 Liquidationen militärischer Firmen gebracht. (ITA) Strafnachlaß. Dem Kaufmann Albert Rosenthal und dem Verwaltungsdirektor der Breslauer Jüdischen Gemeinde, Dr. Lrnst Rechnttz, die als Verlasser b/w. verantwortlicher Redakteur eines in der August-Nummer des Breslauer Qemeindeblattes erschienenen Artikels „Ich suche ineine Brüder" vom Sondergericht Breslau am 14. November l'ljj zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis verurteilt worden waren, ist auf Grund der von der Rcichsrcgicrung erlassenen Amnestie ih r Rest ihrer Strafen im Gnadenwege erlassen worden. Sportfest des Bundes deutsch-jüdischer Jugend. Der Landesverband Berlin des Bundes deutsch-jüdischer Jugend veranstaltete am 26. August auf dem Sportplatz der Berliner Gemeinde im Grunewald sein erstes Bundes-Sportfest. Ober tausend junge Sportler marschierten in vorzüglicher Haltung in die Kampfbahn ein und an ihrem Bundesführer Martin Sobotkei vorüber. Heinz Cohn füeico), der Landesverbandsleiter des Bundes von Berlin konnte unter den sehr zahlreich erschienenen Zuschauern Vertreter der Reichsvertrehing, der Berliner Gemeinde, des C. V. und Rjl begrüßen. Lr betonte in seiner Ansprache, dall der Sport Bestandteil der Erziehungsarbeit im Bunde sei. Nachdem der Bund 81 , Monate aufgebaut worden sei, stehe er als eine große Einheit da. In ihm arbeiten diejenigen Jugendlichen für die Lebensmöglichkeiten des deutschen Judentums, die sich ihm jetzt und hier und immerdar verbunden fühlen. Auch dieses Sportfest solle Kameradschaftlichkeit in all denen festigen, die au ihm teilnehmen. In dein reichhaltigen Sportprogramm des Nachmittags kämpften die einzelnen Gruppen und Zuge des Bundes gegeneinander. Besonderes Interesse erweckten einige lustige Staffeln und nicht zuletzt eine 4 l(K) tn- Staffel, bei der führende Persönlichkeiten des C. V. und Rjl gegen Mitglieder der Leitung des Bundes angetreten waren. Diese Staffel wurde von der Bundesleitung gewonnen. Wertvolle Bibeln auf dem alten Judenfriedhof in Rom gefunden. Bei den Ausgrabuugsarbeiten auf dem aufzulassenden und nach einer anderen Stelle zu verlegenden alten Judenfriedhof in Rom wurden Tausende alter hebräischer Bibeln, von denen viele aus der Zeit der Erfindung des Buchdrucks stammen, gefunden. Aut Bitte der jüdischen Behörden hat Ministerpräsident Mussolini die sofortige Wiederbestattung der Bibeln erlaubt. Aus diesem Anlaß wird eine feierliehe Zeremonie stattfinden. Nur einige Exemplare von besonderem Seltenheitswert sollen aufbewahrt werden. Offenbach-Operetten-Abend wiiiiiiiiHiiimi leipziger jUdisdier Künstler Die behördlich genehmigte Veranstaltuno; findet nunmehr bestimmt am Sonnabend, den 22. Sept. 1934, abends 20 " Uhr im Künstlerhaus statt. Eintrittskarten zu Mk. 2,—, 1,50 und 1,— bei den bekannten Vorverkaufsstellen sowie an den Abendkassen.

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