Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 32 (10.8.1934)
- Date
- 1934-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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10. August 1934 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSQEMEINDE ZU LEIPZIO Seite 3 Am 3. August entschlief sanft nach schwerer Krankheit unser Vater Herr Ferdinand Sehnlliof Ihm folgte am 5. August unsere Mutter Frau Bella Sehnlhof gol». <»ii|;t'iilieiiii in die Ewigkeit. Leipzig — Großdeuben, im August 1934. Hr. Lotte Uoldtichniidt geb. Schulhof Fritz B. UoldHchmidt Die Einäscherung hat auf Wunsch der Verstorbenen in aller Stille stattgefunden. Wir bitten von Beileidsbesuchen abzusehen Statt Karten! Zu der s.Q.w.am 18. Aug. i. d. Ez Chaim Synagoge stattfindend. Barmizma unseres Sohnes Leo gestatten wir uns hierm. einzul. Kiddusch Funkenburgstr. II Simon Klugjhaupt u. Frau „Auf dein Grundstücks markt haben sich in den letzten Monaten erhebliche Wandlungen vollzogen. Gegenüber dem Vori ihr hat sich die Umsatztätigkeit außerordentlich gesteigert, und die Preise liegen 20 bis 30 O/o höher als Ende 1933. Diese Bewegung i-t aber noch nicht zum Stillstand gekommen. Die entscheidenden Ursachen für diese Bewegung liegen mehr auf Seiten des Angebots als auf Seiten der Nachfrage, rui eine gewisse Verstärkung der Nachfrage ist in erster Linie maßgebend, daß mit dem Fortschreiten < iuer organischen Zinssenkung in Deutschland gerechnet weiden kann, während gute Zinshäuser eine verhältnismäßig hohe, dauernde Verzinsung auch noch auf der Grundlage der heutigen Preise zu währleisten scheinen, die durch eine Zinssenkung auf dem Hypothekenmarkt sich nur noch steigern kann, ganz abgesehen von der um 1. April 1935 zu erwartenden Senkung der Hauszinssteuer um 25 0/o. So haben viele Kapitalisten ihre Anlagen von Renten und I l'fektenwcrten in Grundstücke umgewandelt. Auf Seiten des Angebots haben mehrere Faktoren zur Ver-! nappung des marktgängigen Materials beigetragen. Einmal haben die scharfen devisenrcchtlichen Bestimmungen und die dadurch bedingte Schwierigkeit der Transferierung ausländischer Reichsmarkithaben dazu geführt, daß seit dem l-rühjahr dieses Jahres von isländischen Hausbesitzern Verkaufsaufträge in größerem Umfange .irückgestellt worden sind. Dieses Moment hat sich besonders in Berlin als dem seit jeher spekulativsten Markt mit verhältnismäßig '■Bern Anteil von ausländischen Grundbesitzern bemerkbar gelebt. Auf diese Art und Weise ist indirekt eine gewisse, seit ><ngem erwünschte Konsolidierung am Markt eingetreten. Dem Hausbesitzer hingegen ist durch Rcichszuschüsse ver- ■ hiedenster Art die Möglichkeit gegeben worden, auf billige Weise i ie Rentabilität seiner Objekte zu steigern oder zum mindesten zu > halten, so daß die Neigung zum Verkauf im allgemeinen gesunken ist; in derselben Richtung wirkt die schon erwähnte Aussicht auf Senkung der Hauszinsstcucr. Auf dem Gebiete des Grundstücksmarktes haben sich also die I |uidationschanccn im Vergleich mit der Zeit vor einem Jahr er- I blich gebessert. Der Hypothekenmarkt dagegen ist noch verhältnismäßig i lug. Allerdings machen sich auch hier bereits wichtige Anzeichen I r eine gewisse Auflockerung bemerkbar. Zwar haben die Realk editinstitute ihr Aktivgeschäft im allgemeinen noch nicht wieder •i (genommen, aber in beschränktem Llmfang sind Hypotheken von Vi rsicherungsgesellschaften, kleinen Pensionskassen und dergl. zu haben. Die Beschrankung des Angebots bedeutet, daß die Auswahl d r Hypotheken außerordentlich streng ist, die Beleihungshöhe noch verhältnismäßig niedrig. Sie reicht nicht aus, um Hypotheken, die vor 1931 gegeben worden sind, umzuschulden, es besteht aber immerhin bereits die Möglichkeit der Umschuldung von Aufweri iigshypotheken, die mit der 2'/jfachen, äußerstenfalls 3fachen I 1 icdcnsmictc auslaufen. Allerdings ist ein gewisser Disagioverlust bei der Umschuldung unvermeidbar. Die Gelddispositionen der Hy- P"lhekengläubiger, Insbesondere soweit es sich um Privatgeldgeber handelt, sind durch die gesetzlichen Abänderungen der Fälligkeits- »iul Kündigungstermine infolge der verschiedenen Notverordnungen durchkreuzt worden. Es hat sich daher für manche, insbesondere »uch für auswandernde deutsche Juden die Notwendigkeit ergeben, ihre Hypotheken mit einem Abschlag zu verkaufen. Solche Hypotheken, soweit sie wirklich erstklassige Anlagen darstellen, d. h. a"f marktgängigen Wohnhäusern ruhen und nicht höher als mit 3 äußerstenfalls 3l/sfacher Friedensmiete auslaufen, haben mit einem Unser geliebter, guter Vater, Schwiegervater und Großvater Jona* Braude ist uns am 4. August (23. Aw) im Alter von 56 Jahren nach kurzem Krankenlager genommen worden. Leipzig, den 7.8.34. In tiefem Schmerz Ituh.v llraude geb. Braude Hr. Jacob Kruurie zugl. im Namen all. Hinterbliebenen FinkiiH 4iiai«l«>liiuinii — Ro»l (»iilriHiuami geb. Tarschiss Vermählte Riga__z. Zt. auf Reisen Leipzig Leipzig .IIA IHK MARC* OSf II ES S1JIOX DONATH Verlobte im August Prag Abschlag von 8 bis 10» o vom Nominale in letzter Zeit ohne weiteres Aufnahme gefunden, so daß auch in dieser Hinsicht eine Verbesserung der Dquidationsmöglichkeit für Auswanderer sich entwickelt hat. Schwierig ist immer noch die Beschaffung von Hypotheken für jüdische Hausbesitzer in der Provinz, insbesondere in kleinen Städten. Besonders ist in diesen Fällen die Beschaffung nachstelligen hypothekarischen Kredites als Ersatz für gekündigten Bankkredit, der zweitstellig hypothekarisch gesichert war, nur in Einzelfällen, wenn Überhaupt möglich gewesen. In ländlichen Bezirken vollends sind die Möglichkeiten der Verwertung und Beschaffung von Hypotheken und anderen Darlehnsforderungen noch nahezu unmöglich. Allerdings schützen den Schuldner demgegenüber auch die in diesen Bezirken bestehenden weitgehenden Vollstrcckungsschut/bestimmungen. Unsere Gesellschaft hat sich auf diesen Gebieten bereits mehrfach erfolgreich betätigen können. Ober den Stand der Wirtschaftsfragen auf anderen Arbeitsgebieten, wie Verkauf von Unternehmen, treuhänderisches Inkasso, Revisionen, wirtschaftliche Betreuung von jüdischen Körperschaften und Grganisationen wird in einem späteren Bericht ausführlicher Nachricht gegeben werden. Jüdische Zeitschau Jugend-Alijah aus Deutschland. Über die Entwicklung der Jugend-Alijah aus Deutschland gibt ein soeben veröffentlichter Arbeitsbericht der jüdischen Jugendhilfe Aufschluß. I Gruppen wurden bisher nach Palästina geschickt. Im Februar 1034 nach En Charod (M) Jugendliche); im Mai fuhren 2(1 (inzwischen auf 00 erhöht) religiöse Jugendliche nach Kibbuz Rodges, Ende Juni 4U nach Tel Jossef; außerdem war schon eine Mädchcngruppe auf die Mädchenlehrfarm von Frau Rachel Janaith entsandt. Auf Grund der für die Jugend-Alijah zugebilligten Zertifikate sollen noch 16 religiöse Jugendliche nach Haifa auf die Handwerkerschule kommen, 12 religiöse Mädchen in das Heim der Misrachi-Fraucnschaft Jerusalem zur hauswirtschaftlichen und gärtnerischen Ausbildung, finde Herbst sollen 60 Jugendliche nach Uagania abfahren, 1 weitere Aus Anlaß des Ablebens des Herrn Reichspräsidenten findet der für Donnerstag, den 2. August angesetzte Vortrag des Herrn Adolf Hirschfeld, Berlin über Palästina 1934 Polltik und saaag am Mittwoch, den 15. August 20.15 Uhr im Künstlerhaus, Nikischplatz statt. Im Vorverkauf gelöste Karten behalten ihre Gültigkeit. Staatszionistische Organisation, Ortsgruppe Leipzig.