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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-07-27 · 30 (27.7.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
30 (27.7.1934)
Date
1934-07-27
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 GEMEIN DEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSQEMEINDE ZU LEIPZIQ 27. Juli 1934 so daß der „Verband der Vereine für jüdische üeschichte und Literatur" ins Leben gerufen wurde. Seit 1S93 erschien das „Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur", als Veröffentlichung dieses Verbandes, unter der Redaktion von Karpeles. Karpeles selbst war gesuchter und gerne gehörter Redner wohl in fast allen angeschlossenen Vereinen; er verstand es immer, seine Zuhörer zu fesseln und ihnen packende Einblicke in die jüdische Vergangenheit und ihr geistiges Schaffen ZU geben. Aus solchen Vorträgen entstand 1896 ein Oberblick über die ganze jüdische Geschichte in „Sechs Vorträge über die Geschichte der Juden". Karpeles hat mit dieser Förderung des Literaturvereinsgedankens feinefe Verständnis für die Notwendigkeit der Erneuerung des Judentums bewiesen und den späteren Bestrebungen zur Verbreitung von jüdischem Wissen als Wegebahner gedient. Fr hat, aus den Ver¬ Verhältnissen seiner Zeit heraus, d i e Form angewandt, in der allein es damals möglich war, das Interesse der Gleichgültigen und Abseitsstehenden zu wecken, und es gebührt ihm und der durch ihn ins Rollen gebrachten Bewegung das unbestreitbare Verdienst, in Tausenden von Juden in Deutschland Freude an der Kenntnis jüdischer Dinge hervorgerufen zu haben. Viele, viele wertvolle Arbeiten auf dem Gebiete jüdischer Literatur sind durch das Bestehen dieser Vereine angeregt worden. Wohl kann nicht verkannt werden, daß die Bewegung dann zum Stagnieren kam: Die Vereine schliefen allmählich ein. Für die Dauer konnte sich das System der Vorträge nicht halten, die ja doch einem grollen Teil der Zuhörer nur flüchtige Anregungen und Brocken jüdischen Wissens mitteln konnten. Mehr und mehr wurde vertiefende systematische Arbeit gefordert. Wenn diese Zeit mehr und mehr heranreifte, so gebührt Karpeles das bleibende Verdienst, bedeutsamen Anteil an dieser Entwicklung zu haben. C. Dr. Meier Hildesheimer gestorben. Am 22. Juli ist Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, der Leiter des Berliner Rabbinerseminars, im 71. Lebensjahr nach kurzer Krankheit gestorben. Aus den Kreisen des Rabninerseminars geht der ITA. folgende Würdigung der Persönlichkeit des Dahingeschiedenen zu: Mit Dr. Meier Hildesheimer hat die Judenheit eine Persönlichkeit verloren, für die es keinen Ersatz, gibt. Nicht wegen der äußeren Stellung, die er eingenommen hat; die deutsche Judenheit besitzt Rabbiner, besitzt Schulmänner, besitzt Arbeiter der sozialen Fürsorge. Meier Hildesheimer war dies alles, aber in allem war er eben er selbst. Was er geleistet hat in seiner engeren Gemeinde, der Adass Jisroel, in der ganzen jüdischen Gemeinschaft Groß- Berlins und darüber hinaus für ganz Deutschland und Osteuropa, das konnte er nur tun, weil er in all sein Wirken seine ganze Persönlichkeit einsetzte, vor allem sein goldenes Herz und seine unermüdlichen Arbeitskraft. Der Aufbau des Schulwerks, den Adass Jisroel mit seinen 700 Kindern aus allen Kreisen Berlins durchführte, ist in hohem Maße seiner Mitarbeit zu danken. Das Rabbinersenünar ruhte in wirtschaftlicher Hinsicht seit bald zwei Jahrzehnten fast ganz auf seinen Schultern. In der jüdischen Wohlfahrt Berlins und ganz Deutschlands war er seit vielen Jahren führend. Fr war einer der Hauptarheiter im amerikanischen Joint. Wenn es sich um die Rettung der litauischen Talmud-Hochschulen handelte, war Dr. Hildesheimer da. Wenn den Opfern der bolschewistischen Verfolgungen Rußlands geholten werden mußte, stand Hildesheimer an der Spitze. Er arbeitete an führender Stelle in der Agudas Jisroel wie im Hilfsverein der deutschen Juden. Überall einer der ersten im Tun, hielt er sich bescheiden zurück, wenn es lieh um Ehrungen handelte. In einem Alter, in dem andere sieh Ruhe gönnen, reiste er nach Amerika und Südafrika, um Hilfsmittel zu sammeln. Und was tat er an Einzelnen! Tausende sind es, denen er geholfen hat, ohne daß Fremde es ahnten. Sein« große Liebe zu jedem Einzelnen gab ihm immer wieder die Kraft. I ine wesentliche Hilfe hatte er an seiner (lattin. die überall still zurücktrat, nur von der einen Sorge getragen, dem geliebten Manne diu Arbeitskraft zu erhalten. Was Meier Hildesheimer geleistet hat, darf und wird nicht vergessen werden! Jüdische Zeitschau. Identitäts- und Reisedokumente für deutsche Emigranten. In einer in London abgehaltenen Pressekonferenz berichtete der Oberkommissar für Auswandererfüsorge James G. Mac Donald über die bisherigen Ergebnisse der Arbeit zur Wiederseßhaftinachiuig und wirtschaftlichen Lingliederung der im letzten Jahre aus Deutschland ausgewanderten Personen. In Verbindung mit den Mitteilungen über die bisherigen und die künftig möglichen Ergebnisse endgültiger Seßhattmachung wies er darauf hin, daß eine der wesentlichen formellen Fragen, die bei der Arbeit zu behandeln wären, die Beschaffung von Identitäts- und Reisedokumenten sei. Es ist im Januar dem Vorschlage zugestimmt worden, daß die Staaten, in denen die Ausgewanderten sich derzeit aufhalten, für deutsche Staatsangehörige oder Staatenlose, die keinen gültigen Paß haben, ein „Identitäts- und Reisedokuinciit" ausfolgen, wie es auf einer Konferenz der Verkehrsorganisation des Völkerbundes im Jahre 1927 für Personen ohne staatlichen Pali beschlossen worden ist. Diese Vorschläge sind nunmehr von den Staaten, die in erster Reihe an der Auswandererfrage interessiert sind, allgemein angenommen worden. Die Dokumente werden in den verschiedenen Ländern mit verschiedener Gültigkeitsdauer ausgestellt. Den Staaten wurde eine Empfehlung übermittelt, dieses Reisedokument für die Erteilung von Visen in gleicher Weise anzuerkennen wie einen staatlichen Paß und den Ausgewanderten die Visa kostenlos auszustellen; man hofft, daß diese Empfehlung meist angenommen werden wird. Eine der Schwierigkeiten bei der Ausfolgung von Reisedokumenten in einzelnen Ländern bestand darin, daß die betreffende Regierung einen Nachweis darüber verlangte, daß der Ausgewanderte nicht mehr deutscher Reichsangehöriger oder außerstande ist, von den deutschen Behörden ein Reisedokument zu bekommen. Nunmehr habe die deutsehe Reichsregierung ihre Konsulate angewiesen, in den Fällen, in denen sie aus irgendeinem Grunde nicht in der Lage sind, den Paß eines deutschen Reichsangehörigen zu verlängern oder einen neuen Paß auszustellen über die Ablehnung einen schriftlichen Bescheid zu erteilen. Auch sei vereinbart worden, daß die deutschen Behörden kl der Regel den Ausgewanderten Bestätigungen über ihren früheren Aufenthalt in Deutschland geben werden. So werde es dem Ausgewanderten möglich sein, den Paßbehörden des Aufenthaltslandes den verlangten Nachweis zu erbringen, daß er von seinem Staate keine Reisedokumentc erhalten kann, und nötigenfalls seine Identität nachzuweisen. Die allgemeine Annahme der Vorschläge des Verwaltungsrats bedeute die Beseitigung der technischen Schwierigkeiten bei der Überführung Ausgewanderter in Länder, in denen sie sich dauernd niederlassen können. Die Anträge auf Ausstellung der Reisedokumente sind nicht an das Oberkommissariat, sondern an die Paßbehörden der betreffenden Länder zu richten. Über die genauen Bedingungen für die Ausfolgung dieser Dokumente erteilen die großen Hilfsorganisationen Auskunft. Gottesdienste Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 27. Juli, Abendgebet 19 Uhr. Sonnabend, 28. Juli, Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 20,25 Uhr; anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Cohn), Abendgebet 20,56 Uhr. Morgengottesdienst an Sonnu. bürgerlichen Feiertagen 7,30 Uhr, werktags 7 Uhr, Abendgottesdienst 19 Uhr. Vom 1. August an findet der Gottesdienst an Wochentagen nicht mehr statt. Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 3. August, Abendgebet 19 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn); Sonnabend, 4. August, Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 20,10 Uhr; anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Cohn); Abendgebet 20,43 Uhr. Ez-Chaim-Synagoge (Otto-Schill-Str.) und Talmud Thora Synagoge (Keilstr.): Freitag, den 27. Juli: Abendgebet 19 Uhr. Sabat: Morgengebet 8,30 Uhr; Mincha 17 Uhr; Ausgang 20,56 Uhr. Wochentag: Morgengebet 7 Uhr; Abendgebet 19,15 Uhr. Personenstandsnachrichten Geburten: II. Juli 1934 Israel Säbel und Perl geb. Wassermann, Schützenstraße 9, eine Tochter „Hella". Trauungen: Fräulein Lotte Mendel, Springerstraße 20, mit Herrn Georg Seifert, Wiederitzscher Straße 12. Fräulein Wilhelmine Luise Dorothea Reinhold aus Bleicherode mit Herrn Arthur Michaelis, Bleicherode. Sonntag, 5. August 1934, 4 Uhr nachm., Fräulein Helena Thimm- Czopek, Nordstr. 41, mit Herrn Egmont Weingarten, in der Wohnung Nordstraße 41 bei Czopek. Todesfälle: 16. Juli 1934 Egon Goldschmidt, Delitzscher Str. 7 F. 18. Juli 1934 Chi] Mever Plotek, Fberhardstr. 9 IV. 19. Juli 1934 Joseph Prothownik, Humboldtstr. 4 III. 19. Juli 1934 Isaak Weintraub, Auenstr. 14. 20. Juli 1934 Dorothea Warschauer, Döllnitzer Str. 3. Aus dem Gemeindeamt. Statistisches aus unserer Gemeinde. Im Nachgang zu unserer Veröffentlichung in Nr. 28 des Gemeindeblattes geben wir noch bekannt, daß im Kalenderjahr 1933 37 Sitzungen des SteuerpriU fungsausschusses stattgefunden haben. Lernen Sie jüdische Maier und Bildhauer kennen! Die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde Berlin (Abt. Bildende Künstler) bringt soeben einen Kunstkalender für das kommende Jahr 5095 heraus. Wenn man auch davon ausging, die wirtschaftliche und seelische Bedrängnis des bildenden Künstlers zu beheben, so war es doch ebenso wichtig, die jüdische öffentlichkeit, die der bildenden Kunst gegenüber noch immer eine allzu große Zurückhaltung bewahrt, mit den Werten vertraut zu raachen, die für jeden Menschen in dem Schaffen der bildenden Künstler

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