Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 30 (27.7.1934)
- Date
- 1934-07-27
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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27. Juli 1934 (iEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSÜEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 1 Stall Kauen. Hugo Ctentle« Hr-rtl <«<-r«»tle »■«>!». Brandt'» München Vermählte Leipzig Cl Trauung 2<h 7., It Uhr, Waller liliimel-Stralte S, III bei Czopek. Statt Karten. J«>aniii'ttr Franko! Dr. jur. Samuel Heiler Leipzig Cl, Bosestr. 6. Verlohte - Chemnitz, Hngenbergstr. 42. Empfang Sonntag den 12. August 11 bis 14 Uhr. Die Geburt eines gesunden Töchterchens zeigen hocherfreut an Siilamon r.iseu und Frau Leipzig, Hainstr. 21 Rosa geb. Liebermann Statt Karton Zu der s. O. w. am Sonnabend, den 4. August in der Synagoge Ohel Jakob Pfaffendorfer Straße 4 |stattfindenden Itariiiixwalifcit'r rns""i3 unseres SohncH Alex gestatten wir uns unsere Freunde und Bekannten ergebenst einzuladen. Döllnitzcr Str. 1, Empf. 12-2 Uhr Isaak Selieiner u. Frau war — es haben etwa 12 Sitzungen des vereinigten Vorstandet und Finanzausschusses, in dem alle Fraktionen vertreten sind, stattgefunden wird von einer Qeneralaussprache abgesehen. In der Einzelaussprache werden einige Posten des Haushaltplanes behandelt, die auf Grund von Beschlüssen des Finanzausschusses noch in allerletzter Zeit eine Änderung erfahren haben. Bei den Oehältem und Ruhegehältern sollen mit Wirkung vom 1. Oktober 1934 Herabsetzungen erfolgen. Line Eingabe der Friedhofsarbeiter wird an den Finanzausschuß zurückverwiesen, ein Beitragsgesuch des Israelitischen Wohltätigkcitsvereins kann in diesem Jahre aus finanziellen Qründen keine Berücksichtigung finden. Der Haushaltplan wird darauf im ganzen angenommen mit dem Vorbehalt, daß die darin enthaltenen Bezüge nur solange gezahlt werden, bis mit den Beamten und Angestellten eine anderweite Regelung getroffen ist. Ferner findet ein Antrag des Finanzausschusses Annahme, dafi dieser auch nach der Verabschiedung des Haushaltplanes weiter tagt und den I laushattplan für das folgende Rechnungsjahr vorbereitet mit dem Ziele, weitere Lrsparnisse unter neuen Gesichtepunkten vorzunehmen. Im Verfolg dieser Aufgabe soll der Finanzausschuß darübeer wachen, daß die ein/einen Posten des I laushaltplanes keinesfalls überschritten und womöglich schon Einsparungen im laufenden Rechnungsjahr vorgenommen werden. F.in weiterer Beschluß des Finanzausschusses, den Haushaltplan für das kommende Rechnungsjahr so zeitig vorzulegen, daß derselbe rechtzeitig zum 1. April 1935 verabschiedet wird, findet ebenfalls Anlahme; dagegen wird ein Antrag, den Vorstand in Gemeinschaft mit dem rinanzzausschuB zu ermächtigen, geringfügige Erhöhuneu der Ausgaben /u beschließen, abgelehnt. 5. Hierauf wird die Oemcindeanlage 1934 auf so v. II. der leichseinkommensteuer bzw. Lohnsteuer oder Maßstabst,euer festgesetzt. Das (ieset/ gibt auch die Möglichkeit zur I rhebung einer Steuer im Anschluß an die Einheitsbesteuerung der Landwirte, die iraktisch kaum in Frage kommt; der Beschluß über die I Lilie wird deshalb vertagt. Ausdrücklich wird festgelegt, daß für den Sächiischen israelitischen < ieineindeverband und die Reichsvertretung ler deutschen Juden keine besondere Steuer erhoben werden soll. (). Der Vorsitzende berichtet, daß das Oemeindeblatt in eigene legte der Gemeinde übernommen und der Anzeigenteil verpachtet \ird. Nach den gesetzlichen Bestimmungen wird ein Bezugsgeld xhoben. 7. Hierauf folgt ein Bericht über Verhandlungen mit den Beulten und Angestellten über Gehaltskürzungen, die notwendig sind, in mit den einkommenden Steuern die Ausgaben /n decken. S. Es entspinnt sich eine Aussprache Über das Vorgehen egenüber Steuerpflichtigen, die unter den heutigen Verhältnisse» iit dem Austritt drohen. Es wird begrüßt, daii solche Gemeindelitglieder von den Qemeinderabbinern besucht werden, um sie 'Olli Abfall zurückzuhalten. Wesentlich aber sei, dall die ganze iziehuiig darauf hinwirke, dal! jeder Jude sich der Zugehörigkeit ■ ur Gemeinschaft mit Stolz bewußt ist und treu an ihr festhält. Andererseits' solle versucht werden, durch gesetzliche Maßnahmen •u erreichen, daß Ausgetretene zur Weitet Zahlung der Steuern Am 10. Juli entschlief nach schweren Leiden im Alter von 90 Jahren unser lieber guter Vater und Großvater »lo*ef Pro4»liowiiik« Die Beerdigung hat bereits in aller Stille stattgefunden. Leipzig, den 23. Juli. Im Namen der Hinterbliebenen, (•(•rtrud Colin «■eh. IVo« Ii o n n i 1.. Dr. med. Max Procliownik. verpflichte! bleiben. Den Qemeindevertretern soll von Austrittsdrohungen rechtzeitig Kenntnis gegeben werden, damit diese alles tun. den Austritt zu verhüten. Tatsächlich Abtrünnige aber müßten im gesellschaftlichen Verkehr fühlen, wie sehr man ihren Schritt mißbilligt. Nach Verlesung der Niederschrift wird die Sitzung um 20,45 Uhr geschlossen. Kalzenstein, Genieindeschriftführer. der Xaushaltplan wird in nächster Hümmer veröffentlicht. Zum *s*.>. Todestage von Gustav Karpeles Am 21. Juli 1909 starb in Bad Nauheim Dr. Gustav Karpe- 1 e s. Der Name und die (iestalt dieses gelehrten jüdischen Schriftstellers war anderthalb Jahrzehnte in allen jüdischen Kreisen man darf wohl ohne Übertreibung sagen fast ganz Deutschlands so bekannt, daß es am Platze ist, seiner heute nochmals zu gedenken. Als Rabbinersohn ISIS in Mähren geboren, hatte er in Breslau am Jüdisch-theologischen Seminar und an der Universität studiert, sich dann aber vorzugsweise der literarischen Forschung zugewandt. Sein besonderes Interesse galt Heinrich Heine, dem er schon 1868 eine Schrift widmete: Heinrich Heine und das Judentum. Neben einer großen Reihe von Elnzeiuntersuchungen waren zwei von ihm besorgte Heine-Gesamtausgaben das Ergebnis dieser Arbeiten. Auch eine „Allgemeine Geschichte der Weltliteratur" (ivs'M), ein „Literarisches Wanderbuch" (I>'i7), Schriften über Borne, Goethe in Polen u. a. fanden viel Beachtung und schallten ihm einen Namen in der Gelehrtenwelt. Seine besondere l iebe aber galt der jüdischen Literatur. 1886 erschien seine zweibändige „Geschichte der jüdischen Literatur", hi~ heute noch immer die einzige, das ganze jüdische Schrifttum von der Bibel bis in das geistige Schallen der Neuzeit umfassende litcrargeschichtliche Werk. Von IS'M) bis zu seinem Tode war er auch Redakteur der damals hochangesehenen und weitverbreiteten „Allgemeinen Zeitung des Judentums", die ihm gleichfalls den Boden zur Veröffentlichung zahlreicher literarischer Arbeiten gewährte. Ungewöhnlich fruchtbar aber und weithin wirksam war die Tätigkeit, die Kaipeles in der Verbreitung von Kenntnissen in der jüdischen Literatur entfaltete. Schon etwa lsuu waren in einigen Städten Deutschlands Vereine entstanden, die die Pflege jüdischer Geschichte und Literatur zum Ziele hatten. Im Verein mit Albert Katz begründete Karpeles Anfang 1892 auch für Berlin einen solchen Verein und gab damit den Anstoß zu einer Bewegung, die sich bis in kleine und kleinste Gemeinden fortpflanzte. In einem Aufsatz der Allg Ztg. d. Judentums „Literaturvereine" legte er das Ziel dieser Bestrebungen dar: „Als eines der vorzüglichsten Mittel zur Hebung und Kräftigung des religiösen Geistes, zur Bekämpfung des Inditferentismus und des .inneren Antisemitismus' erscheint uns ... die Begründung von jüdischen Literaturvereinen in allen jüdischen Gemeinden Deutschlands"; er hegt „die frohe Hoffnung, daß auch aus diesen jüdischen I iteraturvei einen eine Quelle Frischei Begeisterung hervorströmen werde, der unserra alten Schrifttum und dem erhabenen Gedanken, die dasselbe vertritt, vor allein unsere Jugend, diese Erbin unserer Hoffnungen, unserer Ideale und Träume wiedergewinnen wird". Schon ein Jahr später war die Anregung, dank der großen Aktivität von Karpeles. der überall werbend auftrat, in zahlreichen Gemeinden aufgenommen worden, Adolf HifSChfcld, Berlin. VizePräsident der Staatszionistischen Organisation der soeben aus Erez Israel zurückgekehrt ist, spricht am Donnerstag, den 58. Augu*t. 20.15 Uhr im KilnstW-rhau». Nikischplatz über Palästina 1934 Politik und Wirtschaft- Staatszionistische Organisation, Ortsgruppe Leipzig. Anschließend findet voraussichtlich eine Kundgebung anläßlich des Arlosoroff - Prozesses statt, zu der ein weiterer Redner sprechen wird