Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 29 (20.7.1934)
- Date
- 1934-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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20. Juli 1934 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Von Familie — Familie! Das Gemeindeblatt ist in den letzten Jahren -/.um Faiiillieiihlatt d«r <><>iii<>in<le geworden. Wir haben damit das uns gesteckte Ziel erreicht, bleiben aber stets bemüht das so geschaffene Gemeinschaftsgefühl unter der Judenschaft Leipzigs noch weiter zu vertiefen. — Dieses Gemeinschaftsgefühl kann nirgends besseren Ausdruck finden als zu Rosch - Haschano. Wir bringen deshalb in diesem Jahre zum ersten Male unter der Überschrift («lUckwiiiiKC'lu* „Von Familie Familie*» eine Glückwunschtahelle in der nur Familien also keine Geschäfte aufgenommen werden. Im Sinne des Gemeinschaftsgefühls, das zum Ausdruck gebracht werden soll, werden alle Aiiv.cigcn difNfi' Ttiliello gleich groll sein, es soll keiner vor anderen etwas voraus haben. Die Anzeigen werden wie folgt aussehen: Familie Georg Hensthel Wladimir straBe 15 und kosten RM 1,80. — Beweisen Sie Ihr Gemeinschaftsgefühl und beteiligen Sie sich! Anzeigenverwaltuug des flemeindehlatteM, Leipzig O S, CiclioritiMMtraUe 2a, Telefon 0 07 71* Statt Karten! «. I OlM. Sl II Kit I M»TTK SKI I I.K T geb. Mendel Vermählte splitterung und damit Erschütterung des jüdischen Gesamtwillcns. Das gilt in gleicher Weise für die Allzulaucn wie für die All/ueifrigen, für die fanatisch Vielseitigen wie für die fanatisch Einseitigen. Es gibt — und das soll an dem Tajje der Erinnerung an die Zerstörung des Tempels besonders eindringlich empfunden werden — nur eine ein/ige jüdische Aufgabe: die Erhaltung des jüdsichen Daseins, wie es vom Beginn der jüdischen Volk werdung, seit dem Auszug aus Ägypten und dem Erlebnis am Berge Sinai zur Sinngebung für das jüdische Sein geworden ist. 0. C' 3. Weltkonferenz des religiösliberalen Judentums in London Vom 6. <). Juli wurde in London die 3. Weltkonferen/ des religiös-liberalen Judentums abgehalten. In der Eröffnungssitzung hielt der Vorsitzende Dr. Claude (i. Montefiore eine Ansprache, in der er die Einberufung der Konferenz, in dieser Zeit begründete und ihre Aufgaben als einer ausschließlich religiösen Problemen gewidmeten Aussprache umrili. „Es ist vier Jahre her", erklärte der Redner, „seit diese Konferenz zum letzten Mal zusammentrat. Manche stimmen mögen laut geworden sein, die die t rage erhoben, warum diese Konferenz, jetzt abgehalten wird und nicht auf einen günstigeren Zeitpunkt verschoben wurde. Darauf gibt es viele Antworten. Das liberale Judentum hat gerade jetzt seine besonderen Prüfungen durchzumachen und für seine besonderen Probleme eine Lösung zu suchen und immer noch - wir sagen dies in Demut und Aufrichtigkeit - ist es die einzige Form des Judentums, an die wir ehrlich glauben können. Es ist die einzige Form des Judentums, die, auf die Dauer gesehen, bestehen und der Welt und der Sache der Gottesgläubigkeit von Nutzen sein kann." Dr. Montefiore wies mit Nachdruck darauf hin, dalt es sich hier um eine rein religiöse Konferenz handle, auf der politische Fragen nicht erörtert werden können. Zum Hauptgegenstand der Beratungen war das Thema bestimmt worden: Judentum und Bestimmung des Menschengeschlechts. in der von Rev. Reinhart geleiteten Aussprache ergriff als erster Redner Rabbiner Dr. Wolf-Dresden das Wort: Während meiner ganzen Geschichte, so führte Dr. Wolf aus, habe das Judentum sein eigenes Leben gelebt und die Erhaltung seiner Sonderexistenz angestrebt, wenn auch die Gedankenwelt der Allgemeinheit ihre religiöse Grundlage vom Judentum genommen hat. Im Judentum wurde Gott als Weltengort aufgcfallt, was die Anschauung der Gleichheit aller vor (iott bedingte. Das Gebot, den Fremdling zu lieben, habe das judische Gesetz über die (iesetze der Völker der Welt emporgehoben. Der Forderung, alle müßten einem Glauben angehören und der Anschauung, daß der Mensch vor Gott nur bestehen könne, wenn er an das Königreich der 1 'laubigen glaube, trat das Judentum damit entgegen, da Ii es lehrt, die Frommen aller Völker haben teil an der kommenden Welt. Das Element gemeinsamen Menschentums, fuhr der Redner (ort, sei aus dem Bereich des heutigen Denkens verschwunden. Es gelte der Grundsatz: Lebe als das, wozu dich das Leben bestimmt hat! Sei Jude und nichts als Jude! Demgegenüber sei zu bedenken, daß der Mensch zwei Welten zugehört, der überirdi- E. SA^CL Petersstraße 5, Eckhaus Markt spitzen, Mode - Neuheiten Kleidergarnituren, Bänder, Blumen, Knöpfe u. Gürtel scheu, ethisch-geistigen und der irdisch-körperhaften, heute schlössen die Völker sich gegeneinander ah, weil sie nur auf die Stimme des Hintes hören wollen. Sie wollen den Kampf um ihre Existeni mit eigener Kraft führen, ihren Glauben in ihrer eigenen Art bestimmen, ihre Kultur sieh nach ihren eigenen Gesetzen entwickeln lassen. Selbstgenügsamkeit aber existiere in der Natur nicht. Im leben der Menschheit wurde Selbstgenügsamkeit wirtschaftliche Verarmung, kulturelle Not, Unzulänglichkeit im Menschlichen bedeuten. Iii jedem Zeitalter habe das Leben der Judenheit unter den Völkern der Welt ein Problem dargestellt. Nicht nur das Judentum stand häufig in einem geistigen Gegensatz zum geistigen Standpunkt der Umgebung, sondern auch die jüdischen Menschen wahrten eine Distanz zur umgebenden Weit. Stets besteht die Gefahr einer Bedrohung der jüdischen Existenz der Juden von außen. Rabbiner Dr. Jacob Singer-Chicago wies im Qcgensatz zu der Behauptung, dal! zwischen Judentum und der Zukunft des Menschengeschlechts, seiner Bestimmung, kein Zusammenhang bestelle, auf die jüdische Qottesidee hin, die kosmische Bedeutung und universelle Ausbreitung erlangt habe, so dall in Geist und leben der Allgemeinheit Dauer verliehen sei. Rev. Vivian Simons von der Wcst-London-Synagogc stellte dem Juden von heute den der Vergangenheit gegenüber; hinge die Lebenskraft des Menschentums nur vom Juden ab, wie er heute ust, dann gäbe es für das Menschentum wenig Hoffnung, wenig Hoffnung für seine Ideale. Der moderne Materialismus jüdischen Lebens bedeute neben seinem Separatismus, dall der Jude von heute auf Kosten seiner Vergangenheit lebt, sich selbst mit der Vorstellung seiner Überlegenheit schmeichelt und an eine Unsterblichkeit glaubt, für die zu arbeiten er aufgehört hat, bliebe es bei diesen Zuständen, dann werde es einen tödlichen Schlag für die jüdischen I loffuuiigeii und das Ende des Judentums bedeuten. Die zweite grolle Aussprache auf der Weltkonferenz des religiös-liberalen Judentums galt dem Thema „Die Bestimmung Israels als R e I i g i o n s g e in e i n s c Ii a f t". Zu diesem Thema wurde ein Vortrag von Rabbiner Dr. I eo Hacek, der verhindert war an der Aussprache persönlich teilzunehmen, verlesen. Jede Gemeinschaft, so wurde in diesem Vortrag ausgeführt, müsse an ihre historische Sendung, an ihre Zukunft glauben, wenn sie lebenskräftig und geschichtsheständig bleiben wolle. Fui das Volk Israel sei dieser Glaube das Vertrauen in die Bedeutung und Zukunft der Religion Israels. Seit dem Entstehen der beiden grollen Religionen, die auf dem (ieist Israels aufgebaut sind, in erster IIIIIIIHIIIlB^i^HllllllllllllllllllllllllBHBVIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII nächste Ausgabe des Gemeindeblattes erscheint wegen! der bevorstehenden Saison-Schlußverkäufe erst am | 3*. Juli um f 1 Die 1 der n egen ■ I am P j An im-ige ii so Ii lu II für diese Nummer § am Mittwoch, den 585. Juli 1034 Ullllllllllllllllllllllll 1 I ani lumni ler 34 I nnul