Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 28 (13.7.1934)
- Date
- 1934-07-13
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite A GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG 13. Juli 1934 Frankfurt a.M., gewonnen war. Nach kurzer Begrüßung seitens des Vorsitzenden, Herrn Dr. Dzialowiski, und Herrn Rabb. Dr. Carlebach nahm Herr Dr. Breuer das Wort zu seinem Thema: „Ercz jisroel". Kaum einer In den Reihen der Ideologen des orthodoxen Judentums hat den welthistorischen, politischen Kern des Zionismus so frühzeitig und so tief erkannt wie Breuer, keiner aber auch N>i klar und unermüdlich auf die Gefahren hingewiesen, die eine das Religiöse negierende, nur auf dem Nationalen fußende Bewegung für das thoratreue, traditionsgebundene Judentum in sich birgt. I in unerschrockener Kampier für die Idee des Judentums in ihrer historisch unverfälschten Reinheit und absoluten Gültigkeit, aber auch ausgestattet mit einem gar feinen Spürsinn für das historisch Wertvolle und Zukunftsträchtige zeitbewegender Ideen, suchte der Redner mit größtmöglicher Objektivität dem zionistischen Phänomen gerecht zu werden, aber ebenso scharf die Trennungslinie von ihm zu ziehen. Des Zionismus hohes historisches Verdienst liege im „Wunder der Balfourdeklaration", in der Erlangung der von den \\ eltmächten anerkannten und garantierten öffentlichrechtlichen Heimstätte für das jüdische Volk und der dadurch ermöglichten wirtschaftlichen Erschließung Palästinas. Allein dem daselbst sich vollziehenden Aufbau fehle das Element für die nationale Gemeinschaft, fehle der jüdische Geist, jenes Band, das die (ilieder des jüdischen Volkes durch die Jahrtausende zusammenhielt, fehle die notwendige Repräsentation der Thora im Lande. Das Surrogat, das der Zionismus an dessen Stelle setzt, die Werte von \\ irtschaft und Nation, wie sie in Mistadruth und Revisionismus ihren organisatorischen Ausdruck finden, stelle einen außerordentlichen Gefahrenherd dar. Denn führe einerseits die marxistisch orientierte Histadruth mit ihrem Glauben an die unerschütterlichen ehernen Gesetze der Wirtschaft /um Materialismus, zur Vergottung der W irtschaft als Selbst/weck, so führe andererseits der Revisionismus mit seinem übertriebenen Chauvinismus /ur Vcrgottung der Nation. Heide aber, die (ieist vom (ieist Europas sind, führen am ludentum vorbei, dessen Kulturwerte sie negieren. Und so wachst ui heiligem Boden /um Teil eine Generation ohne jüdische Bildung leran, der selbst jedes Verständnis für die Schönheiten der hebraschen Poesie fehlt, weil diese ohne genaue Kenntnis des alten idischen Kulturgutes nicht erschließbar ist. Nachdem der Redner sich noch scharf gegen den Misrachi abgegrenzt hat, dessen kompromißfreundliche Haltung und laue Behandlung der jüdischen Belange die Tliora bei ihm mehr komplentar al> souverän erscheinen läßt, richtet er einen warmen Appell au die Orthodoxie, für deren Motive des bisherigen Zaudcrns, die der Sorge um die Thora entsprungen sind, er volles Verständnis hat, endlich aus ihrer Reserve herauszutreten, um im heiligen Lande der rhora zur Herrschaft ZU verhelfen, die allein die Einheit, den Frieden und damit ih n I ortscliritt des jüdischen Volkes und dessen Aufbauwerk zu sichern vermag. Der klare Aufbau des Vortrags, seine streng logische Gedankenführung, die messerscharfe Analyse politischer und wirtschaftlicher Phänomene, die erhabene Diktion und die funkelnde Rhetorik hielten die Zuhörerschaft im Bann, die dem Redner für das ihr vermittelte Erlebnis reichen Beifall zollte. Dr.M.L Ein Jude König der Leipziger Schützengildc. Anläßlich des zurzeit stattfindenden grollen Schutzentages ist Anlaß gegeben, darauf hinzuweisen, daß am 31. Oktober IST«) das Mitglied unterer Religionsgemeinde, Herr S. Rothgießer, die Würde des Königs in der Leipziger Schützengilde erlangte. „Für treue Dienste". Auszeichnung eines jüdischen Kriegsteilnehmers. Kürzlich leierte Herr Ernst Dobbriner, ein Schwersbeschädigter, sein 25jähriges Jubiläum im Dienste des Lcip- /ij.i Musikverlags Anton J. Benjamin A(i. Aus diesem Anlall wurde Herrn I). von der Industrie- und Handelskammer /u Leipzig ■ las bronzene tragbare l hr enzeichen für 25 jährige treue Dienste überreicht. Amtliche Bekanntmachungen Gcmeindeanlage 1934. Der Für dai Rechnungsjahr 1934 zu erhebende Zuschlag zur eichseinkommensteuer (bzw. Lohnsteuer und Maßstabsteuer) 1933 t auf «I vom Hundert festgesetzt. Die Veranlagung zur Gemeindeanlage 1934 kann jedoch erst im erfolgen, wenn von den Finanzämtern die erforderlichen I nterlagen eingegangen sind. Deshalb wird zunächst eine Vorauszahlung auf die Gemeindeanlage 1934 erhoben. Diese beträgt ein Drittel des Gesamtbetrages der Gemeindeanlage 1933. AK l älligkeitstag für die Vorauszahlung ist der 16. Juli 1934 bestimmt. hie Steuerpflichtigen werden gebeten, die Vorauszahlung an dem obengenannten I älligkeitstag zu entrichten und hei der Zahlung die Hcbchuchnummcr des Steuerbescheides für die üemeindeanlage l'Mi anzugeben. Die Gemeindekasse, Watter-Blümel-Straße I0,|, ist werktäglich B™''"^ l°" Q 1 [ hr- Gemeinde hat Postscheckkonto Leipzig -r. 505 if und Bankkonten bei der Stadt- und Girobank, bei der Commerz- und Privatbank A.-Q., Filiale Leipzig Depositenkasse A und hei der Handelsbank Iwria e.G.m.b.H., Leipzig C 1, Rittcrstr. 23 20 (Olssnershof I). Über die Fälligkeit der weiteren Zahlungen folgt später noch besondere Bekanntmachung. Leipzig, den 4. Juli 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Änderung des Gemeindestatuts. In der Gemeindesitzung vom 2. Juli ds. Js. ist ein Nachtrag zum Uemeindestatut beschlossen worden. Der Nachtrag liegt in der Zeit vom 9. bis mit 20. Juli, werktäglich von 9—13 Uhr im Gemeindeamt, Walter-Blümel-Straßc 10 I, zur Einsicht aus. Leipzig, den 3. Juli 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Betriebe unter Aufsicht des orthodoxen Gemeinderabbinats. Wir geben wiederholt bekannt, welche Betriebe unter Aufsicht unseres orthodoxen Gemeinderabbinats stehen. Nur für Waren aus diesen Betrieben übernimmt das Rabbinat die Verantwortung in bezug auf das Kaschrus. Fleisch und Geflügel: Moses Bild, Gerberstraße 41, M. Frischer, Packhofstraße U/13, Osins Kohn, Lohmühlgasse 17, Sally Löb, Ranstädter Steinweg 7, Jacob Schussheim, Plauenschc Straße 3/5. Milch und Butter: J. Bartfeld, Eutritzscher Straße 5, Chaim Zipscr, Nordstraße 35, Hof (Wohnung: Berliner Str. 18), Rittergut Gundorf (Bestellungen durch H. Kreutner, Färberstr. 16). Backwaren: Salonion Lotrowski, Berliner Straße 13, Selig Scheinowitz, Gerberstr. 40 und Keilstr. 9, Schmcidlcr, Nordstraße 25 und Ranstädter Steinweg 45. Speisehäuser: Chmclnitzky, Reichsstraße 22, Manelis, Nikolaistraße 36. Sparkonto für Synagogenplätze. Zum Zwecke der Erleichterung der Einlösung der Synagogenplätze haben wir die Einrichtung geschaffen, daß die Einzahlung für die Platzkarten schon jetzt ratenweise erfolgen kann. Für jede bis zum 3. August 1934 geleistete Zahlung wird zum Ausgleich für die frühere Einzahlung eine Vergütung von I0°/o gewährt, d. h. für jede eingezahlte Reichsmark wird ein Gutschein in Höhe von RM. 1.10 verabfolgt. Die Einzahlungen können in beliebiger Höhe erfolgen, müssen jedoch auf volle Markbeträge abgerundet sein. Wir möchten unseren Gemcindcmitglicdcrn dringend empfehlen, von dieser Einrichtung, die ihnen die Aufrechterhaltung ihrer Anrechte auf einen Synagogenplatz erleichtert, lebhaften Gebrauch zu machen. Einzahlungen können erfolgen au unserer Gcmeindckasse während der Kassestunden werktags von 9—1 Uhr oder auf das Postscheckkonto der israelitischen Religionsgemeindc zu Leipzig — Leipzig Nr. 50533. Leipzig, den 19. März 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Selbsthilfegruppe jüdischer Körperbehinderter in Deutschland. Die Zentralwohlfahrtsstclle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenhurg, Kantstr, 158, teilt uns mit, daß eine Selbsthilfegruppe jüdischer Körperbehinderter in Deutschland gegründet worden ist, die den Zweck hat, alle jüdischen Körperbehinderten in Deutschland zu erfassen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, durch gemeinsame Vertretung ihre Interessen zu fördern. Wir sind gebeten worden, auf dies Oerganisation hinzuweisen. Der Vorsitzende der Selhsthilfcgruppe jüd. Körperbehinderter in Deutschland ist Herr Hans J. Heymann, Berlin NW 87, Tile Wardcnbergstr. 10. Wir bitten alle jüdischen Körperbehinderten, ihre Namen und Adressen dem Vorsitzenden dieser Organisation zugehen zu lassen. Leipzig, den 26. Juni 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Gottesdienste Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 13. Juli, Abendgebet 19 Uhr. Sonnabend, 14. Juli. Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 20,45 Uhr, anschl. Lenrvortrag (Rabbiner Dr. Goldmann); Abendgebet 21,18 Uhr. Morgengottesdienst an Sonnu. bürgerlichen Feiertagen 7,30 Uhr, werktags 7 Uhr, Abendgottesdienst 19 Uhr. Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 20. Juli,