Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 28 (13.7.1934)
- Date
- 1934-07-13
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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13. Juli 1934 Seite 3 Sonntag. den 15. Juli er., pünktlich 8.30 Uhr abends im K tt n m 11 e r Ii a u h am Nikischplatz 2 a Konzertd'rektion Heiterer Kunst- und Operetten-Abend u. Mitwirkung prominenter jüditicher Künstler. W A. EHRLICH Gastspiele: Krna Kisncr, Sopran ) Mitglied des Berliner I Solis und II Alfred Jansen, Berlin mit lustigen Vorträgen und Conference. Max Kuttner, Tenor ( Kulturbundes. j Duette. || Walter <»oldmann, Mitgl. d. berühmt. Wittenberg-Trios a. Flügel. Einlaß: 7.30 Uhr abends. Angenehmer kühler Aufenthalt. Karten zu RM. 1,— ferner zu RM. 1.50 u. 2.— (beides numeriert) bei M. W. Kaufmann, Brühl — Willner, Nordstraße 29 — Bäckerei Schmeidler — Wietepsky, Brühl 52 — Kaufhaus Brühl — im Künstlerhaus — Konzertdirektion Ehrlich, Karlstr. 16, sowie ferner a. d. Abendk. Vorbereitungen /um Ehrenbegräbnis Bialiks In Tel A wi W. — Einsetzung eines O r gan is a ti o n sko mite es. Mit der Durchführung der Vorbereitungen zu dem Ehrenbegräbnis für Bialik in Tel Awlw wurde ein Organisations- Komitee betraut, dem als Vertreter der Palästina-Exekutive der Jewish Agcncy I). Ben (iurion, als Vertreter des Waad Leuini Eliahu Berligne, als Vertreterin des Stadtrats von Tel Awiw Frau Persitz und ein bisher noch nicht bestimmter Vertreter der literarischen Kreise angehören werden. Zur Geschichte des Studiums der Juden an den Universitäten. Der jüdischen (ieschichtsforschung sind noch eine ganze Reihe von Einzeluntersuchungen vorbehalten, deren Ergebnisse für die Kenntnis der kulturellen Entwicklung des jüdischen Lebens von Bedeutung sein werden. Eine solche Untersuchung beschäftigt schon seit vielen Jahren den früheren Ordinarius an der Universität Halle, Prof. Dr. Guido Kisch: die Geschichte des Universitätsstudiums der Juden. Qeht man von der Tatsache aus, dall Juden in allen Ländern und zu allen Zeiten durch ihre ärztliche Kunst „über den Kreis der Glaubensgenossen hinaus trotz aller Gegenbestrebungen Geltung und Ansehen" besaßen, so liegt ilie Frage nahe, woher sie sich solche Kenntnisse verschaffen konnten. Gewiß lag die Ausbildung vornehmlich in den Händen der jüdischen Ärzte selber, die ihre Söhne in das Wissen einführten und ihnen Gelegenheit gaben, praktische Erfahrungen zu erwerben. Aber damit allein wäre der Drang der Juden zu den Quellen des Wissens nicht zu befriedigen gewesen: sie strebten in den allgemeinen Bildungsstätten und wußten vielfache Hindernisse zu überwinden, die ihnen in den Weg gelegt wurden. Diesen Dingen ist Guido Kisch nachgegangen. Er veröffentlicht soeben eine Schrift „Universitätsgeschichte und jüdische I amilienforachung4' (Selbstverlag des Verfassers, Halle a. S., Schwuchtstr. 15 b; Preis 3 RM.), die die Ergebnisse seiner Arbeiten unter dem besonderen Gesichtspunkte der Beziehungen zur heute so wichtig gewordenen jüdischen I amilienforschung betrachtet, die .iber wertvolle Aufschlüsse über den geistesgeschichtlich interessanten Stoff vermittelt. Anhand umfassender Studien von archivalischen Quellen, die die vorhandene Literatur außerordentlich bereichern und erweitern (als erster hat Moritz Steinschneider 1914 15 eine Liste aller jüdischen Ärzte früherer Jahrhunderte mit nicht weniger als '-Mus Namen zusammengestellt), schildert Kisch die allgemeine Entwicklung des jüdischen Uochschulbesuches. Da die deutschen Universitäten streng katholischen Charakter trugen und deshalb den Juden verschlossen waren, beschränkte er sich vorzugsweise auf die Hochschulen anderer Länder, Italien und Holland, bis dann seit dem Ende des 17. Jahrhunderts einzelne deutsche Universitäten jüdische Studenten zum Studium aufnahmen und ihnen seit den ersten Viertel des 18. Jhrt. auch das Recht zur Ablegung von Prüfungen und zur Promotion einräumten. Es leuchtet ein, welche iesselnden Einblicke die wissenschaftliche Vertiefung in d.*n Gegenstand gewährt: sie zeigt auf, daß Juden Verlangen zu befriedigen strebten, ohne von anderen Gedanken getrieben zu sein als in die letzten Tiefen der Forschung einzudringen. Von selbst ergeben sich die Zusammenhange dieser Forschungen mit der Familiengeschichte, die Kisch im einzelnen belegt und durch Behandlung aller Einzelheiten des Schrifttums nahebringt. Die aufschlußreiche Arbeit, der weitere systematische Darstellungen mit vollständigen Quellen und ' iteraturnachweisen folgen sollen, wird gewiß einen großen Leserkreis finden; den weiteren Publikationen kann mit Spannung entlegengesehen werden. Aufklärungsabende der Fürsorgeabteilung der israelitischen Religionsgemeind: zu Leipzig. Die Fürsorgeabteilung der israelitischen Religionsgemeinde zu I eipzig hat die Absicht, mehrere Aufklärungsabende über „Richtige I rnährung und gesunde Wohnungspflege" zu veranstalten. Freundlicherweise hat Herr Dr. med. K. Soloweetschik die Vortragsreihe eröffnet und am 28. Juni 1QJ4 über die Ernährungsfrage gesprochen. Nach einleitenden Worten des stellvcrtr. Fürsorgedezernenten hielt Herr Dr. Soloweetschik seinen Vortrag. Zunächst unterzog er die von der Wissenschaft geforderten Mindestniengen für die Grundstoffe unserer Ernährung (Eiweiß, Fett und zuckerbildende Nährstoffe) einer kritischen Beleuchtung. Nach seiner Auffassung ist unsere aus überwiegend tierischem Eiweiß bestehende Kost (Fleisch, Fisch, Eier, Milch usw.) dem Körper wenig zuträglich. Die Eiweißstoffe, und vor allem das Fleisch sind schwer verdaulich, erhöhen durch Zusatz von Qewttrzen und Salz das Durstgeffihl und fördern bei zur Korpulenz neigenden Menschen den lästigen übermäßigen Fettansatz. Zu den unangenehmen Folgen des starken Fleischgenusses zählt außerdem die Harnsäureüberladung der Gewebe, die die Ursache vieler Krankheiten, Insbesondere der < licht, des Rheumatismus, der Aderverkalkung usw. bildet. Die verlangsamte Ausscheidung der Endprodukte der Fleischspeisen führt /u Stauungen in den Blutadern des Beckens und der Beine, zu Krampfadern und Hämorrhoiden. Die Frage, ob der Mensch ohne Fleisch gesund und für erhöhte körperliche und geistige Arbeit befähigt bleibt, ist unbedingt mit j a zu beantworten. Gemüse- und Obstnahrung, letztere nicht nur als Nachtisch, reicht nicht nur aus, sondern ist in erster Linie da/u geeignet, den Menschen leistungsfähig und gesund zu erhalten. Voraussetzung ist allerdings, daß das Kochen auf das unbedingt notwendige Mindestmaß herabgesetzt wird und daß der Eigensaft, in dem die Qemüse nur gedämpft werden sollen, noch verwendet wird. Das gedankenlose Garkochen der Speisen raubt ihnen lebenswichtige Bestandteile. In der wannen Jahreszeit soll man möglichst viel Kolikost zu sich nehmen (Möhren, Qurken, Kohlrabi, Tomaten usw.). Weiterhin ist wesentlich, daß alle Speisen gut gekaut werden und daß das hierzu notwendige Instrument, das Gebiß, regelmäßig gepflegt wird. Völlige Gesundheit bei mangelhaftem Gebiß ist fast undenkbar. Um die Zähne lange gebrauchsfähig zu erhalten, sollten sie nicht nur früh und abends, sondern u a c Ii j e il e r M a Ii 1zeit gereinigt werden. Müssen doch auch die metallenen Eßwerkzeuge nach ihrer Verwendung gespült und geputzt werden! Das Trinken während des Essens ist nachteilig. Die Flüssigkeitsaufnahme. vor allem in Form von Tee und Kaffee, die nur vorübergehend auffrischen und denen ein Nährwert kaum zukommt, soll selbst bei der ersten Tagesmahlzeit unterbleiben. Die leider noch tief eingewurzelte Meinung, daß mindestens einmal am Tage eine warme oder gar heiße Mahlzeit nötig sei. ist irrtümlich. Wahrend heiße Speisen nachteilig sind, können kühle nie schaden und sollten im Sommer regelmäßig eingenommen werden. Von besonderer Bedeutung für die richtige Ernährung ist der ausschließliche Genuß des Schwarz- oder Vollkornbrotes, in dem die wertvolle Samenhülle — im Gegensatz zum Weißbrot oder zur Semmel — erhalten ist. „Weniger und einfacher essen!" muß die Losung des modernen Menschen sein. Durch Bevorzugung des Gemüses und Obstes, vor allem des Rohgetnüses und Rohobstes, wird die Widerstandskraft Krankheiten gegenüber gehoben. Die tägliche Beachtung des Zweckmäßigen und unbedingt Notwendigen in der Ernährung macht die unumgänglich scheinende alljährliche Badereise entbehrlich. Die Einsichtigen unter uns, die das Richtige der dargelegten l ehre längst erkennen, sollen die wenig begründeten Einwände fallen lassen und durch mutiges Sich-selbst-Bekenncn auch die Allgemeinhell für die neue Anschauung gewinnen helfen. Bedenkt man, daß bei Einschränkung des Fleischgenusses durch die Aufgabe des Weidelandes, welches zur Viehzucht notwendig ist, das vielen europäischen Völkern mangelnde Ackerland erweitert werden könnte, so sind die kulturellen Folgen für unseren gesamten Erdteil gar nicht abzusehen, würden doch die großen Kontinentallinder dann imstande sein, bei weitem mehr Menschen zu ernähren, als das gegenwärtig der Fall ist. Im Anschluß au seine Ausführungen, die von den Zuhörern mit größter Aufmerksamkeil verfolgt wurden, beantwortete Herr Dr. Soloweetschik Fragen aus dem ZuhörerkreLs. Der Füisorgedczcrnciit, Herr Walter Metzner, dankte Herrn Dr. Soloweetschik für seine Bereitwilligkeit und für seinen Vortrag, der allgemein verständlich war. Er sprach den Wunsch aus, daß mit Rücksicht auf die Aktualität der Themen derartige Abende möglichst bald wieder folgen sollten. Unsere Gemeinde. Zuschriften an die Schriftleitung des Gemeindeblattes. Sämtliche Zuschriften an die Schriftleitung des Gemeindcblattes sind wieder an Herrn Gemeinderabbiner Gustav Cohn, Waltcr- Blümel-Straße 10, zu richten. Vortrag Dr. Breuer in der Agudas Jisroel. Die A. J. veranstaltete im Künstlerhaus am Sonntag, 8. Juli, einen itarlt besuchten Vortragsabend, für den als Redner Herr R.-A. Dr.! ': Breuer,