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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-07-06 · 27 (6.7.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
27 (6.7.1934)
Date
1934-07-06
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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6. Juli 1934 OEME1NDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIÜIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite S Dr. Isaak Breuer Frankfurt a. .11. Vorsitzender der E.-l.-Exekutive der Agudas jisroel Nonntajr, den 8. Juli 1934, pünktlich 20»u spricht über im Künstlerhaus Nikischplatz 2 „Ltirex «lisroel" Einlaß 20 Uhr aber jeden Sabbatnachmittag kamen sie alle in der Lehrstube zusammen und saßen auf langen Holzblnken an laugen Hol/tischen, und ein besoldeter oder auch unbesoldeter Lehrer saß unter ihnen, und der Lehrer und der Schuster und der Kaufmann und der Schneider lernten mitsammen Raschi. Und zur selben Stunde, als diese Manner Raschi lernten, saßen ihre Krauen zu Hause und lasen das Frauenbuch „Zeena Ureena", das ihnen ebenfalls im sogenannten Weiberdeutsch erzihlte, was „Raschi sagt". Nur für die fünf- und sechsjährigen Jungen, welche die ganze Woche hindurch Raschi gelernt hatten, war der Sabbat ein raschifreier Tag.. Raschi war auch liturgischer Dichter; er verfaßte Büßlieder und Qebetstücke. Außerdem besitzen wir von ihm Rcsponscn und eine Oebetordnung. Um die Persönlichkeit Raschis hat die Volksphantasie einen ganzen Sagenkreis geschlungen. Auch im jüdischen Sprichwort begegnet man seinem Namen. Aber alles das von und über Raschi war stets nur einem engen Kreis bekannt. Einzig als Kommentator hat Raschi vielen Geschlechtern geleuchtet. Der Stern Raschis ist heute im Osten im Verblassen und im Westen untergegangen. Wie wenige sind es heute, die wissen, wer Raschi war. Manche wissen freilich, daß die Stadt Worms als Sehenswürdigkeit eine Raschikapelle mit Raschistuhl besitzt. Sonst weiß man heutzutage nichts mehr von Raschi. Und doch war der Rabbi von Troves jahrhundertelang im Judentum berühmt. Jahrhundertelang war sein Name im jüdischen Volke lebendig. Denkt man daran, so zieht eine leise Wehmut ins Herz: Ein sieben* oder achthundertjähriger Ruhm schwindet dahin, und nicht einmal die „Geschichte eines Ruhines" wird übrigbleiben. Unsere Gemeinde. Zuschriften an die Schriftleitung des Gemeindeblattes. Sämtliche Zuschriften an die Schriftleitung des Gemeindeblattes sind in der Zeit bis zum 13. Juli an die Israelitische Religionsgemeinde, Walter-Blümcl-Straße 10, zu richten. Iran Anna Nelke, die treue, unermüdliche Helferin des israelitischen Wohltätigkcitsvereins zu Leipzig, die Vorsitzende der Altersversorgung ist dahingegangen. Seil Bestellen des Vereins im Jahre IS'Mi war sie Mitglied des Vorstandes und gehörte zum engsten Kreise des Begründers der Anstalten. Alfons Jacobson. Die Gemeinde betrauert tief den unersetzlichen Verlust dieser seltenen Frau. In der letzten Zeit, als sie körperlich hinfällig wurde und nicht mehr imstande war. so wie früher mittätig zu sein, drehte sich ihr Denken fast nur um das Wohl und künftige f ortbestehen ihres Wohltätigkcitsvereins. Sic äußerte z. B. guten Freunden gegenüber: „Wenn ich meinen 85. Geburtstag (Hl. September 1**34) erlebe, bitte k'h alle diejenigen, die mir durch eine Aufmerksamkeit Freude machen wollen, die Kosten, die sie an mich wenden wollten, dem Verein als Spende zuzuführen. Dies würde mich am meisten beglücken." Schneller und früher, als sie gedacht, ist nun ihr Sorgen und Denken beendet. JIir wohltätiges Wirken wird unvergessen bleiben. Isaak Breuer, der Mann und -ein Werk (zu »einem am 8. Juli hier stattfindenden Vortrag). Am kommenden Sonntag werden unsere Gcmciudcmitglicder eine der markantesten Persönlichkeiten des deutschen Judentums begrüßen und kennenlernen können: Dr. Isaak Breuer. Einer alten Gelehrtenfamilie entstammend hat I. B. das Werk seines Großvaters S. R. Hirsch s. A. des großen Reorganisators des deutschen Judentums, das sein Vater, Dr. Salomon Breuer s. A., der langjährige rührer der deutschen Orthodoxie, der Meister jüdischer Gelehrsamkeit, Hamoaur Hagolah, untermauert hat, ausgebaut und in zahlreichen Schriften, wissenschaftlichen Arbeiten und Reden verbreitet. Oberall galt es, die unantastbare Unabhängigkeit der Orthodoxie herauszuarbeiten und zu stabilisieren. Immer wieder von anderen Seiten her hat er dem Anderssein des Judeseins, die absolute Eigenart des jüdischen Nationalbegriffes, wie er sich aus Geschichte und Quellenstudium ergibt, in Schritt und Wort beredten Ausdruck verliehen. Klare und scharfe Diktion sind überall anziehende Eigenschaften Breuerscher Arbeiten. So hat schon früh der jüdische Nationalgcdanke B. in seinen wissenschaftlichen Untersuchungen beschäftigt („Lehre, Gesetz u. Nation I190Q)"), erregten schon zeitig die Schriften Theodor Herzls sein lebhaftes Interesse, und kaum hat ein Autor dem Werke Herzls höhere Anerkennung gezollt und ist durch es zu um so entschiedenerer Ablehnung gekommen. (Judenproblem 1018, Messiasspuren 1909, das judische Nationalheim 1920.) So ist Isaak Breuer von Jugend an Streiter für Lre/ Jisroel geworden, hat glühender l iebe für das Land der Väter überall Ausdruck verliehen und sie zu verpflanzen gesucht, aber überall unter dem Gesichtswinkel des alles autonom bellen sehenden (iottesgesetzes; Aufbau des jüdischen Nationalheims als st.ittc der Verwirklichung des (iottesgesetzes unter scharfer Ablehnung der Träger dieses (iottesgesetz.es als Partei im Staate. Was Wunder, daß es den Mann jetzt nach dein Umschwung hintrieb nach dem Lande der Väter, und er zurückkam voller Begeisterung, seinen Brüdern und insbesondere seinen (icsüiiiungsgcnossen zu sagen, daß das Land zum Aufbau all ihrer, gerade ihrer harret. Was W under, daß überall, WO Isaak Bn uer jetzt seine Vorträge hielt, in Frankfurt, in Berlin, in Hamburg, die Hallen derart überfüllt waren von begeisterten Zuhörern, daß zumeist die Reden wiederholt werden mußten. Aus benachbarten Gemeinden. Plauen i.V. Um den durch Abwanderung stark zusammengeschmolzenen (iemeinderat wieder auf seine satzungsmäßige Stärke zu bringen, fanden am I. Juni 1031 die Qemeinderatswahlen statt. Wie stark die Abwanderung ist, beweist die Wahlliste, die gegen die letzte Wahl im Jahre 1932 um 48''o zurückgegangen ist. Die aufgestellte Einheitsliste wurde auch gewählt. Am 21. Juni 1034 fand die Einführung der Oewählten und ihre Verpflichtung statt. Gleichzeitig wurden die Vorstandsämter neu besetzt und zwar als 1. Vorsitzender Herr J. Goldmann und als 2. Vorsitzender Herr Adolf Langgut wiedergewählt, während zum Kassierer Herr Ludwig Korytowski gewählt wurde. Der seit 10 Jahren das Kassiererami verwaltende Herr Alex Löwenthal wurde im Hinblick auf seine hohen Verdienste für die Gemeinde einstimmig zum Ehrenmitglied erwählt. Außerdem soll sein Bild zusammen mit demjenigen des früheren I. Vorsitzenden Dr. Goldberg im Gcincinderatsziminer aufgehängt werden. Der Vorsitzende führte aus, daß Herr Löwenthal sein Amt immer mit Liebe ausgefüllt und durch seine Tätigkeit in Krieg, Inflation bis zur Jetztzeit bewiesen habe, wie man der Allgemeinheit dienen kann. Lr möge der jüngeren Generation, die der (iemeindearbeit beruflicher Gründe wegen aus dem Wege gehe, ein Beispiel sein! Aus dem sonstigen Verlauf der Gcnicindcratssitzung ist noch erwähnenswert, daß die Gemeinde zwei Räume für jüdische Jugendherberge zur Verfügung gestellt und auch dem jugendring Autentshaftsräume überwiesen hat. Amtliche Bekanntmachungen Gemclndeanlage 1934. Der für das Rechnungsjahr 1934 zu erhebende Zuschlag zur Reichseinkommensteuer (bzw. Lohnsteuer und Maßstabsteuer) 1933 ist auf '30 vom Hundert festgesetzt. Die Veranlagung zur Qemeindeanlage 1934 kann jedoch erst dann erfolgen, wenn von den Finanzamtern die erforderlichen Unterlagen eingegangen sind. Deshalb wird zunächst eine Vorauszahlung auf die Qemeindeanlage 1934 erhoben. Diese betragt ein Drittel des Gesamtbetrages der Qemeindeanlage 1033. Als I äiligkeitstag für die Vorauszahlung ist der 16. Juli 1934 bestimmt. Die Steuerpflichtigen werden gebeten, die Vorauszahlung au dem obengenannten Fälligkeitstag zu entrichten und hei der Zahlung die Hebebuchnummer des Steuerbescheides für die Qemeindeanlage 1933 anzugeben. Die Gcmcindckassc, Walter-Blümcl-Straße 10,1, ist werktäglich geöffnet von 0-1 Uhr. Die Gemeinde hat Postscheckkonto Leipzig Nr. 505'33 und Bankkonten bei der Stadt- und Girobank, bei der Commerz- und Privatbank A.-G., Filiale Leipzig Depositenkasse A und bei der Handelsbank Iwria e G.m.b.H., Leipzig C 1, Ritters!.-. 23—20 (Olssnershof I). Über die Fälligkeit der weitereu Zahlungen folgt später noch besondere Bekamt: machung. Leipzig, den 4. Juli 1034. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Selbsthilfcgruppe jüdischer Körperbehinderter in Deutschland. Die Zentralw ohlfahrt sstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenburg, Kantstr, 158. teilt uns mit, daß eine Selbsthilfegruppe jüdischer Körperbehinderter in Deutschland gegründet worden ist, die den Zweck hat, alle jüdischen Körperbehinderten in Deutschland zu erfassen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, durch gemeinsame Vertretung ihre Interessen zu fördern. Wir sind gebeten worden, auf dies Oerganisation hinzuweisen. Der Vorsitzende der Selbsthilfegruppe jüd. Körperbehinderter in Deutschland ist Herr Hans J. Heymann, Berlin NW 87, Tile Wardettbergstr. 10.

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