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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-07-06 · 27 (6.7.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
27 (6.7.1934)
Date
1934-07-06
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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6. Juli 1034 Seite 3 Am 28. Juni verschied sanft nach einem arbeitsreichen Leben mein lieber Mann, unser lieber Vater und Großvater Sanitätsrat Dr. med. Arthur Littauer Die Einäscherung hat auf seinen Wunsch in alle Stille stat'gefunden. Im Namen aller Hinterbliebenen: Elise Littauer geb. Oottstein. Markkleeberg-Mitte Raschwitzer Straße 4 Statt Karten. Urne l-oincr Alfred Schild Leipzig Verlobte Leipzig Oottschedstr. 17 Kein Empfang Ehrensteinstr. 32 Zu der s. O. W. am 14. Juli in der Ez-Chaim-Synagoge stattfindenden Barmizwah nixam unseres Sohnes Adolf laden wir alle Bekannten herzlich ein. Jacob Tünxer und Frau Gustav-Adolf-Straße 27 E, SAXL Petersstraße 5, Eckhaus Markt spitzen, Mode - Neuheiten Kleidergarnituren, Bänder, Blumen, Knöpfe u. Gürtel linicn, unter Berücksichtigung aller persönlichen Momente geben. Ks ist grundsätzlich zu fordern, daß jeder, der vor seiner Berufsentscheidung steht, diesen Rat in Anspruch nimmt. Es ist selbstverständlich, daß die Berufsausbildung durch eine jüdische Erziehung vertieft werden muß. Raschi. Anläßlich der 900-Jahrfeier der Synagoge in Worms Von S. Meiseis. Mit den Juden wanderte auch ihre Lehre von Land /u Land. Lin jüdisches Kulturzentrum, einen geistigen Mittelpunkt, wo das alte Kulturgut, die heilige Schrift und die mündliche Lehre in Besitz genommen und weiter vererbt wurden, hat es in der Zerstreuung bald da, bald dort gegeben. War die Quelle der Lehre in einem Lande versiegt, sie tat sich in einem andern wieder auf. Die jüdische Lehre ist im Laufe der Jahrhunderte nie obdachlos geworden, sie wechselte bloß ihre Herberge. Palästina hat noch lange nach der Auflösung des jüdischen Reiches den geistigen Besitz bewahrt und gemehrt; in Babylon wurde eine nahezu tausendjährige Arbeit an den Bau der Überlieferung gewandt; in Spanien waren tüchtige Männer am Werk, die labyrinthischen Talmudginge in ein System zu bringen; und in Frankreich, Italien und Deutschland suchten die Schriftgelehrtcn das in all den Wanderjahren Dunkelgewordene zu erhellen, das Vergessene wieder aufzufrischen und der Oberlieferung neuen Bestand zu sichern. Von Frankreich über Deutschland wanderte die Lehre nach den slawischen Ländern und kam überall hin, WO Juden traditionstreu lebten. Im elften Jahrhundert lebte in Frankreich ein Rabbi, der wie vielleicht kein zweiter neben ihm eine ,,Leuchte des Lxils"' genannt zu werden verdiente. Dieser Mann erlebte das üotteswort in seiner Klarheit und die Oberlieferung in ihrer Ursprünglichkeit, und klar und ursprünglich, wie er sie erlebte, gab er Schriftwort und Uberlieferung weiter. Lr suchte nicht, den (icsanitinhalt der Tradition in ein System zu bringen oder in das Wort der Schrift philosophische Gedanken zu pressen, er wollte lediglich das Verständnis lur das geschriebene und das überlieferte Wort fördern; und so Khrieb er denn einen Bibel- und einen Talmudkommeutar. Und > > begab sich, daß der Mann durch diese Kommentare zum Lehrer seines Volkes wurde. Dieser Volkslehrer hieß Rabbi Scbelomo Jizchaki, nach den Anfangsbuchstaben seines Namens „Raschi" genannt. Durch den Heimgang von Frau Anna Xelke hat unser Wohltätigkeitsverein einen überaus schmerzlichen, unersetzlichen Verlust zu beklagen. Seit der Begründung unserer Anstalten im Jahre 1SQ6 hat die Verewigte mit unendlicher Liebe in selbstloser Weise ihre ganze Kraft unseren Liebeswerken gewidmet. Von seltener Aufopferungsfähigkeit, immer und überall mit Rat und Tat zu helfen bereit, hat die Dahingeschiedene vorbildlich unter uns gewirkt. Wir werden diese verdienstvolle Frau schmerzlich in unserem Kreise vermissen. Ihr Andenken wird in dankbarer Erinnerung niemals bei uns erlöschen, ihr Name allezeit in Ehren unvergessen bleiben. Leipzig, 3. Juli 1934. Der Vorstand des Israel. Wohltätigkeits-Vereins zu Leipzig. Am 1. Juli verschied plötzlich und unerwartet durch Herzschlag meine über alles geliebte, herzensgute Frau, meine liebe» treubesorgte Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante, Frau Flora Bickart geb. Neu im 57. Lebensjahre. Die Beisetzung hat auf Wunsch unserer lieben Entschlafenen in aller Stille stattgefunden. Wir bitten von Beieidsbesuchen absehen zu wollen. Leipzig Cl, AdolfBickart. Fregcstraße 31. W a 11 e r B i c k a r t. Von Raschi wissen wir, daß er 1010 in Troyes in der Champagne geboren wurde, jung geheiratet hatte, als Ehemann sein Heim verließ, um die Pflegestätten der Thora aufzusuchen, daß er in den Talmudschulen zu Worms und Mainz studierte, mit fünfundzwanzig Jahren in seiner Vaterstadt die Rabbinerstelle ehrenamtlich übernahm, seinen Lebensunterhalt aus einem Weinhandel bezog, daß er seine zwei Töchter an große Gelehrte verheiratete und die Freude erlebte, würdige Nachkommen zu sehen, wohlgeratene Enkelkinder, die nachmals als Gelehrte Ruf und Ansehen genossen, und daß er nach einem arbeitsreichen Leben des Forschens und des Lehrens im funfundsechzigsten Lebensjahre (1105) starb. Das ist so ziemlich alles, was wir von Raschi wissen. Die Biographie Raschis ist eine Lebensgeschichte ohne Daten. Das Leben Raschis ist ganz in seinem Werk eingeschlossen, in jenem Talmud- und Bibelkommentar, der seinen Namen führt. Die Lebensgeschichte Raschis ist die Geschichte eines Buches, und die Geschichte dieses Buches bildet ein Stück jüdischer Geistesgeschichte, und zwar ein Stück, das mehr als sieben Jahrhunderte umfaßt. Das macht es erklärlich, daß man allezeit unter „Raschi" nur den Raschi-Kommentar verstand. Den Raschi-Kommentar kann mau nicht mit einem andern, etwa mit einein Dante-Kommentar, vergleichen. Schon im sprachgebräuchlichen Sinne ist der Unterschied zwischen beiden wesentlich. Ein Dante-Kommentar ist ein Kommentar zu den W erken Dantes; der Raschi-Kommentar hingegen ist der Kommentar Raschis zu Bibel und Talmud. Fs gibt auch Raschi-Kommentare in der gewöhnlichen Bedeutung dieses Kompositums, n unlieb Kommentare zum Raschi-Kommentar; es gibt deren nicht weniger als fünfzig. Diese sind freilieh mit allen anderen Kommentaren gleichzustellen und teilen auch mit allen anderen das gleiche Los, will sagen: niemand liest sie. In unserem Falle sind sie aber auch recht überflüssig. Denn Raschi kommentiert und braucht nicht kommentiert zu werden. Raschi schreibt Hebräisch im französischen Stil: anmutig, liebenswürdig, erhellend und siiincrschließcnd. Raschis Diktion ist von durchsichtiger Klarheit, sein Stil von bestrickender Einfach heil und dabei von einer Wortsparsamkeit, wie sie sich nur ein reicher Geist erlauben kann. Man müßte schon

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