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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-06-29 · 26 (29.6.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
26 (29.6.1934)
Date
1934-06-29
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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29. Juni 1934 ÜEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 HERZL-FEIER auf dem Sonntag, den 1. Juli nachmittags 4' 2 Uhr Barkochba - Sportplatz DR. PRINZ Die Rede ist durch Lautsprecher auf dem ganzen Platz verttlndllch. Die Gedenkrede hält Herr Rabbiner Aufmarsch der zionistischen lugendbünde. Gesangstfinrel Gesangschöre I Sitzpl. M. 1. Stehpl O.SO, ]ugendl. u. Erwerbsl. 0.20 Wegen des Andranges wird gebeten, Sitzplätze frühzeitig zu lösen. Karten sind erhältlich im zionistischen Büro, Keilstr. 4 Tel. 102 II, bei M.W.Kaufmann, Brühl S, Zigarrengeschäft Preißmann, Nikolaibtr. 51 I ran, zärtlichkettsverwöhnt, bejammert das Unglück, das diese Idee Über sie und die Kinder bringt, die ihnen Gatten und Vater entfremdet, und die sie auch materiell arm macht. Die Verleger seiner Zeitung stellen immer wieder das Verlangen an ihn, diese „absurde Sache" aufzugeben, und er weiß, daß seine wirtschaftliche Existenz auf dem Spiele steht. Ergreifend und beklemmend von diesen Kämpfen ZU lesen. Er hat Herzbeschwerden, Ängste, inneres Zittern. Aber er kann nicht anders, es liilit ihn nicht. Immer wieder in den kurzen Jahren, die ihm bestimmt sind, und in die er die Leistung von Jahrzehnten preßt, will er sich entziehen, setzt er sich einen Termin, an dem er sich zurückziehen will. Es läßt ihn nicht. (Auch dies dem Auftrag Entfliehen-Wollen ist ein Charakteristikum für jede Geschichte eines Berufenen.) Unerhörte Last nimmt er auf sich. Versucht, die Notabein, die Hochfinanz für die Idee zu begeistern. Umsonst. Sie bleiben abweisend. Es gelingt ihm, den deutschen Kaiser, den Großherzog von Baden und manche andern politischen Machthaber zu gewinnen — die Vorsteher und Vertreter des eigenen Volkes bleiben kalt und feindlich. Einzelne der Besten kommen enthusiastisch auf den ersten Ruf: Nordau, Zangwill, Wolffsohn, Montefiore. Aber das offizielle Judentum hält sich fern. Der Allgemeine Deutsehe Rabbinerverband erläßt einen feierlichen Protest gegen die Bewegung. (Es sei mir gestattet, hier in dankbarem Stolz, die Tatsache zu erwähnen, daß mein Vater als Einziger einen Einspruch gegen diesen Protest zu Protokoll gab.) Herzl kämpft, überredet, schreibt Artikel in der Wochenschrift „Die Welt", die er aus eigenen Mitteln gegründet hat, verfaßt Theaterstücke, schreibt Bücher, alles, um den Gedanken des Zionismus zu verbreiten. Heute ist er in London wegen der ßankgründung, morgen hält er einen Vortrag in Berlin, übermorgen fährt er nach Konstantinopel, nach Jerusalem, nach Paris — alle großen und - kleinen Dinge gehen durch seinen Kopf und seine Hand. Als der erste Zionistenkongreß einberufen wird, sitzt er mit den I reuuden und schreibt eine ganze Nacht lang Adressen für die Einladungen . . . Man kennt die Schwierigkeiten, die sich diesem Kongreß entgegenstellten. Die Synagogengemeindc München weigerte sich, ihn zu beherbergen. In der Stadt Basel endlich, die ihn später so oft in ihren Mauern sah, fand er ein gastliches Asyl. Nicht nur mit den Gegnern der Bewegung mußte Herzl kämpfen, auch in den eigenen Reihen waren Widerstände und Gegenströmungen zu überwinden. Aber dennoch war er der geliebte, verehrte Führer; die Liebe aller trug ihn. Ich sehe ihn noch vor mir, damals, auf dem 6. Kongreß, wie er mit brennenden, unergründlichen Augen in den Tumult des Saales sah, als über das Ugandaprojekt abgestimmt wurde. Es war immer noch ein hartnäckiges Volk, das lieber weiter warten, weiter sein Elend tragen wollte, als eine Heimstätte auf fremdem Boden errichten, den England ihm angeboten hatte. „Wenn es uns in Uganda gutgehen wird", begründete ein russischer Delegierter, „dann werden wir vielleicht über den Fleischtöpfen unser Land vergessen. Und ehe ich Dein vergesse, Jerusalem, verdorre ineine Rechte." Vielleicht hat Herzl damals, in dieser schweren Stunde, das Land der Verheißung zum ersten Male mit der Inbrunst seines Stammes geschaut. Und vielleicht ist damals jener Wunsch in ihm entstanden, der in seinem Testament, noch immer unerfüllt, ausgesprochen ist: Daß die heimkehrenden Juden seine Gebeine mitführen und in der heiligen Erde beisetzen sollen. Er hat die I leimkehr nicht mehr erlebt. Er wußte wohl schon damals, der 43jährige, daß er ein vom Tode Gezeichneter war. Äußerste Schonung hatteji ihm die Ärzte anbefohlen. Aber er warf noch den letzten Rest seiner Kraft in sein Werk hinein. Nichts bewahrte er, nichts hielt er zurück: Familienglück, Beruf, Vermögen und zuletzt das Leben — alles gab er dem Werk. Tausende trugen ihn zu Grabe, und Zehntausende in allen Ländern der Erde weinten um ihn. Wenn auch seine treuen Kamp- Fesgefährten sein Werk fortsetzten, aus seiner Vision eine Wirklichkeit machten, die heute, nach 30 Jahren, unser aller Wirklichkeit ist — er blieb unersetzt. In ihm schenkte uns die Vorsehung — noch einmal — die Gestalt eines leuchtenden Führers, in der alle Glut und Schönheit, Hingabe und sich verschenkende Kraft unseres Volksgenius sich verkörperte. Sein Andenken sei gesegnet. Jüdische Zeitschau. Generalversammlung des Hilfsvereins des deutschen Juden. Kürzlich hielt der Hiltsverein der Deutschen Juden, aus dessen Jahresbericht wir schon vor kurzem wesentliche Stücke veröffentlicht haben, in Berlin seine Generalversammlung ab. Aus dem Bericht über diese Versammlung dürften die nachstehenden Teile Anspruch auf weitreichende Beachtung erheben: Der Vorsitzende, Generalkonsul Eugen Landau, verlas ein Schreiben des stellvertretenden Vorsitzenden des Hilfsvereins, Herrn Max M. Warburg, der am Erscheinen verhindert war. Die Ausführungen von Herrn Warburg über die dringenden Aufgaben des Hilfsvereins in der Jetztzeit, die von der Versammlung mit großer Aufmerksamkeit angehört wurden, lauten „Der Hilfsvercin hat zu seinen alten Aufgaben eine neue übernommen: die Beratung und Betreuung derjenigen, die aus Deutschland auswandern wollen. Der Hilfsverein steht auf dem Standpunkt, daß die deutschen Juden in ihrer Heimat, deren Schicksal das ihrige ist, in der Hoffnung auf ein würdiges Weiterleben, ausharren sollen. Erscheint es aber deutschen Juden aus wirtschaftlichen Gründen und der Zukunft der Kinder wegen unmöglich, in Deutschland zu bleiben und ergibt sich infolgedessen eine wirtschaftliche und ideelle Notwendigkeit zur Auswanderung, so legt der Hilfsverein größten Wert darauf, daß dieselbe sorgfältigst vorbereitet wird. Der Hilfsverein hat eine genaue Untersuchung aller Möglichkeiten vorgenommen, die sich für die Auswanderung der deutschen Juden bieten. Er hat das Material eingehend bearbeitet, so daß eine Beratung in sehr großem Maße bereits stattfinden konnte und auch weiter stattfinden wird. 60 000 Menschen sind vom Hilfsverein im Laufe des Jahres 1933 beraten und mit Informationen jeder Art versehen worden. 7700 Personen wurden finanziell unterstützt — durch Zuschüsse für Bahn- und Srhiffskarten, Visen, Verpflegung, Transport von Gepäck, Hausgerät, von Maschinen und Instrumenten. Für viele Tausende wurde ein umfangreicher Briefwechsel mit Behörden, Gemeinden und Hilfskomitees geführt. Der Hilfsverein betrachtet es als seine | Ali Allel Hart Da schon gegebenT ~| | Jeder helfe mit! Werbet für unsere Aktion!] die Wochenendfahrt nadi Vlarienbad fällt aus!

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