Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 26 (29.6.1934)
- Date
- 1934-06-29
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite ■?. 29. Juni 1Q34 Auch Ich bin Jude. Auch Ich habe teil am Judenschicksal. Das Judenschicksal. Oer Gedanke daran liefi ihn nicht zur Ruhe kommen. Unaufhörlich grübelte er darüber, Woher kommt die Unabänderlichkeit, diese schauerliche Gleichförmigkeit dieses Schicksals in den zweitausend Jahren der Zerstreuung? Mit unerbittlicher Klarheit legte er die Wurzeln bloß. Sah die ganze ausweglose Verstrickung der jüdischen Lxistenz, erkannte die chronische Krankheit, die einmal da, einmal dort aufflackerte, die nur lokal beruhigt, niemals geheilt wird. „Die Judenfrage besteht uberall, wo Juden in merklicher Anzahl leben. Wo sie nicht ist, da wird sie durch hinwandernde Juden eingeschleppt." Wo ist ein Ausweg? Nichts liilit er ungedacht, was gedacht werden kann — und es bedeutet für jeden, der Herzls Tagebücher liest, eine große Erschütterung, als er dort einmal die Frage aufwirft, ob man nicht durch einen feierlichen Ubertritt der gesamten Judenschaft zum Christentum die Judenfrage lösen könne . . . Lange irrt er so in der Wüste der Ratlosigkeit umher. Da, einmal, sieht er ein Licht. Auf einmal erhellt sich das Dunkel. Die Lösung, die Aufgabe ist da: Der Judenstaat. Dieser üedanke ist so groß, so ohne alle Beziehung zu dem, was bisher war, daß es ihn selber erschreckt. Sofort weiß er: Es ist ein Auftrag. Eine Sendung. Nur eins lebt in ihm: Die Idee. Ein Rausch, eine Besessenheit erfüllt ihn. Er ist nur noch Werkzeug. Wenn man in seinen Tagebüchern liest, wie er Tag und Nacht an seinem Judenstaat schreibt, wie seine Hand kaum der inneren Stimme folgen kann, die ihm diktiert, dann ahnt man etwas von dem Mysterium „Sendung". Unmöglich, daß, wer es liest, nicht ahnungsvoll davon ergriffen wird. Manchmal, in Augenblicken der Erschöpfung, steht er selbst verwirrt vor diesem Neuen, Unerhörten, das er da bildet. Er fragt sich, ob das nicht eine geistige Verwirrung ist, so ohne Vorgang, ohne Zusammenhang ist das Geschaffene mit allem, was er bis dahin wußte, dachte, tat. Aber dann überkommt ihn wieder die große Gewißheit: „Ich bin im Tiefsten überzeugt, daß ich recht habe — ich weiß nicht, ob ich in der Zeit meines Lebens recht behalten werde." Dieses Buch „Der Judenstaat", in Rausch und Ekstase geschrieben, ist dennoch ein Buch wundervollster Klarheit und Einfachheit, seine Gedanken sind von bezwingender Logik. Wenn man es heute liest, ist jeder Gedanke, jedes Wort wie eine Prophetie. Aus diesem schmalen Buche erstand unzähligen Juden eine neue Gesinnung, eine neue Welt; erstand uns allen Trost und Aufrichtung. Heute, 30 Jahre nach Herzls Tode, wissen wir es: Er hat recht behalten. Als das Buch erschien, das er in tiefster Einsamkeit empfangen und geschrieben hatte —, da streckten sich unzählige Hände ihm entgegen. Da, plötzlich, wußte er, daß er der Mund gewesen war für Tausende, daß seine einsamen Gedanken den uralten Traum seines Volkes zum Licht gehoben hatten. 'Nun wird sein Leben mit unaufhaltsamer Gewalt in den Strudel der Geschichte gerissen. Vorbei ist es mit der Gesicherthcit der Existenz, mit dem privaten Leben. Er wird fremd in seiner bisherigen Welt. Ein Freund, dem er den Judenstaat vorliest, beschwört ihn bewegt, von diesem „Wahnsinn" abzulassen. Seine Beitra$skarte für Hilfe und Auf bau „Die Beitragskarte ist ein Ausdruck den jüdischen Lebensnnd t.emeinschaf tswillens, der Verantwortung nnd des Opfers." 3 < ea u_ 3 < Q z 3 LU Oc 3 oc < co O < oc L J CO Z o > o < oc CO z LU X u 3 w ' O u- > v 5 z < Z O £ 5 Od z LU z tü z —< Ol -Q co 3 xz <x IL. X X u Ii < m 2 Q z- Uj uj M Q Q 3 o X u CO t— 3 UJ Q oc LU Q co co 3 X U co co 3 < < OC hz LU N 3 < ca u_ 3 < Q z 3 LU OC 3 D ■* X oc o CO 3 o z uj "i 5^ si KI u «/> uj Ü sz s| </) 5 5 oc O * CO ck 10 3 0 Z3 < AS Q z * n CK Q V OC z _ O UJ -1 u. —i v 3 —* *r n CK Z z> ■<* co CK < % </> oc UJ «n t * co 5 CO < UJ CK < CK 1!h DAS ■ u - —J </> X C- »si OC ot UJ oc a. S Q 2 < o *>§ CO tr * 5 < OC ü <* 1% Q Q =! Z CD < < £ CO CK > o z CO CK o_ UJ l/J X Z ui V Z < OC V CO O Z z> Oi UJ Q Z < S >o CO CK M OC :< S?UFS- ICHTUNG . 1934 SUNG LEIDUNG AR 1935 uj X K— Üj 3 CD u M occ t/> s. o uo Q ro i'j z» 3 u_ ui CO CK OC < r> z < Erwerbt alle die Beitragskarte für Hilfe und Aufbau!