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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-06-29 · 26 (29.6.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
26 (29.6.1934)
Date
1934-06-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Auflage 4250 Stück ßemeitifr cMatt DER ISRAELITISCHEN R&LIGIONSGEM&INDE ZU I J&|D7|fL AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT LL I ■ im \\& DER GEMEINDEVERWALTUNG» Schriftleitung i Oemeinderabbincr OustavCohn Leipzig Walter Blüm tl-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Nummer 26 ■ Jahrgang 10 29. Juni 1934 Anzeigenannahme: E. Ooldfreund, Leipzig OS, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. Sozialamt der israelitischen Religionsgeineinfle zu JLeipzig. Das Sozialamt unserer Gemeinde bezieht am 2. Juli 1934 seine neuen Räume in Leipzig C 1, Humboldtstralte 13, Erdgeschoß. Das Sozialamt hat jetzt eigenen Fernsprechanschlufo* unter Nr. 12938 und ist nicht mehr über das Gemeindeamt zu erreichen. Alle Postsendungen, Ferngespräche und mündlichen Anfragen sind von diesem Tage an an die neue Anschrift zu richten. Die Sprechstunden finden wie folgt statt: Jlontajj. Dienstag. Donnerstag, Freitag von lO-l l'hr, Mittwoch 15.30-1H l'hr. Kvchtsheratung: Montag u. Donnerstag HM I hr. Abfertigung außerhalb der angegebenen Zeiten findet nicht statt. Kassenstunden täglich von 11 — 1 Uhr. Geldsendungen für das Sozialamt sind an die Kasse des Sozialamtes, Humboldtstraße 13, oder auf dessen besonderes Postscheckkonto Nr. 33590 zu entrichten Um Verzögerungen zu vermeiden, wird dringend gebeten, Zuschriften nicht zu Händen einer bestimmten Person zu senden, sondern lediglich mit der Aufschrift: Sozialamt der israelitischen Keligionsgenieinde, Leipzig 11, Hniiil>ol<lt*traiie 13, zu versehen. Leipzig, den 26. Juni 1934. Sozialamt der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. An alle Eltern der Schüler und Schülerinnen der jüdischen Schule. Trotz aller Opfer tler Gemeinde ist das Jüdische Schulwerk noch nicht gesichert Ls ist vor allein Pflicht der titern, deren Kinder die Schule besuchen, dal! sie das Schulgeld pünktlich bezahlen. Damit die Schule ihren Verbindlichkeiten nachkommen kann, ist es notwendig, dal! das Schulgeld für den Monat August zusammen mit dem Schulgeld für Monat Juli entrichtet wird. Wir bitten deshalb dringend, das Schulgeld für diese beiden Monate bis zum '->. Juli 1934 zu bezahlen. Kinder, für die das Schulgeld für den .Won.it Juli nicht bezahlt ist, können nach den Ferien zum Unterricht nicht zugelassen werden. Leipzig, den 26. Juni 1031. da Der Vorstand israelitischen Schul Vereins Zu Theodor Herzls dreißigstem Todestag Elfride Bergel-Gronemann. (Abdruck aus den Klaftern des Jüdischen Frauenbundes.) Nie war uns Theodor Herzl mehr gegenwärtig als in diesem Jahre, wo er 3t» Jahre tot ist. Schon 30 Jahre? fragen sich, die ihn von Angesicht gekannt haben, und denen seüie Qestatl unvergeßlich vor Augen stellt. Erst 30 Jahre? fragen, die es sich nicht vorstellen können, da Ii die Idee, die ihnen selbstverständliche Lebensgrundlage ist, vor wenigen Jahrzehnten erst geboren wurde. Dieser Mann Herzl, der den Juden ein neues Blatt ihrer Oeschichte schrieb, dieser Mann wurde 35 Jahre alt, ohne auch nur zu ahnen, welche Sendung auf ihn wartete. Er ging den Weg, den so viele gehen, an die der große Ruf der Geschichte ergeht — und die Biographien der Kcligionsstiftcr und Propheten aller Völker zeigen dieses Schema: Ein Mann lebt dahin wie Ungezählte andere, und nichts unterscheidet ihn von seiner Umgebung. Er lebt ihr Leben der Arbeit und des Genusses, hat Frau und Kinder, Freunde und Kollegen, lebt in gesicherten, ruhigen Verhaltnissen — und alles spricht dafür, dall dies freundliche Dasein sich in althergebrachter Weise vollenden wird. Auf einmal, plötzlich, blitzartig, verwandelt er, verwandelt sein Schicksal sich. Es ist, als habe ein fremder, unbekannter Geist sich des Menschen bemächtigt. Theodor Herzl, das war ein begabter, ein wenig verwöhnter, ein wenig eiller, früh erfolgreicher Journalist, von jener verführerischen Schönheit, die vielleicht allzu siegreich, von jenem geschmeidigen Charme, der vielleicht allzu geistreich macht. Seine Feuilletons, in der spezifisch wienerischen Mischung von Liebenswürdigkeit und Melancholie, gehören zu den Leckerbissen literarischer Gourmets. Haid hat er als Pariser Vertreter der „Neuen I reicil Presse" den begehrtesten Auslandsposten erreicht. So lebt er etil reiches, buntes, sorgloses und erfolgreiches Leben grollen Stils. Ist glücklicher und zärtlicher Familienvater. Nichts stört das Behagen. Auch das Judesein nicht. Weili er überhaupt davon? In dieses Froh bewegte Leben trat ein Ereignis, das ganz I rankreich bis auf den Grund aufwühlte: der Drcyfusprozcll. „Und er sah, wie ein egyptischer Mann einen ebriischen Mann, einen von seinen Brüdern, schlug . . .*' Hier wurde ein Jude geschlagen, Herzl fühlte es, es war sein Bruder, es war er selbst, den man schlug. Auf einmal fühlte er es:

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