Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 25 (22.6.1934)
- Date
- 1934-06-22
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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22. Juni 1934 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 HERZL-FEIER Die Gedenkrede hält Herr Rabbiner DR. PRINZ auf dem Sonntag, den 1. Juli nachmittags 41 2 Uhr Barkoch ba - Sportplatz Die Rede ist durch Lautsprecher auf dem ganzen Platz verständlich. Aufmarsch sämtlicher Zionistischen lugeiidbiinde. 1 Gesangschöre I Gesangschöre I j Sitzpl. M. 1 Stehpl O.SO, lugendl. u. Erwerbsl. 0.20 Wegen des Andranges wird gebeten, Silzplätze frühzeitig zu lösen. Karten sind erhält'ich im zionistischen Büro, Keilstr. 4 Tel. 102 II, bei M.W.Kaufmann, Brühl 8, Zigarrengeschäft Preißmann, Nikolaistr. 51 darf aber nur ein Provisorium sein, denn Palästina wird nur dann der Mittelpunkt jüdischen Lebens sein können, wenn es religiös ist. Der Redner ging sodann auf die gegenwärtig unter der jiidi- Bchen Jugend Palästinas umkämpften Bibeltheorien ein, von denen er diejenige Brenners, der die Bibel völlig aussehalten will, ablehnt. In Präge kommen sodann noch die Theorie Achad Haams, der in Thora und llihel menschliche Werke erblickt, und die die Bibel heroisierende Auffassung Berdyczewskys, die nach der Meinung Dr. Simons unter der jüdischen Jugend zu siegen scheint. Auch um die Anwendung der Thora geht heute wieder die religiöse Auseinandersetzung in der jüdischen Jugend Palästinas, für die die Thora nicht mehr das Bündnis mit der bürgerlichen Welt bedeutet, sondern die die Lehre der Thora neu einsenkt in das Leben der palästinensischen jüdischen Arbeiterschaft. Die Ausführungen des Redners, der im Anschluß an den Vortrag noch einige aus dem Kreise der Zuhörer gestellte Fragen beantwortete, wurden mit starkem Beifall aufgenommen. Dr. (i. L. Vortrag der Agudas-Jisrocl. Vergangenen Sonntag hielt die Jugendgrupppe der A.-J. in der reichlich besuchten Aula der Höh. Isr. Schule einen Vortragsabend mit dem Thema „Unsere Zeitwende und Erez-Jisroel" ab. Mit warmen Worten begrünte der Vorsitzende den Redner, Herrn Rabb. Dr. Ansbacher, Wiesbaden, und betonte hierbei, dall die Lrez-Jisroel-I'rage, deren Lösung neben anderen Aufgaben stets das Ziel der Organisation war, heute nunmehr mit in den Vordergrund der (icsatntaihcit getreten sei. Mit der Verlesung der Resolution, die in der Zentralratssitzung der A.-J. gefallt wurde, kam in einmütiger und klarer Form ihre Stellungnahme ZU Ercz-Jisrocl zum Ausdruck. Der Redner des Abends (der alsdann das Wort erhielt) ging von der Tatsache aus, daß Jisroel ein anderes Volk wie alle anderen und Erez-Jisroel ein anderes Land wie alle anderen sei, und dies nun zur Folge habe, dall der Aufbau dieses Landes für dieses Volk auch ein anderer sein müsse wie jeder andere. Die Annahme, man könne Ere/-Jisroel, für dessen Besitzanspruch einzig und allein die Thora geltend gemacht werden kann, nun ohne sie aufbauen, sei gleichsam ein Widerspruch in sich. Bei aller Würdigung der nationalen Tat des Aufbauwerkes sei zu sagen, dall dieses erst dann zu einem wahrhaft jüdischen werden kann, wenn es seine geistige l'utermaueruug in der Thora gefunden haben wird. Dieses letztere Ziel zu erstreben, sei die vornehmste Aufgabe der A.-J.. und sie müsse die der Oe- Bamtorthodoxie werden, die über alle Parteien und sonstiges Trennende hinweg hierin die grolle, einigende Aufgabe erblicken sollte. Die Tatsache, dall das agudistische Schulwerk in Palästina ca. 2000 Kinder umfallt und agudistische Chaluzim dort jüdischen Boden bearbeiten, sowie das Vorhandensein von I lachscharoth in fast allen Ländern können beweisen, dall es der A.-J. ernst ist mit der Lösung dieser Aufgabe. Redner schloß seine Ausführungen mit dein Wunsche, dall der T'schuwoh-Mahuruf der Zeit, der in der Forderung nach Kiddusch Haschern seinen Ausdruck findet, nicht unverstanden bleiben möge. Der reichlich gespendete Beifall, der diesen Ausführungen folgte, bewies, dall die Worte des Redners, die aus tiefstem RcrzCfl kamen, den Weg zu den Herzen der Zuhörer gefunden haben. 11. Bunter Abend im Krystall-Palast. — Um es vorweg zu nehmen: Ein in jeder Weise gelungener Abend! Und das will schon etwas heißen! — Drei Faktoren beherrschten den Abend; Modenschau, Künstler, Orchester. Die Schau selbst erfüllte ihre Aufgabe glänzend, indem sie nur wirklich Outes, Apartes und Interessantes an Strand-, Bade- und Reise-Moden brachte. Herrn Regisseur AI b e rt La s t m a n n ein Sonderlob! Die Reihe der Künstler war diesmal ungemein groß, aber durchweg gut. Enny Dotza (Wien) wirbelte in ihren Tänzen nur so vor uns hin und entfesselte wahre Beifallsstürme. Walter Lewens und Doris Wilamowska fügten sich glänzend in den Rahmen des Oanzen ein — das Publikum spendete ihnen wie auch der musikalisch und technisch sehr begabten kunstpfeiferin Inez (Berln) starken Applaus. Was aber Kapellmeister Leo Schönbach (ehem. Stadttheater Halle) aus dem Orchester von kaum mehr als einem halben Dutzend tüchtiger Musiker herausholte, das war hervorragend! Er hat mit den größten Anteil am Gelingen des ganzen Abends. Seine Führung am todkranken Flügel war für jedwede Art der Kunstdarbietung (Schlager, Kabarett, Tanz, Gesang usw) meisterhaft! Erwähnen wir nun noch in aller Aner- E« SAXL Petersstraße 5, Eckhaus Markt spitzen, Mode - Neuheiten Kleidergarnituren, Bänder, Blumen, Knöpfe u. Gürtel kennung die geschickte Conference des Erik Elken — und danken wir, last not least, dem tüchtigen und um das Wohl so vieler jüdischer Künstler besorgten Konzertdireklor A. Ehrlich für diesen so wundervoll harmonischen 11. Bunten Abend. — b. Amtliche Bekanntmachung. Sparkonto für Synagogenplätze. Zum Zwecke der Erleichterung der Einlösung der Synagogcnplätz.c haben wir die Einrichtung geschaffen, dall die Einzahlung für die Platzkarten schon jetzt ratenweise erfolgen kann. Für jede bis zum 3. August 1934 geleistete Zahlung wird zum Ausgleich für die frühere Einzahlung eine Vergütung von 10 "o gewährt, d. h. für jede eingezahlte Reichsmark wird ein Gutschein in Höhe von RM. 1.10 verabfolgt. Die Einzahlungen können in beliebiger Höhe erfolgen, müssen jedoch auf volle Markbeträge abgerundet sein. W ir möchten unseren Ucnicindemitgliederii dringend empfehlen, von dieser Einrichtung, die ihnen die Aufrechterhaltung ihrer Anrechte auf einen Synagogenplatz, erleichtert, lebhaften Gebrauch zu machen. Einzahlungen können erfolgen an unserer üemeindekasse während der Kassestunden werktags von 9—1 Uhr oder auf das Postscheckkonto der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig — Leipzig Nr. 505 33. Leipzig, den 19. März 1031. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Gottesdienste Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst. Freitag, den 22. Juni, Abendgebet 19 Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr.Goldmann); Sonnabend, 23. Juni, Morgengebet 9 Uhr, jugendgottesdienst 15,15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. Ooldmann); Nachmittagsgebet 21 Uhr; anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Dr. Ooldmann); Abendgebet 21,30 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 7,30 Uhr, werktags 7 Uhr, Abendgottesdienst 19 Uhr. Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 29. Juni, Abendgebet 19 Uhr; Sonnabend, 30. Juni, Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 20.55 Uhr; anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Dr. Ooldmann); Abendgebet 21,29 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 7,30 Uhr, werktags 7 Uhr, Abendgottesdienst 19 Uhr. 1. Wodienendfahrt im Autobus nach Joadilmstal, Karlsbad, JRarlenbad Abfahrt: 6. Juli (Ankunft vor Schabbosanfang) Rückfahrt: 9. Juli. IahtprelS: Für Hin- und Rückfahrt nur 16 Hill. Kartenverkauf: Kaufhaus Brühl, M.W .Kaufmann, Leihbücherei R. Neumann, Grimmaische Straße Königsgallerie, Zigarrenhaus Wietepsky, Brühl 52, Restaurant Zellner und bei der Mzelgenver mallung des Semeindeblaltes, 0 5 Cichoriusstraße 2a, Telefon 60771.