Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 22 (1.6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1. Juni 1934 Vortragsabend des Herrn Otto Bernstein, Dresden. Der ans seinen Vorträgen in der hiesigen Kunstschule bestens bekannte Künstler fand denn auch einen übervollen Saal vor und der Kontakt zwischen lieber und Nehmenden war schnell hergestellt, so dali die meisterlichen Darbietungen den richtigen Hoden fanden. Begeistert folgten die Zuhörer dem' Vortragenden auf seinem Streifzug durch „Ernstes und Heiteres aus Ost- und West jüdischer Dichtung", nahmen die nachdenklichen Proben aus hubers „Chats. Legenden" und Emil Bernhard Cohns „Kleine und grolle Menschenliebe" ebenso freudig auf, wie die humorvollen Qeschichten Scholem Mecherns. Gleich auf welchem Gebiet, immer wußte Bernstein Formvollendetes zu bringen. Sehade nur, dali es noch immer Publikum gibt, das einen Vortragssaal mit einem Kino verwechselt und kommt und geht, wann es ihm paßt, anstatt auf den Künstler und die anderen Zuhörer Rücksicht ZU nehmen. Amtliche Bekanntmachungen. Infolge fortgesetzter Anfragen von Hausfrauen an unser orthodoxes Habhinat, ob von ihnen gekaufte Waren koscher sind, selten wir uns veranlaßt, bekanntzugeben, welche Betriebe unter Aufsicht unseres orthodoxen Gcnicindcrabhinats stehen. Nur für Waren aus diesen Betrieben ubernimmt das Rabbinat die Verantwortung in bezug auf das Kaschrus. Fleisch und Q e f 1 ü gel: Moses Bild, Qerberstraße 41, M. Frischer, Packhofstraße II 13, o*ias Kohn, Lohmflhlgasse I", Sally Löb, Ranstädter Steinweg 7, Jacob Schussheim, Plauensche Strabe 3 5. M lieh und Butter: J. Bartfeld, Eutritzscher Stralle 5, Chaim Zipscr, Nordstralte J5, Hof (Wohnung: Berliner Str. IS), Rittergut üundorl (Bestellungen durch H. Kreutner, Färberstr. 16). B a c k w a r e n : Salomon Lotrowski, Berliner Stralle 13, Selig Scheinowitz, Oerberstr. 40 und Keilstr. '), Schmeidler, Nordstraße 25 und Ranstädter Steinweg 15. S p e i s e Ii ä u s c r: Chmelnitzky, Reichsstraße 22, Mauelis, Nikolaistralie K». Leipzig, den 2'). Mai WH. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeindc zu Leipzig. Sparkonto für Synagogenplätze. /um Zwicke der Erleichterung der Einlösung der Synagogen- Plätze haben wir die Einrichtung geschaffen, dali die Einzahlung liu die Platzkarten schon jetzt ratenweise erfolgen kann. Für jede bis zum f. August 1934 geleistete Zahlung wird zum Ausgleich für die frühere Einzahlung eine Vergütung von 10o/o gewahrt, d. h. für jede eingezahlte Reichsmark wird ein Gutschein in Höhe von RM. l.Ki verabfolgt. Dil Einzahlungen können in beliebiger Höhe erfolgen, müssen jedoch auf volle .Markbeträge abgerundet sein. Wir mochten unseren Gemeindemitgliedern dringend empfehlen, von dieser Einrichtung, die ihnen die Aufrechterhaltung ihrer Anrechte auf einen Synagogenplatz erleichtert, lebhaften Gebrauch zu machen. Einzahlungen können erfolgen au unserer (ieiueindekasse während der Kassestunden werktags von <) I Uhr oder auf das Pottscheckkonto der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig — I eipzig Nr. 505 Ji. Leipzig, den I". Marz 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Gottesdienste Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 1. Juni, Abendgebet l'i Uhr. Sonnabend, 2. Juni, Morgengebet *J Uhr, Jugendgort esdiensl 15.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn); Nachmittagsgebet 20.40 Uhr, anschließ. Lehrvortrag (Rabbiner Dr. Goldinannj; Abendgebet 21.11 Uhr. (iemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 8. Juni, Abendgcbel 19 Uhr (Rabbiner Dr. (ioldmanu); Sonnabend, <J. Juni, Morgengebet 0 Uhr, Naehmittagsgebet 20,50 Uhr, anschließend Lehr- VOrtrag (Rabbiner Cohn); Abendgebet 21,23 Uhr. Morgengottesdiensl an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 7,'i0 Uhr, werktags 7 Uhr, AbendgoMcsdienst l5 Uhr. Ez-Chaim Synagoge (Otto-Schill-Str.) und Talmud-Thora-Synagoge (Keilst.): Freitag, den 1. Juni: Abendgebet IQ Uhr. Sabbat: Morgengebet 8.30 Uhr; Mineha 17 Uhr; Ausgang 21.14 Uhr. Wochentag: Morgengebet 7 Uhr; Abendgebet 19,15 Uhr. Personenstandsnachrichten. Ba r m i z wa : Am Sonnabend, 9. Juni, Herbert Rosenthal, Sohn des Herrn Sidney Rosenthal und Frau Hertha geb. Neumark, Richterstralle 2, in der (iemeindesynagoge. Trauungen: Am Sonntag, 27. Mai, Fräulein Helene Kernkraut, Berliner Str. 24, mit Herrn Arthur Trieger aus Kiel. Aus dem Gemeindeamt. Selbsthilfegruppe der jüdischen Blinden. Die jüdischen Blinden haben sich vor kurzein im Einverständnis und unter Mitwirkung der Zentralwohlfahrtsstelle in einer „Selbsthilfegruppe der jüdischen Blinden in Deutschland" organisiert. Um mögliehst alle Blinden der Organisation zuzuführen und sie zu betreuen, werden die jüdischen Blinden Leipzigs gebeten, bei der israelitischen Religionsgemeindc Leipzig, Fürsorgeamt, Waltcr-Bliimcl-Stralte 10, Name, Adresse und Alter mitzuteilen. Es ist insbesondere erwünscht, festzustellen, wo jüdische blinde und schwache Kinder vorhanden sind, damit sie durch geeignete Beschulung berufsfähig gemacht werden können. Ausschreibung einer Hilfsarztsteile am Berliner jüdischen Krankenhaus. Zum 1. Juli WH wird ein planmäßiger Hilfsarzt mit klinischer und wenn irgend möglich auch physiologisch-chemischer Vorbildung für die innere Abteilung - ärztlicher Direktor: (ich. Rat Prof. Dr. Strauß — gesucht. Bewerbungen sind bis zum S.Juni an die Direktion des Krankenhauses der Jüdischen Gemeinde, Berlin N65, Exerzierstr. Ha, zu richten. Eingesandt. (Für diese Rubrik übernimmt die Schriftleitung lediglich die preßgesetzliche Verantwortung.) Einheit im Sport. Große Sorge bereitet heute die jüdische Jugenderziehung. Für das Kind ist es schwer, den richtigen Anschluß an Kameraden zu finden. Jüdische Turn-, Sport- und Jugendbünde weisen eine Buntheit auf, die auf den ersten Blick verwirren mag. Bald wird der Zionismus, bald der Revisionismus, bald der Liberalismus, bald der Orthodoxismus als das Vorzüglichere gepriesen. Oberall klingt für das Kind Praktisches und Technisches heraus und es fehlt nicht an Widersprüchen und Gegensätzen. Und doch trügt der Schein, denn jeder, der sich bemüht, in die Dinge hineinzuschauen, muß sehr bald und gründlich erkennen, dali die Jugenderziehung als Mittel zum Zweck benutzt wird. Turnen, Jugendblind und Sport ist nicht nur eine angenehme, das Lehen verschönende Beschäftigung, sondern eine sehr ernsthafte Angelegenheit und ein unentbehrlicher Bestandteil unseres Kulturlebens, wenn wir nicht in Zukunft als Ghettoluden betrachtet und behandelt werden wollen. Auf dieser Plattform der Jugenderziehung könnten alle Juden, ohne Rücksicht auf ihre soziale oder politische Einstellung unter Ausschaltung aller Streitigkeiten auf einem neutralen Gebiet vereinigt werden, zumal unser jüdisches Arbeitsgebiet genügend neutrale Probleme aufzuweisen hat, die gleichzeitig der körperlichen und geistigen Ertüchtigung und Gesundung unserer Jugendpflege nur dienlich sein würden. Wenn nun bei der zweifellos unerfreulichen Parteigestaltung innerhalb unseres Judentums jede Richtung versucht, die Jugend für sich in Anspruch zu nehmen, so muH dies zu weiteren Splitterungen innerhalb des Judentums führen und der Gesamtheit mehr Schaden als Nutzen bringen. Abgesehen davon ist Politik in diesem Zusammenhange kein Mittel für Jugenderziehung, sondern Selbstzweck. Sie entzündet in den Menschen jene ehrgeizige Selbstherrlichkeit, die wir vom sportlichen Standpunkt der Jugenderziehung mit aller Macht In kämpfen, aber nie und nimmer fördern wollen. Viele der Besten waren gezwungen, infolge ihrer objektiven Einstellung sich vom Sport und der Jugendbuudsarbeit zurückzuziehen. Dies ist um so bedauerlicher, als wir uns bewußt sind, dali alle Erfolge, ebenso natürlich auch Niederlagen auf das Konto des ganzen Judentums verbucht werden. Schon aus diesen Gründen müssen Juden das Beste aus sich herausholen, in dem ernsthaften Streben, die Jugenderziehung unter Ausschaltung der Politik in das Ganze der Kultur einzuordnen, daß sie mithilft, um zur Geschlossenheit und Einigkeit beizutragen. Heinrich Gänger. Neue Bücher. Der nachgelassene Roman Jacob Wassermanns. Die Jüdische Buch- Vereinigung teilt uns mit: Schon bei der ersten Aufstellung des Buchprogramms der JBV ist von den maßgeblichen Persönlichkeiten der lebhafte Wunsch geäußert worden, den großen nachgelassenen Roman von Jacob Wassermann für die Mitglieder der JBV zu erwerben. Es wußten damals nur wenige, daß sich in dem Nachlaß das vollständige Manuskript eines großen Romans befand, der unter dem Titel Joseph Kerkhovens dritte Existenz den krönenden Abschluß zu dem „Fall Mauritius" und „Etzel Andergast" bildet und das kostbare Vei mächtnis des vielleicht größten jüdischen Dichters unserer Zeit darstellt. Die Jüdische Buch-Vereinigung hat keine Mühe und Kosten gescheut, um sich dieses Welkes zu versichern, und so ist sie in der glücklichen Lage, heute der jüdischen Öffentlichkeit mitzuteilen, daß