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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-05-25 · 21 (25.5.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
21 (25.5.1934)
Date
1934-05-25
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Seite 3 Privatdozent Dr. Paul Berlin spricht am Sonnabend, den 2. ]unl, abends piinktl. 21.15 Uhr (Sabhathausgang) im Oroßen Saal des Kiinstlerhauses, Nikiscliplatz 2, über das Thema: „Zwei jüdische Generationen4 Eintritt 30 Pfg. Erwerb5lose u. Jugendliche 20 Pfg. Alle (iemeindemitglieder sind herzlichst eingeladen. Künstl. Darbietungen umrahmen die Veranstaltung Leipzig-Loge. Logen-|ugend. JUdisdier fugendbund Franz Rosenzweig. Verband jüdisther Frauen für Palästinaarbelt (Wlzo) Wiederholung l Dienstag, den 29. Mai, nbends 20.30 Uhr, spricht im Saale des |Udlsdien Jugendheimes, Elsterstr. 7 Frau Grete Cerl über: „Erlebtes und Erlauschtes in Erez-Israel" Oäste herzlichst willkommen! machen und ZU wecken. Wir gingen, nachdem wir noch heißen Kakao von der Küche erhalten hatten, abends 1 fi Uhr ins Bett. Zum Abendbrot war es sehr nett, unser Mädelszclt „Gagool" hatte sich mit dem nachbarlichen Jungcnszclt „Veiflucht" angefreundet und ZUSatnmCDgetan. Daun gub es noch zwei Freunde „Spitz" und „Quetsch", die anderen waren so dazwischen. Wir aber bildeten die Hauptparteien, natürlich nur im Spall. Den ganzen Abend klang es: hie „Spitz", hie „Veiflucht" usw. Ich unterstrich vorhin Bett. Das ist aber ein zu hochtrabender Ausdruck. Aber trotzdem hatten wir es weich und warm, nur sehr eng, und deshalb konnte ich nicht schlafen. Stellt Euch mal vor, vier nicht überschlanke Madeis in einem Kaum von 150 cm. Ich schlief die erste Nacht in der Mitte, konnte mich also nicht drehen und wenden. Am Morgen um 5 Uhr war die schlaflose Nacht vorbei, und wir hatten uns ganz schnell fertigzumachen. Trotzdem dauerte es geraume Zeit, bis wir aufbrachen, denn der Weg zum Brunnen dauerte eine Viertelstunde. Außerdem ordneten wir das grolle üepäck so, daß wir fast gar nichts zu tragen hatten. Am ersten Tag gingen wir :n 6 km-Tcmpo die Landstraße, am zweiten 5 km-Tcmpo leichte \nsteigungen, und das behielten wir die ganze Zeit bei. Wir gingen a. eine Stunde, dann trafen wir auf das grolle Gepäck und eine Quelle, wo wir Wasser mitnahmen. Nach kurzer Zeit gelangten vir in ein christliches arabisches Dorf, wo ich viele Leute photoraphiert habe, die Bilder schicke ich das nächste Mal. Dort wurden •vir von einem Araber wirklich mit echt christlicher Nächstenliebe ■ewirtet. Es war fabelhaft, wieviel Zitronenwasser er in der kurzen Zeit zusammenbraute und uns so liebenswürdig anbot, daß Milehnen eine Beleidigung gewesen wiire. Mittags kamen wir in in arabisches Dorf, wohin wir nur auf sehr schwierigen Kletteregen gelangten, die aber sehr schön waren. Ich war immer mit iii der Spitze, und hatte daher genügend Zeit, bei den Pausen die Umgebung zu bewundern. Wir kletterten über zwei Bergend gingen auf ganz schmalen und steilen Pfaden, jedoch fiel es;ir nicht schwer, zu laufen. Bei der Mittagsrast wollten wir uns igentlich mit dem grollen Gepäck treffen das hatte nämlich nscr Essen —; wegen groller Umwege kam es aber erst zwei Stunden später an. So kauften wir uns im Dorf Eier, arabisches ■ irot (Pitte) und Datteln. Diese Pitte ist ein ganz dünnes, zähes eng, das ich nicht essen konnte, und so nahm ich nur zwei Eier md eine Handvoll Datteln zu mir. Es genügte mir aber voll- I ommen. Oberhaupt aß ich nicht viel auf der ganzen Wanderung. v '.ir einen verdammten Durst hatte ich, denn ich hatte mit Absieht I is zu Mittag nicht getrunken, um nicht so zu schwitzen und zum 1 berfluß hatte mir noch jemand mein Wasser ausgetrunken. Wir chten nun einen Brunnen, trafen schließlich auch einen, jedoch war das Wasser so schmutzig, dall Trinken unmöglich war. So »igen wir eben durstig weiter und kamen nach drei Stunden nach 1'kun. Das ist ein Dorf, in dem Juden seit 2000 Jahren ununterhrochen wohnen. Die letzte halbe Stunde schon hörten wir Wasser und sahen auch welches, aber nur schmutziges. Wir beeilten uns natürlich sehr, und ich ging ein gutes Stück vor den anderen, traf, wie es mir schien, eine Araberin und fragte sie, Moye? d. h. Majim auf arabisch. Sie aber lächelte und fragte mich auf hebräisch: al roza majim, ken. Ich war sehr erstaunt, aber viel zu durstig, E. SAXL Petersstraße 5, Eckhaus Markt spitzen, Mode - Neuheiten Kleidergarnituren, Bänder, Blumen, Knöpfe u. Gürtel I DRINGEND gesucht f. cl. |ÜD. ORCHESTER Cellisten (auch Amateuie). Anschr.: Simon, Friedr.-Karlstr. 22. 1 um das weiter zu beachten und sagte: ken, ken, ani zaniea nora. Sie gab mir, wie auch den anderen, sofort wundervolles Wasser zu trinken, das sie gerade von der Quelle geholt hatte. Wir unterhielten uns dann mit ihr, die zu den bO bis 70 jüdischen Familien gebort, die nie das Dort verlassen haben. Sie sind genau wie Araber angezogen, aber ihre Haut ist etwas heller, und fast alle sind sie blond mit blauen Augen und sehr hübsch. Sie sprechen untereinander arabisch, können aber alle hebräisch sprechen und lesen. Sie haben auch eine jüdische Schule und eine Synagoge. In der Synagoge sind zwei alte Mauersteine, die behauen sind, der eine stellt Kewer Rachel dar. Wir schlugen unser Lager dieses Mal auf einer Wiese auf, quatschten noch ein billchen mit den Juden, allen Reis und gingen ins Zelt. In dieser Nacht lag ich an der Seite, wo ich zwar mehr Platz hatte, wo es aber dafür sehr kalt war. Vorher waren wir noch bei den „Veifluchten", die Zuckerzeug gekauft hatten, und wir schmausten nicht wenig. Am nächsten Morgen ging es sehr früh los, zu unserem schwersten Tag, der Besteigung des 1260 Meter hohen Jeriuak. Der Jermak ist der höchste Berg Palästinas. Wir stiegen ungefähr drei Stunden an, kamen dann an ein Dorf, wo wir alle drei Lehrer und einige Schüler verloren und gingen langsam weiter. Wir stiegen ganz steil herab, was mit ziemlich schwer fiel, und kamen unten zu einer Quelle, die sich einen Weg durch Steine gegraben hatte. Dort ruhten wir aus, badeten unsere Füße und warteten eine Stunde, bis die übrigen nachkamen. Nach einer weiteren Stunde, in der wir gegessen hatten, fing die eigentliche Bergtour an, trotzdem wir den Jermak noch nicht sahen. Nach einer Stunde angestrengten Kletterus hatten wir es aber geschafft und standen am Fülle der Jerinakkuppel. Dort ruhten wir uns erst einmal aus, füllten unsere Wasserflaschen mit wundervollem Brunnenwasser und bestiegen nun den Jermak, was nicht ganz leicht war, aber auch nicht sehr schwer. Wir gingen durch viel Gestrüpp und kamen nach l1 t Stunden oben an, wo uns allen ein Ausruf des Entzückens über die Lippen flog. Man hatte eine herrliche Aussicht, besonders auf den weihen Hermon, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Wir sahen beinahe das ganze Land zu unseren Füllen liegen, sogar das Meer und Haifa salien wir und auf der anderen Seite Tiberias mit den Kinereth-See. Nach kurzer Rast begann der Abstieg, der mir furchtbar schwer fiel. Wir gingen ohne) Weg ganz steil hinunter, es war wirklieh gefährlich und schmerzhaft, da wir durch lauter scharfe Disteln gehen mußten. Aber auch das wurde überwunden und auf leichterem Wege kamen wir zu unserem dritten Ziel: nach Meerom. Dort trafen wir auch Dr. Neiger und schieden von Dr. Calvary. In der uralten Synagoge verbrachten wir diese Nacht. Am letzten Tag sollte es über Gusch Chalaw nach Safed gehen. Ich konnte aber nicht mehr, meine Beine waren schrecklich dick und ganz zerkratzt .außerdem hatte ich Sonnenbrand. Deshalb fuhr ich mit einigen anderen auf dem großen Gepäck direkt nach Safed, wo wir zum erstenmal gut Mittag aßen und bald nach Tiberias fuhren. Zur Entschädigung nämlich, dall wir nicht noch Gusch Chalaw sahen, entschlossen wir uns, mit dem Autobus nach Tiberias zu fahren. Mittags ging es los, wir gingen an den See, nahmen ein Hoot, ruderten eine halbe Stunde herum, was unbeschreiblich schön war. Wir sahen an einem Ufer das weihe Tiberias mit

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