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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-04-27 · 17 (27.4.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
17 (27.4.1934)
Date
1934-04-27
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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7. April 1934 Seite 3 | Kabarett-Mend jüdischer Künstler Leitung: Walter Meyerstein-Arro Sonntag, den 29. April 20« 5 Uhr, Orotrian Steinweg Saal Gastspiel: Beatrice Waghalf er (Paris) Ilse Walten - Lili Schenkalowski Artur Zander etc. Eintrittskarten: RM. 2.-, 1,50, l — M. W. Kaufmann, Willner.Noidstr. 29, Leihbüch. Neumann, Rest. Manelis, Rest. Zellner, Abendkasse Voranzeige: 13. Mai: iÄ/illiam Rornor* 2 stunden Lathen Sensationsgastspiel W llllttlll DCiUCl . am laufenden Band Volkstümliche Preise I.SO, 1.- OSO Die Aufgaben des jüdischen Handwerks Angesichts der bedeutenden Rolle, die das jüdische Handwerk :;ml der jüdische Mittelstand hei dem strukturellen Aufhau der deutschen Judenheit zu spielen berufen sind, wird die Zeitschrift „Der jüdische Handwerker" wesentlich erweitert. Die soeben erschienene Nummer, zum ersten Male im neuen (iewande, nimmt in einem beachtenswerten Leitartikel grundsätzliche Stellung zu den aktuellen Problemen der Judenheit Deutschlands und weist auf die hohe Bedeutung hin, die künftighin dem jüdischen Handwerker zukommen uird. In dem Artikel wird u. a. ausgeführt: „Hin Jahr voller Prüfungen liegt hinter uns. Langsam wachsen die Konturen unseres Lchensraumes deutlicher heraus. Die sittliche Kraft unserer grollen und hohen Ideale, seit Jahrhunderten und Jahrtausenden der Quell standiger Wiedergeburt, hilft uns in dieser schweren Zeit. Menschen leben einen Teil der Geschichte. Ein fortgeführtes Volk hat ewigen Bestand. Eine jahrtausendalte Kultur gibt uns Stärke und Aufrichtung. Immer wieder und wieder mahnen uns die Vorbilder wahrhaften Heldentums, das dem alten biblischen Volke entsproß. Sie sind uns Symbol unbeirrbarer I reue, Stolz erfüllter Ehre, innerer Würde und ungebeugten Strehens nach ganzer Erfüllung ihres irdischen Schicksals. In wahrhaft sittlicher Orölle standen sie alle für ihr Volk und machten es zu einer uneinnehmbaren Zwingburg. Wir wollen uns ihrer würdig zeigen. Wir wollen nicht resignieren, wir wollen uns nicht vom Schicksal treiben lassen. Mit heiligem Eifer und frischem Mut wollen wir der deutschen JudenheM eine feste und sichere Grundlage hauen. Handwerk und Mittelstand sind, als breite Masse von jeher wirtschaftliche und kulturelle Träger des deutschen Judentums, im Rahmen der allgemeinen deutschen Wirtschaftsauffassung nun ganz in den Lichtkegel ilirer Bedeutung gerückt. Nach Handwerk und Mittelstand wird iran zukünftig in weit höherem Malle als bisher das wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Gefüge der deutschen Judcnhch beurteilen . . . Das ist unsere Umstellung: Die Erneuerung der jüdischen Gemeinschaft mit neuen Mitteln, die die neue Zeit verstehen, und die die Zeit von uns verlangt. Ein Hauptinstrument in diesem Ringen um unsere Zukunft soll unsere Zeitung werden.'' . . . „Es wäre falsch," heißt es dann weiter, „wenn wir uns abk t p s e I n wollten. Soweit nur irgend möglich, wollen wir vielmehr am gesamtdeutschen Wirtschaftsleben aktiven und regen Ant. il nehmen. Aber es entstehen für uns Juden häufig besondere Probleme, für die eine geschlossene Meinungsbildung und Führung von jüdischen Mittelstands- und Handwerksunternehmen nützlich, ja oft dringend notwendig wird. Je mehr die heranwachsende Jugend vor allem zum Handwerk strebt, um so mehr gewinnt unser Stand innerhalb des Judentums ausschlaggehende Bedeutung. Daj Verpflichtet Unsere Zeitung soll hier fürderhin Wegbereiter sein. Jahrzehntelange Erfahrungen geben unseren Kreisen auf diesen,' Gebiet den Anspruch auf das Primat der Führung. Wir öffnen weit die Tore und rufen alle die, welche zu uns X' liören und mit uns sind. Wir wollen den wertvollen jüdischen Deutschen schaffen helfen, der uns mit Stolz und Freude erfüllen soll. Die jüdische Leistung muß auch in unserer deutschen Umwelt immer eine Wertleistung sein . . . Wir stehen zu unserem Judentum, wir stellen zu unserer beruflichen Lebensaufgabe, wir stehen zu unserer deutschen Heimat ... So wollen wir, von alter ewiger ' >. mhenskraft erleuchtet, in ganzer unbeirrbarer Hingabe und Ausdauer unseren Lehensraum ohne Zagen neu gestalten, in neuer Zeit mit neuen Mitteln unser Haus weiterbauen, erfüllt von unserer Pflicht gegen uns und unsere deutsche Heimat." Jüdische Zeitschau. Geistige Fortpflanzung. Der Früh Jahrslehrgang des Frankfurter jüdischen Lehrhauses wurde mit einem akademischen Festakt eröffnet, in dessen Mittelpunkt eine Ansprache des Lehrhausleiters E. SAXL Petersstraße 5, Eckhaus Markt spitzen, Mode - Neuheiten Kleidergarnituren, Bänder, Blumen, Knöpfe u. Gürtel Prof. Dr. Martin Buber über „Lehre und Tat" stand. In seiner Rede stellte Martin Buber die neben der biologischen Form der Fortpflanzung in der jüdischen Gemeinschaft immer lebendige Form der „Fortpflanzung der Werte" dar, die im Judentum ebenso organisch, natürlich und lebensnotwendig wirke wie die biologische. Das Verbleiben des jüdischen Volkes bei der biologischen Fortpflanzung allein sei immer von Gefahren begleitet gewesen. Die „geistige Fortpflanzung", diese Neuschöpfung der Werte durch Überlieferung, hebe zwar das Judentum nicht über andere Völker hinaus, es hebe es aber deutlich von den anderen Völkern ab und zeige, daß das geistige Leben — trotz aller Entartungen — im (udentum immer verpflichtend und lebensnotwendig gewesen sei. Me jüdische Überlieferung sei ja keine bloße Übergabe fertiger geistiger Werte, sondern eine stete Neugestaltung, und hier liege auch das eigentliche Problem der Tradition: die Begegnung der Generationen im Judentum durch die Überlieferung der Lehre vom Lehrer zum Schüler, die ein zentrales Faktum sei. Diese jüdische „Seins-Tradition" stehe im Gegensatz zur „inhaltlichen" Tradition, zur Tradition der bloßen Form. Die Lehre sei untrennbar au die Tat gebunden und es gebe kein Lehren ohne die Tat; Lehre existiere eben nur in der Ganzheit der wirkenden Person oder sie existiere überhaupt nicht. Andererseits sei die Tat die Ganzheit der jüdischen Lehre, im Gegensatz z. B. zur Sophia der Griechen. Die Tat sei Gehalt und Ziel der Lehre. Der Jude beschränkt sich nicht auf das bloße Erkennen der Lehre, nach vielen Grundsätzen der jüdischen Lehre sei derjenige höher einzuschätzen, der mehr Tat als Lehre besitzt. Heute seien wir, fuhr Buber fort, in einer seltsamen Situation hinsichtlich der Lehre und der Tat. Es sehe so aus, als ob die Tat das Beherrschende geworden sei und vielfach glaube man, ohne die Lehre auskommen zu können - eine Anschauung, mit der wir uns zweifellos anderen Völkern assimilieren würden. — Wie wir aber ohne die Tat die Lehre verneinen würden, ebenso könnten wir auch die Tat ohne die Lehre nicht ertragen. Das Frankfurter Jüdische Lehrhaus führe einen inneren Kampf gegen diejenigen, die glauben, für das Judentum wirken zu können ohne die Lehre, jenseits der „Fortpflanzung der geistigen Werte". Gleichviel ob in Palästina oder in der Diaspora, kein Palästina- Aufbau unter Abbruch der Kontinuität der jüdischen Lehre, keine Errichtung eines jüdischen Gemeinschaftslebens ohne Verwirklichung der Lehre auch in der Diaspora, ohne die Lehre keine jüdische Einheit! Das Lehrhaus wolle diese Einheit von Lehre und Tat, von echtem Judentum und echtem Menschentum, lehren, es wolle lehren, durch diese Einheit standzuhalten. Die mit hohem Schwung vorgetragenen Ausführungen Bubers wurden von den Zuhörern mit begeisterter Zustimmung aufgenommen. Ausstellung von Werken jüdischer Künstler in Breslau. Der Verein Jüdisches Museum e.V. zu Breslau hat sich in den letzten Jahren um die Entwicklung jüdischen Kulturlebens besondere Verdienste erworben. Nachdem er vor einigen Monaten eigene Räume bezogen hat, beabsichtigt er, diese auch in den Dienst der Pflege neuerer jüdischer Kunst zu stellen. Er veranstaltet deswegen in ihnen (Gräbscbener Str. 61—65) vom 13. Mai bis 21. Juni d. J. die erste Ausstellung von Werken jüdischer Künstler in Vergangenheit und Gegenwart. Es kommen im besonderen Werke von Malern, Graphikern und Bildhauern zur Schau. Es ist Vorsorge getroffen worden, daß lediglich der künstlerische Wert fiir die Aufnahme in die Ausstellung den Ausschlag gibt. Zum ersten Maie wird hier ein geschlossenes Bild judischen Kunstschaffens im Laufe der letzten hundert Jahre vor Augen geführt. Persönlichkeiten wie Israels, Liebermann, Chagall und viele andere, die bisher nur im Rahmen des allgemeinen Kuustlebeus gekannt Ziel und Weg des Staatszionismus Sonnabend, den 28. April, 21 Uhr | über dieses Thema spricht Szagan ha Mefaked der! lerzlsa Dr. S. Reiter in der Turnhalle der I in einer Kundgebung der Staatszionistischen Organisation und Höheren israelitischen Schule, Gustav-Adolf-Str. 7. der Nationalen Jugend Herzlia. : : : Einlaß ab 20]/2 Uhr.

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