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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-04-27 · 17 (27.4.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
17 (27.4.1934)
Date
1934-04-27
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seile 1 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 27. April 193; und beurteilt wurden, sollen nun im Zusammenhange ihrer Volkszugehörigkeit erscheinen. Zugleich aber wird sieh hier ein reiches Entwicklungsbild der verschiedenen zeitlich oder persönlich bestimmten Stilartcn entfalten. Diese Ausstellung wird /weifellos über die Kreise Breslaus hinaus in der jüdischen Welt Deutschlands großem Interesse begegnen. Sie wird täglich von II IS Uhr zugänglich sein. Eintritt '25 Pfg., Schüler 1" Pf«. Führungen nach besonderer Vereinbarung. Sonnabend Eintritt frei. Nähere Anfragen, die sieh auf die Ausstellung beziehen, wird die Geschäftsstelle des Vereins Jüdisches Museum, Breslau 6, Striegauer Str. 2 (Felix Perle) beantworten. Sahbathhciligung. Die freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums lenkl in einem Rundsehreiben die Aufmerksamkeit auf die durch den neuen Erlaß der Reichsregierung betr. Schulbesuchs jüdischer Kinder am Sabbath geschaffene Situation. \\ ir entnehmen diesem Appell zugunsten der Sabbathheiligung folgende Stücke: „Durch diese Verfugung werden die jüdischen Litern vor die Alternative gestellt, ihren Kindern den Sabbath entweder im Sinne des „Sochaur" und „Schomaur" ganz zu geben, oder ganz /u ii e h m e n. Besuchen die Kinder am Sabbath die Schule, so werden sie von frühester Jugend auf zur vollendeten Sabbatheutweihung gezwungen, während auf der anderen Seite in der ganzen Formulierung der Vertilgung geradezu die Erwartung ausgesprochen liegt dall jüdische Eltern, in deren Leben die Religion überhaupt eine Rolle spielt, ihren Kindern durch völligen Dispens vom Schulbesuch am Sabbath die ganze Fülle der erzieherischen Einw irkungen einer unverkürzten Sabbathwcihc in 1 laus und Schule sichern werden. Dali diejenigen Eltern, die bisher schon ihre Kinder am Sabbath zwar die Schule besuchen ließen, sie aber vor l lv-rtretung des »abbathgesetzes durch Schreiben usw. schützten, nunmehr die Konsequenz zielten und von der gewährten Ermächtigung ZU völligem Fernbleiben von der Schule Gebrauch machen werden, ist wohl selbstverständlich. . . . Vorbildlich kann . . . ein Vorgang sein, der aus einer hessischen .Wittelstadt mit vorwiegend liberal-judischer Bevölkerung gemeldet wird. Dort sind unter Führung des Lehrers sämtliche Eltern zusammengetreten und haben sieh unterschriftlich verpflichtet, ihre Kinder ohne Ausnahm! vom Schulbesuch am Sabbath zu dispensieren. I in ähnliches Vorgehen dürfte auch in vielen mittleren und größeren Gemeinden erfolgreich sein. Allerdings wird es alsdann die wichtigste Aufgabe dir Rabbiner und Lehrer bleiben, dafür zu ZU sorgen, dall der freie Sabbath von den jüdischen Kindern nun auch in einer der Weihe des Tages würdigen Art und Vi eise begangen wird. In dieser Hinsicht wird es an Mitteln und Wegen durch Einrichtung von Gottesdiensten, Lehrkursen, Arbeitsgemeinschaften, Aussprachen und Zusammenkünften nicht fehlen. Endlich möchten wir anregen, dall dort, WO es angezeigt erscheint, von Oemeinde wegen Nachhilfekursc für solche Kinder eingerichtet werden, denen durch das ständige Fehlen am Sabbath Wissenslücken entstehen können und deren Litern sich durch das Vorhandensein solcher Nachhilfekurse auch eher entschließen werden, den Dispens am Sabbath zu beantragen." Unsere Gemeinde. Israelitischer Schuhe.ein Leipzig. In der am 17. April 1934 stattgefundenen Generalversammlung wurden die folgenden Herren in den Vorstand gewählt: Dr. Adler. Hans Baum, 5. Hodes. Rabbiner Dr. Goldmann, Rechtsanwalt Dr. Goldschmidt, Verwaltungsdirektor Katzenstein, Hau- Kroch, Rechtsanwalt l)r. Lehrfreund, Dr. Fritz Löbenstein. Diesem Vorstände liegt nach einer mit der Gemeinde getroffenen Vereinbarung die gesamte Verwaltung der Höheren Israelitischen Schule und der Volksschule ob. Aufklärungsabend des Sozialamtes. Um eine seiner dringlichsten Aufgaben, die Berufsumschichtung, mit denen besprechen zu können, die au ihnen ein besonderes Interesse haben, veranstaltete das Sozialamt am 19. April unter dem Vorsitze seines Leiters Dr. Fleiß einen Ausspracheabend, zu dem es insbesondere die Litern der schulentlassenen Kinder geladen hatte. Sie waren der Aufforderung in so gi oller Zahl nachgekommen, dali der grolle Saal des jüdi- U heu Jugendheimes völlig besetzt war. Nicht zuletzt mag für diesen guten Besuch die I atsachc ausschlaggebend gew esen sein, daß ah Redner von dei Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe in Berlin H.rr l)r Ottn Neuhurger abgeordnet worden war, dem als früheren /weiten Direktor des Münchner Arbeitsamtes der Ruf besonderer Sachkunde vorausgeht. Dr. Neuburger machte nicht nur diesem Kufe alle Ehre; er erwies sich auch als ein überaus fesselnder Redner, der es verstand, den nicht all/u einlachen Stofl allgemein verständlich darzustellen. I.r zeigte zunächst die ungesunde Berufsschichtung der deutschen Juden und verbreitete sich dann eingehend über Ausbildungswege in Handwerk, Landwirtschaft und Industrie. Alle dabei irgendwie in Betracht kommenden Fragen berührte er: daß die Anlern- und Lehrstellen außerordentlich knapp sind und daraus die Hauptschwierigkeiten sieh ergeben, wurde dabei mit ungeschminkter Offenheit betont. Er zeigte weiter, wie gerade deswegen eine fachkundliche Berufsberatung notwendig ist. damit nicht diese wenigen Stellen von Menschen besetzt werden, die ihnen geistig, gesundheitlich oder körperlich nicht gewachsen sind. Je mehr ein Vortrag gepackt hat, d j lebhafter wird die Aussprache sein. So war es auch hier. Eltern meldeten sich zum Worte, fachkundige Handwerker, die zur Dauer der Lehrzeit sprachen, und als der Redner im Schlußworte noch zu allen Fragen Stellung nahm, die sich in der Aussprache gezeigt hatten, erwies sich, wie sehr das Sozialamt mit diesem Abend seinen Zweck erreicht hatte, Verständnis für seine Arbeit zu finden und über sie dem Kreise der jeweils Interessierten Aufschluß zu geben. Es beabsichtigt nunmehr, der Leipziger israelitischen Religionsgemeinde seine Lehrwerkstätten als berufliche Vorlehre in Form eines neunten Schuljahres für die Schulentlassenen zugänglich zu machen. Es hofft aber auch, daß der Aufruf des Leiters des Sozialamtes an die Eltern, nach besten Kräften auch von sich aus einen, wenn auch kleinen Beitrag zu den Ausbildungskosten beizusteuern, mit dem er diesen so erfolgreichen Abend schloß, hei allen denen nicht ungehölt verhallt, denen jüdische Jugend am Herzen liegt. Dr. Ma. C. V.-Frauengruppe Leipzig. Ober „Hausfrau und Hausangc stellte im Arbeitsrecht" referierte Dr. Grete Lull bei unserer dritten Veranstaltung, die trotz des Sommerwetters guten Besuch aufwies ein Zeichen dafür, dali das Interesse für die deutschjüdische Arbeit groli ist. Bei der Begrüßung wies Frau Herta Sabatzky darauf hin, dall wir, um die Notwendigkeiten unseret Zeit verstehen zu können, uns auf den verschiedensten Gebieten schulen müssen. In der heutigen Entwicklung ist der Weg der deutschen Jüdin vier schwerste, doch da er nicht von unserem Wollen abhängt, sondern durch eine tiefe seelische Verbundenheit bedingt ist, muß er gegangen werden. Dr. Grete Luß führte etwa folgendes aus: Das Verhältnis zwischen Hausfrau und Hausangestellte sei ein Vertrauensverhältnis. Ober die Rechtsfragen solle sich jede Hausfrau im klaren sein, um Differenzen auszuschalten. Der Arbeitsvertrag werde in vier Regel durch die Hausfrau abgeschlossen, der Mann sei aber verantwortlich dafür und zahlungspflichtig, nicht die Frau. W ird Uber gesetzliche Abgaben nichts vereinbart, so muH sich die Hausangestellte das Abziehen gefallen lassen. Jeder Vertrag werde nach Treu und Glauben aus gelegt. Anweisungen müsse sich die Hausgehilfin gefallen lassen, doch über den Lebenswandel habe die Hausfrau kein AufsichtSrecht. Verläßt das Mädchen vorzeitig ihre Stelle, sei sie zu Sehadenersatz verpflichtet. Weiter führte Dr. Lull aus, daß es zwei Arten von Kündigungen gäbe: Die ordentliche und die fristlose, letztere nur bei Diebstahl, Unterschlagung usw. Zu Auskünften sei die Hausfrau nicht verpflichtet, erteile sie dieselbe aber, so müsse sie auch die Wahrheit sagen. Im letzten Jahre brachte dii Reichsregierung viele Erleichterungen, um Hausangestellte in den. Arbeitsprozeß unterzubringen (Oesetz zur Minderung der Arbeits losigkelt). Zum Schiuli ging Dr. Luß zur Frage der jüdischen Hausangestellten über: Die Nachfrage sei noch immer stärker ah das Angebot. Da das jüdische Mädchen oft aus demselben Milieu wie die Hausfrau komme, müßte von beiden Seiten Rücksieh' verlangt werden, w as bei gutem W illeu sicher zu ermöglichen sei Reicher Heifall dankte der Rednerin, die der Hausfrau aus ihren ureigensten Gebiet eine interessante Stunde bereitet hatte. H. S. Amtliche Bekanntmachung. Religionsunterricht. Der Direktor der Höheren Israelitischen Schule und Volks schule hat beim (iemeindeabeud am 211. März lüJI folgende Erklärung abgegeben: Damit Kinder, die bisher den liberalen Religionsunterricht besucht haben, durch ihren Eintritt in die Höhere Israelitische Schul; nicht von der weiteren Teilnahme au ihrem Religionsunterricht zu rückgehalten werden, ist die Regelung getroffen worden, dall auBe dem jüdischen Unterricht der Schule innerhalb des Vormittags planes, der für alle Zöglinge verpflichtend ist, auch noch zwei Reli gionsstunden wöchentlich am Nachmittag gegeben werden, VOti denen nur diejenigen Schuler und Schülerinnen befreit werden, die dei Nachweis erbringen, dali sie am Religionsunterricht der Religions schule I oder au einem anderen von der Gemeinde anerkannter Religionsunterricht teilnehmen. Leipzig, den 18. April 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Friedhofsgärtnerei des neuen Friedhofs. Die von der Oemeinde in eigener Verwaltung betriebene Gärtnerei unseres neuen Friedhofs übernimmt samtliche Aufträge au! Bcpflanzuug, Instandsetzung und Pflege von Grabatvillen. Es wird weiter darauf hingewiesen, daß die Friedhofsbesuche: die Möglichkeit haben, ihren Bedarf .™ Topfpflanzen, Schnittblumen. Vasen und Schalen in der Friedhofsgärt'ne'rei zu handelsüblichen Preisen zu decken. Fachmännische Beratung und Berechnungen erfolgen kostenlos Leipzig, den 20. März 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgcmeinde zu Leipzig Aus dem Gemeindeamt Gemeindesynagoge. Sahbatgottesdienst: Freitag, 27. April, Abendgebet 19 Uhr. Sonnabend, 28. April, Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 19,45 Uhr anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Cohn); Abendgebet 20,15 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 7,30 Uhr, werktags 7 Uhr, Abendgottesdienst 1<J Uhr.

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