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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-04-06 · 14 (6.4.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
14 (6.4.1934)
Date
1934-04-06
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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6. April 1934 Seite 3 liehen ist in Berlin verhältnismäßig viel kleiner als im (iesamtreich, wo sie fast 50O/p aller Umschichtlcr ausmacht, sie beträgt 257. ihrem früheren Berufe nach stehen unter den Männern die Kaufleute mit 461 zahlenmäßig an der Spitze, 45 waren Studenten, 53 Akademiker. Es zeigt sich somit, daß das in geistiger und moralischer Beziehung so überaus bedeutungsvolle Akademikerproblem in der Umschichtungsarbeit nicht jene überragende Rolle spielt, die man vermutet hat. Von den umschichtenden Frauen waren die meisten, nämlich 331, früher Kontoristinnen, 119 Verkäuferinnen, tili Ehefrauen, die früher nicht erwerbstätig waren, erhalten durch die Wirtschaftshilfe berufliche Schulung. Außerordentlich umfangreich sind die der Bcrufsumschichtungsarbeit in nächster Zeit bevorstehenden Aufgaben. Im April werden ca. '»(MX) Menschen in die Berufsumschichtung einzuordnen sein. Von Qinen werden etwa 31)00 kaufmännischen Berufen zugeführt werden, da berufene Fachleute vor einem hemmungslosen Einströmen in den handwerklichen und landwirtschaftlichen Beruf warnen und unter Berücksichtigung der vorhandenen Möglichkeiten und der anzustrebenden Normalisierung der beruflichen Schichtung der jüdischen Bevölkerung die Berücksichtigung des kaufmännischen Berufs zu einem Drittel für angemessen halten. Von den übrigen oiilill sollen 351X1 in Einzellehrstellen, 1500 in Kollektivaushildungsstätten und 1000 in Haushaltungen untergebracht werden. Es wird erwartet, dal) von den 9(XX) Jugendlichen, die neu in die Berufsausbildung eintreten, 41MX) für die Kosten ihrer Ausbildung selbst aufkommen werden, während die Kosten für die Ausbildung der restlichen 5000 aus den Mitteln des Hilfswerks werden gedeckt w erden müssen. Im Zusammenhang mit der Erweiterung der Umschichtungs- bzw. Berufsausbildungsarbeit muß auch mit einer wesentlichen Erhöhung des Aufwandes für diese Arbeit gerechnet werden. In den letzten vier Monaten des Jahres 1933 hat die Berufsumschichtungsarbelt des Zentralausschusses einen Betrag von 370 IHK) Mark erfordert. Schon heute ist der monatliche Bedarf auf über KM) 000 Mk. gestiegen und wird sich selbstverständlich nach der Einreihung der neu in die Umschichtung Eintretenden noch weiter erhöhen. Für das erste Halbjahr 1034 wurde deshalb ein Betrag von 900 (MX) Mk. für die Umschichtungsarbeit veranschlagt. „FamiHenschut/.". Am II. März fand in Berlin die diesjährige Generalversammlung des gemeinnützigen Vereins Familienschutz statt. Der Geschäftsbericht legte Zeugnis ab, dall der Verein trotz groller Schwierigkeiten auch im Jahre 1933 eine sehr günstige Entwicklung genommen hat. Seine der Hinterbliebenen- und Familien Versorgung dienenden Einrichtungen sind in weitesten Kreisen der deutschen Judenheit populär. Der Verein umfalite Ende 19 il rund 12IXX) Mitglieder. Er konnte auch in diesem Jahre namhafte Beträge für die jüdische Wohlfahrtspflege zur Verfügung stillen. Der vom Vorstand und Verwaltungsrat vorgelegte Geschäftsbericht und weitere Anträge wurden von der Generalversammlung genehmigt. Automobilbesitzer! Verbandsmitglieder, die durch die Oleichschaltung in den Autoverbänden aus ihren bisherigen Klubs ausgegli dert wurden, haben die Möglichkeit, einem nationalen Klub beizutreten. Auskunft und Anmeldung nur schriftlich erbeten an Ja . Sternlicht, Dresden-A. 16, Striesener Platz. 14. Unsere Gemeinde. Landwirtschaftliche Ausbildungsstätte. Auf einem in jüdischem Besitz befindlichen 30 Morgen großen Bauernhofe im Badischen (N' ihe Bodensee) können noch zwei Elevenstellen besetzt werden. Die Dauer der Ausbildung beträgt mindestens ein Jahr; während dieser Zeit ist Gelegenheit zur Erlernung der notwendigsten Kenntnisse in allen Zweigen der Landwirtschaft, Gärtnerei, des landwirtschaftlichen Haushalts sowie der wichtigsten Kulturmaßnahmen. Ibr Umfang des Betriebes ermöglicht sorgfältige Anleitung jedes Einzelnen durch den selbst mitarbeitenden Leiter, der nach fachli her Ausbildung seit 25 Jahren in praktischer Landarbeit steht. Die Lehrlinge haben Familienanschluß. Die Kosten der Ausbildung beiragen monatlich 50. KM. einschließlich Kost, Wohnung, Wäsche, Krankenkasse. Nähere Auskunft kann bei üemeinderabbincr Cohn eingeholt werden. Volksbank Iwria e. G. m. b. H. Die Genossenschaftsbank, die im Oktober vor. Jahr, gegründet wurde, legt ihren Geschäftsbericht für das erste Geschäftsjahr vor, das die Monate Oktober—Dezember 1933 umfaßt. Aus dem Geschäftsbericht entnehmen wir, daß die liank von Beginn ihrer Tätigkeit an sich das Vertrauen aller in Frage kommenden Kreise erwerben konnte, was aus der Summe bei ihr unterhaltenen Kundenguthaben von HM. 258000. - zum Ausdruck kommt. In Erkenntnis ihrer Verantwortung den Einb fern gegenüber konnte die Bank nur mit aller Vorsicht und all - mählich ihr Kreditgeschäft aufbauen. Die aus der Bilanz hervorgehende überaus hohe Liquidität, die die Verwaltung selbst als banktechnisch wohl zu weitgehend bezeichnet, ist aus dieser Aufbauzelt zu verstehen. RM. 258 (XX).— Gesamtverbindlichkeiten stehen •"Hein RM. 205 000. Kasse und Bankguthaben gegenüber. Die 'jank stellt in ihrem Bericht mit besonderer Befriedigung fest, daß •ich an dem wirtschaftlichen Aufbau dieser jüdischen Mittclstandsbank Freunde aus allen Lagern und Richtungen der jüdischen (ieineiusehaft zusammengefunden haben. Die Anzahl der Ge- Jüdischer Ausschuß für.Kunstpflege. Sonntag, den 8. April 1934 20 Uhr, im Städtischen Kaufhaus Rahel Ermolnikoff singt Ostjüdische Volkslieder Von vielen nur eine Pressestimme: Frankfurter Nachrichten; Der Abend im Großen Saalbau war dem jüdischen Volkslied eingeräumt, das durch die Interpretation von Rahel Ermolnikoff stärkste Zugkraft ausübte, sodaß viele Begeisterte, die keinen Platz mehr fanden, am liebsten gewaltsam in den Saal eingedrungen wären, und dabei war schon das Orchesterpodium für die Zuhörer freigegeben. Karten zu RM. 1,50; I,—j —,50 bei Kaufhaus Brühl, Buchhandlung M. W. Kaufmann, Leihbibliothek Rose Neumann, Galerie Königshaus und an der Abendkasse. nossen und Kunden ist seit Jahresende ansehnlich gestiegen. Die Bank fordert alle in Frage kommenden Kreise, die etwa noch abseits stehen, zur Mitarbeit auf. Die am 27. März 1934 in der Leipzig-Loge stattgefundene Generalversammlung der Genossen, die von dem Aufsichtsratsvorsitzenden, Herrn Director S.Jacob, geleitet wurde, genehmigte die Bilanz und erledigte die Regularien und Anträge einstimmig. Es wurde ferner beschlossen, die Firma der Genossensehaft in Handelsbank Iwria eingetragene Genossenschaft in. b. H. zu ändern. In den Aufsichtsrat der Bank wurden zugewählt: die Herren Martin Einschlag in Fa. J. Ariowitsch, Leipzig; E. H. Bromberg in Fa. Abraham Bromberg; Kurt Jacoby in Fa. Akademische Verlagsges. m.b.H.; Edward Lewinsohn in Fa. Trampler, Schuhfabrik, Julius Lewinsohn 6 Söhne, Weißenfels. Zwei Haushaltungskurse in Bad Dürrenberg. Es war ein sehr glücklicher Gedanke, die leerstehenden Räume des Jacohson-Kinderheimes in Bad Dürrenberg im Juli v.J. zur Einrichtung von Haushaltungskursen zu benutzen. Inzwischen wurden zwei Lehrgänge in dem für solchen Betrieb sehr geeigneten Hause abgehalten. Der 1. Kurs dauerte von Mitte Juli bis Mitte November vor. Jahr. Hieran schloß sich der 2. Kurs, der Ende März ds. J. beendet wurde. Was haben die 40 Mädchen - jeder Kursus umfalite 20 Teilnehmerinnen — während ihres Dürrenberger Aufenthaltes gelernt? Kochen, Backen. Waschen, Bügeln, Nähen, Flicken, Stopfen, Scheuern, kurzum alle für einen Haushalt ob Privathaushalt oder Großbetrieb — notwendigen Arbeiten. Bei der Einrichtung der Schule war man von dem Gedanken ausgegangen, eine möglichst positive Verbindung von Schule und praktischem Betrieb einzugehen. Alle Arbeiten mußten von den Schülerinnen selbst erledigt werden. Jeder Kurs war in zwei Gruppen eingeteilt, von denen stets eine sämtliche Hausarbeiten, wie Reinigung der Räume, Waschen, Plätten usw. zu erledigen, die andere für das Mittag- und Abendessen der Hausbewohner zu sorgen hatte. Diese beiden Gruppen wechselten sich Tag für Tag ab. An den Nachmittagen wurde genäht, geflickt, gestopft. Bei diesem Unterricht fertigten die Schülerinnen zum Teil eigene Wäsche- und Kleidungsstücke an, zum Teil wurde für den Hechaluz oder die Kleiderstelle gearbeitet. So mußten z. B. aus angebrannten Schlafröcken Kinder- Kleider, Röcke, Jäckchen und Blusen entstehen, eine Matrat/e und ein alter Sessel wurden in eine moderne Couch mit dazu passenden Sessel verwandelt. Der leitende Gedanke bei allen Arbeiten war stets: Die Mädchen sollen nicht nur sehen, wie man scheuern, putzen, kochen inirj backen muß, sie sollten vor allen Dingen lernen, einen Haushalt mit Hilfe geringer Mittel gut zu führen und wohnlieh zu gestalten. Um diesem Ziel möglichst nahe zu kommen, hatten abwechselnd stets zwei der Mädchen acht Tage lang die gesamte Sorge für das Hauswesen und die Wäsche zu übernehmen, zwei andere waren für die Führung der Küche verantwortlich; hier/u gehörte die Aufstellung des Speisezettels für acht Tage, die Berechnung der Mahlzeiten, sowie Einkauf und Verwaltung der Vorrate. Die meisten Mädchen betrachteten die Haushaltungskurse als Vorbereitung für Palästina. Natürlich stand bei ihnen der Wunsch, Hebräisch zu lernen, stark im Vordergrund. Außer dem hebr. Unterricht wurde jeden Schabbath Tenach gelernt und jüdische Geschichte getrieben. An den Freitag Abenden wurde gesungen, vorgelesen und gemeinsame Fragen besprochen.

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