Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 12 (23.3.1934)
- Date
- 1934-03-23
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile (i GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSQEMEINDE ZU LEIPZIQ 23. März 1934 Athtlintl HäHCfrailPtll ,)er Erew-Jontcw fällt auf Karfreitag, der Verkauf ist nur von 8—12 gestaltet, wir bitten daher die geehrten nilllUiiy, IlallallallClI. Hausfrauen ihren Bedarf in dieser Zeit einzudecken und Aufträge rechtzeitig aufzugeben. Für Pessach Milch u. Butter unter Rabbinats-Aufs. in altbewährter Qualität. Lieferung fr. Haus. Reichsverbilligungsscheine werden i. Zahl, genommen. 1. BARTFELD, Molfcerelprodukte, Eutrltzsdiersfraße 8, Telefon 23591 ~)'wD Drei Vorteile: Frisch, Billig U. Gut! la leb. Karpfen, pa. Mastu. Schmalz-Hühner sowie alle Arten von ung. u. holt, üeflügel zu billigsten Tagespreisen liefert prompt u. frei Haus Gef lügelliandlung Piper, Eufritzscher Str. 1, Tel. 11232 B:OX ULTRA die sparsame schäumende ZAHNPASTA mit biologischer Sauerstoff- Wirkung BUdier und Ritualien für Pessadi bei M. w. Kaufmann, Brühl 8 machung, den wir haben, um unserer selbst willen und um aller derer willen, die von fernher zu uns kommen, nicht im Stiche lassen. Es j^cht um nichts Geringeres,;ils daß Leipzig seinen Ruf ah Fremdenstadt auch für gewissenhafte jüdische Menschen aufrecht erhält. Leipzig, im März l*)i4. Viele am Kaschrus interessierte Genicindemitglieder. Neue Bücher. Dr. Bernhard Isaak: Der Religionsliberalismus im Judentum. Leipzig iu» (Buchhdlg. Karl Strauli. Dresden-A. 1). „Das liberale Judentum ist nicht plötzlich entstanden und ist, als es erstand, nicht mit einem festen Programm in die tieschichte eingetreten. Es entsprang . . . der bangenden Sorge um den Bestand des väterlichen Glaubens". In diesen Worten ruht das Schwergewicht der Untersuchung, in der der Verf. die Voraussetzungen für die Entstehung des modernen jüdisch-religiösen Liberalismus u*:d seine Entwicklung darzustellen unternimmt. Die verschiedenen Phasen des Prozesses, der sich seit Mendelssohn vollzog und etwa in den ..Richtlinien" von 1912 einen gewissen Abschlull fand, ziehen an dem Leser vorüber; Gestalten wie Leopold Zun/ Abraham Qeiger, Ludwig Philippson, Samuel Holdheim, ihre Kampfe gegen die Vertreter der unangetasteten Tradition, vor allem S. R. IUrach, werden in ihrer Bedeutung für das Judentum betrachtet und als Ergebnis festgestellt, daB dieser religiöse Liberalismus das Judentum auf das rein Religiöse zurückführen wollte und dall er eine Reihe von Erscheinungsformen als nur mögliche, nicht aber notwendige Ausprägungen des Wesens jüdischer Religion von dem ewi_g gültigen Kern getrennt hat. Bei der Behandlung der Frage nach der .gegenwärtigen Bedeutung der für das liberale Judentum maßgebenden Qedanken weist der Verfasser mit Recht auf die unverminderte Nachwirkung des jüdischen Schrifttums hin, auf dem die Kontinuität des Judentums aufgebaut ist und bleiben muß: darin liegt die Begrenzung für die Anwendung des Lntwicklungsprin/ips auch auf das Judentum. Kann auch der Verfasser grundlegend neue Gesichtspunkte für die von ihm untersuchte Reihe nicht aufweisen, so folgt man gerne, auch WO man anderer Auflassung ist, diesem auf gründlichem Studium beruhenden Überblick. ü. C. Jisrael. Volk und Land. Jüdische Anthologie. Berlin 1934. (Herausgegeben vom Hechaluz, Deutscher Landesverband). „Diese Sammlung von Dokumenten jüdischen Denkens, Füh- Uns und geschichtlichen Ringens will dem jungen Juden in Deutschland ein Hilfsmittel sein, um sein Wissen zu vermehren und vertiefen." Will mehr: ..... seinen Willen nach Ercz jisroel mit dem ungestümen Drang und stillen Sehnen von Generationen zu verbinden". In ungemein geschickter Auswahl sind die Zeugnisse des jüdischen Schrifttums Für die nie ganz unterbrochene Verbundenheit mit dem l ande der Väter in ri nn machtvollen Zusammenhang gestellt: eine ständige Kette von Alijoth, realen oder ersehnten und erträumten, wrisl die Oeschichte der Juden auf. Immer bewirkte glühende Liebe zum Lande Ji^ra.l versuche zum Wiederaufbau jüdischen l eben-, aul judischem Boden; es waren vereinzelte, niemals durchgreifende Bewegungen. Aber jede spann den Faden weiter und wurde Anstoß zu späteren: sie alle Vorbedingung für das heute sich vollziehende Ringen um die Erfüllung alten Traumes. Alle ziehen sie an uns vorüber, jene Hoffenden und Rufenden: Jecheskel, der Karäer Said, Benjamin von Tudela, Chesdai, Gabirol, die falschen Messiasse und alle, alle, bis Moses HeU und Pinsker und Achad Haam und schließlich die ganze Reihe der durch Hcrzl Aufgerufenen und das gegenwärtige Werden und Wachsen des Landes zur Wirklichkeit formenden Kräfte. Das Buch Spricht ü:l! SO I»-reeller, als seit« n i indrucksvolh Buch. die (Quellen selbst erschließt. I in Veranstaltungen. Liederabend Alter. Oberkantor Alter bat für sein Konzert am Sonntag ein besonders reichhaltiges und interessantes Programm aufgestellt. Neben altvertrauten gemütvollen Liedein *i< „Alelbejs", Leipzig Frieda Rollerstein David Heller Verlobte Hannover „Rosinkcs un Mandeln" usw. bringt es eine Reihe noch nicht gehörter humorvoller Lieder aus dem ostjüdischen Volksleben, wie „Der Chasen un der Gabe", „Der Balagole" und „Der Lamden Beb Sender", sowie das prachtvolle, heute besonders aktuelle „Lied fun Jiruscholajim". Auf besonderen Wunsch werden auch einige ins Synagogale schlagende hebräische Lieder vertreten sein. Die Besucher werden um pünktliches Erscheinen gebeten; während der Vorträge bleiben die Türen geschlossen. Jüdische Kinder musizieren! Am Sonntag, den 25. März, nachmittags l/j4 Uhr, wird der neugegründete Kinderchor in der Aula der Höheren israelitischen Schule die ersten Proben seiner mühevollen Arbeit ablegen. Liebe Kinder, wir können euch nur raten, bittet eure lieben Litern herzlich, in den Kindernachmittag gehen zu dürfen; denn was glaubt ihr wohl, was es da alles zu hören und zu sehen gibt? Da werden mehrere dreistimmige Volkslieder gesungen, heitere Kinderlieder mit Klavierbegleitung, von unseren Kindern selbst begleitet. Es wird aber nicht nur gesungen, der zwölfjährige, hochbegabte Geiger Leon Babad (Schiller von Konzertmeister Leo Schwarz) wird euch mit Violinstücken von Händel und Haydn erfreuen. Ja, und dann im zweiten Teil unseres Programmet, da gibt's ganz, besondere ÜberraschungenI Sollen wir etwas davon verraten? Nun, ihr kennt doch alle unseren lieben Balletmcistcr Markise? Er lällt 21 Kinder wunderschön tanzen! Und was glaubt ihr wohl, was es am Schluß gibt? Kasperletheater! unter anderem die wunderbare Rettung durch Mordachai und Esther. Also, liebe Kinder, besucht diesen ersten Kindernachmittag, ihr werdet viel Freude dabei haben, es kostet für euch nur 30 Pfg. Eintritt! Pünktlich kommen, ab 3 Uhr ist Einlaß! L. Siftungsfest des Bar Kochba. Wie sie sieb nach Erleichterung sehnen, diese armen, gequälten Herzen! Wie sie nach einer Stunde der Entspannung, der Befreiung lechzen! Nein, es war gar nicht wie sonst, dieses Lest des Bar Kochba. Die Schwere des Erlebten lastet allzu sehr auf den Gemütern. Aber es war ja gar nicht um des Vergnügens willen; das sollte nur die süßende Schale um den bitteren Kern sein: Unser Platz ist in (iefahr, das einzige Stückchen jüdischer Erde für unsere Jugend; und wir müssen ihn retten. Nicht zum Berauschen trank man Wein, nicht zum Sättigen all mau Obst und Schokolade: Alles nur, um ein Scherflein für dies gute, dies beste Werk zu geben. - Musterriegen des Bar Kochba und eine Musterkollektion Berliner und Leipziger Kabarettisten schufen den künstlerischen Rahmen. Ersteneine Meisterleistung des Sportlehrers Paul Sehilde. Es lällt sich auch herrlich arbeiten mit diesen prachtvoll eifrigen Mädels und Jungem) E. Sic werden lachen, wirklich, Sie werden herzhaft lachen im jüdischen Kabarett. Walter Meyerstein scheint eine besonders gute Hand in der Ausgestaltung des Programms zu haben. Nachdem er uns beim ersten Abend in Beatrice Waghalter eine der herrlichsten Erscheinungen der Brettlkunst vorgcstelli hatte, vermittelte er uns diesmal die Bekanntschaft zweier klangvoller Berliner Namen: Llli Hannas und Annemarie Hase. Die sympathische Erscheinung der enteren und ihre kleine, angenehme Stimme kamen in dem intimen Orotrian-Steinweg-Saal gut zur Geltung. Annemarie Nase mil klugem Humor und ausgezeichneter Micnensprache begabt, war die Qlanznummer des Abends. Die Conference lag in den Händen des recht jungen Hans Meyer, der in seiner jugendfrischen Art schnell den Kontakt mit dem Publikum fand. Leipzig war vertreten durch Dr. Hans Perls, einen gewaltigen Ball-Bariton, der sich trotz starker Indisposition schwerste Aufgaben gestellt hatte, und einmal mehr durch Sidy Bienenstock, die wieder von einer neuen Seite glänzte. Im ganzen ein netter, wenn auch nicht strahlender Abend Vereinsnachrichten. E. Die Zionistische Vereinigung Leipzig veranstaltet Sonnabend, den 24. Marz im großen Saale des Jugendheims, Elsterstralle V. einen Oncg-Schahbat, bei dem Herr Adolf Pollak, Berlin, über das Thema „Die zentrale Bedeutung des Bodciiprohlcms in Palastina" sprechen wird. Zutritt nur für Mitglieder der Zionistischen Ortsgi tippe. Beginn: 5 Uhr nachm.