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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-03-16 · 11 (16.3.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
11 (16.3.1934)
Date
1934-03-16
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 16. März 1934 (Bund deutsch-jüdischer Jugend) und RudoH Leibowtti als De« legierten der gesetzestreuen Jugend vertreten. Die Arbeit des Reichsautschusses hat nun in letzter Zeit nach außen wie nach innen au Bedeutung gewonnen. Nach suBen dadurch, daß der ReichsausschuB durch die Jugendführung des Deutschen Reicho als die alleinige verantwortliche Spitzenorganisation der jüdischen Jugend bestätigt worden ist. Die Jugendführung des Deutschen Reiches hat erklart, in allen Angelegenheiten der jüdischen Jugend nur noch mit der Führung des ReichsaUSSchUSSes verhandeln tu wollen, und sie hat gleichzeitig ihre Landes- und Provinzialbeauftragten angewiesen, nur mit den entsprechenden Vertrauensleuten des Reichsausschusses im Lande zu verhandeln. Damit ist der Reichsausschuß zur offiziellen Vertretung der jüdischen Jugend Deutschlands gegenüber der Jugendführung des Deutschen Reiches g e \v o r d e n. Bei der außerordentlichen Bedeutung, die der Jugendführung des Deutschen Reiches von Regierung und Behörden eingeräumt wird, eröffnet sich hier ein grolies und verantwortliches Tätigkeitsfeld für die Führung des Reichsausschusses und die Landes- und Ortsausschüsse. Die Jugendführung des Deutschen Reiches hat ferner dein Rciehsausschuß der jüdischen Jugendverbinde die Berechtigung erteilt, I" u Ii r e raus w eise auszustellen. Jn den nächsten Wochen werden alle Führer von Jugendgruppen, die dem Reichsausschufl ang( schlössen sind, Lichtbildausw eise erhalten, die neben den Personal* angaben und der Berufszugehörigkeit eine faksimilierte Wiedergabe des Berechtigungsschreibens der Reichsjugendführung enthalten. Damit wird jeder dieser jüdischen Jugendführer die Möglichkeit haben, sieh jederzeit Behörden und amtlichen Stellen gegenüber als verantwortlicher I ührcr einer der Reichsjugendführung gemeldeten und von ihr zugelassenen Jugendgruppe auszuweisen. Die Ausgabe dieser Ausweise belastet den ausstellenden Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbinde mit einer großen Verantwortung. Es ist zu hoffen, daß die Bünde bei der Auswahl ihrer Führerpersönlichkeiten mit besonderer Sorgfalt vorgehen werden. In einem VerpflichtUngSSChem, den jeder Ausweisinhaber unterzeichnen muß, ist zum Ausdruck gebracht, daß sich jeder Jugendführer als verantwortlicher Vertreter der gesamten jüdischen Jugend in seiner Arbeit und in seiner Haltung fühlen muß. Neben diesen Aufgaben der Vertretung nach außen sind gleichzeitig die innerhalb der jüdischen Jugend zu leistenden Aufgaben ei lieblich gewachsen. Die gesellschaftliche und berufliche Umwälzung der letzten MorutC hat sich naturgemäß unter der judischen Jugend besonders stark ausgewirkt. Die sich daraus ergebenden Probleme können nur in gemeinsamer Arbeit gelöst werden. Dies gilt besonders stark von den heute im Vordergrund des Interesses stehenden Schul- und E r z. i e h u n gs f r a g e n. Die jungen Menschen aller Richtungen sind sich ohne Rücksicht auf ihre sonstige Einstellung zu jüdischen Fragen über die Notwendigkeit einig, ein einheitliches judisches Schulwerk in Deutschland aufzubauen. Die Beteiligung der jüdischen Jugend an diesen Aufgaben ist auch äußerlich dadurch zum Ausdruck gekommen, daß der Ausschuß für Erziehung und Unterricht, der bei der Reichsvertretung der deutschen Juden errichtet worden ist, zwei Vertreter des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände aufgenommen hat. Neben der Sorge für die schulpflichtige Jugend tritt als wichtigstes und entscheidendstes Problem die Frage der Unterbringung der berufsreifen Jugendlichen. Der Führerrat des Reichsausschusses ist sich in seiner letzten Sitzung darüber klar geworden, daß die Kräfte der jüdischen Jugend selbst in einer ganz anderen Weise, als es bisher geschehen ist, für die Fragen der Berufsumschichtung und Berufsberatung freigemacht werden müssen. Lr hat daher einen besonderen „Fachausschuß für Berufsumschichtung und Berufsberatung" eingesetzt, der unter der Führung von I ritz Schwarzsehild steht und facherfahrene Menschen aller Richtungen in sich vereinigt. Das Arbeitsgebiet dieses Ausschusses ist ein doppeltes: es sollen die Kräfte der jüdischen Jugendorganisationen zur Bewältigung dieser großen Probleme eingespannt werden, und es sollen die Wünsche und Forderungen geklärt werden, mit denen die jüdischen Jugendorganisationen an die mit Berufsberatung und Berufsumschichtung befaßten amtlichen jüdischen Stellen herantreten. Die Arbeit des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände auf den angeführten praktischen Arbeitsgebieten könnte nicht geleistet werden, wenn sie nicht von einer starken inneren Überzeugung getragen würde. Die jüdische Jugend Deutschlands, die im Reichsausschuß zusammengefaßt ist, ist gewillt, ohne Verw ischung der natürlichen Gegensätze zu zeigen, daß über alles Trennende hinweg geschlossene Einheit des deutschen Judentums das Gebot der Stunde ist. Der Reichsausschuß kann darauf hinweisen, daß diese Einheit der Arbeit keine neue Forderung, sondern die Frucht zehnjähriger gemeinsamer Arbeit ist. Berücksichtigung des wirklichen Interesses jeder im Reichsausschuß vertretenen Richtung ist dort immer eine Selbstverständlichkeit gewesen, sie hat aber nie und wird auch hoffentlich nie zu einer Zersplitterung führen, weil das Bewußtsein der Einheit des Schicksals und des Zukunftswillens der jüdischen Jugend immer stärker als alles Trennende gewesen ist. So kann die Organisation gemeinsamer Arbeit im Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände dem gesamten deutschen Judentum als Vorbild dienen. Die Aufgaben, die heute und in Zukunft zu bewältigen sind, sind so groß, daß keiner von uns wissen kann, ob wir sie werden bewältigen können. Jede Lösung aber hat einheitlichen Zusammenschluß aller Kräfte des deutschen Judentums zur Voraussetzung, wie sie von der jüdischen Jugend durchgeführt worden ist und wie sie dem gesamten deutschen Judentum zu wünschen ist. Wer seinen Gemeindebeitrag von 3 RM noch nicht bezahlt hat, hole dies schleunigst nach. Die üemeindekasse ist geöffnet von 9— 1 Uhr. Postscheckkonto Nr. 50533. Unsere Gemeinde. Höhere Israelitische Schule. Die Entlassung der abgehenden Schüler und Schülerinnen findet am Sonntag, den IN. März. 19J4, nachmittags 1 , L'hr in der Schulaula, Gustav-Adolf-Straße 7, statt. Alle Interessenten sind zur Teilnahme eingeladen. Einlaß 4' , Uhr. fiilfsverein israelitischer Gewerbetreibender e.V. Sonntag, den 18, Marz, 1 ,1<I l'hr, spricht der weitbekannte Redner und Talmudisi Wolf S. Jacobson-Berlin, gewählter Rabbiner der israelit. Religionsgesellschaft in Kopenhagen, in der Synagoge, Keilstr. 4, über „Die Sprache der Zeit". Gaste, Damen und Herren, besonders aber die Jugend, willkommen. Eintritt frei. Sonntag Eröffnung der Palästina-Ausstellung. In den schönen Räumen des „König-Albert-Hauses" (Markt die für die vom 18. 25. Miarz Stattfindende Palästina-Ausstellung gewählt wurden, herrscht ein lebhaftes Treiben. In Möbelwagen sind aus Berlin die umfangreichen Ausstellungsstucke angerollt. Rührige Hände verwandeln die nüchternen Räume in eine lebendige Ausstellungshalle. Hämmern und Klopfen durchhaltl die Säle, in denen am Sonntag nach einer feierlichen Eröffnung in Anwesenheit der führenden Persönlichkeiten sämtlicher jüdischen Korporationen die Palästina-Schau ihren Anfang nimmt. Der hingebungsvolle Eifer, mit dem man neben den Fachleuten eine Schar freiwilliger Mitarbeiter am Aufbau mitwirken sieht, löst Vorfreude bei allen aus, die tätigen Anteil an der Schaffung dieser einzigartigen Veranstaltung nehmen. Der Leiter des Keren Kajemeth, Herr Dr. Emst Mechner, der für die erste sachverständige Führung durch die Ausstellung gewonnen wurde, hat schon in der Vorwoche Leipzig besucht und festgestellt, daß die Ausstellungsleitung es verstanden hat, trotz der raumlichen Beschränkung ein geschlossenes und wirksames Bild vom Palästinawerk zu arrangieren. Nicht jeder Jude kann sich heute eine Reise nach Palästina gestatten, deshalb werden sich alle Gemcindcmitgücder freuen, daß Palistina zu uns kommt. Wir empfehlen, des an den Sonntagen sicherlieh zu erwartenden Andranges wegen, denen, die es einrichten können, den Besuch an den Nachmittagen der Ausstellungswoche. Der allgemeine Einlaß beginnt Sonntag, den 18. März, um 12 Uhr. Sonst täglich von 12—20 Uhr. Für die Schulen sind die ersten Vormittagsstunden reserviert. Es ist dafür Vorsorge getroffen, daß auch den Erwerbslosen der Besuch der Ausstellung ermöglicht wird.

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