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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-03-16 · 11 (16.3.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
11 (16.3.1934)
Date
1934-03-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG E, SAXL Petersstraße 5, Eckhaus Markt spitzen, Mode - Neuheiten Kleidergarnituren, Bänder, Blumen, Knöpfe u. Gürtel Jüdisdier Jrauenbund, Ortsgruppe Leipzig Sonntag, den 18. März 1934, 1630 Uhr in den Räumen der Leipzig-Loge 1. Zusammenkunftderberufstätigen Jrauen Teestunde — Begrüßungsansprache von Frau Dora Ury Gesangsvorträge von Frl. Anny Pomeranz Moaus Chitin. Auch in diesem Jahre wendet sich der Moaus < .Iiitin-Ausschuß an unsere Gemcindeinitglieder mit der her/liehen Bitte, durch Gewährung von Spenden dazu beizutragen, die Beruhigen unserer Gemeinde in die Lage zu versetzen, die Pcssachtage in 0 bereinstimmung mit den alten überlieferten Vorschriften zu begehen. Ganz besonders groll ist die Zahl der Unterstützungsbedürftigen iii diesem Jahre. Da die Israelitische Religionsgemeinde infolge ihrer eigenen schwierigen Lage nur in ganz bescheidenem Umfange helfen kann, sind wir auf freiwillige Zuwendungen angewiesen. Spenden bitten wir an: Herrn I. I'elsenstein (Postscheckkonto 330 77), Herrn I M. Sachs i<i Co. (Postscheckkonto 531 27), Herrn M. Tager (Postscheckkonto 627 47) zu überweisen oder an einen der Unterzeichneten abzuführen. Q etliche sind bis zum 18. März d. J. an die Herren I. B. Niens, Leibnizstr. 13, oder M. Tager, Walter-Blümcl-Str. 13, zu richten. I leidliche Unterstützungen können in keinem Falle gewährt werden. Leipzig, im März. 1934. Das Rabbinat: Der Vorstand: Rabb. Dr. Carlebach. Rabb. Cohn, I.B.Sachs, I. I'elsenstein, Meer Rabb, Edelmann, Rabb. Dr. Gold- Tager, Max Kall in.um, Dr. (i. mann, Rabb. Rogosnitzky. Nobel, G. Nathausen. Jüd. Kinderchor und Orchester (Leitung: Barnet Licht). Der durch Herrn Barnet Licht ins Leben gerufene jüdische Kinderchor, verbunden mit einem Kinderorchester, lädt für Sonntag, den 25. Mär/, V t Uhr, zum 1. Kindernachmittag in der Aula der 'lulleren Israelitischen Schule, Gustav-Adolf-Straße 7, ein. Karten um Preise von 30 Pfg. für Kinder, 75 Pfg. für Erwachsene, sind!U haben im Jüdischen Jugendheim, Elsterstr. 7, in der Höheren Israelitischen Schule, Gustav-Adolf-Straße 7, und an der Kasse der sraelitischen Religionsgemeinde. Gemeinsame Seder-Feiern zum diesjährigen Pessach-Fcst. Von jungen Leuten, die keine Möglichkeit haben, an einer Sederfeier teilzunehmen, insbesondere von solchen, die sich hier ohne Familienigchörige aufhalten, ist wiederholt der Wunsch geäußert worden, gemeinsame Sederabende in würdiger Form zu veranstalten. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig beabsich- ■igt, dem Rechnung zu tragen und in diesem Jahre gemeinsame! eiern an den Abenden des 30. und 31. März einzurichten, für die ein Unkostenbeitrag von etwa RM. I.SO je Person und Abend zu entrichten wäre. Aiie diejenigen, die an einer solchen Feier teilzunehmen wünschen, werden gebeten, sich umgehend zu melden, daiit die erforderlichen Vorbereitungen rechtzeitig durchgeführt werlen können. Schriftliche Meldungen sind bis spätestens 22. März an M Gemeindeamt. Walter-Blümel-Stralie 10, zu richten. 4. Gemeindeabend. Im Rahmen des 4. Gcmeindcabcuds sprach uii 12. März Herr Rabbiner Dr. Leo Baeck, Berlin, in der in Anbetracht der Persönlichkeit des Redners — es handelt sich um den Präsidenten der Reichsvertretung — keineswegs hinreichend beiuehten Gemeindesynagoge über „Die jüdische Geschichtsluffassung". Der Redner ging davon aus, dall Geschichte etwas lern Menschen Eigenes ist, das ihn vom Tier unterscheidet. Dies führt zu zwei verschiedenen Auffassungen des Geschichtsbegriffs: las eine Unterscheidungsmerkmal zwischen Mensch und Tier ist las Werkzeug, das selbst der primitivste Mensch vor dem höchst entwickelten Tier voraus hat. Geschichte könnte somit einmal Geschichte des Werkzeugs sein. Zum andern unterscheidet sich der Mensch vom Tiere dadurch, dalt es nur bei ihm eine Verbindung der Gedanken und Empfindungen mit der großcltcrlichen Generation gibt, während beim Tier lediglich ein Zusammenhang zwischen Eltern und Kindern besteht. Hieraus ergibt sich der Begriff, Geschichte als Tradition, der durch die beiden Gedanken, Vergangenheit und Zukunft bestimmt ist. Bei der Gegenüberstellung dieser zwei Geschichtsauffassungen gelangte der Redner nun zu dem Ergebnis, da« die Geschichte des Werkzeugs, die gleichbedeutend ist mit Geschichte der Macht, nicht die wahre Geschichte sein Könne, weil sie sich durch Katastrophen seien sie von der Natur EREZ ISRAEL das Land der Juden Palästina-Ausstellung Land / Bevölkerung / Landwirtschaft Städte, Bauwesen / Industrie / Verwaltung Gesundheitswesen / Erziehung / Einwanderung / Deutsch-palästinensische Wirtschafts-Beziehungen / Keren Hajessod Keren Kajemeth Lejisrael / Zionismus vom 18.-25. März 1934 von 12-20 Uhr LEIPZIG König-Albert-Haus, Markt 9> Karten im Vorverkauf erhältlich bei: M. W. Kaufmann, Brühl S, Zigarrengeschäft Preismann, NikolaistraBe 53, Leihbibliothek Rose Neumann, Königsgalerie, Grimmaische Straße 1. Am Sabbath, 24.3 1934, Zutritt nur mit vorgekauften Karten! oder durch den Menschen herbeigeführt immer wieder selbst zerstöre. Geschichte aber muß stetig sein und einen Sinn haben. Allein Geschichte der Macht ist sinnlos nicht nur, weil sie ihre Werte dauernd selbst vernichtet, sondern auch deshalb, weil Kampf und Krieg beim Menschen (im Gegensatz ZU der nur auf das Tier anzuwendenden Darwinschen Lehre) das Übrigbleiben iles Schlechten und Unbrauchbaren bewirkt. Nur, wer sich zu drucken versteht, wer Charakter- und gewissenlos ist und sich, klug berechnend, rechtzeitig auf die Seite des Siegers schlägt, überdauert den Krieg. Die richtige Antwort nach der wahren Geschichtsauffassung haben unsere Propheten gefunden. In einer Zeit, in der sie eine Geschichte der Macht vor sich sahen, nämlich in der Zeit der ägyptischen und babylonischen Großmacht, haben die Propheten erkannt, daß der Dienst am Werkzeug Götzendienst und das Ringen der Völker nach Macht ein Mühen um ein Nichts ist und sie deshalb vergehen müssen. Für unsere Propheten war Geschichte etwas anderes; sie war das, was vererbt wird von Geschlecht zu Geschlecht. Das einzige aber, was Generationen uberdauert, eine Vergangenheit und eine Zukunft hat, ist das Wort des Ewigen. Während das Werkzeug Macht gibt, gibt das Wort des Ewigen geistige, sittliche und religiöse Kraft. Die Geschichte der Macht wird immer vom Sieger geschrieben, um die Macht zu rechtfertigen; die Geschichte der Propheten ist hingegen von den Unterlegenen geschrieben worden und deshalb keine Geschichte, die dem Mächtigen Recht gibt, sondern dem Geist und dem Gedanken — dem Worte des Ewigen. Die Richtigkeit der Geschichtssauffassung unserer Propheten, so führte der Redner abschließend aus, hat sich am jüdischen Volke selbst erwiesen. Wir Juden sind geblieben nicht durch Macht, die wir nie besessen haben, sondern deshalb, weil Geschichte für uns das Wort des Ewigen ist. Nur darum haben wir alle Katastrophen, die andere Völker vernichtet haben, überdauern können. Eingeleitet und abgeschlossen wurde der Abend durch (iesangsvortrige des Chores der Ocmeiudesynagoge, die dem Vortrag einen würdigen Rahmen verliehen. Dr. G. L. Amtliche Bekanntmachung. jüdischer Religionsunterricht obligatorisch. Alle Eltern werden darauf aufmerksam gemacht, daß der Religionsunterricht obligatorisch ist und daß jeder Schüler der religiösen Unterweisung seines Bekenntnisses zugeführt werden müß. Wir verweisen auf die Sonderanzeigen der beiden Religionsschulen unserer Gemeinde und ersuchen um baldige Anmeldung. Außerhalb der dort angegebenen Zeiten werden Anmeldungen zum Religionsunterricht durch die Direktoren der Religionsschulen, Herrn Rabbiner Dr. Goldman n, König-Johann-Str. 17, und Herrn Rabbiner Dr. Carlebach, LeibnizstraBc 23, entgegengenommen. Leipzig, den 6. März 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig.

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