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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-02-09 · 6 (9.2.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
6 (9.2.1934)
Date
1934-02-09
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Q. Februar 1034 Methodiker waren sich darüber einig, daß es nicht angängig sei, die I Scher so stark ihrer Eigengesetzlichkeiti /n überlassen, dall für den Schüler die zwischen den einzelnen Fächern bestehenden Beziehungen verdunkelt würden und demgemäß das überwuchernde Spezialwissen den Aufbau einer übet den Einzelfächem sieh erhebenden Bildung störte. Man hielt es deshalb vor allein an den höheren Schulen für notwendig, Konzentrationathemen /u stellen, dere.i Lrarbcitung dann von allen Seiten her, von einem Fach mehr, \<>m anderen weniger geleistet werden mußte, ohne daß die Eigengesetzlichkeil des Faches darunter litt. Der Ausdruck ..Jas Jüdische" bedeutet für die Unterrichtsarbeit Lein einzelnes Konzentrationsthema, sondern die Gesamtheit aller irgend möglichen jüdischen Themen. Vom Jüdischen aus das eben deshalb „in den Mittelpunkt zu stellen" ist soll Licht fallen auf den Unterrichtsstoff der Einzelfächer; d.h.: der Unterrichtsstoff soll unter anderem auch immer und immer wieder diejenige Beleuchtung erfahren, die dem Denken und Fühlen des jüdischen Kindes gemäß ist und die nicht vernachlässigt werden darf, wenn die jungen Menschen wirklich zu geschlossenen Charakteren von gesunder, innerer Sicherheit erzogen werden sollen. Ober diese ,,judische Durchdringung" hinaus wird, wo es angängig Nt. im gesamten Unterricht und besonders in Religion, Hebräisch, jüdischer Geschichte und Palästinakunde jüdischer Wissensstoff an die Schüler herangebracht werden. Denn nur dann, wenn die Jugend in reichem Umfange jüdische Kenntnisse erwirbt und es lernt. >ie zu Erkenntnissen ausreifen zu lassen, können Menschen heranwachsen, die ihres „Jude-Seins im gesunden Bewußtsein sicher werden", die „sich des Namens freuen leinen mit allem Stil/ und aller Entbehrung, die damit verbunden sind". Das Hebräische nimmt aus mehreren Qründen eine entscheidende Stellung ein. Es ist unumgängliche Voraussetzung für das Verständnis ihr großen sittlichen und religiösen Werte, die den Beitrag des Judentums für die Entwicklung von Kultur und Zivilisation darstellen, und im besonderen der Gebete und des Gottesnstes. Zugleich ist es von außerordentlich praktischer Bedeutung: es ebnet den Weg, der zu dem wichtigsten jüdischen Auswanderungsziele, nämlich nach Palästina fuhrt. Der Unterriehl in Hebräisch, Religion und Geschichte kann cht zu Konflikten zwischen den verschiedenen jüdischen Richtungen fuhren. Es wird unsere vornehmste Aufgabe heim Authau des jüdischen Schulwerks sein, hier die Gegensätze zu überbrücken und auf einheitlicher (irutidlagc Schulen /u schaffen, in denen Kinde: ans Elternhäusern verschiedener weltanschaulicher Richtung uehen und miteinander erzogen werden konneu. Die veränderte Situation der deutschen Juden erfordert Berücksichtigung des Umstandes, dal! unsere Jugend weit mehr als bisher ZU Hernien der Handarbeit Übergehen wird. Die stärkere Betonung der Leibesübungen, des W erkunterrichts und, soweit es möglich ist, die I inführung in gärtnerische und landwirtschaftlich« Arbeit ergehen sich jedoch nicht nur im Hinblick auf die veränderten Berufsaussichten und die daher anzustrebende Berufs- Schichtung. Vielmehr gehört diese Zuwendung zur Körperlichkeit EU dem Erziehungsziel, das uns vorschweben muh. Wir wollen Menschen erziehen, die den Obergang in Hernie der Handarbeit wie sie bisher außerhalb des Blickfeldes weiter jüdischer Kreisi lagen, nicht lediglich als lastenden Zwang hinnehmen, sondern ii: dem Gefühl aufwachsen, dall auch dieser Weg zu einer harmonischen Lebensgestaltung führt. III. Auf Grund der Richtlinien sollen die Lehrpläne der ein/einen Schulen abgefaßt werden. Es müssen ein- und dieselben Richtlinien sein, die für alle Schulen maßgebend sind, sonst wäre dii innere und äulicre Liuhcit unseres Schulw erks gefährdet. Ein heil kann hier nur Einheitlichkeit der Grundzüge bedeuten. Abwandlung nach den Bedürfnissen der einzelnen Gemeinden, der Schüler, det Lehrer, der Eltern, Vielfalt in der Einheit ist nicht nur möglich, sondern erwünscht, ja im Grunde genommen unumgänglich not wendig. Nur die Schule, die Ihre individuellen Züge ausprägt, is: ein lebendiger Organismus und trägt ein eigenes Gesicht. Abei diese Vielfältigkeit kann in Richtlinien niemals dargeboten, Bit kann durch sie nur ermöglicht werden. Darin liegt ja eben dit entscheidende Bedeutung unserer Richtlinien, dall jeder Lehrer, dei überhaupt eine positive Stellung /um Judentum einnimmt, vot ihnen ausgehend dem Schüler das geben kann, was zu geben ihn besonders am Herzen liegt, daß er ihm aber außerdem auch die jenigen Werte nahebringen muh, deren Übermittlung aus gesamt jüdischem Interesse unbedingt notwendig ist. Der Ort für die Herausarbeitung der individuellen Zuge i-' die einzelne Schule. Hier setzt die Arbeit der Lehrerkollegien ein wenn es gilt, die Lchrplaue zu entwerfen und durchzuführen. In übrigen darf nie vergessen werden, dall neben dem Willen de Schule. Ziel und Richtung von Unterricht und Erziehung zu bestimmen, der legitime Anspruch lies Liternhauses steht, in all diesen I ragen ein gewichtiges Wort mitzusprechen. wii «ollen die jüdische Einheitsschule. In ihr muß Plat sein für die Entfaltung der Lehrerpersönlichkeit und für jen fruchtbare Auseinandersetzung zwischen Lehrerschaft und Elternhaus, ohne die es keine gedeihliche erzieherische Arbeit gibt. Wer seinen Gemeindebeitrag von 3 RM noch nicht bezahlt hat, hole dies schleunigst nach. Die Gemeindekasse ^^mm^mmi^^mmm^^^^mmamm^^m ist geöffnet von 9 bis 1 L'hr - Postscheckkonto Nr. 50533. Jüdische Zeitschau Jüdische Badegäste in Heringsdorf unerwünscht. In einem Bericht des „Swinemünder Oreif" über eine Veranstaltung der nationalsozialistischen Ortsgruppe Neuhof-Heringsdorl heißt es: „In der Diskussion wurde die Frage angeschnitten, ob Heringsdorf noch jüdische Badegäste aufzunehmen gedenkt Pg. Bauer erklärte hierzu, daß derjenigi ausgeschlossen weide aus der Volksgemeinschaft, der Jddeu auufnimmt Heringsdorf wird dieses j;ihr ohne Juden sein. Die Presse wird dies durch alle OaUC Deutschlands tragen, und deutsche Volksgenossen werden in diesem schönen I leckchen Erde die Erholung finden, die sie suchen. Der Qemeindevorstand wird ebenfalls alles daransetzen. Heringsdorf zu einem deutscheil Bade zu machen." (JTA.) Unsere Gemeinde. Ferienkolonie DOrrenbcrg. I - soll versucht werden, in diesem Jahn w i lei einige Kolonien nach Dürrenberg zu schicken. Anmeldungen von Kindern werden am iL, 19. und 21. Februar von l (> Uhr im Gemeindeamt, Walter-Blümel-StrafJe 10, Erdgeschoß, entgegengenommen. Israelitischer Wohltätigkeitsverein, Abt. Alton- Jacobsohn-Kinderhcim, I Kirrenberg. Die Tracht der jüdischen Jugendv erblinde. Dem Landesau schuß Sachsen der jüdischen Jugendverbände wurde vom Reichsausschuß der jüdischen jugendverbände zu Berlin folgendes mli geteilt: Im Einverständnis mit der Jugendführung des Deutschen Peches wird bekanntgegeben: Das Tragen von einheitlicher Tracht ist nur Jugeiulgruppt i gestattet, die dem Reichesusschuß der judischen Jugendverbäntli angeschlossen sind und von diesem Führerausweisc erhalten habe i. Die Tracht der jüdischen Jugendverbinde, für die keine besonder« n Bestimmungen getroffen werden, sollen den Umständen entsprechend so schlicht wie möglich gehalten sein. (ii Mitteilung des C. V.-Syndikats. Wir machen ausdrücklich darauf aufmerksam, dal! jüdische Mitglieder der l'rivatkrankeukassen und solche Mitglieder, die sich als nichtarisch bezeichnen, nach des Bestimmungen des Verbandes der l'rivatkrankenversicherungen nacl

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