Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 5 (1.2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Februar 1034 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGIMEINDE ZU l.lll'ZKi Seite 3 Jüdischer Ausschuß für Kunstpflege Sonntag, den 4. Februar, 7>11 Uhr vorm. im Leipziger Schauspielhaus: Gastspiel des Kulturbundes Deutschet Juden, Berlin. KUnstleristhe Gesamtleitung Dr. Kurt Singer Nathan der Weise in der Berliner Premieren-Besetzung ii Preise Rmk. 4.50 bis •50. Kartenverkauf bei Kaufhaus Brühl, Bücherkreis Neumann, Galerie Königshaus, M. W. Kaufmann, Brühl 8, hbhd Zigarrenhaus D. Rosen Nachf., Peterssteinweg 10 und am Tage der Vorstellung an der Theaterkasse 25 Jahre E. SAXL Mode-Neuheiten Bänder, Blumen, Spitzen, Gürtel, Knöpfe, Weißwaren PeterSStmBe 5 Bestrenommierte« Fachgeschäft Jüdische Zeitschau. Einsetzung eines Anstaltsausschusses bei der Zcntrahvohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Die außerordentliche Beschränkung der für die jüdische Wohlfahrtspflege zur Verfügung stehenden Mittel und die gesteigerten Anforderungen zwingen gebieterisch zu stärkster Planwirtschan in der Gesamtarbeit, vor allem aber auf dem Gebiet des Anstaltswesens. Es ist deshalb in Gemeinschaft mit der Reichsvertretung der deutschen Juden und dein Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau ein mit weitgehenden Vollmachten versebener Anstaltsausschuß der detitschen Juden für Hilfe und Aufbau ein mit weitgehenden Vollmachten versehener Anstaltsausschuß bei der ZentrafwohffahrtSSteUe der deutschen Juden gebildet worden. Unsere Gemeinde. 50. Geburtstag des Herrn Oberkantor Lampcl. Wenn ein Mensch ein halbes Jahrhundert vollendet hat, steht er auf der Höhe seines Schaffens. Seine Lehensrichtung ist gegeben; Früchte seiner Arbeit lind vielfach schon zur Reife gelangt. Darum dürfen wir den 3. Februar, an dem unser Oberkantor Lampel sein 50. Lebensjahr abschließt, zum Anlaß nehmen, sein Wirken zu würdigen, das ja über die (iemeinde hinaus, der es in erster Reihe gewidmet ist, Anerkennung gefunden hat. Oberkantor Lampel haben besondere Anlagen für die heiligen Aufgaben des Gottesdienstes bestimmt; dies m dem Doppelsinne starker pädagogischer Befähigung und ungewöhnlicher musikalischer Begabung. Die Jugend in die Sprache und das Verständnis unserer überlieferten gottesdienstlichen Form einzuführen, ist ja eine nicht weniger dringliche Forderung als die, den Stunden der Andacht durch gesangliche Gestaltung erhebende Stimmung und hohe Weihe zu verleihen. In hohem Maße erfolgreich hat sich der nun ' ünfzigjährige dort wie hier betätigt. Hunderte von Schülern und Schülerinnen unserer Religionsschulc I hängen mit großer Liebe an dem Lehrer, der es mit seinem nie ermattenden Humor versteht, ihnen die anfänglichen Schwierigkeiten des Hebräischen leicht zu machen, die Lehren der biblischen Erzählungen nahezubringen. Gerne folgen viele unter ihnen seinem steten Rufe, auch am Gottesdienste teilzunehmen, um so die lebendige Beziehung zwischen dem Unterricht und der Anwendung des Gelernten zu vertiefen. Und mit den Schillern brin- , gen ihre Eltern Beweise ihrer Verehrung, als Dank für die religiösen Anregungen, die ihre Kinder fürs Leben gewinnen. Vorbehaltlose Hingabe als Voraussetzung für solche Bewährung als Lehrer kennzeichnet unseren Oberkantor nicht minder in seinem Wirken im Gottesdienste. Am Vorbeterpult bringt er seine prächtigen Stimmittel vor allem dadurch zu voller Geltung, daß er sich von einem falschen Pathos fernhält, die Schönheit der Gebete und Melodien gerade in ihrer Schlichtheit zum Ausdruck bringt. Hierbei zeigt Lampel die innere Berufung für sein heiliges Amt durch den Drang nach eigenschöpferischer Leistung. Durch seinen Lehrer Alfred Rose, den bekannten hannoverschen Tonkünstlcr, der ihn in die Musiktheorie einführte, wurde er zu synagogalcn Kompositionen augeregt; deren Wiedergabe verleiht dem Gottesdienst unserer Gcineindesynagoge seit Jahren ein charakteristisches Oepräge. Die Gebundenheit au altgewohnte Klänge das war immer das Schicksal aller synagogalcn Kompositionen — stand allerdings der Abnahmebereitschaft für Neues und Neuartiges auch hier oftmals entgegen: Wir dürfen heute mit freudiger Genugtuung feststellen, daß Lampeis Melodien sich durchgesetzt haben; sein Kiddusch, sein Wschomru, mehrere K'duscha's gehören neben vielem anderen nun schon zum liebgewordenen Schatz unserer Liturgie. Durch die Herausgabe dieser tonsetzerischeu Arbeiten in dem Werke Knill Sch'muel, das in der Fachpresse sehr beifällig!.' Aufnahme gefunden hat, gingen viele dieser Melodien auch in Synagogen anderer Gemeinden ein und schufen Lampel einen hohen Rang unter den musikalisch-schaffenden Kantoren. Dieses berufliche Kolinen verschafft bei Oberkantoi Lampel um so willigere Sympathie, weil es von einer Persönlichkeit mit schönen menschlichen Eigenschaften ausgeht. Pflichttreue und Zuverlässigkeit in der Ausübung der übernommenen Aufgaben seines Amtes. Herzlichkeit im freundschaftlichen Verkehre haben ihm weite Kreise der (iemeinde auch persönlich nahegebracht. Es darf ihm daher, als in ihrer aller Sinne, au dieser Stelle herzlicher Glückwunsch ausgesprochen werden. Es ist ein schönes Zusammentreffen, dal! sein Juliiläuinsgeburtstag auf einen Sabbath fällt, den Tag, der in gleicher Weise seiner Familie und der Ausübung seines heiligen Amtes gebort. Möge ihm das Gluck seiner Familie, au der er mit solcher Innigkeit hängt, die Gemeinschaft mit seiner gleichstrebendeu Lebensgefährtin und die Freude au seinem hoffnungsvollen Sohn allezeit ungetrübt gewahrt bleiben; möge weiterhin Segen auf seiner Berufsarbeit ruhen und ihn mit innerer Befriedigung erfüllen. Ad meoh w'eßrim schonoh! Zum Gastspiel des Kulturbundes. Seit dem 5. November lüii geht das Ensemble des Kulturbundes Deutscher Juden jeden Monat regelmäßig auf Reisen. Wir verfolgen damit einen besonderen Zweck, der nichts mit den üblichen Toumeen gemein hat. Wir einsprechen den vielen Bitten, die aus dem Reich au uns gelangen, um all den kleineu und größeren Gemeinden im Reich die Möglichkeit zu geben an den kulturellen Bestrebungen des Kulturbundes teilzunehmen. Wenn auch mehrere Gemeinden mit erfreulicher Tatkraft aus sich heraus ihren Qemeindemitgliedern künstlerische Abende von hohem Niveau und unter Mitwirkung lokaler wertvoller Krähe bieten, so ist doch ein (iastspiel des Berliner Kulturbundes, dessen Aufführungen im Berliner Theater jeden Abend so starken Widerhall linden, sicher von einer besonderen Anziehungskraft. Wir sind davon überzeugt, Inventur Verkauf! Besuchen Sie uns noch heute, ungeahnte Vorteile erwarten Sie!