Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-01-12 · 2 (12.1.1934) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
2 (12.1.1934)
Date
1934-01-12
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4876568-5968799-5969397--4906-4880735
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

12. Januar 1934 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 "HiHicfhör Atiearhu R iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii TI^VOCC DI A ITTP Jüdischer Ausschuß 21 Jjm> 2Q uhr> Städt Kaufhaus JUbtr PLAU I für KtinStpflege IllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllinilllllllllllllllllllllllllllHIIIIIIII Der populäre Humorist und Vortragskünstler J Aus vielen nur eine Pressestimme: Plaut packt seine Zuhörer, reißt sie mit, hält sie in Atem, erweckt hemmungslose Heiterkeit , . [ Karten zu RM 2.—, 1.50, 1.— und —.50 bei M. W. Kaufmann, Brühl 8; Zigarrenhaus D. Rosen Nachf., Peterssteinweg 10; Kaufhaus Brühl und an der Abendkasse. Voranzeige: Gastspiel des Kulturbundes Deutscher Juden: Nathan der Weise. Sonntag, 4. Febr. 1934. d. h. dem Kreis der Personen, die ein Eigenkapital von mindestens 1000 Pfund besitzen, an. Diese Einwanderer, die mit 427 Angehörigen ins Land gekommen sind, haben ein Kapital von etwa einer halben Million Pfund mitgebracht. 32 Juden, die auf Grund von Touristenvisen nach Palastina gekommen waren, wurde die Erlaubnis zu dauernder Niederlassung erteilt. 136 Personen wurde die Einreise nach Paliistina verweigert. (JTA.) Unsere Gemeinde. Jüdischer Frauenbund, Ortsgruppe Leipzig. Bei den Nähkursen die unter Leitung von Frau Edith Frank stehen, und die Montag, Mittwoch, Donnerstag nachmittag von 4 7 Uhr stattfinden, sind noch Plätze für einige Teilnehmerinnen offen. Der Preis beträgt für zwei Nachmittage in der Woche Mk. 5, monatlich, für einen Nachmittag Mk. 3, monatlich. Die Kurse finden Walter-Blümel-Straßc 10III statt. Anmeldungen sind an Frau Erna Kölner, Geibelstr. 42, zu richten. Die Kleiderstelle, Humboldtstr. 13, wird am Montag, den 13. Januar, in renovierten Räumen wieder eröffnet. An alle Gemeindemitglieder ergeht die herzliche Bitte, alle entbehrlichen Kleidungsstücke und Wäsche soweit sie einigermaßen guterhalten sind — zur Verfügung zu stellen. Das Elend ist groll, der Winter kalt. Denkt an alle, die Not leiden. Auf telephonischen Anruf bei Frau Alma Cerf (237 34) werden alle abzugebenden Sachen schnellstens abgeholt. Höhere Israelitische Schule. Die Schulleitung der Höheren Israelitischen Schule teilt uns mit: Die Aufnahmeprüfungen für die Sexta finden am 16. und 17. Januar 1934, 8 Uhr vormittags, in der Schule, (iustav-Adolf-Straße 7, statt. Anmeldungen können noch am Montag, den 15. Januar, bis 13 Uhr entgegengenommen werden. Offenbach Abend des Jüdischen Ausschusses für Kunstpflege. Dr. Anneliese Landau mullte für ihren Vortrag über Offenbach den Rahmen des anekdotischen Feuilletons wählen, wollte sie nicht Gefahr laufen, ein Laienpublikum durch biographisches Kleinwerk oder stilkritische Ausführungen zu langweilen. Mußte sie also manche« für den Historiker Wichtige weglassen und konnte sie aus der überreichen Fülle der Produktion Offenbachs — die Zahl seiner Bühnenwerke heläuft sich auf 102, außer den Revuen — neben den allgemein bekannten nur einige charakteristische Werke herausgreifen, so bleibt doch erstaunlich, wieviel an Material in ihrer eleganten leichten Plauderei verarbeitet ist. Sie machte klar, dal! dieses phänomenale Talent nur aus seiner Zeit zu verstehen ist und daß das sittliche Niveau seiner Werke, deren Säuregehalt mit der Libertinage des zweiten Empires stieg, keinen Rückschluß auf den Künstler und Menschen zuläßt. Im Sinne dieser Ehrenrettung eines Viclvcrlcumdcten hätten wir gewünscht, daß die Erfüllung seines Künstlertraums als Krönung eines in die Zweckmusik gehetzten Lebens, daß „lloffmanns Erzählungen" einen etwas breiteren Raum in den Ausführungen gehabt hätten. Die Musikbeispiele, aus verschiedenen Schaffensperioden gut ausgewählt, gaben einen Begriff von der eminenten parodistischen Kunst wie von dem leichten Fluß der melodischen Erfindung, wenngleich beim. Klavierpart manch reizender Partiturwitz verlorengeht. Die Gesangsnummern bestritten der ausgezeichnete Operettentenor Max Kuttner und unsere Koloratursopranistin Anni Pomeranz, die trotz schwerer Indisposition wacker durchhielt. Alfred Simon begleitete mit bewährter Feinfühligkeit und Delikatesse. Dr. R. Delegiertentag der „Esra". Am 12—14. Tebeth fand in Leipzig der Delegiertentag des „Esra" statt, zu dem wir ungefähr 35 Vertreter der auswärtigen Gruppen begrüßen konnten. Dem Wesen des Bundes als Erz.iehungsbund gemäß befaßte sich die Tagung hauptsächlich mit den Fragen der Erziehung der Jugend in der üolah und in der Vorbereitung zu Erez Jisrael zum thoraherfüllten Leben. Die Besprechungen standen ferner im Zeichen der Gründung des „Noar Agudati".. Wer Noar Agudati ist die Organisation der gesetzes'.reuen jüdischen Jugend, die als Chaluzim die Totalität der Thora im Leben des Einzelnen wie des Klall-Jisrael verwirklichen will. — Am Montag abend fand eine öffentliche Versammlung im Saal des Jüd. Jugendheimes statt, die einen guten Besuch aufweisen konnte. Nach einer kurzen Eröffnungsansprache eines Führers des Leipziger Esra, erhielt der Bundesleiter des Noar Agudeti, Alfred Lustig, das Wort zu einem Vortrag über die Entwicklung, die zur Entstehung des Noar Agudati führte. Alfred Lustig begann mit einer Darstellung der Struktur des jüdischen Lebens in Deutschland vor Beginn der sozialen Emanzipation. Die Judengasse, das Ghetto bot den in ihr Weilenden einen rein jüdischen Lebensraum, in welchem nur das Recht der Thora galt und alle Gebiete des privaten und öffentlichen Lebens regelte. Die Emanzipation und das damit verbundene Hinaustreten der Juden in die Umwelt, machte die Thora zur Religion und beschränkte somit Judentum auf Haus, Schule und Synagoge. Die große Tat der nationalen Emanzipation war es, daß sie die großen Massen des jüdischen Volkes ihren Blick wieder auf Erez Jisrael richten ließ. Das Bewußtsein für Erez Jisrael war niemals ganz aus dem jüdischen Volke geschwunden und sehen wir in den in Erez Jisrael unter dem Namen „Alter Jischuw" lebenden Juden, mehr als eine bloße Vertretung der Orthodoxie im Lande der Väter. Die Gründer des Neuen Jischuw übernahmen kritiklos die damalige Umweltsmeinung; Religion ist Privatsache und nahmen keinen Einfluß auf die jüdisch-religiöse Gestaltung des öffentlichen Lebens. Sie verkennen den Charakter des jüdischen Volkes als Gesetzesvolk, dem selbst Land nur Mittel zur Erfüllung seiner Aufgaben ist. Das Leben des jüdischen Volkes muß in seiner Ganzheit von der Thora erfaßt werden und es darf keinen seiner Bereiche geben, auf dem nicht die Verwirklichung dieses Gebotes als Verpflichtung eines jeden gegen die Gesamtheit und die Verantwortung der Gesamtheit für jedes ihrer Mitglieder in voller Tragweite empfunden wird. Keine separatistische Eigenbrötelei, sondern das Bewußtsein einer ungeheuren Verantwortung für unsere Nation ist es, die uns hindert, uns in die thoraentfremdete Gemeinschaft des Neuen Jischuw einzugliedern. Darum bauen wir den dritten Jischuw auf, in dessen Siedlungen die Thora den ihr gebührenden Platz als Gestalterin des gesamten Lebens einnimmt. Nach verschiedenen Diskussionsreden und einer kurzen Replik des Vortragenden war die Versammlung beendet. Silbernes Sportabzeichen für einen Leipziger Sportler des R.j.F. Der Reichssportführer Freiherr von Tschammer und Osten hat dem Mitglied des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten Dr. Ernst Goldmann, Leipzig, das Sportabzeichen in Silber verliehen. Amtliche Bekanntmachung. Aufsicht über rituelle Betriebe. Es kommen fortgesetzt Anfragen an unser orthodoxes Rabbiuat von Hausfrauen, ob von ihnen gekaufte Waren koscher sind. Infolgedessen sehen wir uns veranlaßt, bekanntzugeben, welche Betriebe unter Aufsicht unseres orthodoxen Geineinderabbiuates stehen. Nur für Waren aus diesen Betrieben übernimmt das Rabbinat die Verantwortung in bezug auf Kaschrus. Fleisch und Geflügel: Frischer, M., Packhofstraße 11—13, Kohn Osias, Humboldtstraße 27, L ö b S., Ranstädter Steinweg 7, Schußheim, Jacob, Plauensche Straße 3—5. Milch und Butter: Bartfeld, Eutritzscher Straße 5, Zipser, Nordstraße 35 (Wohnung: Berliner Straße 18), Rittergut Gundorf, Bestellungen durch H. Kreutner, Färberstr. 16. Backwaren: Lotrowski, Salomon, Berliner Straße 13, Schill eidier, Nordsiraße 25 und Ranstädter Stein« eg 45, Scheinowitz, Selig, üerberstraße 40 und Keilstraße 9 (Eingang Nordstraße). Speisehäuser: Chmelnitzky, Reichsstraße 22, Manelis, Nikolaistraße. Leipzig, den 29. Dezember 1933. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.