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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1938-09-30 · 39 (30.9.1938) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
14 (1938)
Issue
39 (30.9.1938)
Date
1938-09-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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30. September 1038 Nr. 30 Jüdische Winterhilfe Anmeldung zur Jüdischen Winterhilfe 1938/39 erfolgt in den Räumen der Israelit. Religionsgcmeinde Walt.-Blümelstr. lOprt. Montag, 3 Oktober 1938 Buchstabe AbisK vorm. 9 — 12 Uhr Huchslabe F Ml L nachm. 3—6 Uhr Donnerstag, 6. Oktober 1938 Buchstabe M Ml K vorm. R 9 - 12 Uhr Buchstabe S bis Z nachm. 3 —6 Uhr Stempelkarten, Einkommensnachweise, Wohnungsscheine u. Mietsbflcher sind mitzubringen. prägt. Das i*t mm besonders interessant, wenn die Porträts desselben .Menschen in verschiedenen Lebensstufen nebeneinander gezeigt werden: Die ebenmäßigen Züge im Jugeiulbilduis Hertha Pappenheims, die aber doch schon Klugheit im sprühenden Auge, Energie und Zielsicherheit in der Mundpartie erkennen lassen; und daneben dann das durchgeistigte Gesicht der alten Frau mit dem noch unvermindert Willensstärken Auge und den doch von mancher bitteren Lebenserfahrung sprechenden Furchen und Falten. Oder: Ernestine Eschelbacher, deren Bildnis im Alter die durch die Abklärung der Jahre unverwüstlich gewordene milde Freundlichkeit verrät, wie sie der auch im Jugendbild schon um erkennbaren Anlage entspricht. Der uns zur Vertilgung stehende Raum verbietet es leider, solchen Betrachtungen nachzugehen. Die Andeutungen mögen genügen, um die reichen Anregungen zu würdigen, die von diesen Bildern ausgehen. Die Texte geben Äußerungen bemerkenswerter Persönlichkeiten Ober die jüdische Familie, ihre Aufgaben und ihre Stellung im jüdischen l eben, durchweg im Wortlaut der Quellen, Testamente, Briefe und Abhandlungen wieder, stellen hie und da die Verbindung zu den in den Bildern dargestellten Männern und Frauen her und zeigen den Untergrund, auf dem das jüdische Familienleben ruht, wie es sich in einigen der wiedergegebenen Bilder zeigt. — Alles in allem: der diesjährige FrauenbundsKalender setzt würdig die Reihe seiner ausgezeichneten Vorgänger fort. C. Pult und Bühne, Ein Almanach, herausgegeben vom Rcichsverband der jüdischen Kulturbünde in Deutschland, Berlin 103S (Joachim Goldstein, Jüdischer Buchverlag), Die Neuordnung des judischen Lebens, die in den letzten fünf Jahren notwendig war, hat neben den zentralen Organisationen, die in der Reicht Vertretung zusammengefaßt sind, auch eine den kulturellen Bestrebungen der Juden dienende wachsen lassen: den Reichsverband der jüdischen Kulturbünde. Ober die Vielfalt der Aufgaben, die ihm obliegen, pflegen sich, außer denen, die selber in ihn einbezogen sind, nur wenige Juden Gedanken zu machen. Der vorliegende Almanach sucht, und wir wollen vorvwgnchm n, ist auch vorzüglich geeignet, dafür Interesse zu wecken. Nicht in einer phrasenreichen Propaganda, sondern in einer Sammlung von Beiträgen, die als Oanzes eine bedeutsame Kulturleistung darstellen. Die sachkundigen Referenten über alle die einzelnen Betätigungsgebiete sprechen in lebendigster Form über die Arbeit, ihre Ziele und ihre Mühen, ihre Erfolge und ihre Begrenzungen. Zu Worte kommen Opernintendant, Dramaturg, Regisseur, Bühnenkünstler, Redner, Sänger, Rezitator, Komponist, Chordirigent, Kunstkritiker, Airtor, kurz alle die Vertreter der vielverzweigten kulturellen Ausdrucksformen. Wenig wird theoretisiert; frisch und fesselnd dagegen wird über die praktische Arbeit geplaudert, um den Leser an dem teilnehmen zu lassen, was im weitesten Sinne des Wortes, „hinter den Kulissen" geschieht, um die einzelnen Veranstaltungen vorzubereiten, die dem Publikum dann als fertige Leistung geboten werden. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt dabei auch die Verwaltung, die den komplizierten Apparat betreibt. Zahlreiche Bilder steigern noch die Lebendigkeit der Darstellungen und sind vielfach auch warm begrüßte Erinnerungsstützen, um Erlebtes in der Vorstellung festzuhalten. — Für Stunden, in denen kurzweilige Ablenkung gesucht wird, kann dieser Almanach aufs angelegentlichste empfohlen werden. C. Jüdisches Blindcnjahrbuch 5699 — lM8/3t. Herausgegeben von der Selbsthilfevereinigung der jüdischen Blinden in Deutschland, E.V. Berlin-Karow. Zu sehen, wie Blinde, deren Schicksal dem Sehenden als unfaßbar grausam erscheint, versuchen, 1 lerr dieses Schicksals zu w erden, das Gebrechen zu überwinden, den Lebenskampf aufzunehmen, — und weiter zu sehen, wie diese Versuche, gestützt von unendlich segensreicher Hilfe, auch gelingen — das ist außerordentlich heilsam und zeitgemäß in Tagen der Mühsal und Beladenheit, da jeder einzelne von uns gerade sein privates Schicksal schon als besonders lastend zu empfinden glaubt. Und eine heiße Welle des Dankes fühlt man aufsteigen für die Hilfsstellen und die Helfer im Dienste der Blinden, und den spontanen Wunsch, selbst dankbar mithelfen zu dürfen au diesem wahrhaft edlen Werk. Das alles bewirkt die Durchsicht des „Jüdischen Blindenjahrbuchs 5600", und der Erwerb des Büchleins macht es jedem leicht, den Wimseh mitzuhelfen, in die helfende Tat umzusetzen. Es berichtet nicht nur in reichhaltig illustrierten Artikeln über die Arbeit des Sclbstlülfeverbands der jüdischen Blinden in Deutschland, über die Maßnahmen zur Arbeits¬ und Erholungsfürsorge und zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage, es führt uns nicht nur durch die vorbildlich eingerichtete und betreute Jüd. Blindenanstalt in Berlin-Steglitz — es gibt auch zahlreiche Beiträge in Prosa und Versen über die Blinden und ihr Leben, eine Aufsatzreihe über den Blinden in Bibel und Schrifttum, worunter der Artikel von Gemeinderabbiner Gustav Cohn „Der Blinde im biblischen und nachbiblischen Schrifttum" an erster Stelle steht, und eine Fülle Biographisches und Sachliches aus der modernen Blindenfürsorge in IXutschland und USA. Es sollte jedem fühlenden jüdischen Herz ein Bedürfnis sein, durch die Erwerbung des Büchleins sein Scherflein beizutragen an einem Werke, welches bewirkt, daß der jüdische Blinde neben dem Seilenden als aufrechter und seinen Platz ausfüllender Mensch durchs Leben zu gehen vermag. Dr. R. Unsere Gemeinde Kinderbeschenkung des Hilfsvereins israelitischer Gewerbetreibender. Seit etwa zwanzig Jahren unternimmt der Hilfsverein israelitischer Gewerbetreibender, neben seiner anderen satzungsgemäßen Hilfsarbeit, beim Nahen der rauhen Jahreszeit die dankbare aber schwierige Aufgabe, die Kinder hilfsbedürftiger jüdischer Familien Leipzigs zu bekleiden: die Kleinen sollen und müssen vor den Unbilden des Winters beschützt werden. Das Unternehmen des Hilfsvereins wird von Jahr zu Jahr dringender, die Zahl der Kinder, denen die Wohltat warmer Wintersachen erwiesen werden muß, wächst immer weiter. Im letzten Jahre erstreckte sie sich auf nahezu 5(X) Kinder. Das Unternehmen wird aber auch immer schwieriger: gar mancher Förderer des Werkes, der bis zum vergangenen Winter noch eine ansehnliche Spende gewährte, weilt nicht mehr im Lande. Und mancher andere, der immer gerne seinen Anteil beisteuerte, ist jetzt nicht mehr dazu imstande. Der Hilfsverein wendet sich daher mit der herzlichen und eindringlichen Bitte an seine Freunde und Gönner, dieser Sachlage Rechnung zu tragen, indem sie nicht nur wie bisher dem Werke die Treue bewahren, sondern bei der Bemessung ihrer Spende, soweit sie irgend dazu in der Lage sind, über ihr gewohntes Maß hinausgehen. Er wendet sich aber auch an die Gemeindemitglieder, die bisher noch abseits standen, mit der Bitte um großzügige Unterstützung. Die Bcschcnkung soll in diesem Jahre, nach den gewonnenen Erfahrungen, einige Wochen früher als üblich durchgeführt werden. Darum ergeht schon jetzt der Ruf des Hilfsvereins: Spendet bald! Spendet reichlich! Jörn Kipp n r, der heilige Tag, der zu guten Werken anregt, soll dein Verein einen Strom von (laben zufuhren, damit er den an ihn herantretenden Anforderungen in vollem Umfange entsprechen kann. — Die Geschäftsstelle des HilfsVereins, Reichsstr. 42/44, ist täglich von 10—16 Uhr geöffnet. Postscheckkonto des Hilfsvcrcins israelit. Gewerbetreibender Nr. 52065. Nachricht des Sozialamtes Das Sozialamt teilt mit, daß Herr Installationsmeister und Heizungsingenieur Eisenberg, Leipzig Cl, Talstr. 12, einen Kursus für Schweißen und Rohrlegen veranstaltet. — Die Dauer des Kurses beträgt 3 Monate, die Kosten für denselben insgesamt RM. 75,—. Interessenten wollen sich schriftlich oder telefonisch an Herrn Eisenberg, Talstr. 12, Tel.-Nr. 164 44, wenden. Jüdische Aerzte in Leipzig. Bis zur Veröffentlichung genauer Bekanntmachungen wird Gemeindcmitgliedern, die einen jüdischen Arzt in Anspruch nehmen wollen, empfohlen, sich wegen Auskunft an die Geschäftsstelle des Jüdischen Centraivereins, Huinboldtstr. 4. Fernruf 1203S, zu wenden. Judische Schulen Vom 1. Oktober 1038 bis zum 31. März 103Q wird für jeden Schüler und jede Schülerin ein monatlicher Hei/ungskostenbeitrag von RM. 1," erhoben. Dieser Beitrag ist für sämtliche Kinder zu bezahlen, also auch für Kinder, denen teilweiscr oder vollständiger Schulgelderlaß eingeräumt ist. Das Schulgeld und der Heizungsbeitrag für den Monat Oktober 1038 ist bis zum 7. 10. 1038 zu entrichten. Im Interesse der weiteren Aufrecliterhaltung des Schuhverkes wird nochmals darauf hingewiesen, daß bis zu diesem Tage auch die rückständigen Schulgelder zu zahlen sind. Kinder, für die das Schulgeld gezahlt wurde, können nicht mehr am Unterricht in der Realschule teilnehmen. Leipzig, den I.Oktober 1938. Israelitischer Schulverein Leipzig e.V. r

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