Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 36 (9.9.1938)
- Date
- 1938-09-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHES QEMEINDEBLATT LEIPZIG 9. September 1938 ' Nr. > aufzustellen) das unserer guten Tradition Würdig ist, unter besonderer Berücksichtigung des Theaters, das uns der Berliner und Hamburger ludische Kulturbund ausreichend zugesagt haben. Wer Musik mehr liebt, soll auch nicht enttauscht werden; aber mithelfen inuli jeder, solange ei noch hier ist und irgendwie da/.u in der Lage ist. Zu aller Beruhigung sei offiziell erklärt, dall Auswanderung die Mitgliedschaft des Jüdischen Kulturbundes automatisch beendet. Aber bis zu diesem Zeitpunkt heilit es, die Reihen noch enger zu schließen, noch mehr einander zu helfen und zu unterstützen — es geht hier nicht um eine Organisation, sondern um eine von der Judcnhcit der Welt bewunderte kulturelle Tat des Judentums in Deutschland in seiner Notzeit. Wir haben nicht nur Ahnen, auf die wir stolz sind, auch uns wird einmal eine andere Generation richten und beurteilen. Bei bewußter Betonung unserer jüdisch-kulturellen Sendung werden wir dann gewill nicht Schlecht abschneiden. Ein neues Jahr steht vor der Tür — der Vorstand des Jüdischen Kulturbundes Leipzig wünscht seinen Mitgliedern und allen Juden, daß es bei aller Schwere und Bitterkeit der Gegenwart uns Ausweg und Hoffnung aufzeigt, s,> dal! wir Brot und Heimat finden. Aber alles kommt auf die Haltung an, in der wir den Weg ins Unbekannte gehen hoffen wir, mit dem ungebrochenen Rucken eines alten Kulturvolkes! Dr. Hans Abelsohn Vorsitzender des Jüdischen Kulturbundes Leipzig. Aus dem Vorhaben des Jüdischen Kulturbundes im Winter 1938 39. 20. Oktober 193S: Theaterveranstaltung ,.Arm wie eine Kirchenmaus". November 1938: Theatergastspiel des Berliner Kulturbundes. Dezember 1938: Theatergastspiel: „Die Reise Benjamins des Dritten". Januar 1939: Orchestergastspiel des Berliner Kulturbundorchestcrs. Von dem Beitritt jedes Juden in Leipzig zum Jüdischen Kulturbund hangt das künstlerische und kulturelle Leben in unserer Gemeinde ab. Um unseren Mitgliedern einen Vorteil zu bieten, erhalten diese für jedes bis zum 1. November 1938 neu geworbene Mitglied, sobald die Eintrittsgebühren und der erste Monatsbeitrag bezahlt sind, einen Gutschein über RM. 1,50, der bei der Entrichtung des nächsten Mitgliedsbeitrages in Zahlung genommen wird. Jodes bis zum IQ. Oktober 1938 neu eingetretene Mitglied hat freien Zutritt zu unserer Theaterveranstaltung „Arm wie eine Kirchenmaus" am 20. Oktober 193$. Und wieder klopft ein neues Jahr an unsere Pforten. Und wieder Sorge und Sorgen, Spannung und Erwartung, Vorbereitung und Hoffnung. Das ist immer das gleiche gewesen, seit 1933. Und immer noch, jedesmal im Herbst hat uns Zweifel uberfallen, Mißvergnügen und Ratlosigkeit. Und jedesmal rissen wir uns empor und kämpften weiter und mühten uns und wurden in der Arbeit des Kä.npfens zufriedener, glücklicher. Schwerer als je lastet das kommende Arbeitsjahr schon jetzt aut unseren Schultern Woher Mut nehmen zur weiteren Mühe im jüdischen Kulturkreis? Wie sollen wir die Menschen noch an unsere theaterliche, konzertante Arbeit fesseln? Vor welchen Menschen sollen wir spielen, da alle nur den einen Wunsch zu halK-n scheinen: hinaus, in die weite Welt, fort von hier!? Wir sammeln unsere besten Kräfte, wir konzentrieren uns auf die tiefste Aufgabe, wir bereiten neue Arbeit vor in dem Glauben an eine Mission, die uns neu zuwuchs: Seelische Rettung, einzige Erbauung, gluckhaftes Erleben, Erschütterung und Lachen, Aufrichtung und geistigen Halt zu geben all denen, die hier bleiben, hier bleiben müssen. Seid alle Euch dieser Mission bewußt! Wir wollen zusammenstehen, als Männer des Kampfes, und trotzig unser Recht verteidigen, das simple Recht, für andere da zu sein, als Künstler, als Juden. Und wollen den, Jüdischen Kulturbund in Deutschland noch fester knüpfen, in gegenseitiger Hilfe und Beratung. Und wieder klopft ein neues Jahr an unsere Pforten. Wir hören seinen Schicksalsruf. Und wir sind gerüstet, et mit unendlichem Arbeitswilleri zu empfangen -\i&f) Der Jüdische Kulturbund will und toll den Menschen unserer Gemeinde eine gewisse Rast und geistige Ablenkung geben, die gerade in der heutigen Zeit dringend notwendig sind. Nur dann können die schweren Aufgaben, die der jüdischen Gemeinschaft im ganzen und jedem einzelnen von uns gestellt sind, bewältigt werden. Die Not und Sorge dürfen uns nicht ganz in ihren Bann ziehen. Der Gemeindet orstaud weif) Und hofft, daß der Jüdische Kulturbund in 1 eipzig all seine Kräfte dafür einsetzen wird, um diese notwendigen geistigen Anspannungen und Entspannungen den Mitgliedern unserer Gemeinde zu gewähren. Diese Aufgabe kann aber der Kulturbund nur erfüllen, wenn alle üemeindcnütglieder getreu zu ihm stehen und seine Arbeit — ihren Kräften entsprechend — unterstützen. Carl Goldschmidt Zionismus bedeutet Volkserneuerung. Um diese zu erreichen, bedarf es nicht nur der Auswanderung, Einwanderung und Schaffung einer neuen wirtschaftlichen Grundlage, sondern auch der Durchdringung jüdischen Lebens mit jüdischem Kulturgut. Die geistigen Schätze der jüdischen Vergangenheit müssen wieder gehohen und zum Gemeingut des jüdischen Volkes werden; ebenso wie die Ansätze neuer jüdischer Kultur in Erez Israel und wo immer sie sich im Gallith finden, gehegt und im Volksganzen verwurzelt werden müssen. Daran mitzuwirken ist heute die vordringlichste Aufgabe des Jüdischen Kulturbundes. Er darf sich nicht nur damit begnügen, die Sorgen seiner Mitglieder für einige Stunden zu verscheuchen, oder, wie in sorglos glücklichen Zeiten, Kunst nur um der Kunst willen zu bieten, sondern muß sich auch immer dieser erzieherischen Aufgabe bewußt bleiben, die ihm heute gestellt ist, nicht nur aus der Not der Zeit heraus, sondern in Erfüllung jeuer Forderung, die vor fast einem halben Jahrhundert Theodor Herzt aufstellte: Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland. Zionistischer Ortsverband Leipzig — Bar Kochba Leipzig. Dr. Lehrfreund. Die Kunst ist nicht nur Ausdruck der Freude, auch in Zeiten des Leides gilt es, die Kunst zu pflegen, Kunsthingabe und -schaffen zu fördern und sich für Kunstaufnahme einzusetzen. Aufgabe der Gemeinschaft ist es, eine Grundlage hierfür zu schaffen. Kunstschöpfung und Kunstversteherl waren von jeher in der jüdischen Gemeinsclwift verwurzelt. In anerkennenswerter Weise leistet der Jüdische Kulturbund seit Jahren Arbeit im Dienst an der Kunst. Möge er auch in der kommenden Zeit in die Lage versetzt werden, am Kulturschaffen unserer Gemeinschaft an führender Stelle mitzuarbeiten. Unser aller Aufgabe ist es, ihn in seiner Kulturmission hierbei nach besten Kräften zu unterstützen. Kurt Sabatzky Syndikus des Jüdischen Centralvereins E.V. Landesverband Mitteldeutschland. Der Kulturbund ist ein wichtiges Glied in der Kette der jüdischen Gemeinschaft. Während die Sportvereine sich in erster Linie die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Menschen angelegen sein lassen, sorgt der Kulturbund für das geistige Wohl und für die Entspannung der Menschen nach den Mühen und Sorgen des Alltags. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, bedarf es der Mitarbeit ■ller. Niemand darf daher abseits stehen, wenn es gilt, jüdische Belange zu fördern. Sportverein Schild. t Sachs. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Jiat seit seiner Gründung im Jahre 1919 seinen jüdischen Charakter betont und sich in den Dienst der Interessen aller in Deutschland lebenden Juden gestellt. Er hat daher auch volles Verständnis dafür, daß es seit dem Umbrüche noch in ganz anderer Weise wie vorher Pflicht aller jüdischen Kreise ist, jüdisches Wissen und jüdische Kultur zu pflegen und zu verbreiten. Dieser Aufgabe dient in erster Linie der zur rechten Zeit gegründete Jüdische Kulturbund, der es in hingebender, von Jahr zu Jahr erfolgreicherer Arbeit verstanden hat, einen großen Kreis von Mitgliedern zu erwerben und ihnen nicht nur Stunden der Erbauung und Belehrung zu verschaffen, sondern zugleich auch zahllosen jüdischen Künstlern die Existenz und die Berufsarbeit zu erhalten. Diese edlen Bestrebungen des Kulturbundes zu fördern, ist Pflicht jedes einzelnen in Deutschland lebenden Juden, soweit er dazu nur irgend in der Lage ist. Er tut damit ein gutes Werk und verschafft sich selbst für wenig Geld hohe künstlerische Genüsse. Deshalb werde jeder, der es noch nicht ist, Mitglied des Jüdischen Kulturbundes. Reichsblind jüdischer Frontsoldaten, Ortsvi-rband Leipzig. Dr. R. Cohn. Ausgabe der Synagogenkarten f. d. Gemeindesynagoge Wir weisen hierdurch ausdrücklich darauf hin, daß im Hinblick auf die große Nachfrage nach Synagogenplitaen die Karlen für aolche Pläne, die schon aeit mehreren Jahren den gleichen Inhaber haben, nur^noch bis 14. September jl 938 reserviert gehalten werden können. Nach diesem Zeitpunkt werden auch diese Karten frei verkauft. In den letzten Nummern dea Gemeindeblattea iat mehrfach darauf hingewiesen worden, daß die Erneuerung der Synagogenkarten bia Mitte September 1938 vorgenommen sein muß. Leipzig, den*5. September 1938. Der Vorstand d israel. Religionsgemeinde zu Leipzig.