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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1938-08-26 · 34 (26.8.1938) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
14 (1938)
Issue
34 (26.8.1938)
Date
1938-08-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2h August 1038 ' Nr. 34 Byrons „Kain" neuübersetzt Byron teilt mit s:> manchem Klassiker der Weltliteratur das Schicksal, mehr gelobt als miesen ZU werden. Und hatte doch in seinem Epos „Don Juan" der Sehnsucht Ausdruck gegeben: „Ich will auf Erden nicht Philosoph, ich will gelesen werden." Byron ist darüber zur (icstalt, /um Mythos geworden, aber seine Dichtungen wurden darüber vergessen, wurden, weil man sie nicht mehr kannte, sogar unterschätzt, Inhalt der Bildung und des Erlebens sind sie seit langem nicht mehr. Ernst Blaß' Nachdichtung des „Kain" (Nr. 89 der Bücherei des Jüdischen Buchverlages Schocken, Berlin 1938) ist seit langer Zeit die erste nachschöpferische Bemühung um den Dichter Byron. Das 20. Jahrhundert hat uns andere englische Dichter erobert und erschlossen: zwei Juden haben uns Byrons Freund und Zeitgenossen Percy Shelley und den Präraffaeliten Charles Swinburne, der ins Viktorianische Zeitalter gehört, in vollendeten Übertragungen nahegebracht. Alfred Wolfenstein hat uns das Werk des pantheistischen Promethiden vermittelt, dem Byron am ligurischen Meer wie Achill dem Patroklos eine Leichenfeier mit Verbrennung auf dem Scheiterhaufen rüstete, und Rudolf Borchardt hat uns kostbare Proben aus dem Schaffen jenes Nachgeborenen geschenkt, dessen Kunst das Land der Griechen mit der Seele suchte. Bvron hat bisher nicht das Glück gehabt, so kongenial verdeutscht zu werden wie diese beiden Dichter. Vielleicht rührt es sogar daher, daß wir in unserer Erinnerung seine Versepen vom „Gjaur" bis zum „Lara", von „Ritter Haralds Pilgerfahrt" bis zum „Don Juan" so wenig auseinanderhalten, Schöpfungen, in denen immer wieder der gleiche Byronsche Held auftritt, der aristokratische Ahasver, der Abenteuer des Krieges und der Liebe in einer Welt des Mittelmeers und des Orients besteht, — denn noch keine Übersetzung hat die Eleganz seiner Sprache, die Impromptus seiner Reime und die Geschmeidigkeit seines Witzes voll wiederzugeben vermocht. Nicht nur in seinen „Hebräischen Melodien" und in seinen Versepen war Heine Byrons gelehrigster Schüler, vielmehr waren es gerade diese Eigenschaften Byronscher Poesie, die es ihm ganz besonders angetan natten, so sehr, daß sie seine persönliche Note wurden und wir gerade in ihr gern seine oder gar jüdische Eigenart erkennen. Es ist eine reizvolle geistesgeschichtliche Betrachtung zu verfolgen, wie Byron von der Bibel beeindruckt wurde und seinerseits wieder jüdische Schriftsteller (Heine, Disraeli, Brandes, Maurois und jetzt Ernst Blaß) angeregt und stilbildend auf sie gewirkt hatte. Byrons biblisches Mysterium „Kain" ist aus verschiedenen Schichten gebildet: Da ist zunächst das biblische Erlebnis seiner Jugend, seine puritanische Erziehung, die ihn zum Rebellen gegen Gott machte — weil er ernsthaft über religiöse Probleme nachgedacht hatte, war in ihm der abgefallene Engel aus Miltons „Verlorenem Paradiese" wieder auferstanden. Sodann die Blutschande mit seiner Halbschwester Augusta Leigh, dieser Brauch mythischer Vorzeit, den sein Schauspielertrieb nachahmt und den er in den Worten bekennt, die Ada auf Lucifers Worte entgegnet, als der gestürzte Engel ihr und Kain mitteilt, daß eine Verbindung wie die ihre von späteren Geschlechtern als Sünde angesehen werden würde: „Sünde kann Ein Tun nur selbst sein, nicht die Zeitumstände Entscheiden zwischen Tugend oder Sünde. Wir wären sonst die Sklaven." Die dritte Schicht des „Kain" ist Byrons letzte Liebe: Teresa Guiccoli, die Carbonari-Schwester, die vierzig Jahre nach dem Tode des Helden seine würdige Biographin werden sollte, hat der Gattin und Schwester Kains Züge ihres Wesens gegeben. In dem Mysterium „Kain" endlich strömen das antike und das biblische Bildungserlcbnis des Dichters, das man in seinem Falle schon ein Ur-Erlebnis nennen könnte, zusammen: Kain, der Prototyp des Zweiflers und Empörers, hat etwas von Prometheus, der sich gegen Zeus auflehnt. Als dessen Bruder mag Byron diesen ,,Repräsentanten einer ohne eigenes Vergehen in tiefstes Elend gestürzten mißmutigen Menschheit" empfunden haben, wenn er strenggläubigen Angriffen entgegenhielt, er wäre in Lucifers widergöttlichen Reden nicht über seine Vorbilder, das „Verlorene Paradies" von MJHoa un<l den „Prometheus" von Aischylos hinausgegangen. Ernst Blaß' NaclKlichtung erst läßt uns den ringenden Byron erleben und schenkt uns des I>ichters „Kain" von neuem. Lutz Weltmann. Jüdische Zeitschau Jüdische Filmarbeit in Deutschland. KOL-NOA, das Institut für judische Filmarbeit, dessen Gründung behördlich genehmigt worden ist. webt darauf hin, daß mit Rücksicht auf die Einhaltung der behördlich vorgeschriebenen Zensurwege und Vorschriften sämtliche Filmaufnahmen, die zum Zwecke der Vorführung vor der jüdischen Öffentlichkeit in Deutschland gemacht werden, nur im Einvernehmen von Kol-Noa gemacht werden sollen. Jeder Filmstreifen (Nonnal- oder Schmalfilm), der zur Vorführung iiIkt den engeren Familienkni-, hinaus aufgenommen worden ist, bzw. wiedergegeben werden soll, Ut KOL-NOA, Institut für judische Filmarbeit (im Rcichsvcr- IkiimI der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland), Berlin W 15, Meinekestr. 10, zur weiteren Veranlagung einzureichen. Gemeindeanlage 1938 Die Gemeindesitzung hat am 0. August 1038 die Gemeindeanlageordnung für das Rechnungsjahr 1038 30 (1. April 1038 bis 31. März 1030) beschlossen. Wie schon mehrfach mitgeteilt, bleibt trotz der Wandlung der Rechtsform der Gemeinde die Pflicht aller Gemeindemitgliedcr zur Bezahlung der Gemeindcanlage bestehen. — Es ist'zu hoffen, daß in der heutigen Notzeit alle Gemeindemitglieder dieser Pflicht pünktlich nachkommen, so daß es der Gemeindevorstand nicht nötig hat, von seinem Recht, auf gesetzlichem Wege rückständige Gemeindeanlagen bei zutreiben, Gebrauch zu machen. Die Lage ist jedoch S.O ernst, daß schon heute darauf hingewiesen werden muß, daß der Gemeindevorstand von diesem Recht nach Maßgabe seines Verantwortungsbewußtseins gegen die Gemeinschaft Gebrauch machen wird. — Die Gemeindeanlage 1038 beträgt 33l/s°/o der Einkommen¬ bzw. Maßstabsteucr 1037, jedoch unter Berücksichtigung von Kinderermäßigungen. Sie ist am 15. September 1038 zur Zahlung fällig. — Gemäß § 5 der Gemeindcanlagenordnung werden alle Gemeindemitglioder aufgefordert, in der Zeit vom 15. bis 31., August 1938 ihre Einkommensteuerbescheide für das Jahr 1037 oder Lohnstcuerbescheinigungen ihrer Arbeitgeber für das Jahr 1037 dem Gemeindevorstand — Veranlagungsstelle — in Urschrift zur Kenntnisnahme einzusenden. Die Einkommensteuerbeschcide werden sobald wie möglich den Gemcindcmitgliedern durch die Post wieder zugestellt. — Soweit Gemeindemitglicder ihre minderjährigen Kinder (Name, Geburtstag und Geburtsort) der Veranlagungsstelle noch nicht gemeldet haben, werden sie im eigenen Interesse ersucht, dieses schleunigst nachzuholen, da nur Kinderermäßigungen für gemeldete Kinder berücksichtigt werden können. — Die Gemeindcanlage 1938 derjenigen Oemeindemitglieder, die innerhalb der Einreichungsfrist ihren Einkommensteuerbescheid 1937 nicht vorgelegt haben, wird in Höhe des Durchschnitts der Gcmcindeaniagen 1936 und 1937 —- ohne Berücksichtigung etwaiger Billigkeitscrmäßigungen gemäß § 15 der Steuerordnung vom 23. Dezember 1936 — festgesetzt. Dies gilt auch dann, wenn die Einreichungsfrist ohne Verschulden des Gemeindeanlagcpflichtigen versäumt wurde, insbesondere wenn dieser vor Ablauf der Frist noch nicht im Besitz des Einkommensteuerbescheides 1937 war. — Die Gemcindemitgliedcr haben jedoch jederzeit das Recht, gegen Einsendung des Einkommensteuerbeschekies 1937 die Berichtigung des Gcmeindcanlagenbeschcides entsprechend der Einkommensteuer 1937 zu verlangen, ohne daß die Fälligkeit der Gemeindeanlage dadurch berührt wird. Wegen der zu erwartenden sehr starken Arbeitsbelastung für Gemeindeanlagcn werden die Gemeindemitglicder gebeten, ihre Gcmcindeanlagensachcn, soweit nur irgend möglich, durch schriftliche Eingaben und nicht durch mündliche Rücksprachen zu erledigen. Leipzig, den 10. August 1938. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Unsere Gemeinde Bücherei der Isr. Religionsgemeinde, Apels Garten 4 (Otto- Schill-Straße). Lesezeiten: Dienstag und Donnerstag von 19—22Uhr. Sonntag von 10—13 Uhr. Sprechstunden des Leiters wochentäglich von 11—12 Uhr. Die allgemeine Ausleihe beginnt am 15. September. Hebräische Sprachschule. Am 1. September d. J. beginnt ein neuer Kursus für Anfänger. Anmeldungen für diesen, wie auch alle anderen Kurse werden im Sozialamt, Humboldtstr. 13, angenommen. Der „Chug Iwri" findet wieder regelmäßig jeden Donnerstag abend ab 9 Uhr in der Keilstr. 4 statt. Die Leitung wird, wie bisher, von Herrn Schlaider-Kalai durchgeführt. Konfektbereitungskursus des jüdischen Frauenbundes. Ein neuer Konfektbereitungskursus beginnt Anfang September. Preis pro Teilnehmer 60 M. Meldungen erst ab 29. d. M. bei Kanstein, Frankfurter Str. 10 I, Tel. 23794. Ausrüstungsgegenstände für Auswandernde werden in der Nähstube des Jüdischen Frauenbundes und der Wizo hergestellt. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen werden dringend benötigt, um die erforderlichen Gegenstände fertigzustellen. Näliiundige Damen wollen sich Montags zwischen 4 und 7 Uhr im Sozialamt, Humboldtstr. 13 II (Haushaltungsschule) bei Frau Rechtsanwalt Nemann melden. Putzkurse des Jüdischen Frauenbundes. Es können noch weitere Teilnehmerinnen an den Putz k Ursen aufgenommen werden. Meldungen sind zu richten an die Leiterin der Putzfcurse im Jüdischen Jugendheim, Ludendorffstr. 7. — Es werden für diese Kurse dringend Regale benötigt. Freundliche Spender werden gebeten, beim Jugendheim um Abholung zu ersuchen. Wcizmann und Jabotinsky. Der Zionistische Orts verband Leipzig veranstaltete am Montag, den 8. August, einen Vortragsabend, der sich eines ungewöhnlich guten Besuches erfreute und einen sehr eindrucksvollen und ausgezeichneten Verlauf nahm. — Herr Dr. Lehrfrciind eröffnete die Versammlung mit einem tiefempfundenen Nachruf auf den vor kurzen* bei Ramath Hako* wesch in Erez Jisrael gefallenen, aus Leipzig stamirtcnden Chaluz Peter Fe ebner, der von der Versammlung in tiefer Ergriffenheit aufgenommen wurde. — Hierauf sprach Herr LGD. a. D. AI-

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