Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 32 (12.8.1938)
- Date
- 1938-08-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Ausgabe der Synagogenkarten Die Erneuerung der Synagogenkarten findet vom j 15. August bis 9. September 1938 in der Zeit von 9,30—12,30 Uhr im Gemeindeamt, Walter-Blümel-Straße \ ■ t 101 statt. Karten, die nicht rcditzeitig abgeholt sind, j werden anderweit vergeben. Eine schriftliche Erinnerung erfolgt nicht. Leipzig, den 5. August 1938. Der Vorstand der israelititischen Religionsgemeinde zu Leipzig Dieser (Haube hat im Midrasch seinen Niederschlag gefunden. Er ist in mannigfache Form gekleidet worden; im Kern aber spricht er immer das gleiche aus, daß Gott einst Israel wieder in, eine glückliche Zeit hinübergeleiten wird. — Mit diesen Gedankengängen soll dem Verständnis der hier folgende Midrasch nahegebracht werden, dessen Beziehung zum Schabbath Nachamu unverkennbar ist. (Midrasch tanchuma, dewarim 1.) Cr zerfallt offensichtlich in drei Teile. Im ersten soll kl er Glaube an die Führung Gottes aus dem Hinweis auf die Wüstenwanderung! gestützt werden: alle Beschwernisse der Wanderung wurden durch Seine Hilfe uberwunden — so erleuchtet Er auch einst den Weg der Juden; durch die Gotteslehre ist Israel innere Kraft verliehen worden — sie wird einst wieder Quell reinster Genugtuung und Freude sein; die gleiche Erschütterung, in der Israel am Sinai den Wahrheitserweis der Offenbarung sah, wird sich dann wiederum den Juden mitteilen, und sie werden die Führung Gottes erkennen und anerkennen, die alles Leid in Freude wandelt. Diese Freude, so will der Midrasch weiterhin lehren, wird als reiche Entschädigung für alle erlittenen Qualen erscheinen: die prophetischen Verheißungen von dem einstigen Glücke in Zion versprechen ein Doppeltes an Jubel und Blüte, wenn Israel sich wieder zu voller Kraft entfalten wird. — Nur schrittweise, so wird im letzten Teile gezeigt, wird die einstige Oottesoffenbarung dem Volke zuteil: an einzelnen Zeichen werden die, die auf Ihn hoffen, immer deutlicher die Verwirklichung des Aufbaues Zions verspüren, bis sie dann zulet/t sich ,.Seiner Hilfe freuen". „Dies sind die Dinge -. Gepriesen sei der Name des Königs aller Könige, des Heiligen, gelobt sei Er; gepriesen und erhoben Seine Erwähnung! Alle Wunderzeichen, die Er an Israel in der Wüste vollbracht hat — ebenso wird Er sie an ihnen auch einst in Zion vollbringen. Uber die Wüste heißt es: dies sind die Dinge; und über Zion heißt es: „Ich mache l'instemis vor ihnen her zum Lieht I Und Höckerland zur Ebne. ( Dies sind die Dinge, die ich tu,/ Ich laß sie nicht." (Jes.42,16.) Über die Wüste heißt es: „Und das ganze Volk gewahrte den Schall" (U.M.20,15). Und über Zion heißt es: „Schall des Jubels und Schall der l'reude" (Jirm. 33,11). Ober die Wüste: „Da bebt die Erde, ja die Himmel troffen" (Ps.68,9). Und über Zion: „Ich erschüttere den Himmel und die Erde" (Haggai 2,6). Über die Wüste: „Und der Ewige ging vor ihnen her, des Tages in einer WolktHSäult* (U.M. 13,21). Und über Zion: „Vor euch schreitet hin der Ewige, und eure Nachhut ist Gott Jisraels" Oes. 52,12). Über die Wüste: „Der Ewige wird sich wieder an dir erfreuen zum Outen" (V.M. 30,9). Und über Zion: „Ich juble in Jeruschalaim / Und frohlocke mit meinem Volk" (Jes.65,19); „aufjauchze Wüste und Oedc" (Jes. 35,1). Was hat Jeschajahu geschaut, daß er so sprechen konnte? Weil Israel die Thora übertrat, erhob sich Hoschea und sprach: „Ich Geistige Einordnung in USA. Im Vordergrunde aller Auswanderungsbemühungen — abgesehen von Palistina — stehe., gegenwärtig als Ziel die Vereinigten Staaten Von Amerika. Der Wunsch, dort einwandern zu können, beherrscht wohl die Mehrzahl aller Juden in Deutschland. Der Hilfsverein der Juden in Deutschland betreibt die technische Förderung aller Oberseewanderung, aber auch durch seine Korrespondenzblätter für Auswanderung^ und Siedlungswesen die innere Vorbereitung auf die Zielländer der Wanderung. So war es au; der Stimmung der Zeit heraus gegeben, daß ein besonderes Heft sich mit den Vereinigten Staaten von Amerika beschäftigt. Die-.es Heft ist soeben erschienen (Jüdische Auswanderung. Juli 193S. Verlag Schmoller fcV Gordon, Berlin), und behandelt, neben U.S.A., Kuba und die Philippinen, die zwar nicht politisch der Souveränität der Vereinigten Staaten unt erstehen, wohl aber in starkem Maße ihrer wirtschaftlichen und politischen Einflußsphäre zuzurechnen sind. Im Vergleich zu den früheren Heften der jüdischen Auswanderung mußte für die Behandlung der Vereinigten Staaten eine wesentlich andere Methode gewählt werden. Die Einfügung in das amerikanische Milieu setzt bei denen, die die englische Sprache ausreichend beherrschen, und im übrigen über Energie, Anspruchslosigkeit und Anpassungsvermögen verfügen, keine langwierige Umschichtung voraus. Wicht'g ist aber, gewisse hartnäckige Irrtümer über die Vereinigten Staaten zu zerstreuen: nur wenige unter den Juden aus Deutschland sind sich der ungeheuren Unterschiede bewußt, die in klimatischer, wirtschaftlicher, kultureller und selbst in politischer Hinsicht zwischen den Gebieten des Südens und ferneren Westens und denen des Nordens und Ostens bestehen. Über solche Fragen aufzuklären, hat sich der Hillsverein mit dem vorliegenden Heft zur Aulgabe gestellt. Demgemäß befaßt mache das Volk der Wüste gleich,,' Enteil sie wie der Dürre Land" (Hos.2,5); darum sprach Jeschajahu: „Aufjauchze Wüste und Oede"\ Und alle Trostworte, die Jeschajahu sprach, aufjauchze usw., sind gedoppelt; denn „doppelt hat Israel aus der Hand des Ewigen empfangen für all seine Sünden" (Jes. 40,2); deshalb sind auch seine Tröstungen doppelt: „Tröstet, tröstet, mein Volk" (ebd.). „Ich bin's, ich, der euch tröstet" (ebd. 51,12); „Raff auf dich, raff dich auf" (ebd. 51,17). „Auf, auf, hüll dich in deine Kraft" (ebd. 52,1)! „In Jubel juble ich dem Ewigen" (ebd. 61,10). „Blühend erblühe das Volk und juble" (ebd. 35,2)! Eine andere Deutung. Aufjauchze Wüste und Oede: warum ist dies gesagt? Um dich zu lehren, daß in der Stunde, in der der Heilige, gelobt sei Er, Israel Seine Allgegenwart offenbar werden läßt, Er sie ihnen nicht mit einem Male kundtut, da sie bei solchem Glücke mit einem Male nicht bestehen könnten; sie würden zugrunde gehen, wenn Er es ihnen auf einmal kundtun würde. Lies doch, wie geschrieben, steht: „Von jeher hat man es nicht gehört,/ Es nicht vernommen, f Ein Aug es nicht gesehn,/ Dafi Gottheit aufier dir, / Dem wirkt, / Der ihrer harrt" (ebd. 64,5). Geh und lerne dies auch bei Josef: In der Stunde, da er sich seinen Brüdern nach manchem Jahr zu erkennen gab, sprach er zu ihnen, ich bin Josef, euer Bruder; da starben sie alle: sie konnten ihm nicht antworten. Um wie viel mehr beim Heiligen, gelobt sei Er. Wie denn wird Gott tun? Er wird ihnen nur immer schrittweise sich offenbaren: zuerst „aufjauchze Wüste und Oede"; danach: „Blühend erblühe das Volk und juble". Und weiter: „Die Herrlichkeit des Libanon wird ihr geschenkt." Und dann erst: „Sic sollen schauen des Ewigen Herrlichkeit" (ebd. 35,1—2)! Deshalb sagt David: „Aufbaut der Ewige Zion und zeigt sich in seiner Herrlichkeit" (Ps. 102,17). So auch Jeschajahu (52,8): „Auge an Auge schauen sie,/ Wie nach '/.ion der Ewige zurückkehrt". Und ferner: „Und man spricht an jenem Tag:/ Sieh unser Gott ists,/ Auf den wir hoffen, dafi er uns befrei./ Der Ewige dies, auf den wir hoffen,/ Wir jubeln, freun uns seiner Hilfe" (ebd. 25,9)! Kabb. Gust. Cohn. es sich neben den notwendigen technischen Dingen mit den klimatischen, den kulturellen, den wirtschaftlichen Verhältnissen und widmet einen besonderen Abschnitt auch der Darstellung des jüdischen Lebens. In ähnlicher Weise werden auch Kuba und die Philippinen behandelt, allerdings wieder mehr in der Art der früheren Hefte. Durch diese Form der Darstellung ist das lieft mehr als ein Ratgeber für Auswanderungswiflge: ihm kommt auch die Be deutung einer Ku'.tiiiidarstcllung zu, an der jeder Jude interessiert sein muß. Um ein Bild von der Art des Heftes zu geben, veröffentlichen Anmeldung von Messezimmern. Wir geben hierdurch folgende* bekannt: Von behördlicher Seite wird unbedingt erwartet und verlangt, dal', für ilie kommende llerb<tmease von allen Gemeindemitgliedern sämtliche für Vermietung an Messfrenide verfügbaren Zimmer bei dem Wohnung* nachweis des Leipziger Mesaamta unverzüglich angemeldet werden. Nach behördlicher Feststellung sind die bisher vorliegenden Anmeldungen jüdischer Vermieter völlig ungenügend, denn es herrscht die Auffassung, daß sehr viel mehr Zimmer von der jüdischen Bevölkerung zur Vrr fügung gestellt wurden können und müssen. .Für die Messvermielunt; gellen die bekanntgegebenen Bedingungen des Messamts. Es ist unbedingt nötig, dieser Aufforderung unverzüglich nachzukommen. Leipzig, den li. August i°38. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig.