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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1938-07-23 · 29 (23.7.1938) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
14 (1938)
Issue
29 (23.7.1938)
Date
1938-07-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 welchem Umfang bei den Juden in Deutschland neben der Auswanderung* bereit schaff die Fähigkeit zur Auswanderung und zur Einordnung in den Ländern der Einwanderung gegeben ist. Dabei wurde bedeutsames Zahlenmaterial über die Alters- und Berufsgliederung der Juden in Deutschland verwertet. Daß das Problem der Unterbringung von noch rund 200000 Juden aus Deutschland (und 100000 Juden aus Österreich) bei aktiver Mitwirkung der Einwände« rungsländer auf längere Sicht nicht unlösbar sei, konnte aus der rund 150000 Menschen umfassenden jüdischen Auswanderung aus Deutschland seit 1033 bewiesen werden, einer Auswanderung, die zwar zum Teil mit finanziellen Mitteln der ausländischen jüdischen Hilfsorganisationen, aber (mit Ausnahme von Palästina) ohne organisierte Bemühung der Finwanderungsländer selbst durchgeführt worden ist. Daran mußte sich der Hinweis auf die Notwendigkeit des Aushaus der Einrichtungen zur Vorbereitung der Auswandernden im Inland und Ausland durch verstärkte Zuführung zu den handarbeitenden Berufen anschließen. Von besonderer Wichtigkeit war das finanzielle Problem. Zu seiner Lösung ist infolge der rapide fortschreitenden Verarmung der Juden in IXuitschland, aber auch wegen der Beschaffung der für Einwanderung und Einordnung erforderlichen Devisenbeträge die Hilfe des Auslands in noch stärkerem Malic als seither notwendig. Am Beispiel des Palästina- und Altreu-Transfers konnte gezeigt werden, wie durch den Transfer von Eigenmitteln vermögender Auswanderer auch die Auswanderung minder- und unbemittelter Familien ermöglicht und gefördert werden kann. Schließlich wurde die Notwendigkeit sofortiger Ausarbeitungeines Auswanderungsplans und der beschleunigten Durchfiihning aller einzelnen Maßnahmen zur Verstärkung der Auswanderung mit besonderem Nachdruck betont. Die Delegation der Reichsvertretung hat diese Grundlagen für den erforderlichen Auswanderungsplan in einem mit statistischen Beilagen versehenen Memorandum zusammengefaßt, das der Konferenzleitung, einer Reihe von Regierungsdelegationen, sowie den großen jüdischen Hilfsorganisationen des Auslands (Council for German Jewry, lea, Joint und Jewish Agcncy for Palestine) überreicht und dessen Inhalt in eingehenden mündlichen Darlegungen ergänzt wurde. Mit den Vertretern der Israelitischen Kultusgemcindc Wien konnte zuvor festgestellt werden, daß man in der Beurteilung der Aufgabe vollständig übereinstimme und daß diese Übereinstimmung auch bei den Besprechungen zum Ausdruck gebracht werden solle. Besonders förderlich waren die Unterredungen mit den Vertretern der nord amerikanischen, der britischen und der französischen Regierung, den Herren Myron Taylor, Lord Winterton und Senator Berenger, sowie mit den Regierungsvertretern südamerikanischer Staaten. Dabei wurde die — inzwischen mit dem Sitz in London erfolgte — Gründung eines ständigen Ausschusses mit einem eigenen Büro in Aussicht gestellt, dessen Leiter mit den Regierungen der Ein- und Auswanderungsländer in Verbindung zu treten haben würde, um die praktische Arbeit, die au! der Konferenz selbst nicht zu leisten war, zu sichern. Von Nordamerika wurde die Gewährleistung der vollständigen Ausnützimg der Einwanderungsquote von über 27 000 Menschen im Jahr in Aussicht gestellt. Weitere konkrete Einwanderungsmöglichkeiten wurden mit den Regierungsvertretern von England, Frankreich und verschiedenen südamerikanischen Staaten erörtert. Von fast allen Seiten wurde darauf hingewiesen, wie wertvoll für Einwanderung und Einordnung landwirtschaftliche Berufstätigkeit sei, wobei das englische Kabincttsmitglied, Lord Winterton, die Leistungen der jüdischen Landwirte in Palästina warm anerkannte. Die gegenwärtigen Einschränkungen der Einwanderung nach Palästina seien auf die politische Lage zurückzuführen. Im Herbst, nach Vorliegen des Berichts der Teilungskommission, werde man sich über die Aulhebung dieser Einschränkung schlüssig machen können. Jedenfalls halte England an der B a I f o u r - De k I a ra t i o n fest. Zur Erörterung von Massensiedlungsprojekten kam es nicht. I>ie Schwierigkeiten, die allgemein in der starken Arbeitslosigkeit in aller Welt und in dem Problem des Verhältnisses zwischen" der Eingeborenen-Bevölkerung und der weißen Einwanderung in den Kolonien liegen, wurden nicht verhehlt. Es war aber nicht zu verkennen, daß die Aussichten, bald zu praktischen Ergebnissen zu kommen, im Laufe der Konferenz immer günstiger beurteilt wurden. Die Reichsvertretung und die Wanderungsorganisationen gewannen den Eindruck, daß sie mit dem bisherigen System der Förderung der Auswanderung und Auswanderungsvorbereitung auf dem richtigen Wege sind. Sie dürfen hoffen, daß die Tätigkeit des aus der Konferenz von Evian hervorgegangenen Ausschusses eine Intensivierung dieser Arbeit ermöglichen und zur Verstärkung und Beschleunigung des Auswanderungsprozesses führen wird. Unsere Gemeinde Auf das neue Verzeichnis ritueller Gaststätten im In- und Auslande, das soeben vorn Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser herausgegeben worden ist, sei auch an dieser Stelle hingewiesen Da die früheren Ausgaben durch das Erscheinen dieses neuen Verzeichnisses ungültig geworden sind, auch eine ganze Reihe von Änderungen bekanntgegeben werden, sollten alle diejenigen, die auf rituelle Beköstigung wahrend ihrer Reisen bedacht sind, das neue I leff zu Rate ziehen. Jüdische Gemeinschaftsspeisung. Eine Vorstandssitzimg des Isr. Wohltätigkeitsvereins am 18. Juli beschäftigte sich eingehend mit der Frage der weiteren Entwicklung der Speis eanstal t, die fast so lange schon wie die Isr. Religionsgemeinde Leipzig besteht, in heutiger Zeit aber sich immer mehr als eine der notwendigsten Einrichtungen innerhalb unsercrGcmeinde erweist. Während vor noch nicht langer Zeit die Küche täglich durchschnittlich 80—90 Personen zu versorgen hatte, ist die Zahl neuerdings auf 150—160 gestiegen und weist eine dauernd steigende Kurve auf. Mit immer zunehmender wirtschaftlicher Not, die viele Menschen dazu zwingt, ihre selbständige Wohnung aufzugeben, ist die billige Verpflegung in der Gemeinschaftsküche die einzige Möglichkeit, Menschen vor dem Hunger u schützen. Der Vorstand beschloß aus diesen Gründen, deren zwingender Notwendigkeit sich die Einsicht keines verantwortungsbewußten jüdischen Menschen entziehen kann, einen Appell zur Unterstützung der Spciscanstalt; jedes Gemcindemitglicd, das nur irgend in der Lage dazu ist, müßte durch Eintritt in den Verein oder Überweisung von Spenden die Er ha 11 II n g d e r Einrichtung unterstützen. Über eingehende Spenden soll regelmäßig in den Vcreinsnachrichteu Ausweis erfolgen. — Den anderen wichtigen Gegenstand der Tagesordnung bildete die Ergänzung des Vorstandes, die durch das Ausscheiden der Frau Hedwig Mathias notwendig geworden war. Der Vorstand setzt sich nunmehr aus folgenden Mitgliedern zusammen: Hugo Kaufmann (Vorsitzender), Frau Liesi] Goldschmidt (stellv.Vors.), Dr. Jonas Königshofen Werner L i e b e r g , Berthold Levy, Dr. Jakob B r a u d c , Frau Else Cohn, Gustav Katzenstein. Amtliche Bekanntmachungen Bitte. Wir benötigen für einen Auswanderer ein Feldbett (evtl. auch defekt) und einen Koffer. Freundliche Spender werden gebeten, unter Nr. 213 82 Meldung zu erstatten. Das Wohlfahrtsamt der israelitischen Religionsgcmcindc zu Leipzig. Gottesdienste Gemeindesynagoge. Freitag, 20.7.1038, Abendgebet 19 Uhr mit Predigt. — Sonnabend, 30.7.1938, Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 20,20 Uhr, anschl. Lehrvortrag, Abendgebet 20,53 Uhr. — Gottesdienst an Werktagen in der Ez-Chaim-Synagoge. Synagoge Ez Chaim, Otto-Schill-Straßc. Freitag. 29.7., Abendgebet 19.15 Uhr. Sonnabend, 30.7., Morgengebet 8.30 Uhr, Minchoh 17 Uhr, anschl. Schulchan-Aruch-Erklärung von Herrn Rabbiner Dr. Ochs. Ausgang 20.53 Uhr. Wochentags: früh 7Uhr, abds. 19Uhr. Talmud-Thora-Synagojje, Keilstr.4. Freitag, 29.7., abds. 19.30 Uhr. Sonnabend früh 8.30 Uhr, Miucha 17 Uhr, anschließend Mischnajit. Ausgang 20,53 Uhr. Wochentags: früh 7 Uhr, anschließend Mischnajir, abends 19,30 Uhr, anschließend Chaje-odom. Synagoge „Ohel Jakob", Pfaffendorfer Str. 4. Freitag, 29.7., Abcndg. 19.30 Uhr. Sabbat, 30. 7., Morgeng. 8.30 Uhr, Minchag. 17 Uhr. Abendg. 20.53 Uhr. Wochentags: Morgeng. 7 Uhr, Abendg. 19.30 Uhr. Personenstandsnachrichten Geburt: 23. Juni 1938 Joseph Eisenberg und Frau Hilde geb. Eckstein, Göllliser Str. 19, einen Sohn „Gideon". Todesfälle: 5. luli 1938 Hersch Weiser, Lessingstr. 29 (verst. in Magdeburg) 12. Juli 1938 üokia Rotcaig, Sedanstr. 28. 17. Juli 1938 Heinrich Steinert, Pfaffendorfer Str. 4. Aus dem Gemeindeamt Englischer Intensiv-Fortbildungskurs für Lehrer. In der Zeit vom 24. Juli 1938 bis 4. August 1938 findet in Stuttgart ein von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland-Berlin und vom Obcrr.it der Israel. Religionsgemeinschaft Württembergs-Stuttgart gemeinsam veranstalteter englischer Intensiv-Fortbildungskurs für Lehrer sta't. Als Teilnehmer sind Lehrer vorgesehen, die englischen Sprachunti rricht in Schulen und an Erwachsene erteilen. Einer kleinen Zahl vnn Lehrern kann evtl. noch die Teilnahme ermöglicht werden. Meldungen sind an den Oberrat der Israel. Religionsgemeinschaft Württembergs, Stuttgart-W., Königsstr. 82,1, zu erstalten. Affidavits. Der „Hilfsverein der Juden in Deutschland" teilt folgendes mit: Im Bereich des amerikanischen Generalkonsulats Berlin ist eine Stockimg in der Annahme neuer Einwanderungsanträ^e eingetreten, die einige Zeit andauern dürfte. Dagegen nehmen die übrigen Generalkonsulate im Rahmen ihrer Zuständigkeit weiter Affidavits entgegen. Einwanderung nach Bolivien. Der „Hilfsverein der Juden in Deutschland" teilt folgendes mit: Bisher war eine jüdische Einwanderung nach Bolivien nur in seltenen Ausnahmefällen möglich, da die Einreise von Juden offiziell als unerwünscht galt. Neuerdings hat aber — ohne daß die Gesetz« geändert worden wären — ein Umschwung in der Haltung der zu*

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