Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 26 (1.7.1938)
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHES üEMEl NDE BLATT LEIPZIG t. Juli 1038 / Nr. 2i. Im lahre 1037 wurden insgesamt 2584 Darlehen im Gesamtbeträge von 030 677 RM. gegeben, 1036 waren es 2620 Darlehen mit zusammen 911 597 RM. Es zeigt sich also auch hier, daß der Umfang der Tätigkeit trotz des starken Rückgangs der Zahl der Juden in Deutschland noch leicht zugenommen hat und daß somit die Kassen ihre Funktion weiter vollauf erfüllen. Einen interessanten Einblick in die Ansprüche, die an die jüdischen Darlehnskasscn gestellt werden, gibt die Statistik über die ürößenordmiag der Darlehen und die Berufe der Kreditnehmer. Beträge bis zu 100 RM. wurden gegeben (Vergleichs/ahlcn von 1030) in 25* der Zahl der Ge-amtausleihungen mit 5"/o des Gesamtbeträge; (23m bzw. 5*), Beträge von 101 bis 250 RM. in 28* der Zahl mit 14* des Betrages (30°,'o bzw. 16<>/o), Beträge von 251 bis 500 RM. halten die Spitze mit 29<y.) der Zahl und 31 "o des Gesamtbetrag« (30°o bzw. 34»/o). Von 501 bis 750 RM. sind die entsprechenden Zahlen 60;» bzw. 110/0 (8",o bzw. 15%), von 751 bis 1000 RAA. 8* bzw. 21* (60/0 bzw. 16<>'o) und über 1000 RM. 4»u bzw. IS* (3,v„ bzw. 14*). I>em Betragenach entfallen also auf Klcinkrcdite bis zu 500 RM. genau 50<yo der Gesamtsumme, während die Zahl der Darlehnsnehmer dieser kleinen Beträge 81°/o ausmachen, ein Verhältnis, das uns etwas ungünstig für diese Kategorie zu sein scheint. Die berufliche Aufgliederung zeigt, daß Händler aller Art darunter sehr viele Kleinhändler, Hausierer, Marktfahrer, an d e erste Stelle der Darlehnsnehmer getreten sind. Die Statistik weist nach: 39°,0 solcher Händler, ferner 12% Großhändler, 13* Handwerker, 17o/o Vertreter, 4* Angestellte, 2* Beamte, 4* freie Berufe, 3»o Hauseigentümer, 3* Gastwirte und Pensionen und 4",o Sonstige. Diese Zahlen sind nicht wesentlich verschieden von denen des Jahres 1936. Sehr erfreulich anzumerken ist, daß trotz der Verschlechterung der Verhältnisse die Überfälligkeit und Zweifelhafrigkeit der Außenstände nicht zugenommen, sondern sich eher rückläufig entwickelt hat. Das Gcsamtkapital, das in den jüdischen Darlehnskassen bilanziert ist, beträgt rund 1 250 000 RM. Die Zentralstelle arbeitet mit einem amerikanischen Kredit von rund 570 000 RM. Neben diesen Krediten haben die Darlehnskassen aus Mitteln der Reichsvortrerung (im Berichtsjahr 175 000 RM.) sog. Wirtschaftshilfskredite geben können. Das sind Kredite von regelmäßig nicht mehr als 200 RM. Im Einzelfall, die für produktive Zwecke ausgeliehen werden, wenn die Darlehnsnehmer die Bedingungen der allgemeinen Kredite (sog. A - und B-Kredite) nicht erfüllen können. In den ersten neun Monaten 1937 wurden von 23 Vergebungsstellen (ohne Berlin) 662 derartige Wirtschaftshilfskredite im Gesamtbetrage von rd. 92 000RM. neu bewilligt. Hier entfallen mehr als die Hälfte aller Kredite der Zahl nach auf Beträge bis zu 100 RM. und mir 25 Fälle gehen über 300 RM. hinaus. Der Durchschnittsbetrag eines Darlehns betrug 139 RM. Dem Berufe nach stehen auch hier Händler aller Art mit rd. 50" 0 der Gesamtzahl an erster Stelle. Einschließlich der im vierten Vierteljahr 1937 ausgegebenen 265 Hilfskredite mit zusammen 44 222 RM. sind 1937 insgesamt 927 Kredite bzw. 136 239 RM. ausgeliehen worden. End; 1937 standen bei allen Vergebungsstellcn (außer Berlin) 1688 Kredite mit einem Gesamtbetrage von rd. 216 000 RM. offen. Abschließend wird in dem Kapitel Wirtschaftshilfe noch die besondere Hilfe erörtert, die aus einem speziellen kleinen Fonds den Angehörigen der freien Berufe gewidmet worden ist, deren Notlage bekanntlich vielfach eine außergewöhnlich große ist. Man hat hierfür die Beihilfe für Arbeitsleistungen, teilweise auch direkte Auftragserteilungen, gewählt. Die Würdigung der Notlage dieser Menschen im Arbeitsbericht der Reichsvertretung verdient unsere volle Billigung; der Betrag, den man für derartige Zwecke aber vorgesehen und dann noch gekürzt hat, erscheint demgegenüber nicht angemessen. Judisches Lehrhaus Fortführung der englischen Sprachkurse. Nach dem folgenden Plan werden die englischen Sprachkurse an den aus dem Plan ersichtlichen Tagen fortgeführt Zur Erläuterung des Planes sei gesagt, daß dir Kurs a) fir Neuanfänger ist, während de bisnerigen Kursteilnehmer nunmehr für die nächsthöhere Stufe in Frage kommen (d.h. also bisherige Teilnehmer des a)-Kurses für den künf igen h)-Kurs, bshenge Teilnehmer des b)-Kurses für den küufligen c)-Kurs, usw.). Das Hörergeld für die Fortführung der Kurse beträgt wiederum RM. 6,—, Mitglieder von Jugendbünden zihlen gegen Vorlegung des Bundesausweis s de Hälfte, Arbeitslose gegen Vorlegung der Stempelkarte RM 1,—. Die Anmeldung muß bis spätestens 7. Juli 1933 erfolgen, u. zw. entweder durch persönliche Anmeldung im Gemeindeamt, Walter-Blümel-Str. 10, I, oder durch Oberweisung bzw. Einzahlung des Hörergcldcs un:er genau r An rabe des Namens und Anschrift des H irers auf Postscheckkonto Leipzig Nr. 505 33. Alsbald nach Eingang des H jrergeldes wird die neue Hörerkarte durch die Post zugesandt Dr. Neumann: Englisch ,,„. „.,. a) Für Anfängier ohne Vorkenntnisse: Dienstags 7,8—> j9 Uhr. Beginn: 12.7.1938. b) Für Anifängter mit einigen Vorkenntnissen (z. B. Hörer d.-s Anfängerlehrganges la des laufenden Semesters): Montags W,9 bis 10 Uhr. Beginn: 11.7. 1938. c) Für etwas Fortgeschritten« (z. B. Höier des Anfang rlehrganges Ib des laufenden Semesters): Dienstags VA9— »/«II Uhr, Begnn: 12. 7. 1938. d) Für Fortgeschrittene (z. B. Hörer des Lehrganges 1c des laifenden Semesters): Mittwoch >/48— '/,9 Uhr, ittginn: 13 7. 1938. e) Für einfachere Lektüre und Konversation treüiende Fortgeschrittene (z. B. Hörer der Lehrgänge Id und Ie des I tufend n Semesters): Mittwochs 1.9— '/t11 Uhr, Beginn: 13. 7. 1033. f) Für Lektüre und Konversation treibende Fortgeschrittene: Donnerstags i/.,9—10 Uhr, Beginn: 14. 7. M38. Sämtliche" Kurse finden zunächst im Sozialamt (Humboldtstraße 13) statt. Wegen der Verlängerung der übrigen Sprachkurse, des Kurzschrifllehrganges und des Buchführungskurses erfolgt noch weitere Bekanntmachung. Jüdische Zeitschau Zugehörigkeit zur jüdischen Religionsgemeinschaft. In einem Urteil vom 11. 4. 1938 hat das Reichsgericht erneut ausgesprochen, daß es für die Zugehörigkeit zur jüdischen Religionsgemeinschaft nicht auf die innere Einstellung des einzelnen, sondern auf objektive äußere Merkmale ankommt. In dem entschiedenen Falle hatte das Landgericht eine Reihe von Tatsachen, nämlich die Beschneidung, den Besuch einer jüdischen Schule, den Vermerk „mosaisch" auf einer Steuerkarte und die Unterstützung der Mutter des Angeklagten durch die jüdische Winterhilfe, für unerheblich erachtet und die Frage ungeklärt gelassen, aus welchen Gründen der Angeklagte für die Steuer der betn ffinden jüdischen Gemeinde für 1936 veranlagt wurde, nachdem dort seit 1934 eine Steuerkarte für ihn geführt wurde. Das Reichsgericht hat dieses Urteil aufgehoben und weitere Aufklärung darüber angeordnet, wie es zur Eintragung in d e Steucrliste der Gemeinde gekommen ist und ob der Angeklagte damit einverstanden war oder doch wenigstens von ihr Kenntnis hatte und sie ohne Widerspruch hatte bestehen lassen. Auf Grund der Klärung dieser Punkte soll entschieden werden, ob die Führung des Angeklagten in der Steuerliste und seine Veranlagung zur Steuer, sei es in Verbindung mit den sonstigen Tatsachen, sei es auch für sich allein, als ein ausreichendes Kennzeichen für seine Zugehörigkeit zur jüdischen Religionsgemeinschaft gewertet werden kann oder ob die Eintragung und Veranlagung zu Unrecht oder auf Grund eines offenbaren Versehens erfolgt sind und deshalb als Kennzeichen nicht in Betracht gezogen werden können. (Jüd. Rdsch.) Amerikaner für Judenstaat. Der amerikanische Außenminister Cordell Hull empfing eine Delegation des christlich-amerikanischen Pro-Palästina-Komitees unter Führung von William Green. Die Delegation übermittelte ihm den Wunsch nach freier Immigration nach Palästina und nach Errichtung eines jüdischen Staates auf dem gesamten Territorium Palästinas. Die Delegation wurde ferner im Weißen Haus und vom britischen Botschafter Sir Ronald Lindsay empfangen. — Der amerikanische Senator Dr. Royal Samuel Copcland ist in Washington im Alter von 79 Jahren gestorben. Copeland besuchte im Jahre 1936 Palästina mit einer Delegation amerikanischer Senatorer. und trat später warm für das jüd. Aufbauwerk ein. (J. R.) Kaschruth auf Schiffen. Es besteht Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß orthodoxe Auswanderer nicht Passage belegen sollten, ohne sich vorher bei dem zuständigen Rabbinat oder d-n unten genannten Organisationen über die Zuverlässigkeit des Kaschruth der Sclüffsverpflegung zu orientieren. Außer dem „Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser", Hamburg 13, Beneckestr. 2, sind folgend«" Organisationen zu Auskünften bereit: Landesorganisation der Agudas (isroei und Freie Vereinigung, Religiöse Betreuungsstelle, Fransurt a M. Friedbvrger Anlage 7; Agudas Jisroel, Berlin, Religiöse Betreuungsstelle, Johannisstr. 8. Judische Schulen Das Schulgeld für die Monate Juli und August 1938 ist bis zum 8. Juli 1938 zu bezahlen. Die Schulkasse befindet sich im Schulgebäude Gustav Adolfstraße 7 I. Während der Sommerferien ist die Kasse täglich vor 10 bis 13 Uhr geöffnet. Eingang durch das Hoftor. Leipzig den 1. Juli 1938 Israelitischer Schulverein Leipzig e. V