Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 22 (3.6.1938)
- Date
- 1938-06-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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3. Juni 1938 / Nr. 22 -ri||-'|(| Miau taichea Kütutknaek Qajfihh cUt hsagahasi— den Andacht vor der einzigen Erhabenheit des Weltenschöpfers und in Demut hinsinkenden Dankbarkeit der lobpreisenden Erschaffenen so hinreißend /um Ausdruck gebracht, daß er damit selbst die etwas weichliche Obersetzung Gcllerts, die er zugrunde legte, geadelt und in eine höhere Sphäre gehoben hat. Nicht der Dichter preist die Herrlichkeit der himmlischen Welten, sondern der Himmel und die Eeste, jene als fest gegründet gedachte blaue Wölbung Über uns, verkünden nach der Meinung des Dichters, wie (iott sie so wundersam gestaltet und angeordnet hat. Sie können die Frage Gottes an Hiob beantworten: „Wo warst du, als ich die Erde gründete? . . . Worauf wurden ihre Grundsteine eingesenkt? Oder wer hat ihren Eckstein gelegt unter dem Jubel aller Morgensterne, dein Jauchzen aller Gottessöhne?'' Nicht so sehr von der Schönheit des Himmelsgewölbes, sondern von dem Wunder seiner herrlichen Entstehung und Aufgabe erzählt das Gewordene, das Werk lobt den Meister. Der Tag und die Nacht vernehmen die Kunde und geben sie weiter. Tag und Nacht sind hier ganz persönlich gedacht, so wie sie auch Hiob (3, 4 ff.) dargestellt hat in der Erregung des Verfluchen: „Jener Tag sei finster, ihn möge Gott von oben nicht bedenken, und auf ihn strahle kein Licht. Zurückfordern möge ihn Finsternis und Todesschatten, es ruhe Über ihm Gewölk, ihn schrecke jegliche Verfinsterung des Tageslichtes. Jene Nacht entführe Dunkelheit, sie freue sich nicht unter den Tagen des Jahres, in die Zahl der Monde komme sie nicht! . . . Die Sterne ihrer Dämmerung mögen sich verfinstern, sie hoffe auf das Licht, und es komme nimmer, sie schaue nicht des Frührots Wimpern!" In unserem Palm wird sich nicht immer die feine Grenze feststellen lassen, wo mythisches Vorstellen und Glauben bereits geschwunden ist und eine rein poetische Anschauung uralte Formen des Ausdrucks nur eben bildhaft verwendet. Was der Himmel erzählt, ist kein Gesang, der nur dort oben ertönt in geheimnisvoller Weise und vielleicht nur von Auserwählten vernommen wild, alle Welt, so weit der Himmel reicht, kann ihn tönen hören, alle Welt kann Gottes Herrlichkeit immittelbar aus seinen himmlischen Werken erkennen. Es wird oft behauptet, dal! in den ersten Versen des Psalms jene verbreitete Anschauung von der tönenden Sphärenharnionie erklinge. Es ist kaum nötig, das anzunehmen, es erseheint sehr möglich. daß sie, wie eben angedeutet, geradezu abgewiesen wird. Wie im 'IT. Psalm die Himmel mit Blitz und Donner Gottes Gerechtigkeit verkünden »und alle Völker erkennen seine Herrlichkeit", wie im Beruflingskapitel des Jesaja die Seraphim, die (iottes Heiligkeit preisen, seine Herrlichkeit aus der Fülle der irdischen Schöpfung rühmen, wie ein Blick auf die göttliche Hoheit am Himmel selbst Kinder schon zur Verehrung treiben muH (nach Psalm 8. 2 und 1), so wird auch in unserem Psalm eine Kunde gemeint sein, die aus Unmittelbarer Anschauung jedem Fühlenden ins Herz, strömt. Von allen Himmelskörpern wird in dem hier bruchstückartig erscheinenden Lied der strahlendste von allen, der Sonnenbad Seht WUSCH ist im I lebräischen männlich besungen. Auch in diesem Stflck mögen uralte Vorstellungen mitklingen (man will neuerdings sogar einen gewili sehr zeitenferucn Mythus, wie /:'/ sich mit der Sonne vermahlt, BUS den Versen heraushören!), eine entscheidende Rolle spielen sie nicht, sicherlich nicht mehr zur Zeit der schriftlichen Oberlieferung; vielleicht haben sjc einmal die Ausdrucksweise geformt, jedenfalls sind dann doch nur die Reste dieser Formen in der neuen dichterischen Sprache mitverwendet. Dem Sonnen jüngliog ist wie irdischen Majestäten ein Prachtzell errichtet, vielleicht denkt man au das gestirnte Himmelszelt. Nachts erwartet ihn die liebende Meeresgöttin in diesem Brautgcmacll. Im unterirdischen Meer, unseren Blicken verborgen, fahrt der Sonnenbad vom Westen zum Osten wieder hin. Das klingt in allerdings sehr zarten Fönen vielleicht hier und da im poetischen Bilde an, Glaubensvorstellung ist es längst nicht mehr. Für da- Verständnis des Psalms ist es bedeutsamer, sich zu vergegenwärtigen, in welch üppigerer Farbenpracht die Sonne im heiligen Fände erstrahlt als in unserer Landschaft. Glühend rot ein gewaltiger Ball steigt sie hinter den Bergen des Ostjordanlandes Jüdische Zeitschau Ein Werk jüdischer Selbsthilfe. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland ruft in diesen lagen zu einer internen Aktion auf, deren Inhalt und Form allgemeine Beachtung verdienen. Die Exekutive der Zionistischen Organisation hat jeden Juden, der in ihren Reihen steht, verpflichtet, das Einkommen von drei Arbeitstagen zu opfern, um 'Limit die Inangriffnahme eines groben Arbeitsbcschaffungsplanes in Lrez Jisrael zu ermöglichen. Der Ausführung dieses Beschlusses dient die Aktion „Mifdeh Zioni". Wenn auch gerade in den letzten Wochen allenthalben eine stärkere Zuversicht spürbar ist, daß der schmerzvollen Übergangszeit in Palästina bald ein neuer Aufstieg folgen weide, so liegen die Folgen der Unruhen doch schwer auf dem Wirtschaftsleben des Landes und müssen so rasch als möglich überwunden werden. Die normalen Eingänge des Keren Hajcssod und des Keren Kajemeth Lejisrael reichen für diese /wecke nicht aus; denn Neukolonisation und Bodenerwerb dürfen nicht einen Tag aussetzen. Nachdem die Arbeiterschaft und der Mittelstand des jischuw in Palästina durch die Aktionen „Pidjon otlsr—(noch—weiter—wrftcU) hinter den weiten Wüsten flächen auf Wieviel brennender trifft ihr Mittagsstrahl, und mit welch hinreißend majestätischer Glut senkt sie sich scheidend ins Mittelmeer! Jeden Morgen gibt sie ein Bild erfrischter, fröhlicher, männlicher Tatkraft, und jeden Abend weckt sie die Hoffnung, uaß ihr sieghaft führendes Hekleudascin nach beglückter Rast aufs neue erstrahlen wird. Und wie die Sonne mit ihren feurigen Blicken alles trifft auf ihrer Bahn, wie sich vor ihrem durchdringenden Schein nichts verbergen kann — „nur Helios vermag's zu sagen, der alles Jrdische hescheint" , so spürt auch alles jeden leuchtenden Tag die Herrlichkeit Gottes. So ist der Sonnenhymuus innerlich eng verbunden mit den ersten Versen des Gedichtes. Man kann natürlich bei eifrigem Harinonisierungsbestreben das nun folgende Stück, das sprachlich und rhythmisch ganz anderer Art ist, inhaltlich mit dem voraufgegangenen in Beziehung setzen: Der Ruhm Gottes aus der erschaffenen Natur und der Ruhm Gottes (noch höherer Ruhm!) aus seiner Offenbarung. Man mag au jenes berühmte Wort Kants denken: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir." Freilich ist hier nicht von dem moralischen (iesetz im Menschen die Rede, sondern von der offenbarten Thora. Man sieht ihn vor sich, den Frommen nicht unähnlich jenem Thoraschreiher, den Josef Israels Kunst uns so lebendig vors Auge gestellt hat , der sich beglückt fühlt, weil er die herrlichen Lehren zu durchdenken und ZU befolgen sucht. Lr kann sich in ihrem Preise gar nicht genug tun. Ist jüdischer Dichtung das doppelte Anklingen der Gedanken eigen, so läßt er den Ruhm der Thora in sechs ähnlich gebauten Versen wiedertönen. Mag man auch kleine Unterschiede in den Bezeichnungen finden, im Grunde genommen ist's doch die Thora, die gemeint ist, ihr wird sechsmal eine herrliche Eigenschaft zugeschrieben, aus der immer etwas Erfreuendes und Erhebendes folgt, und zusammenfassend wird sie dann noch einmal im Vergleich über das Kostbarste und Süßeste weltlicher Dinge gestellt. (Aus den Waben fließender Honig galt als der köstlichste.) Vortrefflich in seiner herzlichen Naivität ist der Übergang von der Betrachtung der Herrlichkeit göttlicher Feinen zum Gebete. Auch „dein Knecht" nimmt es mit ihnen genau und weiß von sich selbst, wie glückbringend die Beobachtung der Weisungen ist. Aber er möchte sich noch gesicherter fühlen. Kann er nicht, ohne es zu wollen und zu wissen, etwas Unrechtes begangen haben oder in Zukunft begehen? Auch vor Verführung möchte ei gern i'cschützt sein. Da sind jene Übermütigen, jene weltkundigen Spötter, die, wie wir aus anderen Psalmen wissen, die armen Frommen, die Anawim und Aniiira, mit ihrer äußeren Überlegenheit so oft in die Enge treiben. Mögen sie nur keinen Einfluß auf ihn gewinnen, dann ist er dessen gewiß, daß er jedenfalls von schweren Sunden freibleiben wird. Ähnlich wie der Opfernde im Tempel um gnädige Aufnahme seiner Gebete bittet, so sehließt der Dichter sein sinniges Qedicht zur Ehre Gottes und seiner Thora, das er mit ganzer Hingabe \ erfaßt hat, mit dem Gehet um wohlgefällige Aufnahme. In dem ersten Gedicht hallt weithin ein Ton des I lohen und Erhabenen, und allmenschliches Empfinden äußert sich voll demütiger Bewunderung, im zweiten spricht sich das stille Glück des jüdischen Frommen in rührender Innigkeit aus. Wie sind diese beiden Gcdichti zusammengekommen? In welcher Absicht sind sie zusammengestellt? Sicheres läßt sich darüber nicht sagen. Vielleicht ist das erste Stuck, das, soweit es uns erhalten ist, in einen bewundernden S iiiiuuhymnui mündet, nur durch die Verbindung mit einem Fiede, das die Sonne der judischen Frömmigkeit preist, für würdig befunden worden, in die Sammlung religiöser Lieder aufgenommen zu werden. Den modernen Leser fesselt nur dieser erste Gesang, aber ein vortrefflichei Bild altjüdischen Olaubenslebens gibt uns doch auch das Thora-Lied Iii ihm wird offenbar, welches Glück der Manu empfand, der an nichts anderes dachte, als die überlieferten Lehren zu erforschen lim! zu ei füllen, dem dieses Vätcrerbe keine drückende Last, wie so oft behauptet wird, sondern einzig beglückende, Segen verheißend) Pfli' Itthctätiguiig und Lust der Seele war. Awodah" und „Mifdeh Esrachi" beträchtliche Anstrengungen gemacht haben, um im Wege der Selbsthilfe das wirtschaftliche Leben zu konsolidieren jeder Arbeiter hat den Ertrag von IS Arbeits tagen geopfert soll der „Mifdeh Zioni" den Beweis erbringen, daß auch die Zionisten außerhalb Palästinas das Werk des liscOUW solidarisch unterstützen. — Wie wir hören, hat die Durchführung des „Mifdeh Zioni" in allen Zionistischen Ortsverbänden im Reich begonnen. Unsere Gemeinde. Landwirtschaftliche Hachscharah. Die Landesorganisatioti der Agudas Jisroel in Deutschland teilt mit: Wir haben jetzt eint Möglichkeit, orthodoxen Menschen, gleichgültig welchen Alters, Gelegenheit zu einer gediegenen zweijährigen Ausbildung in allen Zweigen der Landwirtschaft innerhalb Deutschlands zu geben. Eine solche Ausbildung erleichtert eine spätere Auswanderung in erheblichem Maße. Es handelt sich um einen landwirtschaftlichen Großbetrieb, in dein die Anleitung der Praktikanten sowohl manuell wie auch theoretisch durch fachmännische Lehrkräfte erfolgt. Es ist dabei auch