Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 20 (20.5.1938)
- Date
- 1938-05-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seil 2 JÜDISCHES (i LM El N DE BL ATT LEIPZIO___ 20. Mai IW Nr. 2.; muß In diesem Sinne aufklärend zu wirken, auch die etwa Klar ausgeprägten Neigungen der Jugendlichen zu ermitteln und ihnen Wege zu ebnen, i?>t Aufgabe der Erziehung. Sie muH weiterhin einer sichtbar werdenden Entwicklung entgegenarbeiten, die den Weil der Bildung unterschätzt: die lugend tendiert dahin, nicht nachdenken zu wollen; Verflachung des Qeistes, Vergröberung des Qefühls müssen als eine Gefahr für die Zukunft und erst recht im fernen Lande erkannt werden. Ungenügende geistige Rüstung und charakterliche Festigung wurden seelische Einsamkeit im Auslande /nr Folge haben und leicht junge Menschen auf dumme und gefährliche Oedanken bringen. Es kann bei der Betrachtung jüdischer Gegenwartsfragen nicht anders sein, als dall immer wieder das religiöse Problem auftaucht Trank kann /war ein .Wehr an jüdischem Wissen feststellen (da hat die jüdische Sehlde begonnen, manches zu bessern); eine positive Stellung zum Glauben nimmt die Jugend jedoch auch heute noch nicht ein. Dtl drohenden Gefahren, denen unsere fugend und imsen I amilie ausgesetzt sind, würden leicht abzuwenden sein, wenn es gelänge, diese positive Stellung zu erreichen. Eine Aufgabe, an der unsere Erzieher das sind nicht nur die Lehrer und die Führer der Bünde, das sind vor allem auch die Litern nicht vorübergehen dürfen: es geht um die Zukunft ihrer eigenen Kinder. Wer sich mit Emst daran macht, religiöse Erkenntnis zu erneuern, wird sie finden; wird zur Bibel, zur Lehre, zum (leset/ und damit auch zum Glauben an die Offenbarung gelangen. DaO dies unbedingte Notwendigkeil ist, wird jeder erkennen, der sich durch die Situationsbilder dieser Hefte, deren Ausführungen hier nur mit knappsten Strichen angedeutel weiden konnten, unserer heutigen jüdischen W irklichkeit zur Konfrontation stellt. Gustav Cohn. Walter Metzner. Anläßlich der Auswanderung des bisherigen Wohlfahrtsdezernenten unserer Gemeinde. Herr Walter Metzner, der seit Anfang 1934 das Vorst an dsdezernat des Wohlfahrtsamtes innehatte, ist Mitte Mai 1<HS aus seinem Ehrenamt ausgeschieden, um sich und seiner I amilie in Obersee eine mue Existenz zu gründen. Bereits in der letzten Oemeindesitzung sprachen ohne Unterschied der Richtungen Vorstand und Verordnete unserer Gemeinde Herrn Metzner für seine aufopfernde und kluge Tätigkeit den herzlichsten Dank aus. Herr Metzner hat das in Leipzig seit jeher besonders schwierige judische Wohlfahrtsdezernal in einer Zeit übernommen, in der die fürsorgerischen Aufgaben für die jüdische Gemeinde von Tag zu lag schwerer /u losen wurden. Herr Met/uer verstand es in dieser Notzeit, der stets sinkenden I inan/kraft der (iemeinde und der fast Sprunghaft Steigenden sozialen Anforderungen an sie, die leider nur bescheidenen für Wohlfalirtszwecke zur Verfügung stehenden Qemeindemittel dort einzusetzen, wo dringendste Notstände zu beseitigen waren. Die Beschränktheit der Geldmittel ließen und lassen es in unserer (iemeinde nicht zu, so umfassend fnrsorgerisch zu helfen, w ie der (icmcindcvorstaiid und vor. allem Herr Mctzucr selbst es gewünscht hatten. Um so größer waren die Anforderungen an das soziale Wissen und an das Verantwortungsgefühl des \\ ohlfahrtsdezerneilten bei der Auswahl der fürsorgerischen Gebiete, denen in erster Linie die .Wittel zuzuwenden lind. In uiiseier Übermäßig proletaiisierten Qemeinde hat es Herr Metzner verstanden, gerade bei den Lebensgrundhgen mit seiner Hilfe einzusetzen, und hat deshalb vor allem versucht, im Wege der (lesundheits- und Erholungsfürsorge. der Wohnungsfürsorge und der Krankenfürsorge die hygienischen Grundbedingungen jeglichen Lehens bei den Armen und Ärmsten unserer Gemeinde soweit mir irgend möglich /u bessern. Daruber hinaus war sein sozialer und wirtschaftlicher Scharfblick stets bereit, die Ausgabenwirtschaft des Wohlfahrtsamtes so zu gestalten, dali neu auftretenden Notstandeil wirksam abgeholfen werden konnte, ohne dall die Steuermittel der (iemeinde über den Kabinen des Haushaltplaiies hinaus in Anspruch genommen werden mußten. Neben seiner eigentlichen Arbeit als Wohlfahrtsdczcrncnt stand die für die Erhaltung kleiner und mittlerer Existenzen so segensreiche I ätigkeit als verantwortlicher Leiter der Darlehenskasse unserer (iemeinde. Und Schließlich verdient hervorgehoben zu werden, daß das für unsere (iemeinde völlig neue Werk der Jüdischen Winterhilfe von Herrn Metzner von Grund auf neu eingerichtet Und durchgeführt wurde, dali er als Leiter der Judischen Winterhilfe in Leipzig wirklich die Seele des gesamten Hilfswerkes war, ob es sich nun um die Beschaffung von Lebensmitteln und Kleidungsstücken im die Wmterhilfsbetreuten handelte, ob es die lebenswichtige Frage der Spendenwerbung betraf oder ob es irgendeine kleine Einzelheil der Verwaltungsmäßigen Organisation von Spendensammlung und Spendenverteilung gewesen ist. Dall die Judische Winterhilfe in Leipzig für sich in Anspruch nehmen kann, ein wirklich gutes Werk zu leisten, ist vor allein ihrer Führung durch Herrn Metzner zu verdank eu. Diese kurze Skizze der Bedeutung von W alter Mctzucr flu die jüdische soziale Arbeit in Leipzig zeigt, welch schwerer Verlust für den (Iemeindevorstand und für die jüdische (iemeinde seine Auswanderung ist. Vorstand und Verordnete wissen sich mit allen Qemcindeillitglicdcrn darin einig, dall sie Walter Metzner wärmsten Dank selmlden und dall sie von ganzem Herzen ihm und seiner I amilie im neuen Lande für das weitere Leben alles Gute wünschen! Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeindc zu Leipzig. Unsere Gemeinde. Julius Eolmann. Noch ein Abschied von Leipzig. Vor einigen Tagen ist Herr Julius Folmann aus dem (iemeinde heilst ausgeschieden, um sieh jenseits des Ozeans eine neue Existenz aufzubauen. Heu Folmann entstammt einem frommen Hause und hat nach vorübergehendem Besuche der öffentlichen Volksschule die Höhere israelitische Schule besucht, dort die mittlere Reifeprüfung und danach die Maturitätsprüfung abgelegt Danach ist er zunächst als Lehrling in den Gemeindedicnsl getreten und wurde dem Wohlfahrtsamt zugeteilt, in welchem ihn Neigung und Umstände auf die Dauer festhielten. Seine l rziehung hatte es ganz von selbst mit sieh gtbracht, in ihm jenes starke soziale Empfinden /ii wecken und auszubilden, das dm befähigte, in liebevoller Weise auf alle Nöte und Sorgen des s, iner I ursorge anvertrauten grollen l'crsoncnkrciscs einzugehen. Ii hat seine Tätigkeit bei der (iemeinde im April 1926 begonnen und seit sieben Jahren die erste Stelle in deren \\ olll- Fahrtsamt bekleidet so aufreibend der Dienst mitunter auch gewesen ist, so s,,h man ihn doch seinen Sehnt / In fohlen eil gegenüber nie ungeduldig oder gereizt. Dieses menschlich schöne Verhalten hatte ein vollkommenes Vertrauensverhältnis zwischen Pfleger und 15ctreuten zur I olge. Auch die jüdischen W ohlfalutsorgauis.itioncn unserer Gemeinde standen stets im besten Einvernehmen mit Herrn Folmann, woraus sich auch eine für die Qemeinde sehr ersprießliche Zusammenarbeit in der gesamten Wohlfahrtspflege ergab. Alle Zweige der Wohlfahrtspflege lagen Herrn Folmann in gleicher Weise am Herzen, sei es die Not der Erwerbslosen, die Hinfälligkeit des Alters, die Schwäche der Kranken oder sonstiges soziales Elend, an dem ja in unserei Qemeinde leider kein Mangel ist. Wenn er einem Zweig besondere Liebe entgegenbrachte, so war es die Fürsorge für die Jugend, der er sieh am liebsten ganz gewidmet hatte. Die viehn Pläne, die m unserer (iemeinde in bezug auf eine weitere Ausdehnung des Kähmens unserer Wohlfahrtspflege im Laufe der Jahre erörtert worden sind, mußten leider au der Härte der Umstände scheitern. Behl zum Kummer des Herrn Folmann, dessen Ideal immer ein Neuaufbau war. Die (icineüidcvcrwaltung hat den Eifer und die Liebe zur Sache, die Herr Folmann seiner Arbeit entgegenbrachte, stets zu würdigen gewußt; seine Leistungen wurden voll Vorstand und Verordneten stets dankbar anerkannt. Obwohl der Zeitpunkt der Abreise zunächst nur ganz wenigen bekannt war, fanden sich doch bei derselben Hunderte von dankbaren üemctndemttgticdcrn ein, die Herrn Folmann und seiner OattJri ihre herzlichsten Wünsche mit auf den W eg geben wollten. .Wogen sU in reichem Malle in Erfüllung gehen! „1dl mit'n Fidl". Der erste jüdische Spielfilm. Molly Picon, die Hauptdarstellerin des Films, der gegenwärtig im Beiliiiei Kulturbund läuft, hat im New-Vorkcr Public-1 heatcr in „Bublitchki" einen grollen Erfolg zu verzeichnen. Nach dem Echo des Films in London und Amerika erhielt die Künstlerin Engagements an das Londoner Kolosseum. Der Film läuft in Leipzig, wie bereits an dieser Stelle angekündigt, im Kulturbutidtlieatcr, lauchaer Str. 32 am Sonnabend, den 2S. Mai, 21 I hr It, Montag, den 30. Mai P» IL 21,15 Uhr. u Dienstag, den 31.Mai, l9u.2l,15Uhr Numerierte Eintrittsk. (R.W —,10 Vorverkaufsgebühr] von WM - ,90 bis 1,50 in den Vorverkaufsstellen. Alles iSähcrc siehe heutige Anzeige. Palästinaspenden anläßlich des Schmitto-Jahres. Gerne geben wir einer an den (iemeindevorstand ergangenen Anregung Kaum, wonach der l rlös aus Synagogenspenden und Mizwothverkauf beim Thoraaufruf Paiscli.it llili;r (211. Ijar 21. Mai) für die Arbeiter und Kolonisten in Palastina, die die Schmittogesetzt beobachten, bestimmt werden soll. Es wird um möglichst hohe Spenden wie auch um Beteiligung an der Sammlung für diesen Zweck seitens jener (iemeindeniitglieder gebeten, die keine Gelegenheit haben, au diesem Sabbat zur Thora aufgerufen zu werden. Die Zuwendungen werden auf das Postscheckkonto Keren hajiscliuw Berlin 178611 mit dein Vermerk ,,l ür Schmitto" erbeten. Besuch des Leipziger Generalkonsuls der Republik Polen im Ariou Itscll-Altersheim. Der Vorstand der Ariowittctl-Stiftung teilt mit, dall Herr Generalkonsul Feliks Chiczewski samt mehreren