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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1938-05-13 · 19 (13.5.1938) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
14 (1938)
Issue
19 (13.5.1938)
Date
1938-05-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 13. Mai 1938 / Nr. 19 noch Jizchak Rabiuowicz und manche andere schönen) lehnten möglichst jede Berührung mit der amerikanischen Umwelt ab. Anders die Vertreter der um 1903 einsetzenden Epoche, in der sich die neuhebräische Dichtung im Lande des Kolumbus vom osteuropäischen Mutterboden ablöste und das Qlück wahrnahm, den Aufstieg von Bialik, Tschernichowski, Schnöur, Schimanowitz, Fichman und Cohen ZU erleben. War in deren Werken der Reichtum an Qehalt und die Fülle von Schönheit überwältigend, so knüpften jetzt die Dichter jenseits des Ozeans an altamcrikanischc Stoffe au und lieben sich zugleich von amerikanisch-englischer Lyrik (Walt Whitman und Sandourg; Shelley und Oskar wilde) beeinflussen. Ja man könnte in manchen ihrer Dichtungen etwas von puritanischer Strenge und Einfachheit wiedererkennen. Zuerst schenkte uns Benjamin N. Silkiner sein Epos „Beim Zelte des Timura", Efraitn A. Lisitzki: Die verlöschenden Feuerbrände und Israel Efros: Die schweigenden Hutten (wigwams schotkim); alle dem Indianerleben entnommen, z. T. in Hexametern abgefaßt. Sodann bereicherten dieselben Dichter, vorzüglich aber Efros die moderne Lyrik um köstliche Perlen In hebräischer Fassung. Efros ist auch im Lehramte tätig; sowohl Doktor der Philosophie der Universität Columbia, als ortlinierter Rabbi der Jeschiba R. Jizchak Elchauan. Man verdankt ihm auch ein engl.-hebr. Wörterbuch und eine hehr. Übersetzung des Hamlet. Wenig an vielseitigem Talent gibt ihm Dr. Simon Ginzburg (vom Dropsie-College in Philadelphia) nach; er dichtete den Zyklus: „Die Liebe des llosea", und verfaßte ein mehrbändiges Werk über Mose Chajjim Luzzato. Es schlichen sich an HilleI hallabli. heute Lektor für hehr. Sprache und Literatur am Lehrerseminar in New York, Obersetzer von Oliver Twist; hervorragender Lyriker von heiterer Lebensauffassung; und ihm gegenüber der grüblerische, philosophisch angehauchte Simon Halfan, der jetzt Dozent in Tel Aviv ist und dem, außer herrlichen Gedichten, klassisch schöne Übertragungen aus dem Englischen verdankt werden. Zu den jüngeren Talenten und grollen Hoffnungen rechnet man Ahr. Regelsolin, Baruch Katznelson, jizchak Silberschlag und Gabriel Preil; sowie den schon im Lande geborenen Ruhen (irollmaun. Was alle diese ueuhebräischen Schöpfungen jenseits des Ozeans so besonders wertvoll macht, ist: sie finden heute in der amerikanischen Judenheit ein grobes, innerlich interessiertes, noch täglich wachsendes Publikum. Kaum Palästina selbst kann damit wetteifern, wo die eigentlich schöne Literatur insbesondere die Lyrik zugestandenermaßen geringen Widerhall findet. Uns aber darf es zur Genugtuung gereichen, daß aus demselben Lande, dem eine nie versagende, materielle Hilfe in so vielen Nöten entströmt, dem Judentums auch so viel neue, geistige Schatze geschenkt werden. Weizmann in seinen Reden und Aufsätzen In einer seiner Reden schildert Weizmann eine grandiose Vision, die er erlebt hat. als er auf einer Reise durch die Wüste Emir Feiaal besuchen wollte: „Wie der alte Abraham näherte ich mich dem lande, das Gott seinem auserwählten Volk versprochen hat. Und wie er kam ich durch das Land Moab, um Besitz zu ergreifen. Damals versanken zweitausend, dreitausend Jahre. Ich fühlte, ich wußte, es war gestern, dall ich das Land besessen hatte; es war erst gestern, dall unser Urvater Abraham diesen Boden betrat und sich auf den Weg seines Volkes begeben hatte unter der Führung Gottes mit seinem Segen. Und damals fühlte ich, all die Jahre unseres Exils, all die Länder, in denen wir gewohnt, all die Leiden, die wir ertragen hatten, waren wie nichts. Der Abgrund war überbrückt. Dies war das Heim: tlies war die Verheißung und die Erfüllung, dies war die Gewißheit." In diesen ergreifenden Worten offenbart sich das Urerlebnis, das Orundgefühl, das Weizmann befähigte, das grobe Endziel, das er sich vorgesetzt hatte, allen Widerständen zum Trotz niemals aus dem Auge zu verlieren. Man weiß nicht, was man bei der Lektine seiner Reden und Aufsatze, von denen Gustav Krojanker die wichtigsten und eindruckvollsten in einem umfangreichen Bande (Chaim Weizmann: Reden und Aufsätze. 320 Seiten in Ganzleinen R.W. 5,80, Berlin, Jüdischer Buchverlag Erwin Löwe, 1038) gesammelt hat, mehr bewundern soll; die gigantische Arbeitskraft des Mannes, der unermüdlich durch die ganze Welt reist, um uberall, wo er gebraucht wird, für seine Idee, den Zionismus, zu werben und zu wirken, der heute vor Millionären, morgen vor gesetzestreuen Juden, übermorgen vor Arbeitern mit immer gleicher Frische und Beweglichkeit erscheint, um immer das zündende, das aufrüttelnde und aufrichtende Wort zu finden oder die geistige Spannkraft, die Staatsmännische Klugheit, die diplomatische Feinfühligkeit, die er in den Verhandlungen mit den Großen dieser Erde im Dienste von Erez Israel einsetzte. Ja, Weizmann gehört zu den wahrhaften Staatsmännern, an di neu das jüdische Volk aus begreiflichen Gründen nicht reich ist. Seine staatsmännische Aufgabe erblickt er darin, unbeschadet des letzten Zieles, das ihm vorschwebt, mit unsäglicher Geduld und Zähigkeit aus den gegebenen Verhältnissen das Erreichbare zu verwirklichen. Diese Ruhe und Kaltblütigkeit ist ihm von seinen Gegnern als Defaitismus und Mutlosigkeit ausgelegt worden. Immer aber hat er seinen Standpunkt mit erfrischender Deutlichkeit in wirksamer Dialektik vertreten. Wie überhaupt in seinen Reden und Artikeln Witz, Humor, Schlagfertigkeit eine grobe Rolle spielen. Aber dabei ergreift er die Menschen bis ins Innerste, weil sie spüren, daß all sein Scharfsinn, seine außerordentliche Denkkraft nur von derWarmherzigkeit und der Gerechtigkeit uberboten werden, die diesen seltenen Mann auszeichnen. Man nehme dieses Buch zur Hand und man wird alles dieses bestätigt finden. Aber auch rein sachlich zum Verständnis der Vorauszahlung auf die Gemeindeanlage 1938. Wie bereits unmittelbar nach dem Bekanntwerden des die jüdischen Gemeinden betreffenden Reichsgesetzes vom 28. März 1938 von der Reichsvertretuno; der Juden in Deutschland mitgeteilt wurde, hat sich durch dieses Gesetz an den Pflichten und Rechten der Gemeindemitglieder gegenüber den jüdischen Gemeinden nichts geändert. Dit inzwischen erfolgte Klärung der Verhältnisse hat die Richtigkeit dieser Mitteilung erwiesen. Die Gemeindemitglledei sind also genau wie bisher rechtlich verpflichtet, die von den Gemeindekörperschaften ordnungsgemäß festgesetzte Gemeindeanlage pünktlich zu entrichten. Die Festsetzung des Satzes der Gemeindeanlage 1938 kann jedoch erst erfolgen, wenn die erforderlichen Untet läget; vorliegen. Dies ist noch nicht der Fall, deshalb wird zunächst — wie in den Vorjahren — eine Vorauszahlung aut die Gemeindeanlage 1938 erhoben. Sie beträgt ein Drittel des Gesamtbetrages der Gemeindeanlage 1937 und ist am 16. Mai 1938 fällig. Die Fälligkeit weiterer Zahlungen wird noch bekanntgegeben. In den später zu erteilenden Veranlagungsbescheiden wird die Gesamthöhe der Gemeindeanlage mitgeteilt; die geleisteten Vorauszahlungen werden in Anrechnung gebracht. Wenn in diesen Tagen Gemeindemitgliedern Vorauszahlungsbescheide zugehen, in denen als Fälligkeitstag der 2. Mai 1938 und als Absendetag ein Datum im April 1938 enthalten ist, so wird durch diese Bekanntmachung der int Vorauszahlungsbescheid enthaltene Fälligkeitstermin abgeändert in den 16. Mai 1938. Als Absendetag dagegen gilt das Datum des Poststempels. Die Notwendigkeit der Einsparung von Zeit und Geld veranlaßt uns, von einer Berichtigung jedes ein/einen bereits früher versandfertig gemachten Vorauszahlungsbescheides abzusehen. Wir ersuchen die Gemeindemitglieder dringend um pünktliche und vollständige Entrichtung der Vorauszahlungen. Die Einzahlungen können werktäglich von 9.30 bis 13 Uhr an der Gemeindekasse, Walter-Blümel Straße 10, I. Etg., erfolgen. Außerdem ist Überweisung des Vorauszahlungsbetrages unter Angabe der Gemeindesteuernummer auf das Postscheckkonto Leipzig Nr. 50533 sowie auf die Bankkonten: Stadt- und Girobank Leipzig; Commerz- und Privatbank Aktiengesellschaft Filiale Leipzig; Handelsbank Iwria e.G.m.b.H. Leipzig Cl, Ritterstraße 23—29 (Ölßnershof); Bankhaus Kroch jr., K.G.a.A., Leipzig Cl, Goethestraße 2, zulässig. Leipzig, den 2. Mai 1938. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig.

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